Singen vor 18 000 Zuschauern! 

Ich durfte bei dem Pop-Oratorium „Luther“ mitwirken. Zusammen mit 2500 Chorsängern

11.2. war es soweit. Schon morgens um 9 Uhr trafen wir uns an der Bushaltestelle auf dem Salzert. Wir, das sind die Sängerinnen und Sänger des Chor AufTakt sowie einige „Fans“ also Familienmitglieder, die sich die Aufführung in Mannheim ansehen wollten. Eine Chorkollegin begrüßte uns schon mit „Ich bin so aufgeregt!“ Aber ich war noch recht gelassen. Meine Sorge war nur, dass sich ein paar Leute verspäten könnten und sich unsere Abfahrt dadurch verzögern würde. Doch diesmal war das erste Mal, dass wirklich alle pünktlich da waren.
Die Stimmung während der Fahrt war recht gut und entspannt. Vereinzelten Personen merkte man die Nervösität aber an, da sie plötzlich erheblich mehr redeten als sonst.

Pünktlich wie geplant kamen wir in Mannheim an der SAP Arena an und die meisten von uns waren überwältigt von der Größe des Gebäudes. Vielen wurde da erst der Umfang des Events bewusst.

Am Eingang zur Halle hiess es erst mal Schlange stehen, denn es wurde strikt kontrolliert, dass nur Sänger mit Ausweis rein kommen und wie es sich für so eine Grossveranstaltung gehört, wurden die Taschen auf Glasflaschen und andere gefährliche Gegenstände kontrolliert. Für ein paar unserer älteren Mitsängerinnen war das eine völlig neue Erfahrung, weil sie so etwas großes noch nie mitgemacht haben und dementsprechend waren sie etwas ängstlich. Doch wir nahmen ihnen die Bedenken, indem wir ihnen versprachen in ihrer Nähe zu bleiben. Und in einer Gruppe von Leuten, die man gut kennt, braucht man auch zwischen 2000 Fremden keine Angst zu haben.

Um genau zu sein waren für diese Aufführung 2178 Sängerinnen und Sänger angemeldet.Über 2000 Leute, die alle gleichzeitig Garderobe abgeben und auf Toilette wollten… Das gab kurz Gedrängel, aber das war ja zu erwarten und nicht weiter schlimm.

Die meisten von uns waren das erste Mal in einer Eishockey-Arena und somit im ersten Moment von der Größe des Raumes und vorallem von den steilen Rängen beeindruckt. Da wir uns sehr frühzeitig angemeldet hatten, waren uns gute Plätze in der zweiten Ebene zugeteilt. Da war die Sicht sehr gut und man war nicht zu sehr weit oben, denn oben wurde es später sehr sehr warm.

Innerhalb unseres Blocks wurden wir von den Ordnern nochmals umgesetzt, damit alle für die Kameras sichtbaren Plätze belegt wurden… und so kam es das ein Großteil meiner Gruppe aus Lörrach, die meine Stimme singen in der 1.und 2. Reihe landeten. Wir haben uns nicht darum gerissen, wir wurden beinahe dazu gezwungen.

Gegen 13 Uhr begannen die Proben und Einweisungen und nach einer kleineren Pause folgte die „Generalprobe“ mit allen Darstellern und Orchester und einem Teil der technischen Effekte. Das war zuerst sehr herausfordernd für die Konzentration, denn plötzlich iritierten uns Lichteffekte und die Aktion auf der Bühne. Zwar kennen wir das Stück in- und auswendig, dennoch war das, was da auf der Bühne geboten wurde, nicht selten interessanter als der Dirigent.

Dirigenten gab es gleich 3! Einen für das Orchester (richtiges Orchester mit Geigen, Bratschen, Oboen, Fagott und Pauken, usw) und 2 für Chorsänger und das war ganz sinnvoll, denn je nach Lichteffekte konnte ich den Dirigenten auf der anderen Seite gar nicht sehen… geschweige denn erkennen was er anzeigt. Die Entfernung war einfach zu weit.

Da wir die beiden Dirigenten schon in der Regionalprobe in Karlsruhe und vor 14 Tagen bei der Hauptprobe in Ludwigshafen kennengelernt haben, funktionierte es sehr gut, dass wir verstanden, was gemeint war. Witzig war nur, das Maurice Croissant (heisst wirklich so) bei der Generalprobe vergaß uns unsere Choreografie „nichts hören, nichts sagen, nichts sehn“ anzuzeigen. Also zweigte meine Hälfte des Gesamtchores nicht auf Ohren, Mund und Augen wie es geplant war. Was zu etwas Gemurmel und Gelächter geführt hat. Dafür bekammen wir dann nach der Generalprobe von dem Autor des Stückes Dieter Falk eine freundliche Rüge. Der eigentlich nur das zu bemängeln hatte, ansonsten war er sehr zufrieden mit uns und ermutigte uns. Egal was schief läuft, einfach so tun als wäre nichts und weiter machen.Bevor wir in die mittlerer Weile heiss ersehnte Pause entlassen wurden, wurde noch der Sold out Award verliehen, die Aufführung war wirklich seit ein paar Wochen komplett ausverkauft!

Es folgte eine große Pause, die die meisten von uns auf den Gängen verbrachten, weil es im Saal doch sehr warm wurde. Während dieser Zeit füllte sich der Zuschauerraum zusehens mit Menschen.

Um 19 Uhr wurde es dann ernst! Die Aufführung begann und zu unserer zusätzlichen Irritation hing direkt vor uns eine riesengroße Leinwand, auf die das Geschehen auf der Bühne projekziert wurde, für uns natürlich seitenverkehrt… (Logisch, wenn wir dahinter sind) Das lenkt auch etwas ab, wenn man ein und dieselbe Szene von vorne und von hinten sieht. Für die Zuschauer wurden die Texte mit eingeblendet… für uns als Spiegelschrift… zusätzlich iritierend. Aber unsere Aufgabe war ja den Dirigenten anzugucken!

Es gab sooo viel zu sehen, und es war ein echtes Erlebnis! Aber um das, was vorher meine größte Angst war, dass ich nicht die richtigen Töne treffen, hab ich mir während der Aufführung keine Sorgen mehr gemacht. Viel mehr um meine Konzentration und um die Einsätze. Den Text habe ich kaum noch mit gelesen, denn die meiste Zeit war das Licht so ungünstig für mich, dass ich kaum etwas in meinem Notenheft sah. Im Grunde hat man ja sowieso immer nur dann gelesen wenn man nicht singt, denn da guckt man ja auf den Dirigenten.

Irgendwann stubste mich meine Nebenfrau an, weil sie wissen wollte, wo wir genau sind… tja ich hatte noch nicht mal das richtige Lied aufgeschlagen. Wir mussten auch bei ein paar Stellen das Heft ganz weg machen und Klatschen oder den roten Schal hoch halten. Letzteres ausgerechnet bei dem alten Luther Koral „ein feste Burg ist unser Gott…“ Den Text den ich nunmal einfach nicht konnte… dieses Lutherdeutsch konnte und wollte ich mir nicht merken und hab ihn deshalb bei den Proben immer abgelesen… Gott sei Dank, da war ja die Spiegelschrift.

Beim vorletzten Song animierten die Solisten auf der Bühne das Publikum zum mitklatschen, und es machten alle mit! Und dann standen sie auf! Zehntausend Menschen stehen auf und klatschen mit. Boah! Obwohl es mittlerweile auch bei uns sehr heiss war, überfiel mich eine Gänsehaut und ich war kurz vorm Ausflippen. Eigentlich hat mich dann nur noch die Höhe und der steile Rang vor mir davon abgehalten begeistert rum zu hüpfen. Beim Finale war vorher abgesprochen ab wann wir wie anfangen sollen wie hin und her zu tanzen… ach was… den Einsatz brauchte keiner, alle tanzten schon vorher!!!

Als sich dann zuletzt auch noch das Orchester erhob und mitmachte, tanzte auch der ganze Saal zu „wir sind Gottes Kinder wo auch immer, keiner ist allein!“

Es war ein fantastischer Abend, den ich sicher so schnell nicht vergessen werde! Selbst eine unseren ältesten Mitsängerinnen bezeichnete ihn als „Erlebnis des Lebens“.

Was mich am meisten wundert ist, dass ich totz der ganzen Anstrengung und den ganzen Tag singen nicht die Spur von Heiserkeit hatte. Auch die Müdigkeit kam erst viel später als wir längst im Bus waren.

Auf der Heimreise haben wir dann gemeinsam gefeiert, denn eine unserer Sängerinnen hatte am Sonntag Geburtstag und für das Anstoßen um Mitternacht Sekt und Wein mitgebracht.

Alles in allem supertolles Erlebnis und ich finde dafür hat sich das monatelange Üben und Proben absolut gelohnt.