Helgoland ist Rollstuhltauglich

Helgoland wird als Deutschlands einzige Hochseeinsel bezeichnet, was aber im geographischen und rechtlichen Sinn wohl nicht ganz korrekt ist.

Aber für mich als süddeutsches Landei fühlt es sich so an. Selbst mit dem Hochgeschwindigkeitsschiff, dem Halunderjet,fährt man so weit hinaus, das man eine ganze Weile in alle Richtungen kein Land mehr sieht. Für mich eine ganz neue Erfahrung, blind darauf vertrauen zu müssen wenn andere Passagiere erzählen: „in die Richtung liegt Hamburg“ „dort liegt Cuxhaven“ und „dort ist Dänemark“ …

Ähm okay… als sich während unserer Überfahrt die Wolken zu zogen und selbst der Himmel in alle Richtungen gleich aussah, war ich komplett desorientiert!

Auch von der Optik, Architektur und Pflanzenwelt her sieht Helgoland komplett anders aus als beispielsweise Sylt und Rügen. Auf Helgoland sind die Felsen und der Erdboden rot! Es gibt nur einen kleinen Sandstrand, ansonsten nur Steilküste.

Die Gebäude erinnern eher an skandinavische Postkartenmotive, alles ist sehr niedig und nah aneinander gebaut. Was auch kein Wunder ist, denn die knapp 1400 Einwohner der Insel haben nicht sehr viel Platz. Aber es gibt eine Kirche, eine Schule und ein Krankenhaus auf der Insel.

Doch es gibt kaum Autos. Laut eines Anwohners gibt es auch nur 2 Autos mit Verbrennungsmotor: der Krankenwagen und das Feuerwehrauto. Alle anderen Lieferfahrzeuge sind elektrisch.

Die Warenversorgung für vielen kleinen Shops, in den man steuerfrei Tabakwaren und Alkohol kaufen kann, erfolgt nicht selten zu Fuss mit einer Handkarre. Manche Gassen sind so schmal, dass dort die Fahrzeuge nur fahren können wenn, keine Touristen da sind.

Was mich aber am meisten überrascht hat, Helgoland ist sehr rollstuhlfreundlich! Trotz oder gerade wegen der Natur bedingten Trennung von Unterland und Oberland.

Es gibt einen öffentlichen Aufzug, der auf der unteren Seite über einen kleinen Tunnel erreichbar ist. Die Fahrt mit dem bemannten Fahrstuhl ist kostenpflichtig. Es gibt eine Preisliste für Erwachsene, Kinder, Rollstühle, Kinderwagen und Handkarren. Man kauft sich sogar Tickets für die Fahrt,die der Fahrstuhlführer kontrolliert. Ich glaube mein Ticket hat 60 oder 80 Cent gekostet.

Überhaupt ist auf der Insel alles sehr billig. Das kommt daher, dass Helgoland so weit von der deutschen Küste entfernt liegt, dass hier die Mehrwertsteuer sowie Tabak und Alkoholsteuer nicht erhoben werden.

Selbst hochwertige Parfümerie- Produkte sind hier weit unter dem normal Preis zu erstehen. Hier werden vor allem große Flaschen bekannter Düfte von Dior, Lacôme oder Joop gerne gekauft.

Mit dem Aufzug geht’s auf das Oberland. Eine sehr windreiche, baumleere Hochebene. Nun ja wirklich eben ist es hier nicht. Die Landschaft ist geprägt von vielen mit Gras und kleinen Büschen bewachsenen Kratern.

Diese Krater stammen von Bomben! Im 2. Weltkrieg war Helgoland ein wichtiger Militärstützpunkt für die Flugabwehr und deshalb sehr umkämpft. Nach Kriegsende versuchten die Engländer die Insel komplett zu sprengen, weil in den vielen unterirdischen Bunkern sehr viel Munition und Waffentechnik vermutet wurden.

Wieder Erwarten hielt die Insel der versuchten Sprengung stand. Der so zerbrechlich wirkende rote Sandstein erwies sich als stabiler. Also hat man die Insel wieder ihren ursprünglichen Bewohnern übergeben.

Hier ist der rote Sandstein gut zu erkennen. Die Farben dieses Fotos sind realistisch. Das weiße auf den Felsen im Vordergrund sind Vögel und ihre Hinterlassenschaften.

Viele Mövenarten brüten hier auf kleinsten Felsvorsprüngen. Teilweise sind diese so klein, dass die Jungvögel, wenn sie größer werden beinahe „an der Wand hängen“.

Einer dieser Felsen wird Lummenfelsen genannt, weil dies einer der seltenen Brutplätze der Trottellummen ist. Doch als ich Anfang Juli dort war habe ich vorallem Basstölpel gesehen. Für Vogelinteressierte ist die Insel sehr zu empfehlen, denn auf engstem Raum kann man eine große Menge an Nestern und Jungvögel beobachten.

Ich gehe davon aus, dass dies Basstölpel sind und nicht die berühmten Lummen

Die Vögel haben von den Menschen keine Angst, denn sie wissen genau, dass kein Mensch zu ihnen an die steilen Felswände gelangen kann. Durch die zerklüftete Küstenlinie gibt es immer wieder gut zugängliche (manchmal dann doch 2 – 3 Stufen) Punkte von denen aus man die Tiere gut beobachten und fotografieren kann. Nicht selten trifft man hier auf ambitionierte Naturfotografen mit Stativ und riesigen Objektiven. Alle meine Bilder sind nur mit dem Handy aufgenommen, denn ich hatte nicht damit gerechnet, solch tolle Motive anzutreffen.

Auch werden regelmäßig Rundgänge mit ornithologischen Erklärungen angeboten. Die Vogelwelt von Helgoland bietet viele interessante Einzigartigkeiten, wie zum Beispiel den „Lummensprung“ die Jungtiere der Trottelummen lassen sich irgendwann einfach fallen… und lernen dann wohl das Fliegen. Besonders elegant scheint das nicht auszusehen, oder woher kommen wohl diese Namen mit Trottel und Tölpel?

Noch interessanter für Vogel und Naturliebhaber ist der flachere abgebrochene Teil der Insel, die sogenannte „Düne“. Diese ist nur mit kleinen Boten erreichbar und daher nix für gehbehinderte Personen. Die Düne zu besuchen, lohnt sich fast nur, wenn man länger als einen Tag auf Helgoland ist, denn es gibt so viel zu sehen.

Wir waren nur für einen Tagesausflug auf der Insel wie fast die meisten Touristen. Doch wer sich für die Vogel und Tierwelt interessiert und gut zu Fuss ist, kann ohne weiteres mehere Tage hier gut übernachten, es gibt mehere Hotels, die wohl gar nicht so kostspielig sind.

Auf dem letzten Bild erkennt man, wie nah die Spaziergänger an die steilen Klippen kommen.

Die berühmteste Felsformation, ist die „lange Anna“

Angeblich ist dieser freistehende Monolit nach einer attraktiven groß gewachsenen Bedienung aus dem Gasthaus benannt…

Wie die Gesamte Steiküste droht die Lange Anna durch die Kräfte von Wind und Wasser und der Natürlichen Korrosion einzustürzen. Schon in den 1990er Jahren hatte man Bedenken, sie könne dem nächsten Sturm nicht standhalten.

Um die Lange Anna und den Rest der Küste zu schützen wurde im Wasser eine Schutzmauer errichtet, doch wie lange diese seltene Felsformation erhalten bleibt, ist ungewiss.

Auf alten Fotos und Malereien kann man erkennen wie sich die Küste in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Selbst der rollstuhlgerechte Rundweg um das Oberland muss fast jedes Jahr verändert und ausgebessert werden, denn hier auf dem offenen Meer sind die Kräfte von Wind und Wetter viel intensiver.

4 Antworten auf „Helgoland ist Rollstuhltauglich

  1. Hach, herrlich, Helgoland. Ich liebe diesen kleinen, roten Klotz total. Tagesausflug ist viel besser als nichts – aber richtig toll wird es immer erst, wenn die Tagesausflügler weg sind. Dann legt sich so eine Ruhe über die Insel. Das ist ganz herrlich. Interessante Info – wäre nie darauf gekommen, dass Helgoland für Rollstuhlfahrer gut geeignet ist… Liebe Grüße, Stefanie

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  2. Ein Tag (eigentlich sind es ja nur wenige Stunden) auf Helgoland reicht nicht. Für Natur- und Fotofreunde sollte es eine Woche sein. Da wird jeder Tag spannender. Ich habe das mehrmals gemacht und freue mich schon wieder auf das nächste Mal. Wichtig auch den Besuch der Nachbarinsel (Entfernung 1km) mit einzuplanen. Da kann man bis auf 30 Meter an wild lebende Seehunde und Robben heran, ohne das die Tiere nervös werden. Dichter rangehen ist verboten. Abends kommt auch keine Langeweile auf. Es gibt eine Disco und …..lecker Essen.

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