Nachhaltigkeit? Klimaschutz? oder vielleicht doch besser Rücksicht und Mitdenken?

Ich muss mir einfach mal Luft machen über diese andauernde Diskussion um Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wir sollen „Umdenken“ und unser Verhalten ändern. Äh Nein finde ich nicht. Vielleicht sollten wir einfach wieder beim Einkauf und bei anderen Aktivitäten Mitdenken und auch mal wieder hinterfragen was unser Verhalten bewirkt.

Ich schreibe wieder weil ich schon so aufgewachsen bin: Sei sparsam vermeide Müll wo es geht und verlasse öffentliche Orte so wie Du sie vorfinden willst. Wenn ich einen Waldweg benutze oder eine Parkbank, dann sollte der Weg und die Bank hinterlassen wie sie waren. Ohne Zerstörungen und Müll. So habe ich es damals gelernt, aber ich habe den Eindruck das viele jüngere Menschen das verlernt haben.

Demonstrieren für das Klima bringt rein gar nichts!

Auch in Lörrach gab es paarmal Demos zum Thema „Friday for Future“, etwas gebracht haben sie eher nicht. Die Idee der Demonstierenden die normale Bevölkerung auf die Klimaproblematik aufmerksam zu machen ging meiner Meinung nach nicht auf. Unter anderem deshalb:

An einem Freitag Vormittag musste ich den Platz an dem die Demo stattfand kreuzen. Logischerweise versuchte ich dem größten Tumult zu umgegehen und so fiel mit eine Gruppe Jugendlicher auf, die mit durch ihr extrem modernes und chices Outfit in Erinnerung blieben. 8 oder 10 Kids in Markenklamotten mit schneeweißen Marken Sneakern, die laut brüllend Parolen von sich gaben und Pappschilder hoch hielten…

… und ich dachte nur so „wer wirklich nachhaltig lebt hat nicht sooo saubere Schuhe…“ Denn die Schuhe sahen aus wie direkt aus dem Laden und diese Kids wirkten als hätten sie sich für diesen Event extra chic gemacht. Was auf ihren Schildern die Bunt gestaltet waren stand konnte ich erst viel später erkennen.

Am Nachmittag musste ich an der Mc Donalds Filiale vorbei laufen, und ratet mal wer mir da an den Tischen aufgefallen ist? Genau diese Gruppe. Sie saßen jeder mit einem Tablett voller Verpackungsmüll und ungesundem Essen und tranken aus Pappbechern und ein Teil von ihnen rauchte sogar. Und ich dachte noch, wo haben die denn ihre Schilder gelassen? Genau hier zwischen lauter Fast-Food-Kunden würden diese wenigstens etwas bewirken.

Stunden später auf dem Heimweg musste ich wieder über den Platz wo die Demo am morgen war… und was sehe ich da? Der Platz vermüllt und deckig, obwohl dort genügend Mülleimer vorhanden. Und genau die Schilder der Gruppe Jugendlicher die mir am morgen aufgefallen waren. Sie lagen auf dem Pflaster, mittlerer Weile waren sie nass geworden und man war darüber gelatscht.

Ich frage mich, wie passt denn sowas zusammen? Gegen Umweltverschmutzung demonstrieren und sich selber aufführen wie die Drecksäue! Wie glaubwürdig ist so ein verhalten?

Manche Menschen denken nicht weiter… nicht mal so weit wie die nächste Mülltonne

Ein anderer Fall, und ich möchte hier nicht eine einzelne Person denunzieren aber ich benutze sie als Beispiel für eine ganze Generation:

Eine junge Dame, so um die 20 Jahre alt, jeden Tag perfekt geschminkt, trägt immer sehr moderne gepflegte Kleidung. Ich sehe sie fast täglich, weil sie wohl in der Nähe arbeitet. Jeden Tag sehe ich sie zur gleichen Zeit wie sie sich essen und trinken holt. Sie nimmt jedes mal einen Pappbecher (obwohl es auch Gläser gibt) und macht Deckel drauf und nimmt einen Strohhalm. Okay würde ich verstehen, wenn sie mit dem Getränk weiter laufen müsste. Aber nein, sie setzt sich mit dem Essen und dem Getränk immer auf den gleichen Platz, etwa 20 Schritte von der Getränke Ausgabe entfernt. Auf ihrem Tablett mit dem Essen hat sie IMMER eine Serviette und meistens isst sie ihren Teller nicht leer.

Wozu braucht sie Deckel und Strohhalm? Wozu nimmt sie die Serviette mit die sie fast nie benutzt? Sie macht das sicher nur so weil sie es gewöhnt ist, oder weil sie meint das stehe ihr zu.

Ich bin sogar der Meinung das Deckel für Pappbecher in einem Restaurant nix zu suchen haben! Die Plastikdeckel sind doch nur dazu da, wenn man das Getränk ins freie transportiert. Und nur dann brauchst Du einen Strohhalm (Schutz vor Insekten im Getränk). In einem geschlossenen Gebäude ist beides doch nur sinnloser Müll.

Übrigens ich esse fast täglich im gleichen Restaurant. Mein Getränk hole ich mir in einem Glas, was mir keinen zusätzlichen Aufwand bereitet, weil ich das Tablett mit dem Teller sowieso zur Geschirrrückgabe bringen muss (die oben beschriebene junge Frau übrigens auch). Meinen Kaffee hole ich in der Porzellan Tasse. Eine Serviette nehme ich nicht an der Kasse mit sondern nehme mir nur wenn ich sie wirklich brauche an einem anderen Ort in diesem Restaurant. Auf Verdacht „weil ich sie vielleicht brauche“ entnehme ich keine Papierserviette aus dem Spender!

Warum Plastiktüten?

Kürzlich habe ich mir in einem typischen Dönerladen ein Yufka (In Fladenbrot gewickeltes Dönerfleisch) gekauft. Wie ich es fast nicht anders kenne werden diese wenn man sie zum mitnehmen bestellt in Alufolie gewickelt. So weit okay denn das hat sich als sehr praktisch erwiesen, weil so das gerollte Fladen zusammen hält.

Was ich habe nicht verstehe, ich habe ein einzelnes Yufka bestellt, ich habe zwei gesunde freie Hände und die Mitarbeiterin im Dönerladen fragt mich ob ich eine Tüte will… Wenigstens fragt sie mich, in einem anderen Dönerladen wird nicht gefragt und alle Portionen „zum Mitnehmen“ landen grundsätzlich in einer Plastiktüte. Warum? Ein einzelnes Yufka oder Döner kann man doch in der Hand tragen.

Warum geht niemand mit Tüte, Tasche oder Netz in einen Dönerladen? Wenn man weiß das man 5 Portionen holen will, warum denkt man denn nicht vorher an den Transport?

Früher in den 60/70er Jahren war es völlig normal das man (oder meist Frau) mit einer Einkaufstasche los gegangen ist. Warum ist dies heute uncool geworden?

Ich denke das eines Teils die Autos daran schuld sind, wenn jemand mit dem PKW einkaufen fährt nimmt er keine klassische Einkaufstasche. Wenn überhaupt etwas vorbereitet wird, dann Kisten und Körbe im Kofferraum. Aber das ist ja auch nur praktisch wenn man zu hause die Einkäufe ebenerdig rein tragen kann. Also ist riesengroßer Klappkorb im Kofferraum nix anderes als ein Statussymbol (guck mal ich bin so reich, ich kann sowas schweres von der Garage direkt in meine Küche tragen… ) Mal ehrlich so denkt sicher keiner ! Dennoch verhalten sich viele so.

Zurück zu Döner-Laden: keiner kommt hier mit einer vorbereiteten Tasche, weil

  • es cooler aussieht
  • man nicht seine Gucci Handtasche voll Essensgeruch macht
  • man nicht mit ner leeren Tasche oder Tüte hin laufen muss
  • jeder sieht das man was gekauft hat.

Wird eine Plastiktüte zum Statussymbol?

Ich erinnere mich noch als Kind, meine Mutter und Großmutter benutzten nie Plastiktüten aus dem Laden, und wenn wirklich mal zuviel eingekauft wurde und es nicht in die mitgebrachten Taschen passte und es musste sein, dann drehten sie die Tüte auf links, so das die Werbung des Ladens wo man sie her hatte innen war. Das war auch nichts ungewöhnliches, denn die Nachbarn und Bekannten die wir manchmal sahen machten es genauso.

Ganz besonders bei Aldi-Tüten wollte man es vermeiden das man von weitem sieht woher der Einkauf ist. Ärgerlich war auch das der bunte Aldi Aufdruck auch noch seitenverkehrt durchschimmerte. Also in den Aldi gehen und nicht genug Taschen mit zu haben war doppelt peinlich

Doch heute? Die Taschen von chicen Modeläden werden wochenlang herum getragen, weil es einfach chic ist dort zu kaufen.

Habt ihr mal sehr neue Flüchtlinge beobachtet? Diese tragen gerne sehr volle Plastiktüten mit sich herum. Für sie ist das kein Makel sondern ein „guck mal ich kann kaufen“. Die Flüchtlinge von heute haben eine ganz andere Haltung zum Geld wie die Generation meiner Oma (die auch Flüchtling war!) sie hätte niemals freiwillig 10 cent mehr bezahlt für eine Plastiktüte. Und wenn dann hätte sie sie 20 mal wieder verwendet. Für die seit kurzen erst in Deutschland lebenden ist es offensichtlich kein Problem die Tüte zusätzlich zu bezahlen.

Zu doof zum Müll wegwerfen?

In den Köpfen der jungen Leute sind Themen wie Umweltverschmutzung und Müllvermeidung offensichtlich gar nicht mehr verankert. Ich habe damals in den 80ern in der Schule gelernt wie man Müll vermeidet, wie man Müll korrekt entsorgt und wir lernten noch das man irgendwas falsch macht wenn die Mülltonne zu schnell zu voll wird.

Heutzutage denkt kaum einer daran die Zigarettenschachtel die er weg wirft zusammen zu falten. Oder die Getränkedose zu zerdrücken. Offensichtlich kann auch kaum noch jemand die Papiertüte vom Bäcker a n der Ecke zusammenfalten oder wenigstens zusammen knüllen bevor man ihn in den öffentlichen Mülleimer wirft. Ich frage mich, sind diese Leute einfach nur zu doof oder zu faul?

Ganz extrem sieht man das in der Nähe von Fastfood Restaurants. Rund um die Müllbehälter fliegen die Papiertüten durch die Gegend nur weil die Leute zu dumm oder zu irgnorant sind diese klein zu machen und richtig in den Mülleimer hinein zu werfen.

Wird den Kindern heute nicht mehr beigebracht wie man Müll richtig entsorgt? Wir mussten damals Getränkedosen platt drücken und Milchtüten zusammen falten…

Was nun den Effekt hat, das meine Gelben Säcke nicht so schnell vom Wind auf die Straße geweht werden. Und meine Müllsäcke werden auch nicht von Mäusen oder Madern angefressen, weil ich Joghurtbecher und co ausspüle bevor ich sie entsorge.

Danke für das Durchlesen!

Danke das Du meinen Gedanken zu diesem Thema bis hier her gefolgt bist. Ich musste mal richtig schimpfen. Ich hoffe sehr Du fühlst Dich nicht angegriffen und Du kannst manches nachvollziehen.

Wenn Dich Themen wie Nachhaltigkeit und Müllvermeidung interessieren habe ich auch noch ein paar konstruktivere Beiträge für Dich

Ein Gedanke zu „Nachhaltigkeit? Klimaschutz? oder vielleicht doch besser Rücksicht und Mitdenken?

  1. Ähnliche Gedanken sind mir auch schon gekommen. Ich versuche immer einen Beutel in der Tasche zu haben. Beim Bäcker bekomme ich zum Glück Papiertüten die ich dann für Bio Müll weiter verwenden. Ich habe aber auch einen Bäcker, der mir auch das Brot so über die Theke gibt. Auch einen Metzger habe ich gefunden, der nicht nur eigene Schweine hat die einen kurzen Weg zum Schlachthof haben, zwar nicht mit Auslauf aber doch mit einem recht offenen Stall und Tageslicht auf Stroh gehalten werden, der mir meinen Aufschnitt in hingehaltene Dosen packt. Aber darin liegt auch das Problem. Das deutsche Lebensmittelrecht verbietet es eigentlich. D.h. auch solche Regelungen müssten endlich geändert werden. Auch müssten Händler sowas proaktiv anbieten, wenn es denn dann endlich offiziell erlaubt ist.

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