Erster Arbeitstag nach dem Shut Down

Gestern war mein erster Arbeitstag nach der großen „Corona Pause“. Ich hab mich sehr darauf gefreut weil ich mir vom wieder arbeiten dürfen wieder mehr Normalität erhofft hatte. ist

Nun wirklich normal war das nicht!

Es war sehr schön die Kollegen wieder zu sehen. Und auch teilweise lustig zu sehen wie sich diese in den letzten Wochen verändert haben. So mancher Kollege hat plötzlich einige Kilos mehr. Gerade die Männer haben entweder zu lange oder Maschinchen-kurze Haare. Viele sind braun gebrannt wie wenn sie im Urlaub waren. Die meiseten Kolleginnen haben keine perfekten Gelnägel mehr. Aber im allgemeinen scheinen die Damen das Friseur Problem besser im Griff zu haben als die Herren.

Unsere Arbeit ist noch lange nicht normal

Aufgund der Auflagen das nur Geschäfte bis 800qm öffnen dürfen haben wir nur teile des Erdgeschoss für den Kundenverkehr geöffnet. Nur eine kleine Zahl von Mitarbeitern darf im Erdgeschoss mit direktem Kundenkontakt arbeiten. Alle anderen müssen im Rest des Gebäudes bei nicht vollständiger Beleuchtung und Klimaanlage Aufräumen, vorbereiten, usw. Wobei viele von uns sich fragen was wir dann tun wenn alles erledigt ist.

Aufgrund der Situation haben wir eine Mitarbeiter eine „Arbeitspflicht“, auch wenn nicht wirklich viel zu tun ist… ganz eigenartige Stimmung.

Im Erdgeschoss, dort wo die Kunden hin dürfen sieht das ganz anders aus!

Damit auf keinen Fall zu viele Menschen gleichzeitig im Verkaufsraum sind muss ein Kollege den ganzen Tag an der Türe stehen und jede Person die rein kommt oder raus geht zählen. Dazu verwendet dieser eine Handyapp, über diese alle anderen Mitarbeiter sehen können wieviel im EG gerade los ist. Wären dort zu viele Menschen dürfte keiner von oben nach unten kommen und der Kollege am Eingang darf niemanden mehr rein lassen.

Die Gefahr das zu viele Kunden auf einmal kommen war gestern noch nicht. Noch wissen nicht alle Lörracher das wir geöffnet haben und das sie bei uns das Gesamte Sortiment wieder kaufen dürfen. Ich denke das muss sich erst wieder herumsprechen.

Wenn ein Kunde einen Artikel aus einer anderen Etage möchte wird er von einem EG Mitarbeiter möglichst genau gefragt was er sucht. Dann wird jemand von den anderen im Rest des Hauses herumwuselnden Kollegen gebeten die entsprechende Ware runter zu bringen und ggf den Kunden zu beraten.

So haben wir gestern Nähmaschinen, Haarschneidemaschinen, Herrenanzüge, Schulhefte und sogar einen Basketball verkauft.

Also der Verkaufvorgang ist komplett anders als sonst! Der Kunde muss klar sagen können was er sucht, muss Zeit und Gedult aufbringen, weil der entsprechende Mitarbeiter und die Ware ja erst geholt werden muss usw.

Für die Kollegen auf der Fläche im EG ist es dann auch noch wichtig die „wartenden“ Kunden räumlich zu verteilen… Sie sollen nach Möglichkeit nicht alle in einer Ecke stehen. Dieses „Kunden herumschicken“ ist etwas total neues… das sind wir bisher nicht gewohnt. Einen expriziten „Wartebereich“ darf es aus Sicherheitsgründen nicht geben, weil sich dann dort zu viele Menschen zu nah kommen könnten.

Der gefragteste Artikel

Der am meisten nachgefragte und gekaufte Artikel am 23. April 2020 war:

Stoff und Gummiband

Aufgrund der ab Montag geltenden Auflagen muss jeder in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften einen Mundschutz tragen! Doch diese sind kaum zu kriegen. Deshalb versucht nun jeder der nähen kann sich entsprechende Behelfsmasken zu nähen.

Alle Geschäfte die Gummiband verkaufen und seit Montag schon wieder geöffnet sind, sind ausverkauft! Da wir bis vogestern zu hatten, waren wir die einzigen die noch welches verkaufen konnten.

Normal führen wir eine riesige Auswahl von 3 verschiedenen Firmen im 5.OG. Dort darf aber kein Kunde hin. Also habe ich kurzerhand das gesamte Gummisortiment in Körbe gepackt und einen kleinen Tisch Baumwollstoffe die für Masken geeignet sind und bin damit ins EG umgezogen.

Um im Erdgeschoss mit Kundenkontakt arbeiten zu dürfen musste ich sogar nochmal eine separate Sicherheitseinweisung bekommen. Und dann ging es los. Ohne eigentliche Warenträger, mit nur einem Tisch, einem Meterstab und einer Schere stand ich direkt vor der Rolltreppe (die ja nicht in den Betrieb genommen werden durfte) und verkaufte wie verrückt Stoff und Gummi!

Aufgrund der Auflagen dürfen wir dem Kunden, also so eine kleine Packung Gummiband nicht direkt in die Hand geben. Also verteilte ich diese provisorisch auf der Glassvitrine der Schmuckabteilung (Schmuck darf zur Zeit nicht verkauft werden und die Fläche ich abgetrennt.

Mein Verkaufsgespräch lief mehrfach so ab das ich mit dem Meterstab auf die entsprechende Gummipackung gezeigt hab… Mit dem Meterstab rum fuchteln und den Kunden etwas deuten wäre früher totalen no go gewesen! Und jetzt ist das plötzlich normal.

Normal ist es seit neuesten auch das ich den Kunden sage „gehen sie etwas zurück, wir müssen Abstandhalten“ oder „bleiben sie dort stehen“

Kurzfristig musste ich sogar die Kunden die Gummiband wollten auseinander schicken! Dabei viel mir auf das der Meterstab dabei ganz hilfreich ist. „Abstand halten! Das hier ist ein Meter!“

So, jetzt muss ich aber für heute Schluss machen, denn ich muss vor der Arbeit noch ein paar Masken nähen!

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