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Allgemein Gedanken

Dieses Jahr ist alles anders

Diesen Satz muss ich momentan bei meiner Arbeit ständig sagen. Fast im 15 Minuten Takt muss ich Kunden begründen warum irgendwas dieses Jahr ausverkauft ist. Dieses Weihnachtsgeschäft ist nicht wie gewohnt, so vieles ist anders dieses Jahr.

Diesen Satz muss ich momentan bei meiner Arbeit ständig sagen. Fast im 15 Minuten Takt muss ich Kunden begründen warum irgendwas dieses Jahr ausverkauft ist. Dieses Weihnachtsgeschäft ist nicht wie gewohnt, so vieles ist anders dieses Jahr.

Ich arbeite seit 1988 im Einzelhandel, seit dem hat sich zwar viel verändert, doch das Weihnachtsgeschäft war nach wie vor die stressigste Zeit im Verkauf.

Bis vor 10 Jahren habe ich immer in Abteilungen gearbeitet die sehr Geschenklastig waren. Ganz extrem war es damals in den 90er Jahren in der CD Abteilung… Ein Parfum oder eine CD/DVD waren so das typische Last-Minute-Geschenk. Die letzten Tage vor Weihnachten waren also für mich als CD und DVD-Verkäuferin der blanke Hyperstress!

Photo by Jonathan Faria on Pexels.com

okay, ich geb es zu, so sah ich damals nicht aus, in der CD und DVD-Abteilung… das Bild dient nur zur Aufmerksamkeit

Extrem Erlebnisse im Weihnachtsgeschäft

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Situation in dem Jahr als „Time to say Goodbye“ von Andrea Bocelli und Sarah Brightman heraus kam. Ich glaube das war 1995.

Wenige Tage vor Weihnachten war die Single bei uns ausverkauft, aber jeder wollte sie haben. Unser Hauptlager bei Karlsruhe hatte genügend, aber eine Warenversorgung am Samstag war nicht geplant. So wurde eine einmalige Ausnahme gemacht und es fuhr ein Taxi von Karlsruhe nach Lörrach mit einer Kiste mit 500 Singles „Time to say goodbye“. Die Kiste kam pünktlich zur Ladenöffnung am letzten Weihnachtssamstag an. Aber so viele CDs wusste ich nicht wo einräumen. Also stellte ich die Kiste erst mal neben der Kasse auf einem Papierkorb ab… da blieb sie den ganzen Tag.

Um den Abverkauf zu forcieren und weil ich die Weihnachtsmusik einfach nicht mehr hören wollte legte ich die Single in den CD Player für die Beschallung der Abteilung und drückte auf Repeat… bis zu Feierabend hab ich da nix mehr verändert. Es lief also den ganzen Tag „Time to say goodbye“…

Wie erwartet hatte ich fast den ganzen Tag eine lange Warteschlange an der Kasse, und fast jeder Kunde griff in die Kiste auf dem Mülleimer direkt neben der Kasse, denn diese Maxi-CD ist ja ein ideales Geschenk…

Bis zum Ladenschluss war die Kiste leer!!!

Dieses Jahr ist alles anders als geplant

Aufgrund der Corona-Pandemie ist dieses Jahr alles irgendwie anders als man es gewohnt ist. Seit März ist bei uns im Einzelhandel extrem wenig los. Die Umsätze sind in fast allen Warenbereichen stark eingebrochen. Die Menschen kaufen nicht mehr so viel, und wenn dann ganz anders als gewohnt.

Weil die Umsätze so schlecht waren, hatten wir im Sommer monatelang Kurzarbeit. Was das für mich persönlich bedeutete habe ich in meinem Artikel „Kurzarbeit und die Folgen“ schon mal beschrieben. Im November haben wir endlich wieder „normal“ gearbeitet um dann im Dezember wieder in Kurzarbeit 20% zu gehen.

Im Dezember Kurzarbeit, das ist eigentlich etwas völlig undenkbaren wenn man von dem normalen Kaufverhalten ausgeht. Aber dieses Jahr ist irgendwie nichts mehr normal.

Für mich Persönlich war die Situation nochmal etwas besonders. Seit 10 Jahren war ich nur 90%, hatte also weniger Arbeitszeit als eine normale Vollzeitkraft. Aber das machte eigentlich nur wenige Arbeitstage im Monat aus und ich hatte mich schon daran gewöhnt. Ich fand das eigentlich sehr angenehm. Da aber eine Kollegin in meiner Abteilung schwanger ist und deshalb nicht mehr arbeiten darf, wurde ich gefragt ob ich für November und Dezember erst mal befristet 100% arbeiten möchte. Ich hatte zugesagt. Aber innerlich hatte ich Bedenken ob es nicht vielleicht wieder zu stressig für mich werden würde, so wie früher in der CD Abteilung… Aber nee dieses Jahr ist ja alles anders.

Tja und kaum war ich 100%, kam die Kurzarbeit 20%… Also statt mehr Stunden auf dem Arbeitsplan hatte ich plötzlich so wenig wie noch nie. Laut Arbeitsplan hätte ich im Dezember 122 Stunden arbeiten müssen… so wenig hab ich seit 1988 nicht im Dezember gearbeitet!

Alles anders als geplant…

Gestern hat sich das Blatt dann ganz schnell und unerwartet gewendet! Die Bundesregierung plant einen zweiten Shut down, und die Menschen reagieren darauf. Es sind zwar viel weniger Kunden in der Innenstadt und im Laden unterwegs, aber die, die da sind die kaufen auch. Auf einmal ist trotz weniger Kundenfrequenz mehr zu tun, und die Umsätze werden besser. Lange nicht auf dem Niveau wie letztes Jahr aber erheblich besser als die letzten Monate.

Also wurde entschlossen mit Stichtag heute die Kurzarbeit zumindest für die Kassenteams und die Verkäufer im Bereich „Home und Living“ aufzuheben.

Ja Du hast richtig gelesen, gestern entschieden, ab heute zählt andere Arbeitszeit!

Nix mehr mit 80%… sondern 100%… Problem ist nur, das ich ja bis zum 11. Dezember weniger gearbeitet habe. Und eigentlich sollte ich die Fehlenden Stunden wieder rein arbeiten. Am besten vor dem 24. Dezember, denn ab 27. Dezember ist der Laden dann ja wegen dem zweiten Shut Down wieder zu.

Selbst wenn ich ab heute jeden Tag durcharbeite haut das nicht hin… und einen freien Tag in der Woche brauche ich ja. Wobei ich keine Ahnung habe ob der Tarifvertrag mit 38.5 Stunden pro Woche überhaupt noch relevant ist. Im Augenblick jagt eine Sonderregelung die andere und es tät mich nicht wundern wenn es nächste Woche schon wieder irgendeine Änderung gibt.

Fakt ist, statt dem chilligsten Dezember seit 30 Jahren, hab ich jetzt den stressigsten… und die Aussicht auf ein beschissenes Weihnachtsfest mit anschliessenden Zwangsurlaub.

Viele Jahre hat es mich etwas angenervt das das Weihnachtsgeschäft immer der gleiche Trubel ist, immer der gleiche Stress, die gleichen Lieder in der Ladenbeschallung … Es war mir so zu wieder.

Tja und jetzt? Dieses Jahr ist mal wirklich alles etwas anders als gewohnt, aber so hab ich mir das auch nicht gewünscht.

Ich wünsche Euch eine ruhige, fröhliche Vorweihnachtszeit! Und vor allem bleibt gesund!

P.S: Wenn ihr für das Weihnachts-Shopping in die Läden geht, wundert Euch bitte nicht wenn sich die Verkäufer komisch verhalten. Jeder von ihnen ist in einer ungewohnten und belastenden Situation! Neben dem normalen Stress müssen wir mit Abstandsregeln und Hygienekonzepten umgehen, also bitte habt Nachsicht. Und haltet Euch an die Regeln!!! Wir Verkäufer haben sicher keine Lust neben dem ganzen Stress auch noch „Aufsichtspersonal“ zu spielen.

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