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Verschiedene Rhythmen leben

Obwohl wir beide schon über 40 Jahre alt sind, ist meine Schwester noch immer die Person mit der ich die prägendste Zeit meines Lebens verbracht habe. Das wird sie auch immer Bleiben. Auch wenn unsere Leben sich sehr verschieden entwickelt haben.

Jedoch seit der Pandemie haben sich unser beider Leben noch mehr auseinander entwickelt. Ihr Beruf ist zwar nicht „systemrelevant“, aber sie kann ihn zum Teil im Homeoffice ausüben, was bei mir absolut nicht möglich ist.

Sie arbeitet den halben Tag von zuhause aus und den halben Tag muss sie am Arbeitsplatz anwesend sein. Und ich bin nun schon das dritte mal im „Lockdown“ und habe somit ganz frei.

Die einen arbeiten zu viel, die anderen zu wenig

Der Beruf meiner Schwester hat sich durch Corona massiv verändert. Zu ihren Aufgaben gehörte zuvor, die Dienstreisen ihrer Chefin zu organisieren. Diese Fallen nun seit über einem Jahr weitgehend weg. Die erste Zeit war das so, das ihre Chefin und sie dadurch mehr Zeit hatten für andere Dinge.

Doch jetzt finden Meetings und Veranstaltungen online statt. Und da man nicht lange hin reisen muss, sind jetzt 2-3 am Tag möglich. Dadurch mehr Vorbereitung und Nachbereitung in weniger Zeit.

Auch die Kommunikation mit anderen Mitarbeiten hat sich verändert. Wäre man früher mal schnell ins Nachbarbüro gegangen, um etwas zu klären. So muss heute eine E-mail geschrieben werden, weil die Person auch im Homeoffice ist. Wichtige Unterlagen können nicht mal eben unterschrieben werden, sondern erst eingescannt und dann verschickt werden. Der elektronische Rücklauf muss auch auch kontrolliert werden und Unmengen von Daten müssen so gespeichert werden, dass sie auch wieder gefunden werden.

Das Arbeitsleben verändert sich überall

Das Arbeitsleben verändert sich auch in vielen anderen Branchen massiv. Man denke nur an Lehrer und Erzieher. Erheblichen Mehraufwand haben sicher auch die Pflegenden Berufe. Immer neue „Hygiene Konzepte“ gilt es zu beachten.

Ich bin sicher, dass ganz viele der Veränderungen im Arbeitsleben nicht mehr vorübergehend sind sondern auch langfristig so bleiben. Wir werden wenn überhaupt zu einem „neuen Normal“ zurückkehren.

Ganz Branchen wissen überhaupt nicht wie es genau weiter geht. Die Veranstaltungsindustrie liegt seit einem Jahr brach und keiner weiß genau wie es mit Freizeitparks, Theater und Konzerte weiter geht.

Und wenn all dies wieder möglich wird, werden sich die Menschen für die gleichen Inhalte begeistern lassen? Wird es wieder Kammerkonzerte, Klavierabende oder Buchlesungen geben???

Was bedeutet das für mich und meine Schwester

So gerne ich ihr erzählen würde „heute war es wieder soo langweilig, ich hab fast nur gefaulenzt“ halte ich mich zurück, weil ich weiß das sie zeitgleich im Stress ist.

Sie schreibt mir das sie in das sie im fast leeren Bürogebäude Aktenberge für ihre Chefin erledigen muss, und ich beneide sie fast weil sie hinterher sagen kann „ich hab den Job erledigt“.

Sonntags morgens wundere ich mich fast jede Woche weil sie soooo lange schläft. Ich bin Sonntags genauso früh wach wie sonst und beinahe würde ich nicht merken das Sonntag ist. Aber sie benötigt das Wochenende um sich zu erholen und Kraft zu tanken. Sehr oft führt das dazu das wir am Wochenende wenig bis gar nicht kommunizieren.

Corona hat schon viel verändert

So hat Corona für uns beide viele Veränderungen gebracht. Doch weil uns beiden das bewusst ist, streiten wir seltener als früher. Früher haben wir uns öfters mal angezickt, weil wir beide gestresst waren aber nicht das Verständnis für den Stress des anderen hatten.

Seit Corona kommunizieren wir das klarer. Wir reden mehr darüber was jetzt anders ist.

Trotzdem mehr zusammen geschweißt

Früher haben meine Schwester und ich uns auch hin und wieder besucht. Aber eine Fahrt zu ihr war für mich nur eine von vielen… Ob und wann wir uns trafen mussten wir mir vielen anderen Terminen koordinieren und sehr oft hinten an stellen. Jetzt in Corona-Zeiten ist ein Besuch meiner Schwester das einzige Highlight.

Unser Ausflug gestern

Frühling im Markgräflerland

Da meine Schwester unserer Mutter etwas zu bringen hatte sind wir zu ihr nach Müllheim gefahren. Müllheim liegt im Herzen des schönen Markgräflerlandes wo wir aufgewachsen sind. Über meine Erinnerungen an den Fußweg nach Müllheim habe ich schon mal geschrieben

Bei sonnigem aber kühlem Frühlingswetter haben wir einen kleinen Spaziergang in den Weinbergen unternommen. Es war sooo schön. Wir beide fragen uns ob wir nun langsam in ein „sentimentales Alter“ kommen, oder warum wir nun plötzlich diese Umgebung so wunderschön finden.

Als wir Kinder waren fanden wir die Weinberge nichts interessantes oder besonderes. Im Gegenteil wir fanden es spannender im Wald zu wandern. Aber je älter ich werde umso schöner finde ich die sanften Hügel der Markgräfler Weingegend.

der Blauen

Auf diesem zweiten Bild ist „der Blauen“ zu sehen. Aufgenommen ist dieses am Jägerdenkmal das mitten im Weinberg an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert. Ein kleines Häuschen mit einer Gedenktafel mit allen Namen der Gefallenen Soldaten aus Müllheim und Umgebung.

Als Kinder haben wir diesen Ort öfters besucht, weil das Hüttchen mit den wettergeschützten Bänken ideal für ein Picknick sind und man von hier eine wunderschöne Aussicht auf das Rheintal und zur anderen Seite zu den Schwarzwaldbergen hat.

Meine Schwester und ich verbinden viele schöne Erinnerungen mit diesem Ort. Dieser Blickwinkel zum Blauen ist für mich der Inbegriff des Wortes „Heimat“, denn von unserer Wohnung aus hatte der Blauen auch genau diese Silhouette.

Rebberg im Markgräflerland

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