15. Januar Sonnenuntergang auf dem Hochblauen

Heute ist Samstag der 15. Januar. Vor einem Jahr habe ich hier täglich mein Lockdown Tagebuch geschrieben, da war das schon der Tag 30.

Dieses Jahr ist die Situation ein andere. Wir haben keinen Lockdown. Mein Arbeitsplatz hat ganz normal geöffnet. Nur dürfen wir nur geimpfte und genesene Kunden ins Warenhaus lassen. Was das zu führt das sehr wenig los ist und die Umsätze schlecht sind. Deshalb sind wir mal wieder in der Kurzarbeit. Bis zum Frühjahr 2020 kannte ich sowas überhaupt nicht.

Diesmal haben wir nicht kürzere Arbeitstage sondern wir haben einfach weniger Arbeitstage. So kam es das ich diese Woche gleich 3 freie Tage am Stück hatte. Diese Situation ist mir bei weitem lieber wie diese lange Zwangsfreizeit im letzten Januar,

Bewegungsfreiheit in Form eines Autos

Weil Freunde aus meiner Gemeinde momentan eine lange Wohnmobil Tour im Ausland machen, hatten sie vorgeschlagen mir ihr Auto zu leihen. Diesen Vorschlag hatte ich sofort begeistert angenommen. Meine Hauptmotivation war das ich mich damit vermehrt um meine Mutter kümmern kann.

Meine Mutter ist 82 und wohnt 30km entfernt. Normalerweise besuche ich sie alle 1-2 Wochen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch sie hat noch immer große Angst davor das ich mich im Bus oder Zug bei anderen Fahrgästen mit Corona anstecken könnte. Deshalb habe ich die letzten Monate für die Besuche bei Ihr immer einen Leihwagen genommen.

Das geht aber etwas ins Geld! Ich kann zwar bei Stadtmobil die Autos sehr preisgünstig Stundenweise anmieten. Aber mal ganz schnell irgendwas erledigen geht fast nicht mehr mit meiner Mutter.

Am liebsten ist es ihr wenn wir alles mit viel Zeit und spontan machen, denn sie weis ja einen Tag zuvor immer nicht „wie es mir geht“. Die Vorstellung ich komme am Dienstag um 14 Uhr, dann müssen wir alles erledigen was sie braucht und um Punkt 17 Uhr muss der Wagen zurück sein löst bei ihr Stress aus. Mit Terminen und Zeitdruck kann sie gar nicht mehr mit umgehen. Wenn sie einen Arzttermin hat, dann ist sie schon 2 Tage vorher nervös weil sie Angst hat es nicht rechtzeitig zu schaffen.

Das geliehene Auto einer Gemeinde-Freundin hilft ihr ungemein!

Wir können irgendwo hin fahren wenn sie sich danach fühlt, und wenn nicht können wir es lassen.

Mehr Freizeit und ein Auto

Letzten Januar hatte ich zwar komplett frei, aber ich konnte meine Mutter überhaupt nicht besuchen. Weder zum Kaffeetrinken, zum im Haushalt helfen noch um sie zum Artzt, oder Einkaufen zu fahren. Diese Lockdown Situation hatte sie schon sehr belastet.

Diesen Januar haben wir zum Glück keine Ausgangssperre oder Reiseverbot wie letztes Jahr. Und ich habe einen PKW mit dem ich ohne auf andere Menschen zu treffen nach Müllheim kommen kann. Das hat meine Mutter schnell verstanden und mir gleich eine ganze Liste von Erledigungen die sie mit mir machen will aufgetragen.

Wir mussten zum Orthopäden nach Freiburg, zur Krankenkasse nach Bad Krotzingen, zum Lebensmittel einkaufen, in dem Baumarkt usw.

Nachdem ich mit ihr paarmal unterwegs war hat sich gezeigt, je mehr ich einfach nur mit ihr rum fahre und sie irgendwas neues sieht (sie kann fast nicht mehr laufen) blüht sie richtig auf.

Also habe ich diese Woche das Auto genutzt um mit ihr „Spazieren zu fahren“:

Spazierenfahren

Am 6. Januar waren wir auf dem Kreuzweg im Schnee. In meinem Artikel „Mal kurz in den Schnee“ hab ich darüber berichtet.

Am Mittwoch waren wir auf dem Hochblauen! Das war faszinierend schön und wir konnten den Sonnenuntergang beobachten.

Hochblauen
Vereiste Bäume auf dem Hochblauen

Sonnenuntergang auf dem Hochblauen

Von der Küche meiner Mutter aus kann man das Hochblauen Hotel sehen. Also weis meine Mutter immer welches Wetter dort ist und ob es Schnee hat. In jedem Telefonat berichtet sie mit „der Blauen ist weis“ oder ähnliches.

Am Vergangenen Dienstag als ich von der Autobahn Richtung Müllheim fuhr fiel mit die Schneebedeckte Silhouette des Blauen auf, man konnte klar erkennen das dort oben die Sonne scheint. Weil uns der Ausflug zum Kreuzweg so gefallen hatte schlug ich meiner Mutter vor das wir spontan auf den Blauen fahren. Sie sagte sofort ja.

Ich kenne sie, hätte ich drei Tage vorher mit ihr planen wollen das wir in die Höhe fahren hätte sie hundert Argumente gehabt warum das nicht geht, Außerdem hat sie ja immer Angst das das Wetter nicht geeignet ist. Aber so sagte sie einfach ja und setzte sich in das Warme Auto und genoss begeistert die Sitzheizung.

Am Hochblauen Hotel angekommen zeigte sich uns eine interessante Aussicht. Die Täler unter uns lagen im dunstigen Nebel doch in der Ferne konnte man die hohen Gipfel der Alpen erkennen. In Richtung Schwarzwald konnte man die Gipfel von Belchen und Feldberg in der Sonne glitzern sehen.

Meine Mutter hatte etwas Angst auf dem zu gehen, so umrundeten wir nur das Hotelgebäude um uns auf der Südseite in die Sonne zu setzten. Ich hatte ein paar Stuhlkissen und zwei Decken dabei und meine Mutter war happy. Als es dann noch einen heißen Kaffee aus dem Hochblauenhotel gab war sie gänzlich zufrieden.

Eingemummelt in Winterjacken und Decken konnten wir ohne frieren eine Weile so in der Sonne sitzen. Einfach schön! Dabei konnten wir sogar einen Gleitschirmflieger beim Start beobachten. Ich fand das etwas mutig das er so kurz vor Sonnenuntergang noch starten wollte.

Hotel Hochblauen im Schnee

Der Sonnenuntergang

Innerhalb von Minuten änderte sich die Lichtsituation. Es war faszinierend. Viele Leute machten Fotos. Ein paar Fotografen mit aufwändiger Ausrüstung waren auch unterwegs. Denn die „Blaue Stunde“ hatte begonnen. Doch ebenso schnell wie das Sonnenlicht weniger wurde sank auf die Temperatur und meine Mutter drängte zum Auto. Etwas langsamer als normal fuhren wir wieder hinunter nach Müllheim „mach langsam es könnte Glatt sein“ ermahnte meine Mutter mehrfach und bis wir bei ihr zuhause ankamen war es bereits dunkel.

Das war ein wunderschöner Ausflug für sie und für mich auch. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit mit dem geliehenen Auto. Danke!

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