Samstagsplausch am 5. November 2022

Herzlich Willkommen zu meinem Samstagsplausch am frühen Samstag morgen. Um diesen Artikel zu schreiben bin ich extra etwas eher aufgestanden und ich werde ihn wie gewohnt bei Karminrot in der Linkparty verlinken.

Seit letzten Samstag hat sich meine berufliche Situation etwas verändert. Letztes Wochenende war es für mich kein Problem mal eben am Wochenende zu verreisten und in einem Hotel ein zukehren… ich wollte das Wochenende um das Konzert Event mit Nino de Angelo richtig schön auskosten. Denn im Hinterkopf waberte es bei mir ständig: „Wer weis wie lange ich das noch machen kann“. Dabei dachte ich vor allem an erneute Corona-Verbote oder finanzielle Nöte durch gestiegenen Energiepreis.

Das was mich jetzt aber „bedroht“ war zwar auch schon länger im Gespräch aber ich hatte nicht vor dem Weihnachtsgeschäft damit gerechnet.

Mein Arbeitgeber ist insolvent!

Am Montag wurden wir von der Geschäftsleitung darüber informiert das unsere Firma ein Schutzschirmverfahren eingeleitet hat. Und wie zu erwarten war hat sich die Presse auf diese Meldung gestürzt und wir sind mal wieder negativ in aller Munde.

Diese Situation hatte ich schon mal 2009 und 2020. Beim ersten Mal war es richtig schlimm für uns Mitarbeiter denn wir hatten keine Ahnung was mit uns geschehen könnte. Wochenlang gingen wir montags morgens mit der Angst im Nacken zu unserer Arbeitsstelle und mussten damit rechnen das auf einmal ein Rotes Band da hängt und wir die Betriebsstätte nicht mehr betreten dürfen. Oder das uns gesagt würde „heute machen wir nicht auf, stattdessen müsst ihr alle Waren einpacken und zurück schicken“

Ich gebe zu in der Zeit hatte ich massive Angst!

2020 war es nicht ganz so schlimm, denn die Krise war durch die Corona-Einschränkungen ausgelöst und die latente Angst vor einem „ach so tödlichen Virus“ war massiver.

Seit dem ersten Mal hat sich bei uns am Standort extrem viel verändert. Viele Stellen wurden gestrichen, oder ausscheidende Mitarbeiter einfach nicht mehr ersetzt. In meiner Abteilung in der wir 2009 noch 6 Mitarbeiter waren, sind wir nun nur noch 2.5… zwei Mitarbeiter und eine Kraft die nur einmal die Woche kommt.

Was ist ein Schutzschirmverfahren?

Diese Bezeichnung habe ich selbst erst 2020 kennengelernt. Mit ist nicht klar ob es das vorher überhaupt schon gab. Da ich hier nichts falsches Schreiben wollte habe ich gerade bei Wikipedia nachgelesen. Offensichtlich gibt es das in dieser Form erst seit 2012.

Aus gegebenen Anlass möchte ich an dieser Stelle keine falschen Angaben machen! In der Presse wird momentan so vieles falsch oder übertrieben dargestellt. Momentan ist die Situation für unsere Filiale nicht so das wir Angst haben müssen das wir nächste Woche zu machen.

Unser aktueller Informationsstand ist so, das wir momentan davon ausgehen können das unser Geschäft bis Februar so wie jetzt weiter läuft. Doch was danach ist kann uns keiner sagen!

Wie fühlt sich das an?

Ich erinnere mich noch an eine Mitarbeiterbesprechung im Frühjahr 2009 als uns der Chef der Filiale sagen musste „Die Mai-Löhne sind gesichert, was danach kommt wissen wir nicht“ damals war es sooo dramatisch das noch nicht mal mehr genug Geld da war um uns Mitarbeiter zu bezahlen.

Das Fühlt sich richtig Scheiße an! Denn Du weist ja das Du Miete, Strom usw danach weiterhin bezahlen musst. In der Damaligen Insolvenz wurden wir alle automatisch als „Arbeitssuchend“ gemeldet und wir bekamen 3 Monate lang den Lohn vom Arbeitsamt.

Innerhalb eines Schutzschirmverfahrens läuft das ein wenig anders. Die Löhne und Gehälter kommen nach wie vor vom Arbeitgeber werden aber von anderer Stelle bezahlt. Das Insolvenzgeld wird anders berechnet und anders versteuert. Sprich: ich hab keine Ahnung wie viel ich nächsten Monat genau habe!!! Aber der Umstand das wir das alle vor paar Jahren schon mal hatten macht mich etwas ruhiger und gefasster als beim ersten Mal.

Achso: Habe ich schon erwähnt das ich Alleinverdiener bin? Ich bin alleinstehend und bezahle alle meine Kosten von meinem kleinen Verkäuferlohn. Ich habe keinen Ehemann oder Partner der ein zweites Einkommen beisteuert.

Ich bin seit 34 Jahren in dieser Firma tätig, meine letzte Bewerbung habe ich 1988 geschrieben!! Ich habe noch nie den Arbeitsplatz gewechselt und ich war noch nie wirklich arbeitslos gemeldet. Ich weiß also überhaupt nicht wie so etwas geht!!!

Existenzängste?

Ich muss zugeben im Augenblick geht es mir seelisch noch einigermaßen gut. Ich kann schlafen und meine Verdauung ist noch normal. 2009 hatte ich massive Probleme mit Durchfall und co (Reizdarm), ich brauchte damals nur Nachrichten gucken, oder mal wieder eine Besprechung in der Firma und ich saß mit Bauchkrämpfen auf dem Klo. Vermutlich bin ich diesbezüglich einfach nur etwas mehr abgehärtet.

Vielleicht waren die kleinen Katastrophen die ich die letzten Wochen erlebt habe (Geldbeutel weg, Handy geht nicht usw) ja nur ein Training damit ich jetzt besser klar komme. Psychisch geht es mir momentan erheblich besser als 2009.

Ja ich habe Angst vor der Zukunft und ich weiß nicht genau wie es weiter geht. Aber ich weiß das Gott auf meiner Seite ist und mich leitet und beschützt. Irgendwie wird es weiter gehen auch wenn ich den richtigen Weg noch nicht kenne.

Wiedermal ist mir mein Lieblings Bibelfers wertvoller denn je:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer Grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser…

Psalm 23

Und hier geht es weiter

Weiter machen und Schauspielern

In diesem Sinne bleibt mir nichts anderes übrig als „weiter machen“ ich gehe gleich ganz normal zur Arbeit im Warenhaus. Ich werde freundlich zu den Kunden sein, auch wenn am Tag gefühlt 100 Leute das gleiche fragen „was ist denn nun? Müsst ihr zu machen?“. Auf diese Frage werde ich lächelnd antworten „Ach sein, wir sind nicht bedroht, unsere Filiale läuft gut“… blablabla…

Aber die Wahrheit ist das ich es eigentlich nicht wirklich weiß ob „es reicht“. Wir kämpfen jede Minute um jeden einzelnen Euro!

Um nicht zu verzweifeln, konzentriere ich mich auf meine persönliche Leistung. Ich versuche das einzelne Verkaufsgespräch so gut wie möglich zu machen. Nicht für den Konzern der Pleite ist, nicht für den Chef sondern für den Kunden der vor mir steht. Mein Ziel ist das dieser einzelne Vorgang gut ausgeht. Und nicht das die Insolvenzmasse besser wird.

Vielen Dank fürs Lesen

Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog und das Du Dir den heute etwas negativen Text dennoch durchgelesen hast.

4 Gedanken zu „Samstagsplausch am 5. November 2022

  1. nina. aka wippsteerts

    Natürlich weiß ich nun, wer Dein Arbeitgeber ist (dachte ich mir fast vorher schon)
    Ich hoffe sehr, dass sich Deine Befürchtungen nicht bewahrheiten und Ihr erstens als Standort erhalten bleibt und zweitens Du Deinen Job behälst.
    Alles Gut Dir
    Liebe Grüsse
    Nina

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  2. Hannelore

    Hallo,
    weiß natürlich nicht genau wo du arbeitest, da rate ich mal einfach und mit G fängt es an. Wir fragen uns wie es nun kommen kann, dass diese Gruppe schon wieder in Schwierigkeiten kommen kann.
    Nun, die Beschäftigten sind mal wieder die alles „ausbaden“ dürfen. Die das zu Verantworten haben werden keine schlaflosen Nächte haben. Stimmt, viel wird in den Zeitungen geschrieben, was nicht der Wahrheit entspricht.
    Diese Entwicklung in Deutschland wird sich auch fortsetzen und 2020 wurde dieser Lockdown vielen zum Verhängnis, Schuld ist nicht das Virus sondern der Umgang damit, die Politik hat sehr vieles falsch gemacht und ich habe es auch nie verstanden, warum der Einzelhandel dichtmachen musste.
    Wir waren in den Lebensmittelgeschäften also hätten wir uns auch in anderen Geschäften aufhalten können.
    Nun, ja nur als 2 G war, haben alle mitgemacht. Eigentlich tut mir jetzt auch niemand mehr leid, der sein Geschäft aufgeben muss.
    Trotzdem gehe ich viel lieber in den Geschäften einkaufen, als im Internet zu bestellen, denn ich mag den persönlichen Kontakt und auch das man die Qualität direkt vor Ort prüfen kann.
    Ich bin zwar Katholisch, aber von diesen ganzen Sprüchen halte ich nichts, akzeptiere aber wenn sie anderen Trost oder Mut zusprechen.

    Aber es wäre doch auch sinnvoll sich evtl. schon einmal umzuhören was sich noch für Möglichkeiten ergeben.

    Aufjedenfall wünsche ich dir alles Gute.

    Trotzdem wünsche ich dir ein schönes Wochenende.

    Gruß
    Hannelore

    Antworten
  3. Regula Babajeza

    Es ist schon verrückt, wenn man davon ausgehen muss, dass Leserinnen nur positive Texte bis zum Schluss lesen, sich sozusagen schweigend abwenden, wenn es schlechte Nachrichten gibt.
    Aber ja, so verrückt ist es. Du schreibst im Zwischentitel das Wort „schauspielern“. Machen das noch mehr? Machren das viele? Die schlechten Nachrichten überspielen, weiter machen, wie wenn nichts wäre?
    Kein Wunder passt die „Wirklichkeit“ nicht zum Erlebten, wenn wir uns auf die „Wirklichkeit“ stützen, die man uns serviert.
    Ich sehe leider keine Hoffnung am Horizont, höchstens diese: Du bist nicht allein. Und ja, der Herr ist mein Hirte … Viele werden zu beten beginnen.
    Liebe Grüsse von Regula

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