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Schreibblockade oder so

Vielleicht ist es ein oder zwei aufmerksamen Lesern auf gefallen das ich diese Woche noch gar nichts neues geschrieben habe. Selbst bei 1000 Teile raus habe ich schon wieder ausgesetzt.

Mein Problem diese Woche ist nicht der Zeitmangel sondern eine Art Blockade in mir selber.

Wie geht es mir?

Dieser Tage sind mir ein paar Menschen begegnet die mich gefragt haben „wie geht es Dir?“… natürlich antwortet man dann „Danke gut“. Aber wenn ich über die Frage nachdenke bin ich mir da gar nicht mehr so sicher ob das nicht gelogen ist.

Körperlich gehts mit gut. Ich hab kein Corona und keine andere Erkrankung. Mich quälen keine Kopfschmerzen oder Rückenbeschwerden und selbst meine Verdauung macht was sie soll. Und das ich bei Temperaturen über 30 Grad schwitze ist ja auch normal. Aber dennoch fühle ich mich nicht „gut“.

Ausgelöst durch die Todesnachricht einer Freundin, die kaum älter als ich war bin ich mal wieder in einer sehr gedrückten Stimmung. Die Informationen über ihre kurze aber sehr grausame Krebserkrankung machen mich nachdenklich und … naja ich vermute ich knappere gerade ganz nah an der Grenze zur Depression, aber zumindest einer Depressiven Verstimmung herum.

Mir kommt so vieles in meinem Leben so sinnlos vor:

Letzte Woche noch war ich hoch motiviert diesen Blog im August richtig schon nach vorne zu bringen. Ich hatte viele neue Ideen und ehrgeizige Ziele. Doch schon die ersten Tage des Monats wurde ich darin ausgebremst weil ich einfach keine Zeit hatte diese Ideen umzusetzten. Und nun?

Diese Woche hätte ich Zeit dazu gehabt. Und was tue ich? Ich starre das Display meines Laptops an und kriege nichts richtig gebacken.

Noch nicht mal das korrigieren alter Texte, das hin und wieder notwendig ist, gelingt mir diese Woche. Eigentlich müsste ich einiges überarbeiten und an vielen Stellen die Schlagworte korrigieren. Nicht mal das geht. Ich fühle mich unkonzentriert und unmotiviert… über allem schwebt dieses dunkle „Wozu denn?“ …

Der Verstorbenen Freundin hätte das nichts genutzt wenn die Tippfehler und falschen Suchworte in meinem Blog weg gewesen wären. Sie wäre trotzdem an diesem scheiss Krebs leidvoll gestorben. Wenn ich meine Webseite supergut pflege und perfekt aufsetzte nutzt mir das gar nichts wenn ich einen Tumor bekomme…

Irgendwie ist alle Webseitenpflege nutzlos, sinnlos und ohne beständigen Wert wenn solche Schicksalsschläge kommen.

Aber was hat denn noch beständigen Wert?

Wenn ich etwas Sticke, Häkle oder Nähe? Nein

Wenn ich etwas für den Weihnachtsbasar in unserer Kirchengemeinde vorbereite? Nein… denn es ist ja noch nicht mal sicher ob wir diesen Winter wieder normale Basare veranstalten dürfen. Oder ob ich dann noch lebe um die Sachen zu verkaufen… Oder ob der Missionar noch lebt für den wir das Geld sammeln. Oder ob überhaupt irgendwer etwas selbst gemachtes kaufen will oder kann weil wir alle unter der Inflation leiden…

Wozu ?

Über allem schwebt bei mir momentan diese doofe Frage „Wozu?“, „was bringt das noch?“ „Wem hilft das wirklich?“ und „Ist das alles nicht sinnlos???“

Wenn ich bisher in meinem Leben in solche Gedankengänge kam half es mir immer mir etwas zu suchen auf das ich mich freue…

Ich freue mich auf

Ja ich muss mir etwas suchen auf das ich mich freue und ich muss das auch kommunizieren, denn was ich ausspreche zieht mich auch wieder mehr nach oben. Also schreibe ich jetzt hier darüber:

Ich freue mich auf eine Konzertreise am 25.8.. Juhuu das ist ja bald!

Doch davor liegt noch dieser riesige bedrohliche Berg der Inventur und der Sommerlichen Hitze in Lörrach. Einteils denke ich „oh schrecklich wie soll ich das schaffen…“ und „hoffentlich ist das bald vorbei und hinter mir“.

Dabei wird mir klar das ich dieses Jahr ständig hoffe das irgendwas vorbei ist. Mal ist es die arbeitsreiche Woche, der lange Arbeitstag, das Regenwetter, der Winter, der Heuschnupfen, die Kälte, die Hitze…. ständig ist irgendwas bei dem ich denke „hoffentlich ist es bald vorbei“

Und dann so Fälle wie die letzte Woche verstorbene Freundin. (ich will hier keine Namen nennen) äääääääh für diese ist es „VORBEI“. Sie ärgert sich nicht mehr über Arbeit, Wetter oder irgendwas anderes was ich jetzt denke darunter zu leiden.

Ich will nicht mehr denken „hoffentlich ist es bald vorbei“, denn es kann so schnell alles vorbei sein. Ich will mich nicht mehr nur mit hängen und würgen durch die Wochen quälen. Sehr gerne würde ich wieder täglich freudig und dankbar darüber berichten was mit schönes wiederfahren ist… denn mir wiederfährt nach wie vor viel schönes.

Mein Focus ist verrutscht

Mir wieder fährt momentan täglich schönes und positives doch mein Blick klebt leider etwas auf den negativen und traurigen Dingen fest. Und ich versuche krampfhaft ihn davon zu lösen. Und Du merkst jetzt langsam das ich sogar diesen Text dazu benutze meinen eigenen Focus wieder in die richtige Richtung zu verschieben.

Fangen wir damit an das ich mich nicht nur auf die Konzertreise am 25. freue sondern auf etwas näheres, einen ausgelassenen Karaoke-Abend am morgigen Samstag.

Ich könnte jetzt schon wieder betrauern das ich erst später kommen kann wegen der Arbeit, oder das eine Freundin die ich dazu eingeladen habe nicht kommen kann, oder das ein „Karaoke-Spezi“ nicht kommen kann weil er nach einer Corona-Erkrankung immer noch auf der Intensivstation liegt. Nein ich MUSS und WILL mich daran freuen das ich hin kann.

Ich lebe, ich bin gesund, ich habe Zeit und ich hab noch ein bissel Geld um dieses in einer Bar auszugeben. Alles Umstände für die ich dankbar und froh sein könnte.

Ist Dankbarkeit der Schlüssel?

Davon bin ich überzeugt, das danken und loben mir und meiner Gedankenwelt helfen. „Danken hilft vor Wanken und loben zieht nach oben“ ein Zitat von, ich weis nicht wem. Aber an diesem Spruch ist sehr viel dran.

Um meiner Dankbarkeit für meine eigentlich sehr gute Lebenssituation ein sichtbares Zeichen zu geben war ich gestern zum Blutspenden. Denn ich bin sehr sehr dankbar das ich so gesund bin das dies möglich ist. Mit über 50 ist das nicht mehr selbstverständlich!

Blutspenden ist nicht schlimm

Blutspende in Wollbach

gestern war ich bei einer Blutspenden Aktion vom Roten Kreuz in der Turnhalle in Wollbach. Das ist ein kleines Dorf in der Nähe von Kandern.

Seit ich einen Blutspendeausweis habe werde ich von diversen regionalen Einheiten des roten Kreuz eingeladen, doch ich kann halt nur dann zur Spende kommen wenn ich an dem Aktionstag frei habe. Das ist leider nicht sehr oft der Fall. Selbstverständlich gibt es auch immer wieder Spendenaktionen hier in Lörrach, doch die letzten Monate hat mir das immer terminlich nicht gepasst. Außerdem finde ich das die Organisation bei den Terminen „auf dem Land“ manchmal besser und liebevoller ist. Oft finden diese Veranstaltungen in einer Turnhalle statt und das finde ich etwas angenehmer als in einem Schulhaus in einzelnen Klassenzimmern.

Blutspenden ist weder schmerzhaft noch gefährlich und meiner Meinung nach sollte das jeder der tun der gesund ist und keine der Ausschlusskriterien erfüllt. Das warme Wetter ist kein Hinderungsgrund wie ich vor paar Jahren bei der „Blutspende bei 38 Grad“ beschrieben habe.

Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog und danke das Du weiter gelesen hast obwohl ich am Anfang etwas sehr rum gejammert habe.

Freitag 5. August 2022

Keine aussagekräftige Überschrift… weil mir einfach gerade keine einfällt.

Ich schreibe jetzt einfach nur vor mich hin, ohne zu wissen wo mein Text genau hin geht.

Gestern Abend hat mich die Nachricht erreicht das eine Freundin verstorben ist. Ich möchte hier jetzt nicht näher beschreiben wer es war… Datenschutz usw. Aber ihr Tod schockiert mich etwas. Wir wussten zwar das sie schwer krank ist. Aber das erst seit wenigen Monaten. Krebs! Aber ich habe sie in Erinnerung als eine schlanke sportliche und aktive Person. Meiner Meinung nach hat sie gesundheitsbewusst gelebt. Das hat ihr nun exakt gar nichts gebracht. Sie war kaum älter wie ich.

Als ich im Mai von ihrer Erkrankung erfahren habe, wollte ich ihr gerne meine Hilfe anbieten, ihr irgendeine Freude bereiten… irgendwas tun…. Offensichtlich war sie da schon so schwach das sie auf meine Nachrichten nie geantwortet hat.

Aber was hätte ich auch tun können? NIx !!!

Wenn der Krebs so grausam zuschlägt und sich der Zustand so schnell so schlimm entwickelt können wir Freunde nichts tun. Nur hoffen und beten. Aber auch das hat in diesem Fall nichts gebracht.

Meine einzige Hoffnung ist, das sie nun nicht mehr leidet. Keine Schmerzen mehr! Vielleicht ist es irgendwie Gnade das es recht schnell zu Ende ging und sie nicht sehr lange in diesem schlimmen Zustand vor sich hin siechen musste.

Schon wieder eine Person weg!

Schon wieder eine weniger. Von diesem Personenkreis woher ich sie kenne (Sorry Datenschutz) ist sie innerhalb eines Jahres die zweite die nun plötzlich fehlt. Wir sind alle so um die 50-55 Jahre alt und eigentlich ist das doch eine Altersklasse in der man nicht mit Todesfällen rechnet!

Dieser Umstand macht mir Angst!

Und es ist noch ungerecht, die einen kränkeln seit vielen Jahren und werden fast 90 Jahre alt und andere müssen mit nicht mal Mitte 50 so plötzlich gehen.

Zukunfstsangst, Altersvorsorge … wozu?

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einer Arbeitskollegin, die bald in Rente geht unterhalten. Sie erzählte was sie nun alles vor hat. Durch dieses Gespräch wurde ich nachdenklich und ich hab mir vermehrt Gedanken darüber gemacht was meine Pläne sein könnten wenn es so weit ist.

Ich könnte wie manch anderer genau ausrechnen wie viel Rente mir zusteht und was ich damit anstellen könnte. Aber angesichts der momentanen Preisentwicklung/Inflation ist das doch völlig sinnlos!

Ich könnte träumen was ich gerne machen möchte wenn ich endlos Zeit habe. Dabei weis ich doch überhaupt nicht wie mein Gesundheitszustand dann ist und was ich mir dann überhaupt noch leisten kannt…

Ich sehe in der Lörracher Innenstadt immer wieder eine Rentnerin mit dick geschwollenen Beinen und gebückter Haltung. Ihr Gesundheitszustand ist so schlecht das sie kaum gehen kann… und trotzdem sie humpelt von einem Mülleimer zum nächsten um Leergut zu sammeln. Jeden Tag. Offensichtlich ist sie auf das bisschen Geld das sie mit Flaschen sammeln zusammen kriegt angewiesen. Schrecklich! So möchte ich auch nicht enden.

Wo gehen wir hin?

Wo gehe ich hin? Was kommt auf mich zu? Der frühe Tod oder ein langes Leben in schlimmer Armut?

Um mir diese Frage zu beantworten mag ich mich nicht mehr auf die Nachrichten aus Politik und Wirtschaft verlassen. Wenn ich alles glauben würde was uns die Medien so berichten, dann wäre ich ja schon längst depressiv. (wie übrigens immer mehr Menschen in Deutschland).

Für mich habe ich beschlossen bei solchen Fragen doch lieber auf die Bibel und was Gott zu mir sagt zu vertrauen. In traurigen und hoffnungslosen Momenten murmele ich mir manchmal selber den Psalm 23 vor

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nicht mangeln !

Bibel

Nun muss ich zum Ende kommen, denn ein anstrengender Arbeitstag liegt vor mir. Es ist heiß und ich habe viel Inventurvorbereitungen zu tun.

Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog

Wer oder was entscheidet was Du kannst?

Wer entscheidet was Du kannst und was nicht? Welche Faktoren entscheiden was Du Dir zutrauen kannst und was nicht. Wie läuft die Entscheidung „das kann ich nicht“ unterbewusst ab?

In dem vergangenen 12 Monaten habe ich gleich mehrfach darüber umdenken müssen was ich „kann“ und was nicht. Aufgrund einer Fußverletzung war ich schlagartig eingeschränkt und konnte schon ganz einfach Dinge plötzlich nicht mehr. Ich musste das erste Mal im Leben so richtig krass erfahren wie das ist wenn man nicht mehr so kann wie man es gewohnt ist.

Wer sagt Dir was Du kannst? Der Arzt?

Früher dachte man ein Arzt hat immer Recht, und er weiß genau was mit Deinem Körper los ist und was Du ihm zutrauen kannst und was nicht. Pustekuchen!

Ich musste die Erfahrung machen das die Aussagen von Ärzten manchmal völlig falsch sind und diese überhaupt nicht einschätzen können was ich wirklich kann und was nicht. Nach einem Arbeitsunfall meinten 2 Ärzte ich hätte wohl eine Bänderdehnung und könnte nach 10 -14 Tagen Ruhe wieder normal arbeiten gehen. Dazu muss gesagt werden das ich einen Beruf habe bei dem ich den ganzen Tag stehe und viel hin und her laufe. Ohne Stehen und Laufen geht mein Job nicht .

Brav und Pflichtbewusst glaubte ich den Aussagen der beiden Ärzte und versuchte nach 2 Wochen wieder zu arbeiten. Es tat weh… aber ich dachte ich sei einfach nur wehleidig und müsse da jetzt durch. Binnen weniger Tage nahm ich 2 Packungen Schmerzmittel, so das die Apothekerin schon meinte „gehen Sie nochmal zum Arzt“. Wochenlang kam ich immer wieder in die Praxis, so das Arzt und Arzthelferinnen schon von mir genervt waren. Die Schmerzen im Fuß wurden immer schlimmer, weil ich mich ja an die Anweisung vom Arzt „lassen Sie die Krücken weg und belasten Sie normal“ gehalten habe.

Erst nach über 4 Wochen wurde bei einem MRT ein gebrochener Knochen und eine Entzündung festgestellt. Von einer Minute auf die andere hieß es plötzlich „nicht mehr belasten“!

Von einen Tag auf den anderen von „sie können arbeiten“ zu „auf keinen Fall belasten“ !!!

Geplant war das ich mit meiner Mutter am 3. Oktober den Park in Ettenbühl besuche… nun ja wir waren dort… und meine 79 jährige Mutter hat mich in einem Rollstuhl durch den Park geschoben, so schnell kann es gehen!

Wenn sich „ich kann das nicht“ im Kopf fest setzt

Aufgrund der Entzündung musste ich den Fuß wochenlang entlasten, was ich wegen der erheblichen Schmerzen (die noch schlimmer wurden) auch bereitwillig tat. Doch plötzlich war der Lebensmittelmarkt um die Ecke kaum noch erreichbar. Die Treppen in den 2. Stock was unüberwindbar.

Ich entwickelte komische Taktiken um möglichst wenig in der Wohnung hin und her laufen zu müssen. Mein Lebensbereich beschränkte sich fast nuryy noch auf einen Raum…

Doch dann als es besser wurde… war es im Kopf noch nicht besser. Es gab Situationen das ich vor einem Gullideckel stehen geblieben bin weil ich mich nicht traute darüber zu gehen.

In der Physiotherapie musste ich mühsam lernen wie einfachste Bewegungen funktionieren, und vor allem musste ich bei jeder Kleinigkeit erst wieder lernen das sie nicht weh tun. Dieses „das wird jetzt gleich wieder schlimm weh tun“ war so in meinem Unterbewusstsein verankert.

Wer sagt mir das ich das kann? Ich muss das selber machen!

Wochenlang sagte mir der Physiotherapeut „das kannst Du“, doch ich konnte und wollte ihm oft erst nicht glauben. Manchmal hatte ich das Gefühl er behandelt mehr mein Denken als meinen Fuß.

Mein Hauptproblem war dann meine untrainierte Muskulatur, die ja beim ersten aktivieren auch ein wenig weh tun kann. Doch in meinem Gehirn kam starker Schmerz an. Es gab ein paar Tage (und vorallem Nächte) da hatte ich das Gefühl der Schmerz aus dem Mittelfuß verteilt sich über das ganze Bein bis hin in den Rücken.

Tagelang quälten mich die Gedanken „Ich kann nicht laufen“. Und damit verbunden Existenzängste, wovon sollte ich Leben wenn ich nicht mehr arbeiten kann.

Ich musste lernen mir selbst zu sagen „ich kann laufen“. Ich suchte mir kleine Ziele die ich zu erreichen versuchte… „ich kann bis zu nächsten Bushaltestelle gehen“… „ich kann durch den Supermarkt gehen ohne mich am Regal fest zu halten“

Ich habe die Erfahrung gemacht, das Ärzte zwar Empfehlungen geben können, aber wirklich entscheiden wie viel Schmerzmittel Du brauchst oder wann Du deinen Körper wieder mehr belasten kannst musst Du allein.

Bei diesen Entscheidungen spielen ganz viele alte Faktoren mit

Bei diesen vielen kleinen Entscheidungen „was kann ich und was kann ich nicht“ spielen ganz viele Faktoren im Hintergrund mit. Und den wenigsten sind wir uns bewusst:

  • Erfahrungen die wir vor kurzem Gemacht haben
  • Erfahrungen die wir früher in ähnlichen Situationen gemacht haben
  • Erfahrungen von Menschen im Umfeld und was wir wie davon mitbekommen haben
  • Erfahrungen der Eltern und Grosseltern
  • Ängste der Eltern
  • die eigenen Ängste aus der Kindheit/Jugend
  • was Andere über Deine Situation sagen
  • was Du denkst was andere über Deine Situation denken

Als ich bevor der Bruch diagnostiziert wurde waren meine Entscheidungen viel zu sehr davon geprägt was meine Arbeitskollegen wohl denken und sagen. Und was meine Mutter am Telefon meinte „geh nicht nochmal zum Arzt der kann auch nix machen, reiß Dich zusammen!“

Als es am schlimmsten war, da traute ich mir noch nicht mal mehr zu in die Duschwanne zu stehen, weil ich Angst hatte zu stürzen. Mein Vertrauen in meinen Fuß und mein Selbstvertrauen waren dahin.

Wie sehr mich in dieser Situationen Aussagen von meiner Oma und Mutter die ich als Kind gehört hatte mit beeinflusst haben wurde mir erst viel später klar. Meine Oma sagte manchmal „wenn man nicht mehr laufen kann, dann kann man sich auch nicht mehr selber versorgen und fängt an zu stinken“. Sie sprach von ganz alten Leuten die im Rollstuhl saßen und gewaschen werden mussten… aber ich übertrug unterbewusst diesen Zusammenhang nicht laufen zu können mit sich nicht richtig waschen zu können… Bewusst wurde mir das erst als ich am Telefon zu meiner Schwester sagte „ich stinke wie ein Altersheimbewohner“

Von Klein auf „lass das, das kannst Du nicht!“

Ich bin von frühester Jugend mit solchen Aussagen aufgewachsen „lass das, das kannst Du nicht“, „das geht nicht“. Diese immer wieder gehörten Sätze die sich am Anfang wohl auf Klettergerüst und co bezogen haben prägten mich in meiner Jugend. Ich habe nicht das Gymnasium besucht, obwohl ich mehre Klassen eine der besten war und mehrfach die Empfehlung der Lehrer bekommen habe. Immer nur weil meine Mutter meinte „das kannst Du doch nicht“… „Latein… kannst Du doch nicht“. Obwohl ich die Mittlere Reife mit 1,2 und Auszeichnung abgeschlossen habe, habe ich nicht das Abitur gemacht. Weil meine Mutter meinte ich sollte es gar nicht erst versuchen…

Meine jüngere Schwester hat Abitur und Fremdsprachen-Fachschule gemacht. Ihr war es egal ob jemand sagt „das kannst Du nicht“.

„Das kannst Du“ gegen „das kannst Du nicht“

Während der Rehabilitationsphase nach meiner Verletzung kämpften permanent mehrere Gedankenmuster in meinem Kopf. Nein ich war nicht in einer Reha oder Kur, ich habe alles zuhause mit mir alleine ausgemacht.

Wenn mein Fuß „Aua“ meldete konnte ich binnen Buchteile von Sekunden diese Situation verschieden bewerten „oh nein wie Schrecklich, ich kann nicht weiter“ oder „Jammer nicht, lauf weiter“ oder „Du kannst gar nicht mehr weh tun, Du bist schon längst wieder gesund“…

Es kam mir vor als wenn ich dauernd mit dem Fuß (bzw dem Schmerz) und mit meinen Gedanken rede.

Jede Kleinigkeit konnte ich so oder so bewerten und es fiel mir zu Anfang schwer die positive Variante zu wählen. Erst nach und nach, nach mehren kleinen Erfolgserlebnissen lernte ich wieder eine gesunde Sichtweise auf die Situationen.

Heute muss ich nicht mehr darüber nachdenken ob ich über einen Gullideckel drüber laufen kann und ob ich dafür die richtigen Schuhe an habe. (es gab eine Zeit da glaubte ich nur in einem Paar Schuhe wirklich sicher gehen zu können).

Erfolgserlebnisse feiern, darüber reden hilft

Ich habe festgestellt das es mir unheimlich hilft wenn ich über meine Erfolge spreche oder schreibe. Sicher gab es ein paar Leute in meinem Umfeld die schon genervt waren wenn ich ihnen erzählt habe „heute bin ich 1km ohne Pause machen zu müssen gelaufen“. Aber solche positiven Berichte haben mich aufgebaut. Ein wichtiger Motivator dabei war der Schrittzähler in meinem Samsung Handy. Mit S-Health konnte ich meine Erfolge messen und aufzeichnen. Sehr motivierend ist dann auch mal hin und wieder paar Wochen zurück zu blättern und zu sehen wie viel weiter und schneller man die Wege jetzt schafft.

Mittlerer Weile ist meine Leistungsfähigkeit fast wieder normal, noch nicht ganz so wie sie vorher war (ich erinnere mich an Spaziergänge von 14-18 km das packe ich noch nicht. Aber ich bin auf dem richtigen Weg!

Ich möchte mir selbst beweisen „ich kann!“

Deshalb habe ich beim Badischen Tretroller Cup mitgemacht, obwohl ich vorher noch nie Tretroller gefahren bin. Ich wollte mir und der Welt beweisen das ich auch was ungewöhnliches schaffen kann ohne schlapp zu machen. Und es ist mir gelungen!!! Wie es mir beim meinem ersten Tretroller Rennen ergangen habe ich in einem Artikel beschrieben.

Fazit:

Mach Dir Gedanken darüber warum Du Dir irgendwas nicht zutraust, weißt Du das Du es nicht kannst oder vertraust Du nur falschen alten Aussagen von anderen?

Unterwegs

Da ich dieses Wort in meinem Blognamen habe, habe ich mir Gedanken darüber gemacht was dieses Wort eigentlich bedeutet. Als Muttersprachler verwenden wir oft Worte, die wir von Kind auf gewohnt sind ohne uns mit deren Bedeutung richtig zu befassen. So ging es mir auch als ich den Titel für diesen Blog ausgesucht habe.

Laut Duden bedeutet das Wort „auf dem Weg irgendwohin“ gleichbedeutend mit „auf der Reise“. Also beschreibt es den Zustand zwischen zwei Punkten.

Ob es sich dem „unterwegs sein“ wirklich um eine Reise in eine weit entfernte Stadt oder einen Spaziergang um die nächste Häuserzeile handelt wird nicht unterschieden. Wer „unterwegs ist“ ist in Bewegung von einem Ort zu dem Anderen, wobei auch nicht definiert wird wie schnell dieser Weg zurück gelegt wird.

„Unterwegs sein“ definiert aber nicht immer nur einen physikalischen Zustand in dem man sich fortbewegt. Wir alle sind auf unserem Lebensweg unterwegs.

Wir sind eigentlich immer irgendwie unterwegs. Erst im Bauch unserer Mutter, dann vom Baby zum Kleinkind, vom Kind zum Jugendlichen… und es hört nie auf. Unterwegs sein beschreibt den Übergang von einem Zustand in einen anderen.

(4.Juni 2019) Heute Nachmittag besuche ich eine Freundin, die nun nicht mehr unterwegs ist. Wir begleiten Sie auf ihrem letzten Weg in einen Friedwald bei Heilbronn und verabschieden uns von ihr. Dies nimmt mich sehr mit, denn sie war einige Jahre jünger als ich und musste die letzten Jahre in einem Pflegeheim verbringen, weil es ihr so schlecht ging, das sie nicht mal den elektrischen Rollstuhl alleine bedienen konnte…