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Blutspenden in der Corona-Krise ist trotz Versammlungsverbot möglich

Seit Jahren bin ich regelmäßiger Blutspender und als solcher bin ich beim roten Kreuz registriert. Aus diesem Grunde werde ich angeschrieben wenn es Termine für die Blutspende in der Nähe gibt. Doch diesmal staunte ich nicht schlecht das ich in dem Brief aufgefordert wurde mir online oder telefonisch dafür einen Termin machen zu lassen.

Blutspenden finden totz Versammlungsverbot statt, da diese zu den Lebenswichtigen Infrastrukturen gehören. Blut wird immer gebraucht, auch bei Ausgangssperre.

Für mich persönlich habe ich lange überlegt und gezweifelt ob ich dort hin soll. Denn es ist nun mal eine Zusammenkunft von vielen Menschen, von denen momentan dringend abgeraten wird. Aber ich dachte mir, wer kann besser aufpassen das sich die einzelnen Personen richtig verhalten als die geschulten Mitarbeiter des roten Kreuz?

In normalen Zeiten sehe ich es als meine Pflicht an, als gesunder Bürger so oft wie möglich spenden zu gehen. Denn der Anteil der Personen die nicht mehr spenden dürfen steigt immer mehr. In meinem Alter muss ich schon dankbar sein um nicht in einen der Ausgeschlossenen Personenkreise zu gehören. Für meine Gesundheit bin ich sehr dankbar und deshalb möchte ich mein möglichstes tun solange ich noch so gesund und fit bin. Es kann soo schnell vorbei sein, ein Unfall oder eine größere OP und man braucht selbst Spenderblut. Danach darf man nicht mehr für andere spenden.

Bisher war der Hauptgrund einen Spendentermin nicht wahr zu nehmen immer das „keine Zeit“. Ich musste arbeiten. Und extra einen Tag frei nehmen um zur Blutspende gehen zu können… naja. ich hab mich noch nie getraut danach zu fragen.

Zeit habe ich momentan mehr denn je, denn mein Arbeitsplatz ist von de allgemeinen „Shut Down“ betroffen. Deshalb entschied ich mich diesen Termin in Haltingen wahr zu nehmen.

Terminvergabe für die Blutspende

Terminvergabe für die Blutspende gab es meines Wissens nach bisher nicht. Doch seit Corona gibt es plötzlich ganz viele neue Lösungen. In dem Einladungsbrief wurde auf die Möglichkeit der online Terminvergabe hin gewiesen. Leider hat diese bei mir nicht funktioniert. Entweder lag es daran das die Veranstaltung schon fast voll wahr, ich zu spät dran war (2Tage vorher) oder ich habe mich einfach zu blöd angestellt.

Weil ich online nicht weiter kam habe ich die auf der Webseite angegeben Telefonnummer angerufen. Auch hier erst mal Warteschleife und zweimal die Ansage „Speicherkapazität ausgelastet, bitte rufen Sie später nochmal an“. Es überrascht mich nicht, das Nummer vom Roten Kreuz in der augenblicklichen Situation sehr ausgelastet sind, finde es aber beruhigend das trotzdem so eine Ansage kommt und nicht gar nix mehr geht.

Geduldig habe ich es einfach einige Minuten später versucht und kam auch durch. Eine Mitarbeiterin gab mir einen Termin am Freitag um 18.15, das sei das einzige was noch frei war.

Wie komme ich zum Spende-Ort?

Normalerweise gar kein Problem. Halingen ist nicht so weit weg und ich bin ja schon mal mit dem Fahrrad zum Blutspenden gefahren. Unter „Blutspenden bei 38 Grad“ berichte ich davon. Die Spende fand zwar in Weil am Rhein statt, doch ich war versehentlich zu weit gefahren und in Haltingen gelandet… es wäre also theoretisch machbar.

Im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung Covid-19 sind die Grenzen zur Schweiz geschlossen. Ein Grenzübertritt ist auch an der „grünen Grenze“ bei Weil am Rhein strengstens untersagt! Mir wurde berichtet das gerade der beliebte Fahrradweg an der Wiese (Fluss) streng kontrolliert wird, da zu viele Schweizer und Deutsche dennoch probiert haben zu passieren.

Und genau dort wäre ich lang gefahren. Zwar nur etwa 500m auf schweizerischen Gelände, aber genau das ist jetzt verboten!

Alternative wäre mit dem Fahrrad über den Tüllinger (Berg) fahren… ähm nein das pack ich nicht, ich bin kein Mountainbiker und kein Leistungssportler.

Die Nächste Variante wäre gewesen mit der S-Bahn nach Weil und dort umsteigen auf den Zug (nur eine Station). Das funktioniert momentan nicht, denn auf der Zugstrecke Basel-Freiburg gab es vorgestern ein schweres Zugunglück und es können momentan keine Züge fahren!

Möglich wäre eine Kombination: S-Bahn und das Fahrrad mitnehmen und von Weil nach Haltingen radeln. Normal auch kein Problem… ABER: Momentan verkehren die S-Bahnen nur noch stündlich und somit hätte ich abends länger an einem Bahnhof warten müssen. Das ist auch nichts was man will in einer Zeit in der eine fast Ausgangssperre herrscht.

Beste Lösung: Carsharing

In diesem Fall habe ich mich dazu entschlossen ein Carsharing Auto von Stadtmobil zu nehmen. Das ist zwar auch die unsportlichste und teuerste Lösung, aber in diesem Falle muss das sein. Wenn Du wissen willst wie das genau funktioniert schau mal unter „meine Erfahrung mit Stadtmobil“

Oberste Regel „Abstand Halten“

Ich kam gegen 18 Uhr an der Festhalle in Haltingen an. Schon von weitem konnte ich sehen das hier etwas aussergewöhnlich ist. Quer über die länge des Parkplatzes eine Absperrung mit Flatterband und darin stehen alle 2-3 Meter Personen. Das war die Warteschlange am Einlass zu der Halle. Alle paar Meter ein Rotkreuz Mitarbeiter der darauf achtet das sich alle an die Abstandmarkierungen halten, die mit Kreide auf den Boden gemalt sind. „Sie dürfen weiter bis zum nächsten Strich…“

An die Schlange anstehen darf auch nur wer einen Termin hat und auf der Liste steht. Steht man dann in der Schlange bekommt man ein Getränk gereicht, mit der Aufforderung dieses möglichst schnell zu trinken. Also die ersten 15 Minuten „Stehparty“ in der Abendsonne.

Ich hatte meine Wasserflasche schon längst leer bis ich am nächsten Checkpoint war. Hier wurde die Körpertemperatur gemessen und abgefragt ob man im Ausland war, ob man mit Corona-Patienten Kontakt hatte usw. Personen die in der Schweiz arbeiten wurden hier genauso abgewiesen wie Leute die Fieber haben.

Schon hier fiel mir die „besondere“ Organisation auf. Die Mitarbeiterin die die Temperatur misst und deshalb allen Spendern nah kommen muss, trägt neben einer Mund-Nase-Maske einen Helm mit Plexiglas vor ihrem Gesicht. Was leider bewirkt das sie ihre Fragen „Waren Sie im Ausland?“ usw. beinahe schreien muss. Alle paar Minuten kommt eine weitere Mitarbeiterin und desinfiziert ihr die Hände (Handschuhe) und das Messgerät.

Der Nächste Checkpoint: Hände desinfizieren! und man erhält ein Handzettel mit den wichtigsten Verhaltensregeln bezüglich Corona.

Die Reise nach Jerusalem in Zeitlupe

So kam es mir im Gebäude fast vor… Als spielen wir alle ganz langsam das Spiel „Reise nach Jerusalem“ bei dem es darum geht einen freien Stuhl zu erhaschen…

Nur das hier im Gebäude die Stühle dazu da sind das wir setzt genügend Abstand halten. Und erst wenn der Nachbar aufsteht und zum nächsten Stuhl weiter geht darf ich aufrücken.

Zuerst einen Gang entlang, dann in einem größerem Raum im Kreis herum. Dort eine Rotes Kreuz Mitarbeiterin die immer wieder aufruft wenn 2-3 Personen einen Raum weiter dürfen. Eine Treppe hoch und dann endlich im Saal, aber wieder von Stuhl zu Stuhl, ganz langsam.

Hier im Saal habe ich dann meine selbst genähte Mund-Nase-Maske angezogen, weil mir aufgefallen ist das alle Rotes-Kreuz-Mitarbeiter und etwa ein drittel der Spender welche tragen.

Um 20 Uhr lag ich dann endlich auf der Liege und konnte mein Blut erfolgreich abliefern.

Die Blutspende hat gut und problemlos geklappt. Unmittelbar danach lief es etwas anders als sonst. Es gibt keine „Taxis“, also Leute die einen zum Sitzplatz begleiten und kein Essen in der Halle.

Stattdessen bekommt man ein Vesperpaket sowie eine riesige Packung „Merci“-Schockolade mit. Im Gegensatz zu sonst wird man gebeten die Halle möglichst schnell zu verlassen.

Wenn Dich das Thema Blutspende interessiert empfehle ich Dir meinen Artikel Blutspende bei 38 Grad oder diesen Artikel einer Bloggerin sowie die offizielle Seite des DRK-Blutspendendienstes .

Wenn Dich interessiert wie eine Blutspende sonst abläuft empfehle ich Dir einen Artikel „Blutspende bei 38 grad“