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Öffentlicher Verkehr… von der Angst etwas falsches zu tun

Wer mich und diesen Blog kennt, der weiß das ich grundsätzlich gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Mir machen auch lange Fahrten im Zug oder Bus nichts aus. Vielleicht auch dadurch geprägt das ich in einem Haushalt ohne Auto aufgewachsen bin hatte ich eigentlich nie Probleme mit anderen Menschen im gleichen Fahrzeug zu reisen.

Doch seit diesem Frühjahr ist plötzlich alles nicht mehr so wie es mal war! Die sogenannten „Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19“, die unser aller Leben auf den Kopf gestellt haben sind auch bei mir und meinem Sicherheitsempfinden nicht ganz Spurlos vorbei gegangen.

Anfang März war ich dann schon so nervös, das ich meiner 80 Jährigen Mutter einen riesigen Hamster-Einkauf gebracht habe und ihr gesagt habe ich würde sie bis auf weiteres nicht mehr besuchen. Sie wohnt nur knapp 30 km von mir entfernt. Doch da ich keinen eigenen PKW besitze empfand ich eine Fahrt zu ihr als zu riskant.

Genau das wurde uns ja von allen Medien und von der Regierung eingebläut! „Reisen sie nicht“, „machen Sie keine Besuche!“, „meiden Sie den Kontakt mit älteren Menschen“…

Meine Mutter hat die Situation relativ gut verarbeitet, da sie schon immer sehr zurückgezogen lebt und nicht viele Kontakte hat. Und auch das ich oder meine Schwester sie mal 2 Monate nicht besuchen kommen, kam schon mal vor… war aber eigentlich nie so gewollt.

Diesmal habe ich ihr aber gesagt „ich komme die nächsten Monate nicht“ Weder mit dem Zug noch mit dem Leihwagen“… dieses „das ist zu gefährlich“ musste ich gar nicht dazu sagen. Sie sieht ja auch fern und hat all diese Aufrufe und Warnungen mitbekommen.

Aber was hat diese Situation mir mir gemacht?

Bisher war es nie meine Absicht mich wochenlang nicht um meine Mutter zu kümmern, meistens war das „keine Zeit haben“ mit meiner Arbeit oder irgendeiner Reise verbunden. Ich glaubte wirklich keine Zeit für meine alte Mutter zu haben.

Doch dann kamen die Kontaktverbote… Gymnastik und Chroproben wurden abgesagt, Konzerte und andere Veranstaltungen nach und nach auch alle. Eine Freundin in Hamburg die ich besuchen wollte sagte schon sehr früh „es ist besser wenn Du dann nicht kommt“ und ich dachte zuerst sie übertreibt etwas… doch kurz darauf wurden wir alle dazu aufgefordert überhaupt nicht mehr zu reisen. Plötzlich hatte ich immer mehr Zeit… genau das was ich für meine Mama in den letzten Monaten und Jahren zu wenig hatte… und jetzt war Zeit da aber ich durfte nicht zu ihr fahren.

Spätestens als die Anzeige der nahen S-Bahn plötzlich nur noch „Fahren Sie nur noch wenn es unbedingt sein muss“ anzeigte wurde mir vollends mulmig.

Ich hatte eigentlich nie richtig Angst das ich krank werden könnte, aber die Angst die Krankheit unwissentlich von einem zum andere zu tragen war sehr stark da.

Meine Mutter ist 80 Jahre alt, eigentlich noch ganz rüstig doch Bluthochdruck und Osteroposekrank und … da sie schon fast ewig raucht, Lungenkrank. Also genau das was man Risikopatient nennt!

Selbst wenn dieser Virus bei mir nur ne Grippe oder eventuell noch nicht mal das auslöst, für sie könnte die Krankheit tödlich enden.

Genährt wurde diese Angst durch die Nachricht das mein Onkel, ihr 15 Jahre jüngere Bruder nachgewiesen an Corona erkankt war! Die Ärzte hatten zwar erst alles mögliche Andere bei ihm vermutet, weil er keinen wissentlichen Kontakt mit einem Corona-Fall hatte.

Mein Onkel ist Dialysepatient, Zuckerkrank, hat mehrere Bypässe und ein fortgeschrittenes Lungenleiden. Die Diagnose Corona klang für mich wie ein Todesurteil ! Mehrere Tage hab ich oft und lang mit ihm telefoniert und mich schon fast von ihm verabschiedet. Zusammen hatten wir beschlossen seiner Schwester, meiner Mama, nichts davon zu sagen, weil wir vermuteten das diese schlimme Nachricht sie umbringen könnte.

Nun, mein Onkel musste zwar zeitweilig ins Krankenhaus, und es ging ihm auch sehr schlecht, doch er wurde überraschend bald als „geheilt“ entlassen.

Mittlerer Weile hat er seiner Schwester die ganze Krankengeschichte erzählt und sogar sie meinte dazu „also wenn Du das überlebt hast, dann ist es ja gar nicht so schlimm!“

Dazu muss ich erwähnen das meine Mutter in ihrem Leben schon sehr oft um das Leben ihres kleinen Bruders zittern musste. Er kam auf die Welt als Frühchen und war in der Kindheit immer sehr dünn und kränklich. Als junger Erwachsener hat er so ziemlich alles schlimme angestellt was man sich so vorstellen kann. Alkohol, Drogen, Autounfälle usw… Dann war er mal mit anfang 30 sehr schwer krank. Was genau weiß ich gar nicht, weil ich noch Kind war und mir meine Mutter nix sagen wollte.

Jedenfalls wurde sie ihn die Klinik gerufen um sich von ihm zu verabschieden. Die Ärzte meinten sie könnten nix mir für ihn tun. Er hat überlebt und sich wieder vollständig berappelt.

Dann bei einer Bruch-Operation erwachte er aus der Narkose und der Arzt schimpfte: „was fällt ihnen ein sich in diesem Zustand operieren zu lassen! Sie sind wieder aufgewacht, aber mit dem Zuckerwert sind andere tot“… offensichtlich glaubten die Ärzte, er würde die Narkose nicht überleben. Doch auch das überstand er! Ab da war er als „schwerst Zuckerkrank“ ein ständiger Problempatient.

Meine Mutter meinte schon vor 10-15 Jahren „naja der macht es nicht mehr lang“… doch wieder erwarten starben seine beiden Brüder, jedoch er nicht.

Aufgrund der „Eindämmungsmaßnahmen“ wurde mein Arbeitsplatz 5 Wochen lang geschlossen und ich hatte sowas wie Zwangsurlaub. Eigentlich endlich mal genug Zeit um mich um meine Mutter zu kümmern. Doch ich durfte ja nicht hin. Also telefonierten wir ganz viel, ich glaube sie war sogar glücklich darüber. Und wir schickten mehrfach kleine Päckchen hin und her.

Erst am Muttertag, da habe ich endlich gewagt zu ihr zu fahren. Ich hab lange überlegt was wohl das sicherste und beste ist und habe mich um so wenig Kontakt wie möglich mit anderen Menschen zu haben für die Fahrt mit einem Car-Sharing Auto von Stadtmobil entschieden.

Vor lauter Angst ich könnte den Virus von eine Nutzer vor mir zu meiner Mutter tragen, habe ich sämtliche Stellen im Auto die ich anfassen muss mit einem Desinfektionsmittel abgewischt… Lenkrad, Türen usw. völlig paranoid! Denn das Virus kann auf Oberflächen nicht lange überleben.

Bei meiner Mutter hatte ich es vermieden in ihre Wohnung zu kommen und wir haben uns an den Gartentisch gesetzt. Um ja nix von ihrem Haushalt zu „kontaminieren“ habe ich alles Geschirr und Kuchen mitgebracht und nur den Kaffee hat sie beigesteuert.

Bei diesem ersten Treffen vermieden wir jede Berührung. Keine Umarmung und nix. Aber wir konnten uns sehen und sie hat sich soooooooo darüber gefreut.

Heute war ich bei meiner Mutter

Heute war ich jetzt das zweite Mal bei meiner Mutter und ich bin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihr gefahren.

Mit der S-Bahn von Lörrach nach Weil am Rhein und dann mit dem Nahverkehrszug bis Müllheim und dort nochmal ein Stück Bus.

Ich muss zugeben ich hatte große Bedenken. Ist das gefährlich wenn mir andere Personen zu nah kommen. Sind vielleicht zu viele Leute im Zug oder Bus… Alles völlig grundlos!

In der S-bahn waren nur ganz wenige Menschen unterwegs, alle mit Mundschutz, eine alte Dame sogar mit Handschuhe und man hat gesehen das sie möglichst nichts anfässt.

Im Zug der deutschen Bahn haben sich die reisenden Personen noch mehr verteilt. Ich saß in einem zweistöckigen Wagon oben, weil dort erfahrungsgemäß weniger los ist und in dem Bereich saß noch ein junger Mann 3 Reihen von mir entfernt. Während der Fahrt ist eine Person an mir vorbei gelaufen, das war es.

In Müllheim hat es mich vor dem Bus gegruselt, weil der erfahrungsgemäß sehr voll ist. Zu meiner Überraschung kam ein größerer Gelenkbus und es waren viel weniger Fahrgäste als sonst. Es war in etwa jede zweite Reihe besetzt, jeder trug Mundschutz und es wurde auf größtmöglichen Abstand zu anderen Personen geachtet.

Auch beim Ein- und Aussteigen ist mir aufgefallen das die Leute alle aufmerksamer und rücksichtsvoller sind und nach Möglichkeit Abstand halten. Also zumindest die Leute die heute unterwegs waren, waren echt besonnen.

Vor meiner Fahrt hatte ich echt Angst ich würde etwas falsches, etwas gefährliches tun. Doch ich kann mir nicht vorstellen das irgendeine Person der ich begegnet bin mich hätte mit irgendetwas anstecken können.

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Auf dem Weg zur Normalität?

Nun liegt schon eine Woche arbeiten nach dem Corona Shut Down hinter uns. Nachdem wir 5 Wochen lang gar nicht geöffnet hatten durften wir Mitarbeiter nach und nach zur Arbeit antreten. Wobei zeitweise nicht ganz klar war was nun unsere Arbeit ist, so ganz ohne Kunden…

Seit Donnertag vor einer Woche haben wir endlich wieder für unsere Kunden geöffnet. Jedoch ganz anders als erhofft! Wir dürfen nur auf einer Fläche von 800qm für Kunden öffnen, das ist noch nicht mal das ganze Erdgeschoss! Und unser Warenhaus verfügt über insgesamt 7 Stockwerke Verkaufsfläche.

Auf dieser Minifläche dürfen Maximal 40 Personen sein, das heißt selbst die Mitarbeiter dürfen sich nicht alle gleichzeitig im selben Stockwerk aufhalten. Aus diesem Grunde wurden die Besprechungen bei denen wer wir über die weitere Vorgehensweise informiert wurden in mehren Gruppen durchgeführt.

Im Erdgeschoss dürfen nur 6-7 Verkäufer und 2-3 Kassierer arbeiten und alle anderen Mitarbeiter müssen in den restlichen Stockwerken Nebentätigkeiten machen. Aufräumen, Dekorieren, Vorbereitungen treffen auf eine hoffentlich baldige Öffnung des Hauses.

Das Verkaufen in dem abgetrennten Erdgeschoss hat nur wenig mit unserem normalen Arbeitsalltag zu tun. Denn der Kunde kann ja nur die Sortimente im EG selber wählen und anschauen. Alles andere muss der Kunde uns gezielt beschreiben und wir holen die gewünschte Ware dann. Das geht bei einem Ringbuch oder Schulheft sehr gut… bei Schuhe und Kleidung ist das allerdings schon viel schwieriger.

Aufgrund der seit Montag geltenden Maskenpflicht ist der aktuell meist gefragte Artikel Mundschütze oder waschbare Masken aus Stoff. Beides haben wir nicht… noch nicht!

Gummiband ist das neue Klopapier

Da die Bundesregierung und das RKI herausgegeben haben das von Laien genähte Mundschütze aus Stoff auch zulässig sind, sind plötzlich Stoff und Gummiband die wichtigsten Artikel im Warenhaussortiment!

Um dieser Nachfrage begegnen zu können haben wir diese beiden Sortimente in das Erdgeschoss verlegt. Am Prominentesten Platz im ganzen Warenhaus, dort wo man normalerweise auf die Rolltreppen zugeht. Dort stehe ich mit einem Schneidetisch und 2-3 provisorischen Warenträgern voller Baumwollstoff und verkaufe wie verrückt.

Während sich die Kollegen aus anderen Warenbereichen langweilen und nach Arbeit suchen, bildet sich bei mir am Stoffschneidetisch eine Schlange. Als wir noch Gummiband hatten mussten wir mehrfach die Kunden an das Abstandgebot von 1,5m erinnern. Denn in ihrem Gier nach dem begehrten Gummiband war das manchen egal. Doch der Spuk dauerte nicht mal einen ganzen Tag, denn dann war alles ausverkauft!

Alle Gummibänder die halbwegs für Gesichtsmasken gebrauchbar sind ausverkauft. Normal führen wir ein umfangreiches Sortiment, mit verschiedenen Marken, Qualitäten und Farben… aber jetzt ist alles weg.

Neue Ware ist noch nichts gekommen, weil unsere Läger ja auch Kurzarbeit Null hatten und erst seit wenigen Tagen wieder arbeiten. Die normale Warenversorgung muss jetzt erst wieder anlaufen.

Alles andere als Normal!

Die Art und weise wie wir augenblicklich arbeiten ist alles andere als normal. An die Mundschütze hat sich kaum jemand richtig angewöhnt. Viele haben Probleme Luft zu kriegen oder mit beschlagener oder runter fallender Brille. Das Handling der eigenen Maske ist das eine, aber die Kommunikation mit anderen die auch Maske tragen auch gewöhnungsbedürftig.

Mit einer Mund-Nase-Abdeckung im Gesicht muss man viel lauter und deutlicher sprechen als gewohnt. Ein großer Teil der Mimik steht nicht mehr zur Verfügung. Das fällt besonders auf wenn man etwas ironisch oder lustig meint, der andere kann das oft nicht so richtig erklären. Man muss also Dinge die man sonst nicht ausspricht auch noch sagen „haha lustig gemeint“ oder „Bloß nicht!“.

Du musst sprechen wie wenn Du in einem Chat keine Emojis einsetzen kannst. Denn Dein Gesicht funktioniert nur noch teilweise.

Ich denke wenn man das länger gewohnt ist, mit Menschen zu reden deren halbes Gesicht verdeckt ist, dann kann man irgendwann die Mimik auch etwas lesen und verstehen, aber noch ist dies für die meisten Menschen Neuland und die Mundschütze erschweren massiv die Kommunikation.

Besonders schwierig ist dies für Menschen die nicht gut hören. Und schüchterne Menschen haben noch größere Probleme sich auszudrücken.

Nächste Woche soll es endlich normaler werden

Nach dem neuesten Informationsstand gehen wir davon aus das wir am Montag dann endlich das ganze Haus für Kunden öffnen dürfen. Ob das jetzt wirklich so kommt, oder ob wieder irgendein Verbot dazwischen kommt, weiß ich nicht.

Ich glaube es erst wenn es wirklich soweit ist!

Ich hoffe sehr das dann endlich etwas mehr Normalität eintritt, wenn ich nicht mehr mit meinem provisorischen Tisch im Erdgeschoss verkaufen muss. Aber ich fürchte das es nie mehr ganz so wie vor Corona werden wird!

Es bleibt spannend wie sich die Dinge entwickeln! Ich werde hier weiterhin berichten denn so richtig „normal“ läuft ja noch nichts.

In diese Sinne „bleib gesund“ und bis bald.