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Kurzes Update 23. August

Zu aller erst, herzlichen Dank für die vielen Kommentare, E-mails und sogar Anrufe zu dem Thema Defekt an der Nähmaschine. .

Der Versuch die Schadhafte Stelle an der Stichplatte abzuschleifen wurde noch nicht gestartet. Aber es hat sich jemand gemeldet der in einer Firma arbeitet die solche Bauteile herstellen kann. Nächste Woche wird er das Bauteil mal mitnehmen und feststellen lassen was es kostet wenn es nach gebaut wird. Erst nach dem vermessen wird dann probiert es zu schleifen.

Das kann allerdings noch ein paar Tage dauern, was mich nicht stört, denn am Donnerstag fahre ich ja Rügen!

Inventur

Gestern haben wir die letzten Vorbereitungen für die Inventur gemacht. Unter anderem habe ich die die Gardinenbänder gemessen… Die sind etwa 2-4 cm breit und eigentlich einfach zu messen… aber auf einer solchen Rolle sind 50-100 Meter! Mach mal 100 Mal die selber Bewegung mit den Armen. Spätesten nach zwei Rollen muss ich erst mal etwas anderes tun. Die Ausgleichsgymnastik davon war dann die angebrochene 1000er Tüte mit Gardinengleitern in kleine Tüten mit je 50 Stück zu zählen… Die Dinger lassen sich jedoch nicht so ganz husch husch zählen, denn sie verfügen ja über einen Haken mit dem sie in das Gardinenband eingehängt werden und verhäddern sich ständig miteinander. Von den Dingern hatten wir 3 verschiedene Sorten… ich war also über den Tag verteilt immer wieder mal am „Gleiter-Zählen“.

Während ich hier auf meiner Couch sitze und diesen Text schreibe machen die anderen gerade die Inventur Aufnahme. Dafür haben wir eine externe Firma und es muss nur einer von uns dabei sein.

Leistungsdruck?

Es ist mitten im August, Sommerferien und eigentlich sollte gerade überall das Sommerloch herrschen. Tut es aber irgendwie nicht.

Bei meinem Nebenjob im Bäckerladen geht es momentan richtig heiß her. Ein Bäckerladen im gleichen Stadtteil hat geschlossen weil er umgebaut wird und nun kommen vermehrt dessen Kunden auch bei uns einkaufen. Genau Gegenüber ist ein Kiosk der auch Kaffee und belegte Brötchen anbietet. Dieser hat aber die letzte Zeit aber sehr unverlässliche Öffnungszeiten. Hat er zu stehen die Leute bei mir für Kaffee und Cappuccino Schlange!

Gestern Morgen staunte ich etwas über den Umfang der Warenlieferung. Ich dachte schon da sei ein Fehler passiert. Die Brötchen Teiglinge die ich morgens aufbacken muss kamen mal eben in doppelter Menge! Ohne vorheriger Ankündigung. Aber ich bin ja flexibel, und habe so schnell wie möglich die Mehrmenge gebacken, denn bei diesen Temperaturen dürfen die Teiglinge nicht zu lange ohne Kühlung bleiben.

Also mehr Nebentätigkeit während mehr Kunden da sind… genau das Gleiche wie beim Hauptjob!

Gesundheit?

Gestern fühlte es sich schon so an als ob der Stress sich schon in körperlichen Beschwerden manifestiert. Aber es waren diesmal nicht wie erwartet Schultern und Nacken die schmerzten. Stattdessen hatte ich einen mir bisher unbekannten Schmerz oberhalb des Fußgelenks! Es begann mit etwas ziehen als ob man sich „vertreten“ hat und steigerte sich so sehr das ich beinahe nicht mehr gehen konnte.

Am Nachmittag habe ich dann mal überlegt ob ich nach Feierabend statt nach Hause evtl in die Notaufnahme gehe… Durch diese Schmerzen fühlte ich mich sehr stark an einen heißen und anstrengenden Tag Ende August 2018 erinnert. Als ich nach einem unglücklichen Stolperer gar nicht mehr gehen konnte und später im Krankenhaus landete… Damals hatte ich mir während der Arbeit am rechten Fuß den Mittelfußknochen gebrochen.

Gestern war der Schmerz auf der anderen Seite und wurde dank Schmerztablette und anderer Schuhe langsam besser. Was es genau war oder ist, weis ich nicht. Ganz weg ist es nicht, aber ich kann normal gehen und stehen. Da an dem Bein keine Schwellung zu sehen ist, vermute ich mal das es mit der Durchblutung oder mit den Muskulatur zusammen hängt. Gestern Abend habe ich erst mal mein Bein mit kalter Dusche und Massage verwöhnt und nun beim Aufstehen sind die Beschwerden fast weg. Nur fast… aber ich werde ganz normal zur Arbeit gehen und meine Leistung bringen!

Morgen früh hab ich dann sogar nochmal morgens vor der Arbeit meinen Nebenjob…

Die Vorfreude motiviert mich durchzuhalten!

Ganz ehrlich das alles könnte ich nicht durchhalten wenn ich nicht etwas hätte auf das ich mich freue! Am Donnerstag fahre ich nach Rügen. Mich erwartet ein tolles verlängertes Wochenende mit Fan-Freunden auf der Ostsee-Insel. Und ein Open-Air Konzert mit meinem Lieblingssänger. Und ich freu mich soooo

Übermorgen um 5 Uhr sitze ich im Zug und ich freue mich auf 10 Stunden Zugfahrt. Ja ganz ehrlich! 10 Stunden dasitzen und nichts machen müssen, nicht rennen müssen, nicht beeilen müssen und keiner will was von mir! Wenn ich dann 12 Stunden (Zugfahrt mit Aufenthalt) später auf Rügen ankomme bin ich dann hoffentlich entstresst und im Freizeitmodus.

Das ist einer der Gründe warum ich lange Zugreisen mag. Man kann in der Zwischenzeit „Runterfahren“, was im Flugzeug oder im Auto nicht immer gelingt. Mehr dazu unter „wie macht man sich lange Zugreisen erträglich?“ oder „Reiseproviant für 7 Stunden Zugfahrt“.

Wenn es klappt werde ich hier von Unterwegs berichten. Der Laptop reist mit und der ICE hat W-LAN. Mal sehen ob ich Lust zum Schreiben habe (denn ich möchte auf der Fahrt „nix müssen“)

Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog

Kurzarbeit und die Folgen für mich und mein Umfeld

Heute möchte ich mich einfach mal über ein Thema auskotzen das eigentlich nichts mit meinem Blog-Thema zu tun hat aber für viele von uns momentan allgegenwärtig ist. Kurzarbeit betrifft momentan im Landkreis Lörrach über 45 000 Menschen.

Nach dem Shut-Down im März/April, als ich und meine Kollegen auf Kurzarbeit 0 waren, ging es dann ab Mai fast wieder in die normalen Arbeitszeiten. Mehr dazu unter „Der Laden ist zu“ und „was ich so mache“. Viele andere Firmen konnten jedoch erst viel später und nur eingeschränkt arbeiten. Die meisten begannen danach gleich mit Kurzarbeit.

Mich persönlich betrifft die Kurzarbeit erst seit 1.8…. dann wenn andere Brachen langsam wieder anfangen normal zu arbeiten fahren wir herunter. Wir in der Filiale in Lörrach haben dabei echt noch Glück, denn wir müssen nur 15% weniger arbeiten. In anderen Städten müssen die Kollegen teilweise 20 der 30% herunterfahren. Und das mitten in der Urlaubszeit!

Klar für einen Warenhauskonzert sind die Sommermonate normalerweise die ruhigsten und umsatzschwächsten. Aber dieses Jahr ist irgendwie nichts mehr normal… Dieses Jahr zieht sich die Flaute schon seit März dahin…

Meine Kollegen und ich kämpfen momentan täglich um jeden Euro Umsatz und erreichen nur selten die Zahlen anderer Jahre. Und deshalb jetzt die Kurzarbeit um den Verlust etwas aufzufangen…

Kürzer arbeiten aber gleich viel Leistung bringen?

Aber ich finde das ist genau das falsche Signal an unsere Kunden. An die Kunden die trotz allem in den Laden gehen und nicht online kaufen. Die Leute kommen zu uns weil sie in einem Ladengeschäft Beratung und menschliche Ansprache bekommen. Denn gerade letztere ist seit der Corona-Isolation immer wichtiger geworden. Und wir Verkäufer sind weniger, weil wir Kurzarbeit machen müssen…

In meinem Fall bedeutet das: Ich arbeite täglich nicht 8 der 8,5 Stunden sondern nur 7. Das klingt als sei das eine Erleichterung und bedeutet mehr Freizeit… Außerdem dürfen wir keine Überstunden machen, müssen also exakt pünktlich gehen, dürfen nicht kürzer Pause machen oder länger bleiben. Alles muss innerhalb unserer Arbeitszeit fertig werden.

Aber die Realität sieht anders aus ! Meine Arbeitskollegen arbeiten ja auch alle weniger… Außerdem haben wir eine Kollegin die schwanger ist und wurde komplett frei gestellt. (weil die Firmenleitung Angst hat was passieren würde wenn Kunden sie mit Corona anstecken). Also bin ich dann wenn ich arbeite alleine eingeteilt.

Alleine auf dem Stockwerk… das waren wir früher auch hin und wieder, morgens vor 11 Uhr oder abends nach 18 Uhr… oder wenn die Kollegin gerade zur Pause, in einer Schulung oder sonst wo ist. Das waren aber immer nur kurze Zeitabschnitte und komplizierte oder aufwändigere Dinge konnte man dann auf später verschieben.

Das geht seit 1. August nicht mehr. Ich bin einfach entweder nicht da, oder allein. Sprich ich muss jede Minute meiner Arbeitszeit so etwa 110% meiner Leistung bringen.

Nicht das ich ein Problem damit habe meine Arbeit schnell und effektiv zu erledigen. Auch das mehrere Dinge gleichzeitig und möglichst schnell zu erledigen gelingt mir oft (aber nicht immer!)

Aber nun achtet bei dieser Rechnung doch mal darauf das ich doch eigentlich mit Menschen arbeite! Mit Menschen die zu mir in den Laden kommen weil sie eben nicht online bestellen wollen. Die Fragen stellen wollen, die beraten werden wollen! Die in ein Warenhaus gehen um auch mal von ungeplanten Dingen begeistert und verführt werden wollen.

Die Kunden die zu uns kommen sind unter Umständen die letzten Wochen viel alleine gewesen und möchten reden, sie sind vielleicht einsam, verunsichter oder ängstlich. Gerade ältere Kundinnen erschrecken sehr wenn ich sie bitten muss etwas mehr Abstand zu halten oder ihnen sagen muss das irgendwas nicht lieferbar oder möglich ist „wegen Corona“

Wenn ich permanent schnell schnell machen muss, und ständig im Hinterkopf den Druck habe: „was ich nicht in den 7 Stunden Arbeitszeit erledigt kriege macht keiner“, glaubt ihr da kann ich wirklich geduldig, freundlich und entspannt auf alle Fragen und Einwände der Kunden eingehen ???

Hinzu kommt noch ein weiterer Stressmoment: Nach wie vor muss ich leider sehr oft den Kunden erklären das eine gewünschte Ware nicht da ist. Baumwollstoffe und Gummiband werden immer noch viel mehr als sonst gekauft und sind deshalb sehr oft ausverkauft. Es ist zwar nicht mehr so das nix nach kommt, aber das was kommt reicht einfach nicht für die erhöhte Nachfrage. Und die Frage „wann bekommen Sie das wieder?“ kann ich seit diesem Frühjahr nicht mehr beantworten!! Denn ganz vieles funktioniert nicht mehr normal. Ganz mühsam sind dann die Fragen „Wieso?“… ääähm

Folglich brauche ich mehr Zeit und Energie (und viele Worte) um den Leuten das zu erklären.

Nebenbemerkung:

Logischerweise arbeite ich mit Mund-Nasen-Bedeckung… damit muss ich lauter und deutlicher sprechen als ohne, und ich rede im laufe der 7 Stunden alleine mehr als wenn ich sonst 8,5 Stunden zu zweit wäre… kann sich da jemand vorstellen das das auch anstrengender ist als normal?

Gott sei Dank haben wir nun erfahren das unsere Kurzarbeit zum 1.10. endet und wir dann endlich wieder normal arbeiten dürfen.