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Samstagsplausch am 4. Juni 2022

Samstag morgen um kurz vor 7 Uhr. Endlich finde ich etwas Zeit um hier zu schreiben. Die vergangene Woche war echt anstrengend.

Viel Arbeit

Diese Woche hatte meine Kollegin Urlaub und dadurch war ich fast permanent allein auf dem Stockwerk. Seit dem Lockdown 2020 kam das aus verschiedenen Gründen häufiger vor und sollte ich eigentlich gewohnt sein. Doch diese Woche war endlich mal wieder mehr los. Die Kundenfrequenz nimmt endlich wieder etwas zu. Zwar ist immer noch nicht so viel los wie wir es bis 2019 gewohnt waren aber wenn man so knapp besetzt ist dann fühlt sich das viel viel mehr an.

In den Monaten als so extrem wenig los war hat man sich auf die einzelnen Kunden gefreut und die geduldig und intensiv beraten. Aber nun kommt es immer häufiger vor das schon ein weiterer Kunde hinten dran steht und auch bedient werden will. Bisher war meine Erfahrung das die meisten Leute geduldiger geworden sind und eher bereit sind auch mal einen Moment zu warten bis sie dran sind. Aber jetzt kommen immer mehr unfreundliche, ungeduldige Leute dazu die sich einfach dazwischen drängen und rein quatschen. „Ich hab da nur ne Frage!“. Ich hasse das wenn jemand nur weil er den Eindruck hat das Verkaufsgespräch das ich gerade führe könnte länger als 2-3 Sätze dauern einfach dazwischen blafft. Und ganz oft sind es dann bescheuerte und dumme fragen die sich der Kunde längst selbst beantworten hätte können wenn er nur etwas nachgedacht hätte.

Ganz häufig „bezahle ich das unten?“ … Ich arbeite im Obersten Stockwerk eines Warenhauses und auf der Etage gibt es keine Kasse… welche Alternative zu „unten“ gibt es da? Vielleicht auf dem Dach?“

Wegen dieser Frage unterbricht man mich egal ob ich gerade, spreche, Stoffmenge ausrechne, übersetze, etwas erkläre oder vorsichtig einen Stoff durchschneide… Rücksicht, Empathie oder einfach nur Höflichkeit FEHLANZEIGE.

Was habe ich diese Woche schönes erlebt?

Ich will Euch hier im Samstagsplausch auf keinen Fall nur von meiner Arbeit volljammern. Viel wichtiger ist es mir hier zu erwähnen was es schönes diese Woche gab:

Chorprobe:

Am Dienstag hatten wir unser „Konspiratives Treffen“ mit unserem Chor. Wir wollten vor allem erst mal Sondieren wer denn überhaupt noch dabei sein will. Denn während der Corona-bedingten Pause hat sich sehr viel verändert. Eine Sängerin hat sich offiziell abgemeldet und geht nun in einen anderen Chor. Zwei Sängerinnen leben nun im Altersheim weil sie so dement sind das sie den Alltag nicht mehr alleine bewältigen können, vermutlich erinnern sie sich auch nicht mehr an den Chor und das Singen.

Es war also echt spannend zu sehen wer wirklich erscheint und damit zum Ausdruck bringt „ja ich will dabei sein“. Ich selbst hab befürchtet das besonders die alten Teilnehmer nicht mehr mit machen möchten. Zur allgemeinen Überraschung waren genau die drei ältesten Damen da! Diese möchte ich hier mal einzeln erwähnen, weil ich ihren Einsatz wertschätzen möchte… aber ich lass alle Namen weg aus Datenschutzgründen:

Seniorin A: Sie ist 83 Jahre alt und lebt mit ihrem etwas älteren Mann in einem kleinen Bungalow am anderen Ende der Stadt. Um zur Probe zu kommen muss sie Autofahren, was sie nur noch ungern macht. Ihr Mann wird zunehmend dement und tuddelig und sie pflegt ihn alleine zuhause. Noch kann sie ihn für die Dauer der Chorprobe und anderer Erledigungen alleine lassen. Aber sie überlegt schon wie sie das organisieren kann wenn er nicht mehr alleine bleiben kann.

Seniorin B: ist vor ein paar Jahren aus dem Stadteil wo die Chorprobe stattfindet weg gezogen und alle dachten das sie danach vielleicht nicht mehr kommt. Während der Corona Auflagen war sie extrem ängstlich und war die erste die sagte „ich komme nicht das ist mir zu gefährlich“ das ausgerechnet sie nun zum ersten Treffen kommt und vorher bei Seniorin C vorbei schaut um diese abzuholen hat mich echt beeindruckt.

Seniorin C: war früher die „gute Seele“ im Chor und wohnt nur wenige Schritte vom Probenort entfernt. Kurz vor der Corona-Pandemie hat sie ihren Mann der lange sehr schwer krank war verloren und danach war sie nie wieder die alte. Dann kam Lockdown usw und ich hab sie sogar paarmal besucht. Beim ersten Mal standen wir mit 2m Abstand im Treppenhaus weil sie so Angst hatte… In den letzten Monaten ist sie auch etwas dement geworden und hat offensichtlich Seniorin B: nicht mehr erkannt als diese bei ihr vor der Türe stand um sie zur Chorprobe abzuholen.

Umso mehr freuten wir uns als sie später tatsächlich im Probenraum erschien! Sie war zwar eine Stunde zu spät und wusste keine Namen mehr. Aber sie wusste sie wollte Dienstags Abends dahin und da sind Leute über die sie sich freut. Es war schön sie wieder zu sehen… aber ich denke sie konnte den Vorschlägen und Plänen die uns der Chorleiter unterbreitet hat nicht wirklich folgen.

Da wir nun nur noch 10-12 aktive Sänger sind machen wir jetzt mit einem etwas anderem Konzept und Liedgut weiter. Ich finde die neue Richtung toll und bin damit überraschender Weise mit „Seniorin B“ komplett einer Meinung. Interessant genau diejenige von der wir dachten die kommt nicht mehr ist total begeistert.

Jetzt sind erst mal Ferien, denn wir orientieren uns immer noch mit Rücksicht auf die jüngeren mit Schulpflichtigen Kindern an den Schulferien. Aber in 2 Wochen geht es endlich wieder los mit ganz neuen Liedern. Ich freue mich darauf!!!

Urlaubsreif?

Ich bin total ausgepowert und ko und vermutlich „Urlaubsreif“, das erste Mal seit über 2 Jahren würde ich sagen. Aber ich habe über Pfingsten keinen Urlaub eingereicht. Aber aufgrund dessen das ich die letzten zwei Wochen mehr gearbeitet hab, weil die Kollegin in Urlaub war, werde ich dieses zu viel nächste Woche „ausgleichen“… Der Arbeitsplan sieht nächste Woche 3 freie Tage vor, dann noch der Feiertag und effektiv muss ich nur an 2 Tagen zur Arbeit kommen! Das finde ich toll.

Ach und dann hab ich da ja noch über 60 Überstunden die ich eigentlich auch bald abbauen sollte… ich bin gespannt wann ich das machen kann…

Wie es aussieht werde ich in den nächsten Wochen viel mehr Zeit für den Blog haben. Die letzten zwei Wochen habe ich vieles schleifen lassen… So habe ich am Mittwoch das erste Mal bei „Weniger ist Mehr-1000 Teile raus“ nicht mitgemacht. Meine erste Lücke nach 19 Wochen!

Ab nächste Woche wird es wieder entspannter und ich kann hier wieder mehr für Euch schreiben. Jetzt geht es gleich zu meinem Arbeitssamstag im Warenhaus:

Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog

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