Am vergangenen Freitag Vormittag sind ungewöhnlich starke Gewitter und Unwetter über die Schweiz und teile Süddeutschland getobt. Es war so dramatisch, dass selbst die Tagesschau darüber berichtet hat. Auf Tageschau.de kannst Du etwas darüber nachlesen.
Als das Sturmtief in Lörrach angelangte war ich noch zuhause. Mein Dienst sollte erst um 11:30 beginnen. Ich war in meiner Wohnung am Haushalt erledigen, als es immer dunkler wurde. Irritiert sah ich aus dem Küchenfenster und mir fiel ein ungewöhnliches Wolkenbild auf. Später entdeckte ich auf Instagram einen Tornado-Spotter der behauptete ein solches Wolkengebilde sei der Hinweis auf eine „Superzelle“. Ob an dieser Behauptung was dran ist weiß ich nicht. Jedenfalls sah ich schon an den Wolken das da etwas ungemütliches kommt. Deshalb sicherte ich meine Balkonmöbel und schloss alle Türen und Fenster.
Ein stürmischer Wind kam auf und es herrschte ein eigenartig gelbes indirektes Licht. Das erinnerte mich an eine Situation in meiner Kindheit, damals hatte es anschließen derart gehagelt das die Straßenlaterne gegenüber zerschlagen wurde. Mir wurde mulmig zu mute… Dann wurde es dunkel, schon beinahe Nacht! Kurzfristig schaltete die Straßenbeleuchtung ein!
Dann kam heftigster Regen! Ich stand am Fenster und hab zugesehen wie binnen weniger Minuten die Straße zu einem Bach wurde. Und mir fiel auf das der Guli vor meiner Haustüre durch Laub und Abfall fast zugesetzt war und ich war schon am Überlegen ob ich hinunter gehen und das frei machen soll… Doch nach weniger als 15 Minuten war der Spuk vorbei.
Der Regen lies nach, es wurde wieder hell und das Wasser konnte abfließen. Von der Innenstadt her konnte ich mehrere Martinshörner hören, ich vermutete das wohl irgendwo Keller voll gelaufen sind.
Lieber früher zum Dienst
Doch dann fragte ich mich, wenn es noch woanders so oder schlimmer gemacht hat, könnte ja der Betrieb der S-Bahn gestört sein. Und Radfahren wollte ich bei diesem Wetter auf keinen Fall. Also machte ich mich so frühzeitig für die Arbeit zurecht, das ich eine S-Bahn früher nach Basel fahren kann.
Die S-Bahn fuhr pünktlich. Aber im Badischen Bahnhof in Basel wunderte ich mich schon über Wasser in der Unterführung und überall Warnschilder vor Rutschgefahr. Zuerst dachte ich „komisch wieso ist hier Wasser, obwohl keiner putzt?“. In der Dienststelle dann eine Kollegin die fragte: „Ist denn auf Eurer Strecke kein Baum umgefallen?“ Wiebitte? Sie wohnt in Basel und hat Schweizer Nachrichten gehört. Starkes Unwetter in großen Teilen der Schweiz. Überflutete Innenstädte, Sturmschäden auf Straßen und Bahntrassen, auf einer Autobahn sind mehrere LKW umgestürzt…
Mein Zug fährt
Laut Dienstplan sollte ich zuerst als Fahrgast mit dem ICE nach Zürich fahren, dieser war jedoch verspätet. Erfahrungsgemäß lehnt sie Schweiz oft zu sehr verspätete Züge ab und schickt stattdessen einen pünktlichen Ersatzzug los. Nicht so in diesem Fall. Also wartete ich Kaffee trinkend in der Dienststelle, denn ich war ja zu früh da gewesen…
Mit dem ICE fuhren meine Zugchefin und ich erst mal nach Zürich und informierten uns frühzeitig was unser nächster Zug macht. Das wäre so ein IC auf der Strecke Zürich-Stuttgart gewesen, der leider sehr anfällig ist für Zugausfälle. Kommt das Fahrzeug von Deutschland her zu spät Richtung Zürich ,wird der Halt dann einfach gecancelt und der Zug fährt gleich wieder zurück. So etwas vermuteten wir als es hieß „Zug entfällt“. In der Regel werden die Fahrgäste dann auf eine S-Bahn nach Schaffhausen verwiesen. Doch auch diese „entfällt“ und die folgende auch… Das ist nun wirklich ungewöhnlich in der Schweiz. Also nahmen wir den nächsten Regionalzug, der eine andere weitere Strecke fährt.
Während der Fahrt wurden wir mehrmals angerufen, wir sollen nach Schaffhausen fahren, dann wir sollen nach Singen fahren und dann schließlich wir sollen versuchen ein Taxi nach Tuttlingen zu kriegen!
Fahrt nach Tuttlingen
Unser Dienstplan enthielt einen längeren Aufenthalt in Tuttlingen, weil dort wegen Bauarbeiten die ICs fahrplanmäßig enden. Tuttlingen liegt nur etwa 60 km nördlich von Schaffhausen… Aber in einem anderen Land! Schaffhausen ist noch Schweiz und nicht alle Taxifahrer fahren gerne nach Deutschland rüber.
Auch aus Kostengründen wäre es ja besser ein deutsches Taxi zu nehmen… aber woher? Am Taxistand in Schaffhausen keine Taxis und die kamen, sagten uns ab, weil sie schon Folgeaufträge haben.
Zu unserer Überraschung kamen gleich mehrere Taxis aus Konstanz an und brachten Fahrgäste, auch diese wollten keine weitere Fahrt annehmen, weil „zu viel los, die Züge fahren nicht“. Schon mal interessant das dies ein Taxifahrer zu einem gestrandeten Bahnmitarbeiter sagt.
Während wir noch ein Taxi in Richtung Tuttlingen suchten, bekamen wir die Information ,dass der Zug von Tuttlingen weg auch nicht fahren kann und wir doch bitte schon mal in das Hotel gehen sollten.
Man würde uns später nochmal informieren ob wir dem darauf folgenden Zug nach Konstanz entgegen fahren sollen…
Wohl gemerkt, wir waren ja eigentlich immer noch auf dem Weg ZUR Arbeit.
Fahrt nach Konstanz
Nach einer längeren Pause im Hotelzimmer bekamen wir den Bescheid das wir uns bereit machen sollen um irgendwie nach Konstanz zu kommen. Denn es würde versucht werden den Zugbetrieb ab Konstanz wieder aufzunehmen.

So sieht es aus, wenn ich bereit zum endlich arbeiten im Hotelzimmer warte. Noch in Unternehmensbekleidung, nur die Schuhe aus. Am Fußende mein Dienstgepäck, denn ich warte ja noch ob mein Zug nun fährt oder nicht…
Wir fanden also eine Verbindung auf der Schweizer Seite mit S-Bahn und Umsteigen mit dem wir unseren geplanten Zug nur mit viel Glück und Laufschritt erreichen würden. Aber der Zug könne ja nicht ohne uns abfahren also machen wir uns auf den Weg…
Durch die Unterführung unter dem Bahnhof in dem die Aufräumarbeiten in vollem Gange waren… offensichtlich hatte es hier das Regenwasser in mehrere Läden gedrückt.
Von Gleis 1 aus konnten wir auf den Bahnhofsvorplatz sehen, hier lagen lauter Blätter und Äste, Baumzäune lagen am Boden, Mülltonnen umgeworfen… und wir dachten „hä was war denn hier los?“
Wir saßen schon in der S-Bahn die in einer Minute abfahren sollte da kam die Info „unser Zug entfällt“ wir wieder raus aus der Bahn und herumtelefoniert.
Erst jetzt sagte man uns die ganze Wahrheit, der Zugverkehr um Konstanz und Singen kam komplett zum erliegen. Oberleitungen beschädigt, Züge die irgendwo fest hängen. Wir sollten doch, wenn wir können in unser Hotel gehen und „Bereitschaft machen“… da war es 16 Uhr und ich hätte eigentlich bis 22:30 arbeiten müssen.
Schaffhausen nach dem Sturm
Im Hotel machte die Nachrichten an und dann realisierte ich erst welch enormes Glück wir hatten. In großen Teilen der Schweiz war der Sturm so heftig, dass Dächer abgedeckt wurden und Bäume umfielen. Es gab heftigsten Hagel der teilweise erhebliche Schäden angerichtet hat.
Die paar Äste und umgefallene Baustellenschilder, die wir gesehen haben, waren nur kleine Randerscheinungen von einem der schlimmsten Unwetter, die die Schweiz in den letzten Jahren erlebt hat.
Das viele Wasser in den Unterführungen in Basel und Schaffhausen waren nur noch die Reste von Sintflutartigen Regenfällen vom Vormittag.
Auch im Bodenseeraum um Konstanz hatte es massive Schäden gegeben und in und um Singen war zeitweise der Verkehr komplett zusammengebrochen wegen massiven Hagel und zahlreichen abgedeckten Häusern.
Angesicht solcher Bilder kann man dann verstehen, warum die Züge ausgefallen sind. Da das Unwetter plötzlich ganz viele Mitarbeiter betroffen hat, war einfach nicht genug Zeit um alle rechtzeitig zu informieren. Und dann war mir auch klar, warum kein Taxifahrer Zeit für uns hatte.
Wir hatten einfach nur enormes Glück genau dort zu stranden, wo unser Hotel für die Nacht bereits gebucht war.
Samstagsplausch
Dieser Beitrag wird etwas verspätet im Samstagsplausch bei Karminrot und im Lesezimmer verlinkt.
Hier geht es zu weiteren „Unregelmäßigkeiten“ und hier zum Thema „Rückfallebene“





Kommentar verfassen