Diese Woche war für mich etwas stressig und arbeitsintensiv und doch gleichzeitig voller Vorfreude auf dieses Wochenende. Denn ich freue mich auf ein Konzert mit Nino de Angelo. Und dort hin muss ich diesmal nicht weit reisen.

Was war stressig?

Wie in meinem ‚Beitrag Herbststürme“ erwähnt musste ich am vergangenen Sonntag arbeiten. Mein Dienstplan sah eine Übernachtungsschicht in Kassel Wilhelmshöhe vor. Doch diesmal nicht auf direkter Strecke, sondern über Köln und mit einem IC durch das Ruhrgebiet und über nicht so große Bahnhöfe wie Altenbeken und Warburg.

Die Fahrt mit diesem IC war für mich recht spannend, denn es handelte sich um einen sehr alten Wagenpark, den ich bisher nur selten zu sehen bekam. Und ich war mit einem super netten Zugchef unterwegs, der mir allerlei Details an dem Fahrzeug gezeigt und erklärt hat.

Schon fast nostalgische Details, die es in einem modernen ICE gar nicht mehr gibt. Zum Beispiel gibt es neben dem Dienstabteil eine runde Nische, an der wohl mal eine Türe befestigt war… Ich konnte mir nicht sofort einen Reim darauf machen. Der Zugchef erklärte mir: „Das war eine Telefonzelle“. Und er zeigte mir auch den Raum, in dem früher mal ein Drucker und ein Faxgerät für die Fahrgäste der ersten Klasse zur Verfügung standen. Als dieses Fahrzeug gebaut wurde, war dies die modernste Technik.

Seit diese Wagen gebaut wurden, hat sich die moderne Bürotechnik extrem verändert. Auch wurde immer wieder Elektronik nachgerüstet. Die Schränke mit den Sicherungen für die Technik im Wagen ist deshalb sehr komplex und für mich als „Neuling“ sehr unübersichtlich. Denn Dinge wie „W-lan Repeater“ und „Fahrgaststeckdosen“ wurden ja erst viel später eingebaut. Für mich sind diese Sicherungstafeln komplett „Böhmische Dörfer“ doch der erfahrene Kollege erklärte mir an welche Schalter wir Zugbegleiter früher regelmäßig mussten.

Also in diesem Punkt stelle ich fest, dass der Beruf Zugbegleiter im Fernverkehr im Gegensatz zu den 80er/90er Jahren erheblich einfacher geworden ist. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Kollegen damals noch Fahrkarten verkaufen mussten und die Preise ausrechnen mussten…

Unregelmäßigkeiten

An dem alten Fahrzeug hatten wir jedoch keine Störung. Aber es gab auf unserer Strecke mehrere Signalstörungen. Die Signaltechnik ist so konzipiert, dass wenn irgendwas nicht richtig funktioniert, die Signale aus Sicherheitsgründen auf Rot gehen. So standen wir mehrmals länger vor einem roten Signal und wussten weder warum noch wie lange es dauern würde. Was natürlich gegenüber der Fahrgäste sehr nervig ist, denn diese fragen uns ja und ich bleibe dann lieber ehrlich und sage „ich weiß es nicht wann es weiter geht“

Letztendlich kamen wir eine Stunde später als geplant in unserem Hotel in Kassel an. Zum Glück hatten wir am nächsten Morgen nicht zu frühen Dienstbeginn und die Nachtruhe war trotzdem lang genug. Es gibt dafür klare gesetzliche Regeln.

Am nächsten Morgen hatte schon unser erster Zug, mit dem wir nur bis Fulda fahren sollten, über 20 Minuten Verspätung. Zum Glück hatten wir das rechtzeitig im Handy gesehen und konnten so noch etwas länger in der Wärme warten. Denn der Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe hat unter Zugbegleitern einen Schimpfnamen. Der Windkanal des Totes. Denn durch die moderne Bauweise mit den langen und flachen Rampen für die Fußgänger weht auf den Bahnsteigen immer Wind. Die Architekten dieser Bauweise haben wohl das Wetter und Windbedingungen hier bei der Planung nicht beachtet.

Dann endlich im warmen Zug fand ich einen schlafenden Obdachlosen ohne Fahrkarte und Papiere und das war dann nur mein erster Polizeifall für diesen Arbeitstag. Ich musste mehrfach die Bundespolizei rufen. Was jedes mal mit Aufwand und Aufregung verbunden ist.

Und dann kurz vor Feierabend: Ein anderer Zug ist auf einen umgestürzten Baum aufgefahren und musste auf der Strecke vor uns evakuiert werden. Wir standen fast zwei Stunden in Offenburg. Also auch wieder „Überstunden“. Ich war am Abend körperlich und mental sehr erschöpft.

Erholung

So sehr, dass ich den Termin für eine Videokonferenz mit dem Team für den Weihnachtsbasar in unserer Gemeinde vergessen hatte. Der Leiter unseres Teams rief mich danach an und teilte mir die wichtigsten Details mit. Das Hauptproblem sei, dass wir zu wenige Leute haben, die sich bereit erklärt haben, für den Basar zu backen…

Nun ja, ich wäre auch nicht gerade diejenige gewesen, die als erstes meldet. Aber letztes Jahr hatte ich wegen einem Ausfall eingesprungen und hatte auf den letzten Drücker noch schnell paar Plätzchen gebacken. Das war bissel stressig, weil ich das unter Zeitdruck machen musste.

Dieses Jahr jedoch die Situation, das wir schon frühzeitig wissen das es zu wenige „Bäcker“ sind. Der Leiter meinte „Wenn Du bissel Zeit hast, kannst Du ja schon mal anfangen zu Backen“.

Zeit? Äh ja ich habe einen freien Tag, an dem ich etwas tun sollte das mich von dem Stress der letzten zwei Schichten „runter bringt“. Also ich sollte etwas machen das mich ablenkt und Freude bringt. Bingo! Ich backe.

Weihnachtsbäckerei als Ausgleichsgymnastik

Unter dem Jahr backe ich fast nie, habe also kaum Zutaten im Haus. Also war mein erster Schritt ein Großeinkauf mit Backzutaten für alle möglichen weihnachtlichen Plätzchen. Ich hasse es, wenn ich loslegen will und irgendwas fehlt. Also habe ich mal richtig zugeschlagen. Wenn ich schon Backe, dann will ich nicht Kleckern, sondern Klotzen!

Diese Backzutaten will ich die nächsten Wochen verarbeiten…

Um in das Backen wieder hereinzukommen, habe ich mir auf Chefkoch.de erst mal ein paar ganz einfache Rezepte ausgesucht.

Nutellaplätzchen

Oh wow ich wusste zuvor nicht das man mit Nutella backen kann, und das dies auch noch sooo einfach ist.

Dieses Rezept für Nutellaplätzchen habe ich, weil es so einfach war, gleich zweimal gemacht und beim zweiten Mal sogar schon variiert.

Beim zweiten Versuch habe ich die braunen Nutellaplätzchen mit etwas Mandeln, Zimt und goldenem Streuzucker variiert. Die vergoldete Variante gefällt mir richtig gut.

Als zweites Rezept habe ich mich für einen Klassiker entschieden, ohne Mandelmakronen gibt es für mich keine Weihnachtsbäckerei. Die müssen sein!

Für die Makronen braucht man nur Eiweiß, und darum habe ich nach einem Rezept für Eigelb gesucht und bin auf Engelsaugen gekommen:

Den Teig habe ich nach diesem Rezept gemacht.

Allerdings hatte ich keine Himbeermarmelade mehr bekommen, die war ausverkauft. Stattdessen habe ich eine Mehrfrucht-Konfitüre genommen, was sich als unpraktisch erwies. Denn darin sind Fruchtstückchen enthalten, die die Tülle des Spritzbeutels ständig verstopfte. Deshalb habe ich für die zweite Hälfte des Teiges eine ganz billige Erdbeermarmelade nachgekauft, die ich zusätzlich nochmal püriert habe, damit alles flüssig genug für den Spritzbeutel ist. Das ging dann viel besser und schneller.

Backen als Erholung

Wider Erwarten hat mir das Backen richtig Spaß gemacht. Für die kommenden Wochen plane ich mehrere Back-Sessions ein. So habe ich mich zum Beispiel mit meiner Mutter zum Backen verabredet. Und nächste Woche auch mal mit einer Freundin.

Und das wichtigste, es hat mich auf andere Gedanken gebracht. Manchmal braucht man das einfach. Am darauf folgenden Tag hatte ich gemeinsam mit vielen Kollegen einen ganztägigen Erste-Hilfe-Kurs. Diesen hatte ich vor einigen Jahren schon mal, aber ich denke, es ist sehr gut, wenn man dieses Wissen regelmäßig auffrischt.

Ach ja Halloween feiere ich nicht! Warum habe ich hier erklärt:

Heute habe ich frei und deshalb Zeit, den Samstagsplausch pünktlich zu veröffentlichen und wie gewohnt bei Karminrot und dem Karminroten Lesezimmer zu teilen.

Und morgen freue ich mich auf ein Konzert mit Nino de Angelo in Freiburg. Dafür gibt es nur noch wenige Karten, für Kurzentschlossene empfehle ich diesen Link

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4 Kommentare zu „Samstagsplausch „Backen als Ausgleichsgymnastik““

  1. […] Oktober und November hatte ich das „Backen als Ausgleichsgymnastik“ […]

  2. […] bereits unter „Backen als Ausgleichsgymnastik“ erwähnt, wollte ich diese zusätzliche Freizeit dazu nutzen, möglichst viel für unseren Basar zu […]

  3. […] gehts zur letzten Woche und zur Woche […]

  4. […] Fahren im alten IC: Und ich war mit einem super netten Zugchef unterwegs, der mir allerlei Details an dem Fahrzeug gezeigt und erklärt hat. Schon fast nostalgische Details, die es in einem modernen ICE gar nicht mehr gibt. Zum Beispiel gibt es neben dem Dienstabteil eine runde Nische, an der wohl mal eine Türe befestigt war… Ich konnte mir nicht sofort einen Reim darauf machen. Der Zugchef erklärte mir: „Das war eine Telefonzelle“. Und er zeigte mir auch den Raum, in dem früher mal ein Drucker und ein Faxgerät für die Fahrgäste der ersten Klasse zur Verfügung standen. […]

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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