Meinen heutigen Text schreibe ich am Samstagnachmittag. Heute Morgen habe ich meine Arbeit um 6:30 Uhr in Köln begonnen, da wurde es gerade erst hell.

Dieses Selfie ist ganz husch busch auf dem Weg vom Taxi in den Hauptbahnhof entstanden. Es ist nicht wirklich gelungen, viel bessere Bilder von dem Dom und mir findest Du unter „Ein Tag als Zugbegleiterin in Köln“.
Der Kölner Hauptbahnhof ist so erwähnenswert, dass ich ihm einen eigenen Blogpost gewidmet habe: „Warum der Kölner Hauptbahnhof ein Muss ist“.
Übernachtung in Köln
Dies war nicht meine erste dienstliche Übernachtung in Köln. In fast jeder Planungsperiode sind wir mindestens einmal in der Metropole am Rhein. Doch nun schon einige Monate nicht mehr.
In Köln gibt es ein Ibis Hotel direkt im Gebäude des Hauptbahnhofes, das ist für uns Zugbegleiter ideal, weil wir praktisch keinen zusätzlichen Weg haben. Doch dieses Mal waren wir leider etwas weiter weg untergebracht und mussten dorthin mit dem Taxi fahren.
Bahnintern gibt es jetzt eine neue App mit der wir Taxis zum Hotel vor Ankunft des Zuges buchen können. Bedauerlicherweise funktioniert das bisher nicht in allen Städten gleich gut.
Als wir aus dem Bahnhof kamen, winkte uns ein Taxifahrer zu und wir fragten: „Sind Sie der reservierte Wagen?“ Der Taxifahrer bejahte und so packten wir unsere Dienstkoffer in den Kofferraum. Wir waren froh, dass es so schnell ging, denn es regnete etwas. Bis ich herausfand, wie das Gurt funktioniert, fuhr der Fahrer schon los. Doch er musste am nächsten Kreisverkehr länger warten, weil da ein Bus ein Problem hatte…
Da kam ein Anruf vom Chef des Taxifahrers, er solle noch ein paar Minuten warten, seine Kundin sei noch im Zug, ihre Ankunft verzögere sich noch um einige Minuten. Bis der blockierte Kreisverkehr wieder frei war, diskutierte der Fahrer mit seinem Chef und dann wurde entschieden, dass er wieder zurückfährt und wir doch bitte ein anderes Taxi nehmen!
Ich fand das ja schon mal ziemlich dreist. Hab’ ich schon erwähnt, dass es regnete und ich keine Regenjacke mit hatte?
(Was wir sonst so mit Taxifahrern erleben, findest Du unter „Wenn Zugbegleiter Taxi fahren“
Mein Zugchef war auch sehr angepisst und rief bei dem Taxiunternehmen an. Dort erklärte man ihm, dass ein Fahrgast mit seinem Vornamen und seiner Buchungsnummer wohl gerade beim Hotel abgeliefert worden sei! Vermutlich hatte der Fahrer genau wie unserer nicht auf die Buchungsnummer geachtet und einfach jaja gesagt.
Da standen wir nun im Regen, rundherum lauter Taxis und alle Fahrer: „Ich nix Reservierung!“
Dann kam die Bahn-Kollegin die wegen ihrer Zugverspätung die Taxizentrale angerufen hat. Sie hatte nun die richtige Buchungsnummer und das richtige Taxi. Zugchef fragte nur kurz „Gleiches Hotel? Nimmst Du uns mit?“. ja klar!
Wir stiegen also erneut in das gleiche Taxi ein und durften nun endlich zum Hotel fahren. Denn wir waren ja schon wegen Zugverspätung mehr als eine Stunde später als geplant.
Die Nacht in dem Hotel war für mich ganz angenehm, ich konnte erholsam schlafen. Am nächsten Morgen ging es dann um 6:30 mit dem Taxi zum Hauptbahnhof.
Fußballfans im Zug
Wir hatten noch Zeit, uns im Bahnhof ein kleines Frühstück zu kaufen, und warteten entspannt auf den Zug, der uns nach Hause bringen sollte. Dieser hatte nur wenige Minuten Verspätung und die Prognosen versprachen, dass diese bis Basel eingeholt sein sollten. Wir hofften also auf eine ruhige und störungsfreie Fahrt.
Doch schon als der Zug langsam in den Bahnhof einfuhr, fiel mir etwas im Innern auf … gleich auf mehreren Tischen viele Getränkeflaschen und Männergruppen. Ähm Moment mal, es ist Samstag! Ist heute irgendwo ein wichtiges Fußballspiel? Der Zugchef wusste: „Ja, Freiburg spielt zuhause“.
Fußballspiel Freiburg gegen Mönchengladbach
Ich habe gerade nachgegoogelt, das Spiel im Europapark-Stadion läuft wohl noch ( 16 Uhr) und scheint ein echter Zuschauermagnet zu sein.
Wir hatten heute Morgen ab etwa 7 Uhr schon Spaß mit zahlreichen Fußballfans. Diese erfordern ganz besonders unsere Aufmerksamkeit. Wir Zugbegleiter müssen immer wieder schauen, ob die alkoholtrinkenden Fangruppen nicht zu laut werden oder andere Fahrgäste anderweitig stören. Jetzt am Morgen waren sie noch friedlich, aber zum Teil schon kräftig am saufen!
Mehrere Gruppen hatten Bierkisten mit dabei. Die sie später einfach im Zug zurückließen. Nach Baden-Baden war ich der gesamten zweiten Klasse zu allen Fangruppen hin und habe ihnen Müllsäcke gegeben mit der Bitte, alles, was sie nicht mitnehmen würden, dort hinein zu tun. Die meisten sind der Bitte nachgekommen. Aber es gab auch Gruppen, die halbvolle Bierflaschen und angebissene Brötchen einfach auf dem Tisch gelassen haben.
Und ausgerechnet dann kein Unterwegsreiniger da! Zwischen Freiburg und Basel bin ich durch die Waggons mit Gummihandschuh und Müllsack, um das Schlimmste zu beseitigen. Das gehört zwar nicht zu meinen Aufgaben, aber der Zug sollte ja noch bis nach Brig in der Schweiz fahren, und ein vermüllter Zug macht da keinen guten Eindruck.
Im Badischen Bahnhof hatten wir eine etwas längere Standzeit und ich nutzte diese, um zwei leere Bierkisten auf den Bahnsteig zu stellen. Das ist auch nicht mein Job, aber ich dachte mir, hier kann eventuell ein Pfandsammler etwas damit anfangen. In der Schweiz nicht mehr.
Dabei sprach mich eine Dame an, die mich wohl während der Fahrt mehrfach beobachtet hatte. Auch die Situation, als ich einem gehbehinderten Opa, der seinen reservierten Sitzplatz vor lauter gröhlenden Fußballfans nicht fand, durch den Zug half. Er war doppelt unsicher, konnte im fahrenden Zug kaum laufen und dann die vielen lauten Leute. Ich drängte an ihm vorbei, forderte ihn auf, sich an meiner Schulter festzuhalten, und bahnte mir so einen Weg durch die Partypeoples!
Das ging dann zum Teil so: „Achtung Jungs! Weg da! Wir brauchen Platz!“. Bei lauten und alkoholisierten Leuten muss man manchmal einen anderen Ton anschlagen. Siehe dazu auch „Zug zum Karneval“, da ist es ähnlich.
Die Frau hatte das wohl beobachtet und wie ich mit den saufenden Fans umgegangen war, und sie meinte: „Sie sind eine tolle Frau, Sie haben das hervorragend gemacht“. Das Kompliment hat mich richtig gefreut. Es ist schön, dass auch Unbeteiligte solche Dinge wahrnehmen.
Früh Feierabend
Um etwa 11:30 Uhr hatte ich schon Feierabend. Aber ich war fix und fertig. Denn so ein „Partyzug“ ist schon sehr anstrengend. Wobei wir kein Sonderzug oder Ähnliches waren. Eigentlich war es nur eine ganz normale ICE‑Fahrt morgens um 7 Uhr ab Köln.
Mit meinem heutigen Blogpost mache ich wieder beim Samstagsplausch von Karminrot mit. Somit wird dieser Text auch im karminroten Lesezimmer verlinkt.
Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog
P.S.:
Was ich sonst noch erlebt habe: „Ich kam zu spät zum Dienst“






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