Am vergangenen Dienstag hatte ich erst um 14 Uhr Dienstbeginn. Am Vormittag habe ich in meiner Wohnung etwas Haushalt gemacht und dabei durch die offenen Fenster wie gewohnt die S-Bahnen fahren hören.
Mein Weg zur Arbeit
Mein Dienst als Zugbegleiterin im Fernverkehr beginnt stets in meiner Dienststelle im Badischen Bahnhof in Basel. Auch wenn ich von dort permanent mit Zügen in ganz Deutschland unterwegs bin, liegt die Verantwortung dafür das ich pünktlich zur Arbeit komme bei mir.
Dazu habe ich unterschiedliche Möglichkeiten, ich kann mit dem Fahrrad die 7–10 km (je nachdem, welchen Weg ich fahre) zurücklegen, mit dem Leihwagen oder mit der S-Bahn fahren.
Wenn ich mit dem Fahrrad fahre, muss ich etwa eine Stunde vor Dienstbeginn losfahren, denn ich brauche für die Fahrt etwa 30–40 Minuten und unter Umständen muss ich mich vor Ort umziehen. Mit dem Fahrrad bin ich noch nie zu spät angekommen. (Den eigentlich sehr schönen Fahrradweg habe ich unter „1.August“ mal näher beschrieben.
Um einen Leihwagen von Endergiedienst (früher Stadtmobild Südbaden) zu nutzen, muss ich diesen frühzeitig reservieren. Denn ich brauche den Wagen ja für die gesamte Arbeitszeit. Auch wenn das Auto nur auf dem Parkplatz rumsteht, kann es in dieser Zeit von keinem anderen Nutzer genutzt werden. Je nach Schichtlänge kostet mich das Auto dann zwischen 17 und 25 €. Also versuche ich dies nur für die extremen Randlagen zu nutzen.
Tagsüber ist die S‑Bahn, die alle 30 Minuten verkehrt, eigentlich das einfachste Mittel. Die S-Bahn in Lörrach wird von der SBB Deutschland betrieben, trotzdem gilt auf der Strecke bis Basel das Deutschlandticket.
S-Bahn im Wiesental
Im kommenden Herbst wird die Strecke in das Wiesental saniert und dann verkehren mehrere Wochen keine S-Bahnen… Dann werde ich wohl hauptsächlich mit dem Fahrrad fahren.
Wenn es unregelmäßig wird
Wie bereits ganz oben erwähnt: Am Dienstag hatte ich mitten am Tag Dienstbeginn und mich deshalb für die S-Bahn entschieden. Es herrschten etwa 30 Grad und die Luft war sehr schwül.
Wie immer ging ich sehr zeitig zum Bahnsteig. In der Regel bin ich immer 10 Minuten zu früh da. Wobei ich genau das in dem Moment bereute, denn der Bahnsteig lag komplett in der Sonne, nirgendwo Schatten, und ich ärgerte mich etwas, dass ich meine gerade erst frisch angezogene Dienstkleidung jetzt schon verschwitze.
Zuerst war alles wie immer… Wobei mir auf dem Bahnsteig gegenüber ein Fahrgast aufgefallen ist, der nervös hin und her läuft. Da ich aber etwas an meinem Handy schaute, fiel mir dabei nicht auf, dass dessen Bahn ja eigentlich schon längst abgefahren sein sollte…
Dann kamen Leute auf meinem Bahnsteig zu mir und fragten: „Wissen Sie was da los ist?“. Die Leute sehen meine Dienstkleidung und denken ich müsste bescheid wissen. Die normalen Fahrgäste unterschieden selten zwischen Deutsche Bahn und SBB.
Erst jetzt bemerkte ich, dass unsere Bahn schon überfällig ist. Auch die in die Gegenrichtung. Die Anzeigen zeigten jedoch nichts davon. Also schaute ich in den DB-Navigator und was ich dort fand, gefiel mir überhaupt nicht!
„Ausfall der Kommunikation, kein Zugverkehr möglich“
Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass so eine Störung nicht nach paar Minuten erledigt ist und das Problem ganz sicher auch Folgezüge betrifft. Mit der S-Bahn pünktlich zum Dienst kommen könnte ich somit vergessen.
Jetzt muss ganz schnell ein Plan B her
Es war bereits 13:38 Uhr wenn ich jetzt mit dem Fahrrad losfahren würde, käme ich ganz sicher zu spät, denn mein Dienst sollte um 14:06 Uhr beginnen.
Ich öffnete in meinem Privathandy die Carsharing App und suchte, ob noch ein in der Nähe platzierter Wagen, für meine Dienstzeit verfügbar ist. Ich hatte Glück, in der übernächsten Station ist noch ein Auto frei. Ich reservierte diesen und ging los. Bis zu dem Stellplatz würde ich mindestens 10 Minuten brauchen.
… ach, habe ich schon erwähnt, dass gerade voll Mittagshitze herrschte und ich meinen Dienstkoffer dabei hatte? …
Im Gehen rief ich in der Dienststelle an und meldete, dass ich zwar unterwegs sei, und nun schon eine Alternative gesucht hätte. Aber vermutlich zu spät kommen würde.
Schnell Auto anmieten
Die moderne Technik ist echt super, ich kann über die App einen Wagen suchen, auswählen und binnen Minuten anmieten. Also hatte ich das gewünschte Auto ab 13:45 Uhr reserviert. Die Reservierungen sind in 15‑Minuten-Schritten möglich.
Als diese App-Steuerung eingeführt wurde gab es anfänglich immer wieder Probleme mit kurzfristigen Buchungen, weil die Information nicht schnell genug an das Auto übertragen werden konnte. Doch seit Monaten funktionierte auch das Reibungslos.
Gerade letzten Monat habe ich mal spontan einen Wagen angemietet, während ich daneben stand. Innerhalb von 3 Minuten funktioniert alles einwandfrei.
Jetzt muss es schnell gehen!
Verschwitzt und genervt kam ich zu dem Auto. Der „Öffnen“ Befehl über die App funktionierte erst beim 3. oder 4. Versuch. Aber auch das, ist mir schon mal passiert und das machte mich nicht zusätzlich nervös. Viel mehr dachte ich schon daran wie ich die Misere später in der Dienststelle erkläre sollte.
Bei dem angemieteten Auto handelt es sich um ein Elektro. So kurzfristig könnte es also sein das der Akku nicht vollständig geladen ist. Aber auch das war mir egal, Hauptsache ich komme jetzt so schnell wie möglich die 7 km zur Dienststelle.
Bei einem Elektro muss man zuerst das Ladekabel abkoppeln, je nach Fahrzeugtyp gibt es dafür eine Taste oder Hebel. Dies war ein Dacia mit einer etwas defektanfälligen Hebellösung. Und wie befürchtet: Der Hebel funktioniert nicht! Beim Betätigen klein klicken in der Steckdose vorn.
Damit nicht noch mehr Zeit verloren geht, wählte ich sofort die Nummer von der Carsharing Buchungshotline und kam auch relativ schnell durch, und was noch wichtiger ist: Ich hatte jemanden am Telefon, der das Problem kannte. Man kann den Stecker jetzt auch mit der Fernbedienung im Schlüssel lösen, durch zweimal schnell hintereinander auf „Öffnen“drückt. Yeah wenigstens das funktionierte auf Anhieb.
Ich bedankte mich und beendete das Gespräch. Löste das Kabel und verstaute es wie üblich im Kofferraum. Ich setzte mich in das Fahrzeug, das bestimmt schon seit Stunden in der Sonne steht. Schaltete die Zündung an, öffnete die Fenster und das Radio dudelte mir schon entgegen.
In einem für mich ungewohnten Auto mal eben unter Zeitdruck, Fensterheber, Radiolautstärke und Klimaanlagesteuerung finden, bin ich ja auch schon gewohnt. In diesem Dacia ist alles irgendwie ganz anders, aber ich bekam es hin. Alles ging, Anzeige sah normal aus.
Um aus der Parklücke herauszufahren, musste ich rückwärts fahren, also stellte ich den Automatikregler auf R. Der gewohnte Warnton ertönte und die Rückwärtskamerasicht ging an. Aber das Auto bewegte sich nicht!
Weil es bei Elektro-Fahrzeugen manchmal Störungen gibt die ähnlich sind. Schaltete ich den Wagen aus und wieder an. Vorwärtsgang und Rückwärtsgang das gleiche! Alle anzeigen korrekt aber keine Wagenbewegung.
Jajaja natürlich habe ich die Handbremse kontrolliert, sie war gelöst!
Ich geriet leicht in Wallung! Ich bin zu spät, ich habe es eilig und dieses Auto wollte einfach nicht funktionieren.
Anruf bei der Hotline
Ich rief erneut die Hotline an und diesmal hatte ich eine andere Person an der Strippe. Ich erklärte das Problem. Und der Mitarbeiter ging mit mir die gesamte Routinen durch. „Stecken sie den Schlüssel in das Schloss, drehen Sie das Lenkrad leicht…“ usw… „ich weis wie es gehen soll, ich bin dieses Auto schon gefahren aber es tut gerade einfach nichts“
Nach mehreren Versuchen schlug der junge Mann vor, das wir die Buchung beenden und er eine neue Buchung für das gleiche Fahrzeug anliegt. Dazu musste ich das Fahrzeug verlassen und dieses von Außen verschließen. Also alles zurück auf Anfang. Gemacht getan… Die neue Buchug lief übrigens ab 14 Uhr… und selbst ein Hubschrauber ist nicht so schnell ,in 6 Minuten von Lörrach nach Basel.
Also nach 14 Uhr Auto öffnen, Kabel lösen, Kabel verpacken, Auto starten, Rückwärtsgang und losfahren… Und nun funktionierte endlich alles !!!
Der Mitarbeiter am Telefon wollte auf Nummer sicher gehen und bat mich das Fahrzeug noch einmal auszumachen und als Test erneut zu starten. Doch dieses Risiko wollte ich nicht eingehen! Auch auf die Gefahr hin das ich heute Abend um 22 Uhr nicht mehr fahren kann: Ich will jetzt einigermaßen zeitnah zur Arbeit!
Bereitschaft springt ein!
Während der Fahrt rief mich eine Kollegin an, die Bereitschaft hatte und gebeten wurde, für mich einzuspringen. Ob ich denn jetzt unterwegs sei? Sollte ich nicht innerhalb der nächsten 3 Minuten vor Ort sein, würde sie für mich den ersten Teil der Schicht übernehmen. Nee das schaffe ich auf keinen Fall. Ich bin noch auf der „Zollfreien Straße“. So einigten wir uns, dass sie an meiner Stelle zum SBB fährt und meinen geplanten Zug bis Badischer Bahnhof begleitet. Ab da könne ich dann wieder wie geplant übernehmen.
Völlig verschwitzt und erschöpft kam ich in der Dienststelle an. Ich meldete mich zum Dienst und man musste leider vermerken, dass ich zu spät zum Dienst erschienen sei. Ich glaube, das war jetzt seit meinem Quereinstieg bei der Bahn vor 3 Jahren das zweite oder dritte Mal, dass ich zu spät da bin.
Zum Glück gibt es Bereitschaften, die dann kurzfristig einspringen können, und es muss durch solche Dinge kein ICE warten oder ausfallen.
Beitragsbild
Das Beitragsbild stammt von einem anderen Tag, da war es noch früher am Morgen und nicht heiß. Erkennbar an meiner Strickjacke. Aber es ist genau der S-Bahn-Bahnsteig.






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