Gestern war ich bei einem echten „Heimspiel“, denn einen so kurzen Anreiseweg hatte ich bisher noch zu keinem Konzert-Event.
Thomas Anders gastierte beim Open Air im Kurpark Bad Krozingen. Ich bin nicht weit weg, in Müllheim aufgewachsen und kannte den Ort schon als Kind. Wir haben immer wieder mal Ausflüge in den Kurort unternommen. Der Kurpark liegt nicht weit entfernt vom Bahnhof und auch das berühmte Thermalbad ist zu Fuß durch den Park gut erreichbar. Auch später als Teenager bzw. junge Erwachsene war das Lichterfest in Krozingen oft ein Anziehungspunkt.
Konzert mit Thomas Anders
Es ist nicht mein erstes Open Air mit diesem Künstler. Denn viele Jahre war Thomas Anders für mich weit mehr als nur ein Lieblingssänger. Damals in den 90ern hatte ich bei einem Thomas Anders-Auftritt meinen späteren Ex-Mann kennengelernt. Ich übertreibe also nicht, wenn ich behaupte „Thomas Anders hat mein Leben verändert“…
Damals war Thomas Anders nicht ganz so erfolgreich, seine Konzerte selten und oft nicht gut besucht. Das war die Zeit vor dem Internet und Konzertkartenanbieter wie Eventim und co. Wenn bekannt wurde, dass Thomas irgendwo auftritt, haben wir uns erst mal ans Telefon gehängt und herumgefragt wie, wo, was. Wenn klar war, wann und wo etwas stattfindet, war mein Bestreben stets möglichst viele Personen mitzunehmen, damit wir uns die Kosten der Autofahrt teilen konnten.
So kam es, dass ich mehrere Jahre immer wieder mit einem Auto voller „Schweizer“ zu Events überall in Deutschland fuhr. Fast immer waren Maja aus Basel und Daniela aus Luzern dabei. Maja wohnt jetzt in Berlin und somit ist eine gemeinsame Anreise gar nicht mehr möglich. Und Daniela lebt leider nicht mehr. Alle anderen potenziellen Mitfahrer habe ich auch schon längst aus den Augen verloren.
Denn nach dem Modern Talking Comeback wurde es unübersichtlich. Plötzlich war Thomas Anders wieder ein Weltstar und es gab weit mehr Konzerte und Events als man wirklich wahrnehmen kann. Danach folgten für mich persönlich einige viele Einschnitte wie Depressionen, Spielsucht, Hochzeit und Scheidung. Mehrere Jahre konnte und wollte ich von Thomas Anders nichts sehen und hören, weil er mich zu stark an meinen Ex erinnert hat.
Erst nach einigen Jahren mochte ich wieder zu den Events dieses Künstlers , der früher mal ein wichtiger Teil meines Lebens war. Mein emotionales Verhältnis zu diesem Sänger und seiner Musik hatte sich total gewandelt. Auch das drum rum ist komplett anders. Früher gab es da irgendwie einen selbst gebastelten Gruppenzwang. Die Events wie das jährliche Fanclubtreffen waren wichtiger als alle Feiertage oder Familienfeste. Denn die Mitfans waren für mich eine Zeitlang wie eine Familie. Doch spätestens seit der Trennung von meinem Ex-Mann existierte diese für mich nicht mehr. Die betroffenen Personen hatten daran gar keine Schuld, und am allerwenigsten der Künstler, um den sich damals alles drehte.
Jetzt ist alles anders Anders
Früher sind wir gemeinsam angereist und je nachdem wie weit es weg war, schon am Vortag. Heutzutage bin ich fast immer alleine unterwegs. Auch die Art und Weise wie ich eine Reise zu einem Konzert plane und darüber denke, hat sich aufgrund meiner veränderten Lebenssituation und mit Sicherheit auch durch meinen Beruf, geändert.
Meine Motivation zu Thomas Anders zu fahren ist gegen früher echt minimal. Und ausgerechnet jetzt kommt der Star der sonst durch die ganze Welt tourt zu uns ins Markgräflerland nach Bad Krozingen.
Kürzeste Anreise
Nein gar nicht wahr, 1997 ist Thomas in der Discothek „Kupferkännli“ in Weil am Rhein aufgetreten. Da hätte ich von meiner damaligen Wohnung zu Fuß gehen können.
Bad Krozingen ist von Lörrach aus mit dem Nahverkehr erreichbar, allerdings muss man in Basel umsteigen. Und da ich in der Nacht flexibel sein wollte, bin ich mit dem Fahrrad nach Basel gefahren. Das ist nichts Besonderes für mich, das ist mein gewohnter Arbeitsweg, den ich oft mit dem Rad fahren. Auch konnte ich mein E-Bike auf dem Gelände der Dienststelle sicher abstellen.
Um 15 Uhr saß ich noch zu Hause auf meiner Couch, dann bin ich Basel geradelt, um gegen 16 Uhr die Regionalbahn nach Bad Krozingen zu nehmen. Vom Bahnhof aus schlenderte ich gemütlich Richtung Kurpark und traf da schon auf zwei Fans, die ich schon länger kenne. Nadine und Lars sind die beiden Verrückten die seit Jahren bei jedem Thomas Anders-Event in der ersten Reihe stehen. Die beiden übertreffen alles Verrückte, was ich damals gemacht habe. Das ist wirklich enorm, wie viel Zeit und Geld die beiden dafür investieren.
Kurpark Bad Krozingen
Eigentlich dachte ich, ich hätte einen Heimvorteil, weil ich den Kurpark schon kenne. Doch ich hatte mich getäuscht. Ich umrundete das Veranstaltungsgelände und fand keine Verdächtige Stelle, wo Thomas rein und raus fahren könnte. denn ich hatte gehofft ihn noch kurz zu treffen und paar Worte mit ihm zu wechseln. Dafür bekam ich den Soundcheck gut mit, allerdings konnte ich nicht erkennen wohin Thomas danach verschwand. Später erfuhr ich, dass er im Kurhaus untergebracht war und das Gelände zwischenzeitig gar nicht verlassen hat. Sein privater PKW stand im abgesperrten Bereich und war von außen nicht sichtbar.
Die Konzertbesucher konnten die Toiletten im Kurhaus benutzen, und keiner ahnte, dass der Stargast nur eine Treppe höher verweilte. Ich hatte zwar den Ordner der am Treppenaufgang saß wahrgenommen, aber mir nichts dabei gedacht. Überhaupt war die Organisation des Events sehr gut durchdacht und entspannt organisiert. Es gab sogar „Platzanweiser“, die halfen, wenn Leute nicht wussten, wo sie hin sollen. Die Securitys waren dezent und freundlich. Nur wollten sie zu lange, dass wir in den ersten Reihen sitzen bleiben.
Was mir nicht so gefallen hat, waren die Stühle, die leichten Klappstühle waren nicht sehr bequem und zu dicht aneinander. Wenn jemand etwas dicker war wurde es schnell ungemütlich. Meine Sitzreihe hat sich damit beholfen die verbindungen zu lösen und die Stühle etwas auseinander zu rücken. Das war sicher nicht im Sinne des erfinders aber ständige Reibung mit den Sitznachbarn ist halt einfach nicht schön wenn man am liebsten Tanzen wollte.
Eine tolle Show
Thomas Anders hat, wie ich es erwartet habe, eine wirklich tolle Show geliefert. Die 4-Mann-Band spielte live und dazu passend wurden an der Bühnenrückwand Videoeinspieler gezeigt. Das macht Thomas eigentlich schon seit vielen Jahren so, aber die Qualität wurde nochmals verbessert.
Logischerweise kannte ich alle Titel, zum Teil waren es neu arrangierte Modern Talking-Klassiker aus den 80ern oder der zweiten Ära, aber 1998 aber auch Titel aus seiner Solozeit. Natürlich durfte das Duett mit Florian Silbereisen „sie sagte doch sie liebt mich“ nicht fehlen, welcher selbstverständlich nur auf der Videowand anwesend war.
Und es hat mir Spaß gemacht zu tanzen und zu singen und die alten Melodien lösen keine negativen Erinnerungen mehr aus. Ganz im Gegenteil, die Erinnerungen sind wieder schön.

Das war mein Blickwinkel aus der zweiten Reihe ohne Zoom. Es hatte sich gelohnt, so früh das Ticket zu bestellen. Am 6. Januar gab es schon keine erste Reihe mehr.

Wie wir früher schon wussten, wenn er den Hocker nimmt, folgt eine Ballade. Wobei er auch dabei wie selbstverständlich zwischen deutschsprachigen und englischen Titeln wechselte.
Als Überraschung präsentierte Thomas den ersten Teil von John Lennons „Imagine“ das dann nahtlos in „Give me peace on Earth“ aus der ersten Modern Talking Ära überging. Eines der wenigen MT-Titel mit sinnvollem Text.
Ein wunderschöner Abend mit vielen Wiedersehen
Im Verlaufe des Abends habe ich viele alte Bekannte wieder getroffen, manche davon habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Das war schön. Auch Thomas Anders hat mich wiedererkannt. Den Blick dazu und die wortlose Geste kenne ich noch von früher. Thomas macht das eigentlich schon immer so, dass er „alte Bekannte“ fixiert und mit blicken einzeln begrüßt. Das merken auch manchmal Aussenstehende, so kommentierte ein Sitznachbar „der kennt Dich ja wirklich!“. Ihm hatte ich vor der Show erzählt das ich früher mal eine von den Verrückten die immer da sind war.
Heimreise
Nach der Show nutzte ich noch die Gelegenheit um mit anderen Fans zu Quatschen und ging erst um Mitternacht auf den Zug nach Basel. Das war dann die späte „Bimmelbahn“ die überall hält und drum war ich erst um 0:44 Uhr in Basel.
Kaum war ich mit dem Fahrrad gestartet begann ein leichter Regen, das war aber nach 5 Minuten wieder vorbei. In Lörrach waren die Straßen noch nicht nass, aber es begann gerade. Ich stellte mein Fahrrad zuhause ab und bis ich in der Wohnung war schüttete es!!! Ich hatte also mega Glück mit dem Wetter.
Es war ein wunderschöner Abend, den ich noch lange in guter Erinnerung haben werde.
Im Herbst freue ich mich auf das nächste „Heimspiel“. Am 2. November kommt Nino de Angelo mit Band nach Freiburg. Das Konzert findet im Konzerthaus statt, das befindet sich direkt gegenüber vom Bahnhof, also ideal um mit dem Zug anzureisen.
Bei AD-Tickets gibt es noch gute Plätze, also schnell noch zugreifen:
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