Ich reise gerne und oft mit der Deutschen Bahn. Und mir ist es auch schon mal passiert, dass ich etwas verloren habe. In meinem Artikel „Sind Kofferanhänger sinnvoll“ habe ich erwähnt, dass ich meinen verlorenen Koffer durch den Fundservice der Deutschen Bahn zurück erhalten habe.

Nun habe ich im vergangenen November schon wieder Erfahrungen mit dem Fundservice der Deutschen Bahn und im Speziellen mit der Fundstelle in Karlsruhe gemacht. Diesmal war nicht meine Adresse am Koffer der ausschlaggebende Impuls, sondern meine Suchanzeige über die Webseite.

Warum mein Koffer weg war?

Auf meiner Reise von Stuttgart nach Lörrach musste ich in Karlsruhe umsteigen. Da wir erhebliche Verspätung hatten, war ich damit beschäftigt, im DB-Navigator zu schauen, ob ich den Anschluss noch erreichen könnte oder nicht. Wenige Kilometer vor dem Bahnhof hatten wir noch Hoffnung, dass es ganz knapp noch reichen würde. Zahlreiche Fahrgäste standen wie ich schon an den Türen und warteten gespannt. Doch unsere Hoffnung zerplatzte, als wir merkten, dass der Zug vor der Einfahrt in den Bahnhof kurz warten musste. Damit war unser Anschluss in Richtung Basel weg.

Koffer im Zug vergessen!

Doch in letzter Minute kam die Durchsage: „Fahrgäste in Richtung Basel erreichen noch den verspäteten Zug „Soundso“ auf Gleis „Soundso‘.“ Die genauen Ziffern weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, das war gar nicht der Zug, den ich gebucht hatte. Würde ich diesen Zug erwischen, könnte dies bedeuten, dass ich eine Stunde eher nach Hause komme, als wenn ich auf den nächsten planmäßigen Zug gehe. Also sprang ich aus dem Zug und rannte zur Treppe, um möglichst schnell auf das angegebene Gleis zu kommen. Mit mir rannten bestimmt 20 andere Fahrgäste. Wir erreichten den Bahnsteig genau in dem Moment, als der Zug einfuhr. Sobald ich drin war, war ich positiv überrascht, dass er angenehm leer war. Ich suchte mir einen gemütlichen Sitzplatz mit Tisch und informierte erst mal meine Schwester per Handy, dass ich einen früheren Zug erreicht habe und nun rechtzeitig nach Hause kommen würde.

Ich war so mit Handy und meinem Häkelzeug beschäftigt, dass mir nicht auffiel, dass ich meinen Koffer nicht hatte. Erst als ich mich kurz vor Basel bereit machte zum Aussteigen, bemerkte ich: „Da fehlt doch was!

Im ersten Moment wusste ich nicht mehr, ob ich beim Umstieg den Koffer dabei hatte oder nicht. Ich erinnerte mich dunkel, dass den Koffer durch mehrere Waggons gezogen hatte, um einen Sitzplatz zu finden … Äh, Moment, das war nicht dieser Zug, der war ja fast leer.

Fundservice der Deutschen Bahn

In Basel hatte ich etwas Aufenthalt, bis meine S‑Bahn fuhr, und so nutzte ich die Zeit, um auf dem Handy die Fundservice Webseite der Deutschen Bahn aufzurufen. Dort gibt es ein Formular, wo man seinen verlorenen Gegenstand beschreiben kann. Da ich die genaue Marke meines Koffers nicht wusste (irgendein Noname), beschrieb ich sein Aussehen so gut ich konnte. Natürlich hatte ich die genauen Maße nicht im Kopf. Wer hat das schon? Aber ich wusste, dass ein Bändel von einem abgerissenen Geschenkanhänger noch in dem Zipper vom Reißverschluss hing. Also beschrieb ich dieses Detail. Außerdem konnte ich einige markante Gegenstände im Innern beschreiben. Darunter eine Bienenwachskerze, die mir meine Mutter mitgegeben hatte für meinen Geburtstag. Sowie eine rosa Plastiktasche mit schwarzem Griff und schwarzem Reißverschluss, in der ich meine schmutzige Unterwäsche gesammelt hatte. Ich erwähnte auch die hellblauen Badelatschen.

Wichtig beim Ausfüllen ist, dass man Dinge beschreiben kann, woran die Mitarbeiter vor Ort genau erkennen können, dass es wirklich der gesuchte Koffer ist. Bei einem Koffer, bei dem man den Inhalt benennen kann, ist dies ja noch einfach. Schwieriger wird es bei einem verlorenen Kleidungsstück. Da sollte man dann schon Marke und Größe genau angeben können.

E-Mail von der Fundstelle Karlsruhe

Schon am nächsten Tag erhielt ich eine E-Mail von der Fundstelle in Karlsruhe, dass mein Koffer vermutlich gefunden wurde. Ich sollte mich unter der angegebenen Rufnummer melden und noch ein weiteres Detail nennen.

Was die Mitarbeiterin des Fundservice der Deutschen Bahn am Telefon eigentlich zuerst hören wollte, konnte ich nicht beschreiben. Sie fragte mich nach dem Reißverschluss, ob der defekt sei oder hängen würde. Aber bis dato hatte er noch gut funktioniert. Während des Telefongesprächs versuchte sie, den Koffer zu öffnen, und zog den erstbesten Gegenstand heraus. Das waren meine blauen Badelatschen. Und die Tatsache, dass ich beschreiben konnte, was auf diesen Latschen abgebildet ist, identifizierte mich als den Eigentümer dieses Koffers.

Wie bekomme ich meinen Koffer wieder?

Ist mal geklärt, dass es sich um das richtige Fundstück handelt, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Abholung in der Fundstelle, also in meinem Fall in Karlsruhe, für 5 €
  • Oder Zusendung der Fundsache nach Hause. Bei Koffern wird dafür allerdings 35€ berechnet.

Ich entschloss mich für Abholung und plante schon einen Tagesausflug nach Karlsruhe. Doch dann kündigte meine Schwester einen Besuch an, und da sie mit dem Auto dort vorbei fährt, durfte sie ihn abholen.

Dazu benötigte es nur eine E-Mail mit den Angaben der Fundstücknummer und ihrem Namen und ihrer Adresse. Sie musste sich vor Ort ausweisen und die 5 € bezahlen.

ein altes Bild von einer Früheren reise mit dem Besagten Koffer

Alles ist wieder da

Nach 10 Tagen hatte ich meinen Koffer mit dem gesamten Inhalt wieder. Es fehlte nichts, nur ist der Reißverschluss nicht mehr in Ordnung. Dies halte ich jetzt aber nicht für ein Verschulden der Bahn, sondern einfach nur für Verschleiß. Den Koffer habe ich nun schon fast 8 Jahre und ich war sehr viel mit ihm unterwegs.

Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass ich die Kleidung aus dem Koffer wieder habe. Es war zwar nichts extrem Wertvolles dabei, aber zum Beispiel alle meine Badeanzüge. Diese jetzt ersetzen zu müssen, wäre etwas ärgerlich gewesen. Ich bin sehr dankbar für den Fundservice der Deutschen Bahn und möchte ihn unbedingt weiterempfehlen.

Hier geht es zu der entsprechenden Webseite

Heute sehe ich Fundsachen mit anderen Augen

Ab hier folgt eine Ergänzung von 2026 aus der Sicht einer Zugbegleiterin im Fernverkehr.

Am Endbahnhof einer Zugfahrt müssen wir den Zug „abrüsten“. Dazu gehört auch, einmal durch alle Wägen zu gehen und zu kontrollieren, ob nicht irgendwo noch ein Fahrgast ist oder vergessene Gegenstände. Denn während der Reise können wir selten feststellen, dass der zugehörige Fahrgast gar nicht mehr da ist (fast nur wenn es sehr leer ist).

Finden wir Koffer oder andere Gepäckstücke, müssen wir diese einsammeln, melden und zur Fundstelle im Endbahnhof bringen. Handelt es sich um sehr schwere Gegenstände, ist dies manchmal sehr ärgerlich. Weil dieser Vorgang mit mehr Arbeit zusammenhängt, gibt es leider auch gelegentlich Kollegen, die gerne mal etwas „übersehen“. Ich möchte jetzt niemanden schlechtmachen, aber wie in jedem Job gibt es auch bei uns „solche“ und „solche“ Mitmenschen.

Hatte der Zug jedoch erhebliche Verspätung, kann es auch sein, dass das Fahrzeug in eine sogenannte „Schnellwende“ geht. Also zeitnah wieder zurückfährt. Dann kann es ebenfalls sein, dass kein Abschlussdienst durchgeführt wird, weil bereits neue Fahrgäste einsteigen.

Dies kann dann auch dazu führen, dass das Fundstück nicht im Endbahnhof, sondern viel später erst in einem anderen Bahnhof gefunden wird.

In der Fundstelle im Bahnhof

Spätestens in der Fundstelle wird der gefundene Gegenstand fotografiert und in eine Datenbank eingegeben. Dabei wird er optisch beschrieben. Für eine detaillierte Beschreibung braucht es mehr als nur „kleiner schwarzer Koffer“. An dieser Stelle werden kleine Details wie Anhänger, Aufkleber, bunte Rollen oder Reißverschlüsse essenziell.

Befindet sich in der Suchdatenbank eine Anfrage eines Fahrgastes mit einer passenden Beschreibung, wird der Fahrgast kontaktiert. So wie ich oben beschrieben habe, als ich eine E-Mail mit der Rückrufbitte erhalten habe.

Der Fahrgast, der etwas verloren hat, muss den Gegenstand klar beschreiben können!

Wenn der Koffer nicht verschlossen ist wird er geöffnet und der Suchende wird gebeten einen Gegenstand aus dem Inhalt ganz klar zu benennen.

In meinem Fall waren das die hellblauen Badelatschen. Die Mitarbeiterin der Bahn hatte diese in der Hand und ihr fiel ein weiteres Detail an den Badelatschen auf. Nach diesem fragte sie mich. Ich konnte klar benennen das auf den hellblauen Badelatschen eine Palme abgebildet ist. Und damit war mein Gepäckstück eindeutig identifiziert.

Wo landet die Fundsache?

Wie schon beschrieben landet die Fundsache nicht immer automatisch im Endbahnhof des genutzten Zuges. Manchmal fährt das Packstück auch zurück oder mehrfach hin und her. Gerade bei kleineren Gegenständen, die zwischen oder unter Sitze rutschen können, kommt das vor.

Nach einer gewissen Frist werden die Fundsachen dann in ein zentrales Lager nach Wuppertal weitergeleitet. Dort werden sie erneut gesichtet, beschrieben und mit Suchanfragen verglichen.

Deshalb ist es besonders wichtig, eine detaillierte Suchanfrage korrekt auszufüllen. Je mehr Angaben gemacht werden können, umso besser.

Dabei ist auch zu beachten, dass sich Angaben wie „alle vier Rollen gehen“ ändern können. Es könnte eine Rolle abbrechen. Ein „rotes Halstuch am Griff“ könnte jemand abgemacht haben usw.

Regelmäßig werden Gepäckstücke erst viel später in ganz anderen Zügen gefunden, wenn beispielsweise jemand versehentlich den falschen Koffer mitgenommen und dies erst später bemerkt hat. Oder wenn ein Diebstahl vorliegt und der Koffer nach dem Durchwühlen irgendwo entsorgt wird.

Suchanfrage vollständig ausfüllen

Grundsätzlich ist es sehr, sehr wichtig, die Suchanfrage vollständig auszufüllen. Also mit allen Informationen, die man hat. In welchem Zug, Uhrzeit, Fahrtrichtung, wann bemerkt, usw. Und eine eindeutige gute Beschreibung des verlorenen Gegenstandes. Und die eigenen Kontaktdaten sind natürlich auch wichtig.

Fallen Dir später noch mehr Details ein, kannst Du auch erneut eine zweite Suchanfrage stellen. Allerdings ist es dann sinnvoll, die erste Anfrage zu erwähnen.

Kommt das oft vor?

Ja! Fast bei jedem „Abschlussdienst“ finden wir irgendwas. Sehr häufig sind Schal, Mütze und Regenschirm. Dabei solltest Du aber wissen, dass Gegenstände, deren Wert weit unter 15 € geschätzt wird, nicht erfasst werden. Darunter fallen die meisten Netzteile, Basecaps und Sonnenbrillen.

Lebensmittel und Trinkflaschen werden ebenso nicht als Fundsachen behandelt.

Besondere Fundsachen?

Eine Sonderbehandlung bekommen Kuscheltierchen, auch wenn sie alt und stark bespielt aussehen. Denn man weiß ja, wie sehr ein Kind an seinem Liebling hängen kann. Wenn Dein Kind in einem ICE etwas Derartiges verliert, stell bitte unbedingt eine Verlustanzeige. Diese Gegenstände werden ungeachtet des materiellen Wertes behandelt.

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2 Kommentare zu „Erfahrungen mit dem Fundservice der Deutschen Bahn“

  1. […] hier wie ich meinen Koffer sogar schon mehrmals dank des Fundservice der deutschen Bahn wieder bekommen […]

  2. […] meinem letzten Blogpost habe ich berichtet, das es hilfreich war das ich ein individuelles Detail an meinem Koffer befestigt […]

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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