Einen kleinen seniorenfreundlichen Spaziergang im Schwarzwald ohne große Steigung haben meine Schwester und ich kürzlich mit unserer Mutter unternommen.
Mit 81 Jahren ist sie nicht mehr gut zu Fuß. Trotzdem wollte sie unbedingt noch einmal ein wenig Schwarzwaldluft und Natur genießen
Die Realität sieht leider so aus, dass meine Mutter schon nach etwa 500 Metern eine Pause braucht. Sie hat starke Hüft- und Knieschmerzen und ist außerdem schnell außer Atem. Trotzdem wollte sie gerne noch einmal in die Schwarzwaldberge.
Deshalb haben wir uns entschlossen, mit dem Auto bis zum Wanderparkplatz Kreuzweg zu fahren, der zur Gemeinde Neuenweg gehört.
Wanderparkplatz Kreuzweg
Den Wanderparkplatz findet man problemlos bei Google Maps und in den meisten Navis. Am besten erreicht man ihn von Badenweiler oder von Schönau aus.
Von hier aus starten viele Wanderwege. Die meisten führen allerdings bergauf oder bergab und sind deshalb für ältere Menschen mit Knie- oder Hüftproblemen eher ungeeignet.
Ich war zunächst sehr skeptisch, ob wir mit unserer Mutter überhaupt loslaufen sollten. Sie geht wirklich sehr schlecht und stützt sich dabei auf zwei Wanderstöcke, die sie inzwischen immer braucht.
Deshalb setzten wir uns erst einmal auf eine Bank und genossen die Aussicht. Schon direkt am Parkplatz hat man einen wunderschönen Blick auf den Schwarzwald.
Ein unerwarteter Wanderer
Doch dann kam der Linienbus zwischen Müllheim, Badenweiler und Schweighof, und aus diesem stieg ein älterer Mann mit Gehhilfen aus – also mit Unterarmstützen, die im Volksmund meist einfach Krücken genannt werden.
Zu meiner Verwunderung steuerte der Mann mit seinem offensichtlich verletzten Bein den Wanderweg Richtung Kälbelescheuer an. Er war alleine unterwegs und schien den Weg gut zu kennen.
Meine Mutter schwärmte plötzlich von einer Wanderung in ihrer Jugend, als sie einmal mit Freunden von Badenweiler zur Kälbelescheuer gelaufen war. Sie erinnerte sich noch daran, wie unglaublich steil der Weg gewesen war – und dass sie so etwas heute leider nicht mehr schaffen würde.
Aber wohin wollte der Mann mit den Krücken denn gehen? Er konnte doch unmöglich denselben steilen Weg nehmen, den meine Mutter auch nach über 50 Jahren noch so deutlich in Erinnerung hatte.
Schließlich kam der Vorschlag: Wir laufen einfach ein Stück denselben Weg entlang – entweder bis wir den Mann einholen oder er uns wieder entgegenkommt.
Überraschend gut begehbar
So haben wir es dann gemacht. Der als Wanderweg zur Kälbelescheuer ausgeschilderte Weg führte fast ohne Steigung durch den Wald.
Der erste Abschnitt ist breit genug für ein Auto. Deshalb könnte man hier problemlos einen Kinderwagen oder sogar einen Rollstuhl schieben.
Der Weg verläuft etwa einen Kilometer fast eben durch den Wald. Für gesunde Menschen vielleicht fast etwas langweilig. Für uns war genau das an diesem Tag jedoch perfekt.
Dann öffnet sich plötzlich eine Lichtung mit einer faszinierenden Aussicht Richtung Staufen und Freiburg.
Nur ein kleines Stück weiter saß der vorhin erwähnte Mann auf einer alten Holzbank. Er hatte ein Bein hochgelegt, und dabei konnten wir erkennen, dass es sich um eine Prothese handelte.
Dieser Mann war die Strecke also tatsächlich mit nur einem Bein „gewandert“.

Abstieg zur Kälbelescheuer
Meine Mutter, die zwar mehrmals stehen bleiben musste, war glücklich, die Bank erreicht zu haben. Sie beschloss deshalb, dort erst einmal eine längere Pause zu machen.
Ab hier wird der Weg allerdings deutlich steiler. Den teilweise ausgewaschenen Pfad würde ich fast schon als „alpin“ bezeichnen. Für leichtes Schuhwerk ist dieser Abschnitt eher nicht geeignet.
Während unsere Mutter auf der Bank die Aussicht genoss, gingen meine Schwester und ich weiter hinunter zur Kälbelescheuer, die von dort oben bereits gut zu sehen ist. Unterwegs winkten wir ihr mehrmals zu.
Für den Abschnitt zwischen der Bank und dem Ausflugslokal Kälbelescheuer brauchten wir ungefähr 30 Minuten. Mit zügigem Tempo geht es sicher schneller, wir haben unterwegs allerdings viele Fotos gemacht.
Gleicher weg zurück
Auf der Kälbelescheuer kann man gemütlich einkehren. Angeboten werden herzhafte Brotzeiten, ein kaltes Bier sowie Kaffee und Kuchen. Eis gibt es dort allerdings nicht.
Dieses Mal sind wir jedoch nicht eingekehrt, weil wir recht bald wieder zurückwollten.
Meiner Mutter ging es in der Zwischenzeit erstaunlich gut. Sie hatte etwas mehr als eine Stunde auf uns gewartet und war anschließend wieder ausgeruht genug, um den gleichen Weg zurück zum Auto zu gehen.
Als wir wieder am Fahrzeug ankamen, war sie zwar etwas erschöpft, aber glücklich, die kleine „Wanderung“ geschafft zu haben.
Insgesamt waren wir etwa drei Stunden unterwegs – für meine Mutter genau die richtige Dauer.
Auf dem Wanderparkplatz am Kreuzweg waren wir auch schon mal im Winter, dabei sind wunderschöne Bilder entstanden. Diese findest Du unter „Mal kurz in den Schnee“.
Fazit:
Dieser kleine Ausflug eignet sich gut für ältere Menschen oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, die trotzdem noch etwas Natur und Schwarzwald erleben möchten.
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