Meinen heutigen Samstagsplausch schreibe ich erst am Sonntagmorgen im Bett sitzend. Denn mein Wohnzimmer ist von meinen Gästen die noch schlafen besetzt.
Meine Schwester und ihr Lebensgefährte sind hier, weil heute endlich der große Tag ist. Die Aufführung unsere Chor-Musicals im Lörracher Burghof. Es war möglich, dass meine Schwester bei diesem Chor-Projekt in Lörrach teilnimmt, obwohl sie in Stuttgart wohnt. Denn die Proben zu diesem Event waren über ein Jahr verteilt immer samstags. So konnte sie es einrichten und daran teilnehmen. Im Endeffekt war sie sogar öfter dabei als ich, denn ich habe aufgrund meines Berufes nicht immer an den Wochenenden frei.
Musical die 10 Gebote
Diese Pop-Oratorium ist von Dieter Falk und Michael Kunze. Es wurde 2010 zum ersten Mal aufgeführt und es erzählt die Geschichte der Israeliten aus dem zweiten Buch Mose aus der Bibel. Wie es dazu kam, dass Gott den Menschen die 10 Gebote gab. Mehr darüber unter „Wohl dem der weiß…“ . in meinem letzten Blogpost habe ich schon darüber geschrieben.
Glauben und Singen
Ja, meine Schwester und ich nehmen gerne an einem christlichen Musikprojekt teil. Beide haben wir in der Vergangenheit immer wieder in verschiedenen christlichen Chören mitgewirkt. Meine Schwester sogar mehr als ich. Sie hat mehrfach an der „international school of gospel music“ teilgenommen und singt bei „Gospel im Osten“ in Stuttgart (größter Gospelchor Deutschlands) mit.
Doch es ist das erste Mal, dass wir gemeinsam bei einem solch großen Projekt auf der Bühne stehen. Und genau das wirft ein paar logistische Probleme auf. Denn, wenn wir sowas Tolles in der Nähe aufführen möchten wir gerne das unsere Mutter sich das ansieht. Doch diese ist leider nicht mehr so mobil und traut sich eine Anreise nach Lörrach alleine nicht mehr zu.
Darum haben wir es so gelöst, dass mein Schwager unsere Mutter für die Nachmittagsaufführung mit dem Auto abholt und danach wieder nach Hause bringt. Denn ihre beiden Töchter sind auf der Bühne unabkömmlich.
Intensive Proben
Gestern Nachmittag/Abend hatten wir Generalprobe. Wie erwartet, war es zuerst sehr chaotisch. Generalproben mit so vielen Teilnehmern sind immer mit viel Durcheinander verbunden. Es muss alles erst mal probiert und „eingefunden“ werden. Wobei wir alle uns ja schon einzeln und in kleineren Gruppen musikalisch vorbereitet haben. Doch erst bei der Generalprobe in der wirklich endgültigen Location wird endlich alles zusammengefügt.
Wichtige Details
Gestern haben wir alle schwarze Umschläge für unsere Chorpartitur erhalten. Denn das Notenheft, das wir die gesamte Aufführung lang in den Händen haben, ist bunt bedruckt und bei so manchem Teilnehmer in nicht mehr ganz neuem Zustand. Kein Wunder, wir nutzen das Heft ja auch schon ein Jahr lang. Doch jetzt kommt es, wenn wir auf der Bühne stehen sind wir von den Scheinwerfern geblendet, haben keinen Ort um das Heft abzulegen und wir müssen weiter blättern… dabei kann sich der Umschlag lösen und wir haben während dem Singen keine Chance das wieder zu beheben (man müsste sich setzen oder so). Das sind so Kleinigkeiten, die kann man vorher nicht wissen und verhindern.
Der Beleuchter hat einen wichtigen Job, er hebt mit dem Licht die jeweils aktiven Teilnehmer mit Licht hervor. Also wer gerade singt, der ist im Licht. Aber! Wir vom Chor werfen in einigen Passsagen nur „ahs“ und „ohs“ ein, oder antworten dem Solisten. Dazu müssen wir in der oben genannten Partitur mitlesen wo wir gerade sind… doch ohne Licht nutzt uns das Heft nichts! Auch die Idee das Licht genau dann anzumachen, wenn wir Einsetzen war auch nicht gut. Denn vom Dunkeln, plötzlich im Hellen in den Noten die richtige Stelle finden… Unmöglich, denn man ist einfach nur geblendet. Ein Profi kann mit sowas sicher umgehen, und wer das Stück perfekt auswendig kann, der braucht die Noten nicht wirklich. Aber wir sind Laien, mit sehr unterschiedlichem Erfahrungsschatz. Somit hat uns dieses Licht-Problem zu Anfang sehr nervös gemacht.
Mittlerer Weile wurde eine Lösung gefunden. Wobei ich mal auf die Frage antworten sollte: „Reicht Dir 5 % der Helligkeit?“
Es sind die vielen kleinen Details die eine Generalprobe sehr komplex und stressig machen. Es müssen die Mikrophone und Lausprecher richtig eingestellt werden. Weil diese Schaltungen noch nicht perfekt waren haben wir vom Chor versehentlich zugehört als eine der Solistinnen auf die Toilette ging. Die Moderatorin des Abends testete gerade ihr Mikro doch wir hörten stattdessen die Solistin in der Toilette von ihrer Unterhose sprechen. Das war mal kurz lustig. Aber wenn das in der Aufführung passiert… dann müssen wir „Pokerface“ machen und uns nicht anmerken lassen.
Anspannung
Licht, Ton, Reihenfolge, „Wo ist meine Trinkflasche?“…
Heute Nachmittag um 15 Uhr ist die erste Auffühung und ich hab immernoch zwei Stellen an denen ich total „Schwimme“ und die ich jetzt gleich mit meiner Schwester nochmal durchgehen muss. Im Zweifelsfall muss ich „schauspielern“ und in der Passage die Stimme „Fisch“ singen… Kennst Du diese? Ein Fisch ist stumm.
Meine Hauptaufgabe ist also überspielen, das niemand merkt wo ich es blicke und wo nicht. Schauspielern tue ich ja auch öfters während meiner Arbeit. Das wird schon klappen. Ich muss mich dennoch gut konzentrieren, denn ich sollte ja mit meiner Körpersprache auf den „Engel“ oder die „Stimme Gottes“ sowie auf „Durst“, „Hunger“ und das Meer reagieren. Und hoffentlich im richtigen Rhythmus lautlos Klatschen.

Auf dieser Bühne werde ich heute Nachmittag und Abend bei zwei Aufführungen unterwegs sein.

Dieser Beitrag wird bei Karminrot und im Lesezimmer als Samstagsplausch verlinkt.





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