Freunde die in Hamburg wohnen erzählten mir, das es in Hamburg eine E-Scooter-Plage gibt. Überall stehen und liegen sie rum, oft mitten auf dem Gehweg und oft an Haltestellen und Kreuzungen. Und die Fahrer der Elektroroller würden meist rücksichtslos und verkehrsgefährdend überall fahren, wo sie gerade Lust haben.
Ausführlicher über meine Erfahrungen in anderen Städten mit Lime und E-Scootern habe ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben.
In Hamburg gibt es gleich mehrere Unternehmen die Elektroroller im „Free-Floating-Verfahren“ anbieten und miteinander konkurrieren. Seit einigen Monaten erst sind sie im Stadtgebiet Hamburg erlaubt und binnen weniger Wochen haben sich zahlreiche Anbieter gefunden die Innenstadt mit ihren Fahrzeugen förmlich überfluten.
Es sieht ja ganz witzig aus, wenn Erwachsene Leute, auch oft in Anzug und Krawatte mit diesen Dingern durch die Straßen düsen. Und sicher ist es manchmal ganz praktisch schnell von A nach B zu kommen. Aber ein Großteil der Anwender sind wohl rein Spaßfahrer und nicht Leute die zur Arbeit fahren.

Elektroroller in Hamburg sind „Free-Floating“
Die E-Roller in der Hamburger Innenstadt sind im sogenannten Free-Floating-Verfahren anzumieten. Das heißt, kann sie anmieten, wenn man einen findet und dann einfach abstellen und abmelden, wo man will. Vorausgesetzt man befindet sich im zulässigen Gebiet.
Die Roller werden Nachts eingesammelt und die Akkus geladen und morgens wieder an bestimmte Punkte verteilt. Als potenzieller Nutzer eines solchen Vehikels kann man nie ganz genau wissen, ob wirklich zu der gewünschten Zeit einer oder mehr Roller an einem bestimmten Ort sind. Zwar werden sie morgens an den gleichen Orten verteilt aber man kann sich eben nicht darauf verlassen.
Für den Endverbraucher ist es ganz praktisch den E-Scooter am Zielort einfach abzustellen und abzumelden zu können. Aber das führt halt leider dazu dass rücksichtslose Nutzer es übertreiben und die Geräte überall stehen und liegen lassen. Was sehr ärgerlich sein kann.
Ich war neugierig auf das E-Roller-Fahren
Diese Sache hat mich neugierig gemacht. Ich wollte das auch mal probieren. Die Elektroroller kann man ganz einfach über eine App anmieten, ohne persönliche Einweisung oder Probefahren oder sonstiges. In meinem Fall hatte ich nicht mal einen erfahrenen Nutzer, der mir hätte sagen können, wie was funktioniert.
Mein Selbstversuch mit dem Elektroroller in Hamburg
Diese Dinger haben mich neugierig gemacht. Und da ich eh zu Fuß in Hamburg unterwegs war und Zeit hatte, wollte ich mir die Sache näher angucken.

Der einzige Grund warum ich mich für den Anbieter Lime entschieden habe war, das genau in dem Moment als ich keine Lust mehr zum Laufen hatte da gerade ein Lime-Roller am Wegrand stand.
Die Registrierung ging überraschend schnell
Auf dem Elektroroller stand der Hinweis auf die App von Lime die ich auch sofort und ohne Verwechslungsgefahr im Playstore (Android) hier fand. Ich war in dem Moment nicht in einem WLAN und dennoch ging die Installation recht fix. Nach einer kurzen Registrierung mit Name, Adresse und E-Mail wurde ich schon gefragt, ob ich den Roller freischalten möchte.
Um den gewünschten Roller freizuschalten, muss man mit der Handykamera einfach den QR-Code am Roller scannen, dafür muss man der App erlauben auf den Standort der Kamera zuzugreifen.
Was mich allerdings irritierte war das ich das Zahlungsmittel erst nach dem Roller abscannen eingeben musste. Ich habe mich für Paypal entschieden.
Sicherheitshinweise für E-Scooter?
Also die Sicherheitshinweise und „wie es geht“ hab ich erst nach der Aktivierung des Rollers durchgelesen. Ähm… ich finde das sollte man vorher lesen müssen.
Die Hinweise sind nett bebildert und verständlich beschrieben, sowas wie Helm Tragen empfohlen und Fahrradwege benutzen… nicht alkoholisiert Fahren, nicht zu zweit Fahren usw.
Auf wichtige Regeln im Straßenverkehr wurde meiner Meinung nach zu wenig hingewiesen.
Ein mulmiges Gefühl beim ersten Losfahren
Ich war echt überrascht wie schwer so ein E-Roller ist. Er ist schonmal viel schwerer als die Tretroller, die ich unter „Auf zum badischen Tretroller-Cup“ erwähnt habe. Eher Vergleichbar mit einem Mofa.
Zum Anfahren muss man sich erst mal abstoßen wie bei einem Tretroller, was durch das Gewicht nicht gerade einfach ist. Beschleunigen geht erst, wenn der Roller eine gewisse Geschwindigkeit hat. Ich brauchte 3-4 Versuche bis ich es raus hatte.
Meine allerersten Versuche habe ich direkt im Straßenverkehr gemacht! Unsportlichen und ungeübten Personen würde ich das absolut nicht raten. Ich selbst bin die letzten Wochen viel Fahrrad und Tretroller gefahren, also Gleichgewicht geübt. Zu allem Überfluss kam mir schon gleich mal ein Bus entgegen und an einer durch eine Baustelle verengten Stelle ließ mich ein freundlicher Sportwagenfahrer den Vorrang.
Aber schon zwei Kreuzungen später musste ich mich fragen, welche der Ampeln nun meine ist. Man muss binnen Sekunden umdenken vom Fußgänger oder Autofahrer auf… ähm was bin ich denn jetzt?
Mit dem E-Scooter durch Hamburg
Genau genommen muss man sich wie ein Radfahrer verhalten, nur das man schneller ist. Was ich angenehm finde, ist das man höher ist als beim Radfahren und man dadurch etwas bessere Sicht hat.
Ich war allerdings die ersten 2 km noch so unsicher, dass ich sehr auf den Boden vor mir geachtet habe. Gefährliche Sache, ich wäre beinahe mit einer Radfahrerin kollidiert, nur weil ich nicht richtig geguckt hab.
Zwischen Spaß und Konzentration
Das Fahren mit dem Elektroroller macht schon Spaß, wenn man es sich mal etwas angewöhnt hat. Aber ich finde es anstrengend. Durch die recht hohe Geschwindigkeit muss man echt sehr auf den Verkehr achten, Häuser angucken oder sowas ist nicht.
Ich war etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs und habe fast 5km zurückgelegt und war dann froh absteigen zu dürfen. Ich habe mich im Bereich Schultern und Nacken irgendwie verkrampft, später hatte ich Nackenschmerzen. Als ich gefahren bin hatten wir etwa 20 Grad warm. Für mein Empfinden gerade so noch warm genug um so lange auf dem Roller zu fahren. Bei kälterem Wetter hätte ich da keine Lust drauf.
Meine Bedenken zu den Elektrorollern
Ich habe bezüglich des E-Scooters so meine Bedenken. Sie anzumieten und zu aktivieren ist viel zu einfach, jeder der ein Handy hat kann sie einfach freischalten und losfahren. Alterskontrolle oder gar Kontrolle, ob derjenige die AGBs und Sicherheitshinweise verstanden hat gibt es nicht.
Viele Nutzer von Elektrorollern fahren so rüpelhaft, weil sie es entweder nicht besser wissen (vielen ist nicht klar was sie dürfen und was nicht) oder weil sie ein Anhalten verhindern wollen weil, das wieder anfahren, so anstrengend ist.
Ich denke, die E-Scooter werden genauso schnell von den Straßen verschwinden wie sie aufgetaucht sind, schon alleine, weil sie bei nicht sommerlichen Temperaturen einfach unangenehm sind. Und wer weiß wie sich die Akkus verhalten, wenn es kalt wird.
Mehr Gedanken zur Sicherheit dieser E-Roller unter „Sightseeing in Berlin mit dem E-Roller“.





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