Ich war mal wieder in Hamburg spazieren. Mein Ziel war es ein paar nicht so bekannte Motive zu fotografieren. Um dann mehr darüber zu recherchieren und hier zu berichten. Da ich Freunde in der Hansestadt habe, die dort aufgewachsen sind, erfahre ich oft von ihnen Details, die nicht jeder Reiseführer erwähnt.
Am Baumwall, fast versteckt unter der Trasse der Hochbahn, entdeckte ich dieses hübsche kleine Häuschen. Sofort fragte ich mich, welchem Zweck dieses Gebäude wohl diente.

Ein Sielhäuschen
Meine Bekannte, die schon immer in Hamburg lebt, wusste natürlich sofort eine Antwort. Es handelt sich hier um ein sogenanntes Sielhäuschen. Also um einen Zugang zu den Sielanlagen unter der Stadt. „Sielanlagen“ bedeutet nichts anderes als die Kanalisation, die damals in Hamburg als hochmodern galt.
Die Hamburger waren offenbar so stolz auf diese technische Neuerung, dass man sogar Kaiser Wilhelm II. eine Besichtigung ermöglichen wollte.
Damit der Kaiser nicht wie die normalen Sielarbeiter durch einen Gullideckel eine Leiter hinuntersteigen musste, errichtete man hier in der Nähe der damals neuen Hochbahn einen besonderen Zugang mit Treppe und unterirdischer Anlegestelle. Von dort aus war sogar eine Bootsfahrt durch die unterirdischen Kanäle geplant.
Da es dort unten vermutlich nicht besonders angenehm roch, ließ man unter diesem kleinen Häuschen sogar einen eigenen Umkleideraum für den Kaiser bauen. Dieser unterirdische Raum soll kunstvoll gekachelt und geschmückt gewesen sein.
Allerdings soll Kaiser Wilhelm II. diese besondere Ausfahrt in die Hamburger Kanalisation vermutlich niemals gemacht haben. Offiziell hieß es wohl, dass bei seinem Besuch in Hamburg die Zeit dafür fehlte. Manche vermuteten jedoch eher, dass er schlicht keine Lust hatte, mit einem Boot durch die Abwässer der Stadt zu fahren.
Ob die Besichtigung später doch noch stattfand oder endgültig abgesagt wurde, ist heute offenbar nicht bekannt.
Jedenfalls wurde das Umkleidezimmer irgendwann zugemauert und geriet danach weitgehend in Vergessenheit. Vielleicht schämte man sich später auch einfach ein wenig für diese etwas eigenwillige Idee.
Erst im Jahr 2012 tauchte der zugemauerte Raum wieder auf. Damals wollte man die neben dem Sielhäuschen stehende Statue von William Lindley, dem Konstrukteur des Hamburger Sielsystems, auf die andere Seite versetzen. Dabei entdeckte man den verschlossenen Raum wieder und konnte erst dadurch seine ursprüngliche Funktion klären.
Mehr über Wiliam Lindley findest Du auch bei Bambooblog, einem Blog über China und Hamburg (interessante Mischung). „Abwasser mit Geschichte in Hamburg“.
Auf Hamburgs Unterwelt gibt es noch mehr solcher Sehenswürdigkeiten.
Besucht doch auch mal meine anderen Hamburg Artikel:
- Sonntag Nachmittag in Hamburg
- Spaziergang Hammer Park im Winter
- Sonnenuntergang am Hamburger Hafen
- Der Grüne Bunker
- Veddler Fischgaststätte
Da ich immer wieder gerne Gast in dieser wunderschönen Stadt bin, versuche ich jedes Mal irgendwas neues zu entdecken und hier auf unterwegs ist das Ziel darüber zu berichten. Manchmal ist mein Besuch auch nur ganz kurz, wie beim Samstagsplausch „Weihnachtsmarkt“.






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