Mit einer spontanen Quadfahrt hatte ich an diesem Nachmittag wirklich nicht gerechnet. Umso schöner war es, plötzlich zwischen blühenden Apfelbäumen unterwegs zu sein und ein völlig neues Fahrgefühl kennenzulernen.
Eigentlich hatte der Tag ganz normal begonnen. Während des Corona-Lockdowns waren selbst ein paar Stunden Nebenjob schon eine willkommene Abwechslung vom eingeschränkten Alltag. Dass daraus später noch eine spontane Quadfahrt zwischen blühenden Apfelbäumen werden würde, hätte ich an diesem Morgen nicht erwartet.
Später am Nachmitag besuchte ich noch eine Freundin, die in einem kleinen Dorf wohnt. Ich wollte ihr ein Reinigungsgerät zurückbringen, das ich mir für meinen Balkon ausgeliehen hatte.
Früher hatten wir deutlich mehr Kontakt und schrieben fast täglich über WhatsApp. Ich habe sie damals auch viel häufiger besucht. In den letzten Jahren war der Kontakt etwas lockerer geworden und seit Corona begegnen wir uns auch in der Kirchengemeinde kaum noch.
Deshalb war es wirklich schön, sie wiederzusehen. Gesprächsbedarf hatten wir eigentlich genug, nur leider nicht besonders viel Zeit.
Ganz spontan aufs quad
Ausgerechnet als wir gemütlich beim Kaffee saßen, kam jemand vorbei, um etwas abzuholen, das sie bei Ebay Kleinanzeigen angeboten hatte.
Plötzlich sagte sie:
„Ich fahr’ mit dem Quad vor, Sie fahren einfach hinterher.“
Und direkt danach zu mir:
„Willst Du mitfahren?“
Wie bitte? Quad fahren?
Tatsächlich besitzt sie ein Quad, mit dem sie schnell zu dem Grundstück fährt, auf dem ihre Schafe und Hühner stehen. Ich war völlig überrascht.
Viel Zeit zum Nachdenken blieb sowieso nicht, denn der Käufer stand bereits im Hof und wartete.
Sie drückte mir kurzerhand einen Helm in die Hand und wenige Sekunden später saß ich schon auf dem Sozius.
Ehrlich gesagt war ich bereits mit dem Helm etwas überfordert. Hochsteckfrisur und Brille gleichzeitig unter einen Helm zu bekommen, von dem ich nicht einmal wusste, ob er überhaupt richtig passt, war gar nicht so einfach.
Viel Zeit dafür hatte ich allerdings nicht. Kurz darauf fuhren wir bereits los.

Beifahrer auf dem Quad
Meine Freundin fuhr zum Glück recht langsam und vorsichtig, denn das Auto hinter uns sollte uns ja folgen. Außerdem war der Weg bis zu dem Grundstück wirklich nicht weit. Trotzdem war selbst diese kurze Strecke für mich eine völlig neue Erfahrung.
Ich hatte vorher noch nie auf einem Quad gesessen. Als Teenager war ich einmal auf einem Motorrad als Sozius mitgefahren und hatte dabei schreckliche Angst. Seitdem wusste ich eigentlich, dass Motorräder und Mopeds nichts für mich sind. Selbst auf einen Motorroller habe ich mich später nie getraut.
Nur mit einem E-Scooter hatte ich bisher keine Probleme. Über meine Erfahrungen damit in Berlin und Hamburg habe ich sogar schon einmal geschrieben.
Heute hatte ich gar keine Zeit darüber nachzudenken, ob ich Angst hab oder nicht… Sie ist einfach losgefahren, und hat das Auto hinter uns mehr beachtet als meine Reaktion.
Ich wusste überhaupt nicht, ob ich mich an ihr oder an dem Fahrzeug festhalten sollte, und da seitlich so schöne griffige Griffe sind, hab ich mich für diese entschieden.

Mit einem Quad legt man sich außerdem nicht so stark in die Kurven wie auf einem Motorrad. Das fand ich überraschend angenehm. Insgesamt ist man damit auch deutlich langsamer unterwegs.
Auf dem Rückweg, als das Auto uns nicht mehr folgen musste, fuhr sie mit mir noch eine etwas längere Strecke und zeitweise auch schneller. Bergab auf gerader Strecke waren es maximal etwa 80 km/h. Das fühlte sich allerdings deutlich schneller an.

Nach diesem spontanen Erlebnis konnte ich gut verstehen, warum manche Menschen richtige Quad-Touren machen. Im Raum Freiburg gibt es dafür sogar einen eigenen Anbieter namens Quadpoint.
Wunderschöne Apfelblüten
Während meine Freundin mit dem Käufer sprach, sah ich mich auf dem Grundstück etwas um und bin an einem blühenden Apfelbaum hängen geblieben.

Ich finde Apfelblüten fast genauso schön wie die Kirschblüten, die ich vor einiger Zeit fotografiert habe. Apfelblüten stehen nur etwas später in voller Blüte. Hier handelt es sich um einen alten Boskop Apfelbaum. Eine etwas saurere ältere Apfelsorte die sich aber ideal für Apfelkuchen eignet.

Der Käufer hat sich vermutlich schon gewundert, warum ich einfach nur danebenstand und fotografierte. Aber das war mir egal. Mit Zäunen, Netzen und Hühnerzubehör kenne ich mich nun wirklich nicht aus.

Genieße das Leben!
Dieser Blogbeitrag erscheint heute ungewöhnlich spät. Der Abend verlief ganz anders als geplant, denn ich habe sehr lange mit einer langjährigen Freundin geschrieben.
Wir kennen uns seit fast 30 Jahren und haben früher viele Reisen und Ausflüge zusammen gemacht. In den letzten Jahren war der Kontakt allerdings seltener geworden.
Vor einiger Zeit gab es dann in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe ein Missverständnis. Für mich und die anderen kam ihre Reaktion damals völlig überraschend. Sie zog sich plötzlich zurück und sperrte mich sogar bei WhatsApp und Facebook. Danach herrschte komplette Funkstille.
Deshalb dachte ich lange, sie wäre immer noch sauer auf mich.
Heute hat sie sich schließlich wieder gemeldet und ich erfuhr den wahren Grund. Sie war schwer erkrankt und hatte sogar auf der Intensivstation um ihr Leben gekämpft. Mit Corona hatte das übrigens nichts zu tun, sondern mit einer anderen plötzlichen Erkrankung.
Mir schossen dabei die Tränen in die Augen. Wegen ein paar unglücklich verstandener Nachrichten hatte sie den Kontakt abgebrochen, während es ihr gesundheitlich längst sehr schlecht ging und niemand etwas davon wusste.
Der Gedanke, dass dieses Missverständnis beinahe für immer zwischen uns gestanden hätte, hat mich wirklich getroffen.
Manchmal wird einem plötzlich bewusst, wie schnell sich alles verändern kann. Wir wissen nie, wann wir Menschen zum letzten Mal sehen oder mit ihnen sprechen.
Bei älteren Menschen rechnet man vielleicht eher damit, dass sie irgendwann nicht mehr da sind. Aber die Freundin, von der ich hier geschrieben habe, ist ungefähr in meinem Alter.
Eigentlich bin ich noch nicht in einer Lebensphase angekommen, in der ich damit rechne, Freunde zu verlieren. Vielleicht hat mich diese Nachricht deshalb so getroffen.

Man denkt oft, man hätte später noch genug Zeit für Gespräche, Besuche oder gemeinsame Ausflüge. Aber manchmal kommt alles ganz anders.
Die Freundin, von der ich hier erzählt habe, lebt heute leider nicht mehr. Einige Jahre später habe ich über ihren Abschied bereits einen eigenen Blogbeitrag geschrieben. Diesen findest Du unter „Ich trauere“

Kommentar verfassen