Gestern war ich bei meiner Mutter. Sie hatte mich um Hilfe gebeten, weil ihr Staubsauger nicht mehr richtig funktionierte.
Sie beschrieb das Problem etwas eigenartig. Der Sauger würde zwar den Schmutz einsaugen, ihn dann aber an der Seite wieder herauspusten. Ich solle doch bitte einmal nachsehen, ob sich vielleicht etwas verstellt hätte.
Meine Mutter besitzt schon seit meiner Kindheit einen Vorwerk Kobold 120. Als ich meine erste eigene Wohnung hatte, habe ich mir das gleiche Modell „organisiert“ und benutze es bis heute. Die ganze Geschichte dazu findest Du in meinem Beitrag „Staubsauger fürs Leben“.
Als ich die Fehlerbeschreibung hörte, war mir sofort klar, dass es für meine Mutter nur eine zufriedenstellende Lösung geben würde. Sollte der Staubsauger tatsächlich kaputt sein, dann würde sie keinen modernen Staubsauger wollen. Sie würde wieder einen Vorwerk Kobold 120 haben wollen.
Staubsauger Kobold 120 reparieren
Früher war meine Mutter bei solchen technischen Dingen deutlich geschickter. Doch im Alter wird sie manchmal etwas unsicher, wenn ein Gerät nicht mehr so funktioniert, wie es soll.
Als bei meinem eigenen Kobold 120 der Motor durchgebrannt war, hatte ich versehentlich zwei Ersatzgeräte gekauft. Eines davon hatte ich meiner Mutter angeboten. Doch das lehnte sie damals kategorisch ab.
Sie wollte keinen anderen Staubsauger.
Bei ihrem eigenen Gerät wusste sie, was sie hatte. Ein anderer Kobold könnte schließlich schlechter sein als „ihr gutes Stück“. Also blieb alles beim Alten.
Nun war der Tag gekommen, an dem ihr treuer Vorwerk nicht mehr richtig funktionierte. Ich versprach, mir das Gerät anzusehen, und nahm vorsichtshalber mein Ersatzgerät mit.
Reparieren oder nicht?
Als ich ankam, hatte meine Mutter die „Teppichmaschine“, also den unteren Teil des Staubsaugers, bereits geöffnet und auf den Tisch gelegt. Sie zeigte mir die angesammelten Schmutzreste darin und war völlig entsetzt. Erst zwei Wochen zuvor hatte sie das Gerät geöffnet und gründlich gereinigt.
Sofort war mir klar, dass irgendetwas die Saugkraft beeinträchtigen musste. Vielleicht hatte sich irgendwo ein eingesaugter Gegenstand verklemmt oder eine Verstopfung gebildet.
Um die Saugleistung zu überprüfen, schloss ich den Schlauch mit der schmalen Düse an und schaltete das Gerät ein.
Schon am Geräusch hörte ich, dass etwas nicht stimmte.
Der Staubsauger klang völlig anders als gewohnt.
Als ich die Hand an das Ende des Schlauchs hielt, bestätigte sich mein Verdacht. Dort war praktisch keine Saugkraft mehr vorhanden.
Also schaltete ich den Staubsauger wieder aus.
Und dann wurde ich stutzig.
Äääähm …
Das Motorengeräusch lief noch weiter.
Normalerweise stoppt ein Kobold 120 sofort, wenn man den Schalter betätigt. Es gibt keinen Nachlauf. Deshalb war mir sofort klar, dass da etwas nicht stimmen konnte.
Ich hörte einen Moment zu und sagte dann zu meiner Mutter:
„Der Motor ist kaputt.“
„Nein“, antwortete sie. „Der klingt schon immer so.“
An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass meine Mutter inzwischen ein Hörgerät benötigt. Beim Staubsaugen trägt sie es allerdings in der Regel nicht. Es ist also durchaus möglich, dass sie das Motorengeräusch gar nicht mehr richtig wahrnimmt. Für mich war klar das der Motor nicht mehr richtig funktioniert.
Ein Ersatz für ein 50 Jahre altes Modell?
Ich nahm mein Ersatzgerät aus der Tasche und schaltete es ein.
Meine Mutter sah mich überrascht an.
„Stimmt“, sagte sie nach einem Moment. „So hat meiner früher auch geklungen.“
Damit war die Sache für mich geklärt. Der Motor ihres Staubsaugers war offenbar schon seit längerer Zeit nicht mehr in Ordnung. Die Veränderung war so schleichend gewesen, dass sie sie gar nicht bemerkt hatte.
Nun ergab auch das andere Problem einen Sinn.
Die Teppichmaschine zog den Schmutz zwar noch ein, doch die Saugleistung des Motors reichte längst nicht mehr aus. Solange nur wenig Schmutz anfiel, funktionierte das Gerät scheinbar noch. Sammelte sich jedoch genug Staub und Dreck an, wurde dieser einfach wieder herausgeblasen.
Der Fehler lag also nicht an der Teppichmaschine, sondern am Staubsauger selbst.
Du darfst Deinen Staubsauger behalten
Das Ersatzgerät war inzwischen natürlich auch nicht mehr das jüngste. Außerdem war der grüne Stoffbeutelsack schon ziemlich ausgeblichen und verschlissen.
Meine Mutter betonte deshalb mehrfach, dass ihr eigenes Gerät doch in einem viel besseren Zustand sei.
Also versprach ich ihr, dass sie ihren Kobold behalten dürfe. Schließlich war nur der Motor defekt. Warum also das ganze Gerät austauschen?
Ich nahm beide Staubsauger auseinander und wechselte einfach die Motoreinheit.
Für mich war das keine große Sache. Nach so vielen Jahren kennt man die Geräte schließlich in- und auswendig.
Meine Mutter dagegen schaute mich an wie ein Auto, als ich die beiden Kobolde mit wenigen Handgriffen zerlegte und anschließend wieder zusammensetzte.
Ein wenig traurig machte mich dieser Moment trotzdem.
Wenn ich darüber nachdenke, war es schließlich meine Mutter, die mir vor vielen Jahren gezeigt hat, wie man diese Geräte zerlegt, reinigt und kleinere Reparaturen selbst durchführt.
Früher war sie bei technischen Dingen oft geschickter als ich. Sie wusste genau, worauf man achten musste und wie man Probleme lösen konnte. Heute ist das manchmal anders. Manche Dinge, die für sie früher selbstverständlich waren, hat sie inzwischen vergessen.
Das macht mir gelegentlich Sorgen. Gleichzeitig erinnert es mich daran, wie viel ich von ihr gelernt habe und wie selbstverständlich dieses Wissen damals von einer Generation an die nächste weitergegeben wurde.
Nach dem Umbau saugten wir gemeinsam zwei Räume in der Wohnung meiner Mutter und die war sichtlich begeistert das ihr Staubsauger wieder so gut funktioniert.
„Hast Du es gerade rumpeln hören?“
Ich schaute sie fragend an.
„So groß war der Stein, der mir gerade vom Herzen gefallen ist!“
Das ist die Ausdrucksweise meiner Mutter, wenn sie mir sagen will, dass sie unendlich erleichtert und glücklich ist.
Erst in diesem Moment gab sie zu, dass sie die ganze Zeit große Angst gehabt hatte. Nicht davor, dass der Staubsauger kaputt sein könnte, sondern davor, dass sie sich einen neuen würde kaufen müssen.
Einen modernen Staubsauger wollte sie auf keinen Fall.
Sie wollte ihren Kobold behalten.
Und genau deshalb war sie so erleichtert, als ihr vertrautes Gerät nach wenigen Handgriffen wieder funktionierte wie früher.
Andere Leute lieben alte Autos, ich liebe alte Staubsauger
Der Vorwerk Kobold 120 wurde in den 1970er und 1980er Jahren gebaut. Trotzdem werden diese Geräte bis heute gebraucht gehandelt. Auch Ersatzteile, Zubehör und Reparaturanleitungen sind nach wie vor erhältlich.
Manche Menschen begeistern sich für alte Autos und investieren viel Zeit und Geld in deren Pflege und Erhalt. Bei mir sind es eher alte Staubsauger.
Natürlich ist ein Vorwerk Kobold 120 kein Oldtimer im klassischen Sinn. Trotzdem gibt es erstaunliche Parallelen. Die Technik ist überschaubar, viele Teile lassen sich austauschen und mit etwas Geschick kann man vieles selbst reparieren.
Deshalb würde ich dieses Modell durchaus als nachhaltiges Haushaltsgerät bezeichnen. Mein erster Kobold hat mich mehr als dreißig Jahre begleitet. Als der Motor schließlich den Geist aufgab, musste ich das Modell nicht aufgeben. Ich konnte einfach ein anderes gebrauchtes Gerät kaufen und weiterverwenden.
In einer Zeit, in der viele Haushaltsgeräte nach wenigen Jahren entsorgt werden, finde ich das bemerkenswert.
Mehr über diesen Staubsauger findest Du in meinem Blogpost „Mein Staubsauger fürs Leben“






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