Mit dem Rollstuhl in Berlin: Ein barrierefreies Erlebnis

Vergangene Woche war ich in Berlin unterwegs. Eine faszinierende, interessante Stadt. Ich war zum Teil mit einer Freundin, die einen Rollstuhl hat, in Bus und U-Bahn unterwegs. Und ich war beeindruckt, wie gut das funktioniert!

In Berlin fahren zum Teil Doppeldecker Busse, die gibt es hier nicht. Aber die anderen sehen kaum anders aus als die hier. Sogenannte „Niederflur-Busse“ sind ja fast überall Standard. Aber dass man in diese so gut mit einem Rolli rein und rauskommt hätte ich nicht erwartet.

In meinem Wohnort ist es ja schon fast etwas Besonderes, wenn jemand mit Kinderwagen es wagt den Bus zu wollen. Und alle mit Rollator trauen sich schon beinahe nicht.

Nicht so in Berlin. Dort sind die Distanzen so groß und es ist völlig normal, mit Rollator, Kinderwagen, Einkaufstrolley, Rollenkoffer oder Rollstuhl in den Bus zu steigen.

Busfahren mit dem Rollstuhl in Berlin

Und ist der Rollifahrer alleine, steigt der Busfahrer aus, kommt zu hinteren Türe und hilft. Gegebenenfalls klappt er (oder Sie, Frauen machen das auch) manuell die Rampe aus.

Diese „Klappe im Boden“ sehe ich oft in öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber ich habe zuvor noch nie einen Busfahrer erlebt, der sich die Mühe macht, diese zu nutzen. Da sind die Fahrer in unserer Hauptstadt den Kollegen hier im ländlichen Raum voraus.

Letzte Woche habe ich eine Situation erlebt, die mich beeindruckt hat. Im Bus befanden sich bereits viele Leute, ein Rolli und ein großer Kinderwagen. Für mein Empfinden waren wir so gut wie voll. Doch dann standen an der Haltestelle 2 Rollifahrer. Alle Fußgänger im Bus rückten unaufgefordert auf, um den Stehbereich bei der hinteren Türe freizugeben. Unaufgefordert! Keiner musste was sagen. Fremde neben dem Kinderwagen packten mit an, um diesen seitlich ganz nah an die Sitze zu stellen. Die Busfahrerin war sofort an der hinteren Türe, um die Rampe auszuklappen, und die erste Dame im Rollstuhl konnte ohne Probleme hineinfahren. Der zweite Rolli war ein großer, schwerer Elektro. Dieser fuhr hinein, doch dann stellte die Busfahrerin fest, dass nun die Klappe nicht mehr hereinging. Alle Fahrgäste versuchten noch etwas mehr Platz zu machen, doch es half nichts. Der Mann im Elektro-Rolli reagierte gelassen und meinte „okay dann nehme ich den nächsten“. Die Busfahrerin entschuldigte sich sogar, obwohl es ja nicht ihre Schuld ist, dass der Bus voll ist. Beim Rückwärts hinausfahren blieb der schwere Rolli mit dem Rad in einer Verkehrsinsel hängen und aus dem Bus rief jemand „er hängt“, die Busfahrerin reagierte beherzt und trat kräftig gegen den Rollstuhl und katapultierte ihn so aus der misslichen Falle.

Der Bus hatte übrigens keine Verspätung!!!

Hier unten meiner Gegend hätte ein Busfahrer in der Situation vermutlich nicht mal die Türe aufgemacht und hätte gesagt „wir sind voll, ihr passt nicht rein!“

Wir sind mit diversen Bussen und U-Bahnen gefahren und ich muss sagen, die Aufzüge sind überall sehr gut ausgeschildert, funktionierten und waren sauber.

Fast bei jedem Ein-oder Ausstieg boten sich Passanten an zu helfen. Wow!

Unterwegs mit in Berlin mit dem Rollstuhl

Wir besuchten natürlich auch den Alexanderplatz und meine Begleitung wusste bereits, dass man auf den berühmten Fernsehturm nicht mit Rollstuhl oder Gehilfen darf. Ist wohl aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Da hatte ich die Idee man könnte bei einem sehr hohen Hotel ganz in der Nähe schauen, ob die eine Aussichtsplattform haben. Haben Sie und der Eintritt dort kostet 4,-€… aber nur für Fußgänger, denn die letzten 5 Etagen muss man zu Fuß gehen.

Auf meine Frage, wo man denn mit Rolli hoch darf, holte die Angestellte einen Kollegen, der uns sehr freundlich und kompetent beschreiben konnte, wo dies möglich ist. Inklusive, wo an den U-Bahn-Haltestellen die Aufzüge sind.

Mit dieser nahezu perfekten Wegbeschreibung fanden wir barrierefrei und einfach den Weg zum Panoramapunkt am Potsdamer Platz.

Der Höchstgeschwindigkeitsaufzug kostet pro Person 6€. Rollstuhl und Gehilfen sind kein Problem. Der Aufzug fährt wirklich schnell! Im 25. Stockwerk ist man innerhalb weniger als eine halbe Minute! Nicht unbedingt für sehr empfindliche Personen geeignet. Meiner Bekannten im Rollstuhl hat es nichts ausgemacht, aber sie fährt auch gerne Achterbahn usw.

Die Aussicht von der dreieckigen Plattform aus ist beeindruckend. Und das Gemäuer ist so niedrig, dass Personen im Rolli auch wirklich etwas sehen. Man ist dennoch von einem hohen Gitter umgeben, was die Höhenangst etwas verhindert.

An mehreren Stellen gibt es Übersichttafeln, auf denen wichtige Gebäude markiert sind.

Direkt gegenüber ist der DB Tower. Ein Bürogebäude der Deutschen Bahn, und da die gesamte Fassade fast nur Glas ist, kann man direkt in die Büros gucken.

Aussichtspunkt in Berlin mit Rollstuhl zugänglich

Interessante Aussicht vom Panoramapunkt Berlin. Hier kann man auch mit dem Rollstuhl Berlin von Oben bewundern.

Weitere Informationen findet ihr auch unter www.panoramapunkt.de

Ähnliche Beiträge:

One response to “Mit dem Rollstuhl in Berlin: Ein barrierefreies Erlebnis”

  1. Avatar von tanjabrittonwriter

    „The kindness of strangers“ erinnert mich immer daran, nicht ganz den Glauben an die Menschheit aufzugeben.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

Folge mir auf diesen Wegen:

Entdecke mehr von Unterwegs ist das Ziel

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen