Vor einigen Jahren war ich mal mit einer Freundin, die im Rollstuhl sitzt in Berlin unterwegs. Sie kannte sich schon gut aus und wusste genau, welche Verkehrsmittel barrierefrei sind. Sie wollte mir ihr Berlin zeigen.

Mit dem Rollstuhl in Berlin unterwegs

In Berlin fahren zum Teil Doppeldecker Busse, die gibt es hier nicht. Aber die anderen sehen kaum anders aus als woanders. Sogenannte „Niederflur-Busse“ sind ja fast überall Standard. Aber dass man in diese so gut mit einem Rolli rein und herauskommt hätte ich nicht erwartet.

In meinem Wohnort ist es ja schon fast etwas Besonderes, wenn jemand mit Kinderwagen es wagt den Bus zu wollen. Und alle mit Rollator trauen sich schon beinahe nicht.

Nicht so in Berlin. Dort sind die Distanzen so groß und es ist völlig normal, mit Rollator, Kinderwagen, Einkaufstrolley, Rollenkoffer oder Rollstuhl in den Bus zu steigen.

Busfahren mit dem Rollstuhl in Berlin

Und ist der Rollifahrer alleine, steigt der Busfahrer aus, kommt zu hinteren Türe und hilft. Gegebenenfalls klappt er (oder Sie, Frauen machen das auch) manuell die Rampe aus.

Diese „Klappe im Boden“ sehe ich oft in öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber ich habe zuvor noch nie einen Busfahrer erlebt, der sich die Mühe macht, diese zu nutzen. Da sind die Fahrer in unserer Hauptstadt den Kollegen hier im ländlichen Raum voraus.

Berliner Fahrgäste sind rücksichtsvoll

In Berlin habe ich eine Situation erlebt, die mich beeindruckt hat.

Im Bus waren bereits viele Leute, ein Rolli und ein großer Kinderwagen. Für mein Empfinden waren wir so gut wie voll. Doch dann standen an der Haltestelle zwei Rollifahrer.

Alle Fußgänger im Bus rückten unaufgefordert auf, um den Stehbereich an der hinteren Tür freizugeben. Unaufgefordert! Keiner musste etwas sagen. Fremde neben dem Kinderwagen packten sogar mit an und stellten ihn seitlich ganz nah an die Sitze.

Die Busfahrerin war sofort an der hinteren Tür, um die Rampe auszuklappen. Die erste Dame im Rollstuhl konnte ohne Probleme hineinfahren.

Der zweite Rolli war ein großer, schwerer Elektro-Rollstuhl. Er fuhr ebenfalls hinein. Doch dann stellte die Busfahrerin fest, dass die Klappe nun nicht mehr zuging. Alle Fahrgäste versuchten noch etwas mehr Platz zu machen, aber es half nichts.

Der Mann im Elektro-Rolli reagierte ganz gelassen und meinte nur: „Okay, dann nehme ich den nächsten.“

Die Busfahrerin entschuldigte sich sogar, obwohl es ja nicht ihre Schuld ist, dass kein Platz mehr für ihn ist.

Beim Rückwärts-Herausfahren blieb der schwere Rolli mit einem Rad an einer Verkehrsinsel hängen. Aus dem Bus rief jemand: „Er hängt!“ Die Busfahrerin reagierte sofort, trat beherzt gegen den Rollstuhl und katapultierte ihn so aus seiner misslichen Lage.

Der Bus hat übrigens durch die Aktion keine Verspätung gemacht.

Hier unten meiner Gegend hätte ein Busfahrer in der Situation vermutlich nicht mal die Türe aufgemacht und hätte gesagt „wir sind voll, ihr passt nicht rein!“

Wir sind mit diversen Bussen und U-Bahnen gefahren und ich muss sagen, die Aufzüge sind überall sehr gut ausgeschildert, funktionierten und waren sauber.

Fast bei jedem Ein- oder Ausstieg boten Passanten Hilfe an. In meiner Heimat habe ich derartige Hilfsbereitschaft noch nie erlebt.

Unterwegs mit in Berlin mit dem Rollstuhl

Natürlich besuchten wir auch den Alexanderplatz. Der ist ja ein Muss für jeden Berlin-Touristen. Viele davon besuchen dann auch den berühmten Fernsehturm .Doch meine Begleitung wusste bereits, dass man auf diesen nicht mit Rollstuhl oder Gehhilfen darf. Das ist wohl aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben und ich hatte ich die Idee, bei einem sehr hohen Hotel ganz in der Nähe nachzufragen, ob es dort eine Aussichtsplattform gibt. Die gibt es tatsächlich und der Eintritt kostet nur 4 Euro. Allerdings nur für Fußgänger, denn die letzten fünf Etagen muss man zu Fuß gehen.

Auf meine Frage, wo man denn mit Rollstuhl hochfahren darf, holte die Angestellte einen Kollegen. Er konnte uns sehr freundlich und kompetent erklären, wo dies möglich ist. Sogar die Aufzüge an den U-Bahn-Stationen beschrieb er uns ganz genau.

Mit dieser nahezu perfekten Wegbeschreibung fanden wir den Weg zum Panoramapunkt am Potsdamer Platz ohne Umwege oder Stufen.

Der Höchstgeschwindigkeitsaufzug kostet 6 Euro pro Person (meine Preisangaben sind nicht mehr aktuell) Rollstuhl und Gehhilfen sind dort überhaupt kein Problem. Der Aufzug fährt wirklich schnell! Im 25. Stockwerk ist man in weniger als einer halben Minute. Nicht unbedingt für sehr empfindliche Personen geeignet.

Meiner Bekannten im Rollstuhl hat es allerdings nichts ausgemacht. Sie fährt auch gerne Achterbahn und ähnliche Sachen.

Die Aussicht von der dreieckigen Plattform aus ist beeindruckend. Und das Gemäuer ist so niedrig, dass Personen im Rolli auch wirklich etwas sehen. Das finde ich auch ein wichtiges Detail, denn was nutzt es jemandem wenn er zwar hoch darf aber effektiv nichts sehen kann. Man ist dennoch von einem hohen Gitter umgeben, was die Höhenangst etwas vermindert.

An mehreren Stellen gibt es Übersichttafeln, auf denen wichtige Gebäude markiert sind. Auch diese sind so angebracht das eine Person im Rollstuhl sie einsehen kann.

Direkt gegenüber ist der DB Tower. Ein Bürogebäude der Deutschen Bahn, und da die gesamte Fassade fast nur Glas ist, kann man direkt in die Büros gucken.

Update 2026: Witzig das ich damals schon den DB-Tower erwähnt habe, damals habe ich nicht geahnt das ich Jahre später durch einen „Quereinstieg bei der Deutschen Bahn“ landen würde.

Aussichtspunkt in Berlin mit Rollstuhl zugänglich

Interessante Aussicht vom Panoramapunkt Berlin. Hier kann man auch mit dem Rollstuhl Berlin von Oben bewundern. Da die Wege von der S-Bahnstation recht kurz sind, wäre dies auch für Senioren ein tolles Ausflugsziel.

Die Aussicht vom Panoramapunkt Berlin

Die Aussichtsplattform mit einem 360 Grad Rundblick ist ganzjährig geöffnet nur bei Sturm muss sie aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Die genauen Öffnungszeiten findest Du unter Panoramapunkt.de.

Aussicht vom Panoramapunkt Berlin in der Ferne sieht man den Fernsehturm

Zu allen Seiten gibt es dieses hohe Gitter, das die Besucher auf der Plattform schützt. Doch die Abstände sind so ,dass man sehr gut hindurch Fotografieren kann.

Weitere Informationen findet ihr auch unter www.panoramapunkt.de. Dort findet man auch die aktuellen Preise und Öffnungszeiten.

Ähnliche Beiträge

Da ich in den letzten Jahren immer wieder mit verschiedenen Personen, die im Rolli sitzen, unterwegs war, gibt es auf meinem Blog noch mehr Beiträge darüber.

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Ein Kommentar zu „Berlin von oben mit dem Rollstuhl“

  1. Avatar von tanjabrittonwriter

    „The kindness of strangers“ erinnert mich immer daran, nicht ganz den Glauben an die Menschheit aufzugeben.

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

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