Ich glaube, ich habe noch nie auf die Schreibanreize, die im Dashboard der WordPress Oberfläche angezeigt werden, geantwortet. Meistens finde ich sie viel zu allgemein doch diese Fragestellung fand ich „antwortenswert“
Allerdings möchte ich nicht auf die Zeit ohne Internet eingehen, sondern auf die Anfangszeit als noch kaum jemand online war.
Amiga 500
Es war Anfang der 90er Jahre und ich hatte von meinem Arbeitgeber einen zuvor als Ausstellungsstück benutzten Commodore Amiga 500 erworben. Das Gerät hatte einige Monate an der Wand gehangen und das Gehäuse war dadurch teilweise vergilbt und sehr staubig.

Commodore war eine Marke, die sehr erschwingliche Computer auf den Markt brachte, die vor allem für Computerspiele genutzt wurden. Die Zahl hinter der Modellbezeichnung Amiga kam daher, das dieses Gerät standardmäßig über einen Arbeitspeicher von 512 KB verfügte. Das tolle war, auch als Laie konnte man einfach eine „Speichererweiterung“ kaufen, auf der Geräteunterseite einstecken, und beim nächsten Start hatte das Teil schon ein ganzes Gigabyte !
Wenn Du mir nicht glaubst hier der Amiga 500 bei Wikipedia oder Commodore Museum
Das klingt jetzt wie ein Märchen, denn heutzutage haben moderne Handys schon 32,64 oder noch mehr GB Arbeitsspeicher…
Datex-J
In meiner ersten Wohnung, einer kleinen Teil möblierten Einliegerwohnung), hatte ich auch meinen ersten eigenen Telefonanschluss. An diese Telefondose wurde ein analoges Modem eingesteckt. Aber nur dann, wenn man das Telefon nicht brauchte, denn beides gleichzeitig funktionierte nicht.
Hatte ich den Amiga 500 mit dem Modem an die Telefonleitung gehängt konnte ich via T-online auf ein Datennetz namens „Datex-J“ zugreifen.
Der Namen dieses Netzwerkes, das man als Vorläufer des Internet bezeichnen kann, war der erstmalige öffentliche Nachvolger vom Datex einem Datendienst den nur Firmen zur Datenübertragung nutzten . Das J stand für „Jedermann“. Was Euch erkennen lässt das dieses Ding nur im deutschsprachigen Raum funktionierte.
Chatten und Posten gab es noch nicht
In diesem Datex J gab es diverse Foren zu vielen Themen. Alles steckte noch in den Kinderschuhen und nur langsam erweiterte sich die Palette. Im Bereich Musik hab es ein paar Foren für Fans einzelner Bands oder Künstlern… aber zu Anfang war das ne Liste von 20-30 Interpreten.
Einer davon war Thomas Anders, der zwar zu der Zeit gar keine Hochzeit seiner Karriere feierte, aber er hatte wohl irgendwie mit der Anbieterfirma dieser Foren zu tun. Deshalb gab es das Thomas Anders-Forum, wo sich eine Handvoll Fans austauschten. War man gleichzeitig im Forum konnte man sich direkt unterhalten, also vergleichbar mit dem Chatten heute. Allerdings erinnere ich mich, dass ich (ich hatte Schreibmaschinenschreiben gelernt und tippe deshalb recht schnell) langsam schreiben musste. In so einem Chat durfte ich die Buchstaben „H A L L O“ nicht zu schnell hintereinander eingeben, denn sonst trennte mein Modem die Verbindung. Aber auch das war normal, das man während einer Unterhaltung mehrfach rausgeflogen ist und man sich neu einwählen musste. Man war es gewohnt, dass ein Gesprächspartner manchmal erst nach mehreren Minuten antworten konnte.
erster live Chat mit einem Promi !
Die Anbieterfirma wollte diese neue Technik forcieren und organisiert deshalb eine Art Chat mit dem Sänger Thomas Anders. Schon Wochen zuvor wurde der Termin bekannt gegeben und so kam es, dass ich mehre Freunde einlud, dass wir gemeinsam an diesem neuartigen Event teilnehmen.
Wir waren 3 oder 4 Leute, ich weiß nicht mehr genau wer alles dabei war. Doch ich erinnere mich noch, dass wir vor meinem Monitor (den ich auch als Fernseher nutzen konnte) am Boden saßen, denn von der Couch aus konnten wir die Schrift nicht gut lesen.
Wir waren total aufgeregt, denn es war eine ganz neue Technik und die Vorstellung das uns unser Star unmittelbar antworten könnte war durchaus reizvoll. Auf die Idee anzuzweifeln ob das wirklich Thomas Anders ist der da antwortet, kamen wir gar nicht.
Der Musikmarkt berichtet
Die Fachzeitschrift „Der Musikmarkt“, die vor allem für Plattenläden und Schallplattensammler interessant war, schrieb sogar einen Bericht über diesen ersten Chat.
Unter der Überschrift „Welches Parfum benutzt Thomas Anders“ wurde ich sogar zitiert, denn dort stand:
Ein Fan namens „Uschi und Co.“ stellte die Frage „Welches Parfum benutzt Du momentan am liebsten?“
Wir hatten im Vorfeld lange diskutiert, welche Frage wir stellen wollen, denn jeder Teilnehmer durfte nur einmal fragen. Wir wollten durch diese Frage herausstellen, dass wir Thomas schon mal persönlich getroffen hatten und wussten „wie er riecht“…
Zudem musste man sich ja kurzfassen, weil der Verlauf sonst sehr unübersichtlich geworden wäre. Dass ich das mit dem Musikmarkt erfahren habe, war auch totaler Zufall, denn ich arbeitete damals in einem Warenhaus und die Kollegin aus der CD Abteilung gab mir das Heft mit den Worten „vielleicht ist ja was über deinen Thomas Anders drin“.
Leider habe ich damals keine Bilder gemacht, auf die Idee kam man damals gar nicht. Denn auch Handys und Digitalkameras gab es noch nicht.
Uff jetzt fühle ich mich alt, weil ich mich an eine Zeit erinnere, in der diese Dinge noch nicht selbstverständlich waren. In den letzten 30 Jahren hat sich da extrem viel verändert!
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