Ich bin wieder da und kann wieder schreiben. Diese und ein paar andere Fähigkeiten waren vorübergehend „gestört“.

In meinem letzten Samstagsplausch „Schattenseiten“ genannt habe, hatte ich einen Unfall erwähnt. Diesen glaubte ich ganz gut verarbeitet und zu haben und bin deshalb am nächsten Tag zur Arbeit gestartet. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass dies wohl ein Fehler war. Denn in dieser Schicht kam es erneut zu einer Unregelmäßigkeit. Unser Zug war überhaupt nicht betroffen, musst aber länger warten weil ein anderer Zug einen Wildunfall hatte. In so einem Fall muss die Strecke gesperrt werden, weil das verletzte oder tote Tier entfernt werden muss. In der Theorie klingt das logisch und unspektakulär. Mittlerer Weile war es schon dunkel und wir befanden uns irgendwo zwischen Osnabrück und Bremen… Also in einer Gegend wo ich zuvor noch niemals war. Aber alles das, vermischt mit dem Stress vom Vortag wurde mir zu viel!

Kurzfristig war ich komplett „Out of Order“. Ich funktionierte nicht mehr! Weder konnte ich mein Handy bedienen, noch wusste ich was ich tun wollte. Weil ich merkte das jetzt irgendwas nicht mit mir stimmt wollte ich mich in den kleinen Pausenraum zurückziehen. Ich stand vor dessen Türe und wusste nicht mehr wie diese auf geht. Keine Ahnung wie lange ich da stand die Türe anstarrend. Die Kollegin kam und meinte „Soll ich Dir aufmachen?“ und ich glotzte auf ihre Hand mit dem Schlüsselbund während sie öffnete. Wie in Zeitlupe sah ich ihren Schlüssel und dachte“,“ „Ich wusste doch irgendwie das ich den brauche, warum ist mir das nicht eingefallen?“

Die Kollegin reagierte super: „Setzt Dich da hin“, „Willst Du was essen?“, „Willst Du was trinken?“, „Willst Du was angucken?“. Sie stellte mir mein Dienstablet so ein das ich das Fernsehprogramm schauen konnte und „Du guckst jetzt Fernsehen alles andere ist egal!“

Und das war genau das richtige für mich! Erst später erkannte ich das ich meinen Blazer irgendwo ausgezogen hatte, aber wo? Und wo war meine Umhängetasche mit den Ausrüstungsgegenständen? Beides hatte der Zugchef gefunden und beaufsichtig. Er war es auch der mir später erklärte wie ich mich bei der Verkehrsleitung als „krank“ melden muss, denn auch das wusste ich nicht mehr wie das geht.

Unterwegs plötzlich krank

In der Theorie haben wir in der Ausbildung das besprochen. Das es durchaus passieren kann das man sich unterwegs „Dienstunfähig“ melden muss. Allerdings dachte ich bei sowas an Folgen einer Auseinandersetzung mit einem Fahrgast , oder ein Unfall wie eine Verbrennung mit heissem Kaffee.

Nun war ich plötzlich nicht mehr „funktionstüchtig“ und konnte eigentlich gar nicht begreifen warum. Ich wusste nur, ich bin irgendwo zwischen Bremen und Hamburg, und weis nicht wie es weiter geht!

Glück im Unglück

Laut meinem Dienstplan war eine Übernachtung in Hamburg geplant und am nächsten Morgen eine frühe Rückfahrt. Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, denn meine letzte Hamburg-Übernachtung war richtig schön, ich hab davon im „Samstagsplausch Weihnachtsmarkt“ berichtet. Aber wie ging es jetzt weiter???

Eine Freundin aus Hamburg, mit der ich mich eigentlich zum Abendessen treffen wollte erkannte die Problematik und schlug vor mich abzuholen. Das beruhigte mich ein wenig, wobei ich nicht weiter denken konnte und wollte als bis ich in ihrem Auto sitze.

Bei dieser Freundin konnte ich ein paar Tage bleiben. Erst zwei Tage später war ich in der Lage mich bei meiner Führungskraft zu melden. Man verwies mich an die MUT-Hotline der deutschen Bahn. Dort erreicht man Fachleute die beurteilen können was man in dieser Situation braucht. Man sagte mir ich solle mit einem Psychologen sprechen. Wie finde ich denn schnell einen Psychologen? Das auch noch in einer Fremden Stadt? All das organisierte die Hotline der deutschen Bahn.

Schon am nächsten Tag hatte ich ein Gespräch mit einer sympatischen Psychologin die auf solche Fälle spezialisiert ist. Mit ihrer Hilfe konnte ich das erlebte etwas besser einordnen. Und mir selber mir selber erlauben ein paar Tage zu brauchen bis ich wieder „normal“ bin. Ein D-Arzt schrieb mich auf Anraten der Psychologin für 2 Wochen krank.

Krank? Woanders und ohne eigene private Kleidung. Denn ich war ja nur für eine Hotelübernachtung und am nächsten Tag wieder zurück gestartet. In geliehenen Klamotten übte ich erst mal wieder Orientierung und S-Bahn fahren. Und darauf Vertrauen, dass ich das, was mein Handy, zum Beispiel Google Maps, anzeigt auch wieder richtig interpretieren kann. Tagelang spazierte ich durch Hamburg und verglich immer wieder meine eigene Wahrnehmung und Orientierung mit dem, was mein Handy zeigt. Am Anfang immer mit der Option „wenn ich nicht mehr weiter weis, holt mich die Freundin mit dem Auto ab“.

Erst nach 10 Tagen habe ich mich als Fahrgast in den ICE getraut. Beim ersten Mal mit der Option „Wenn ich die Krise kriege, steige ich am nächsten Bahnhof aus“. Aber das habe ich zum Glück nicht gebraucht.

Spaziergang in Hamburg in der tief stehenden Wintersonne

Urlaub anders als geplant

Danach hatte ich Urlaub und auch diesen nutzte ich um möglichst schnell entspannt und normal zu werden. Ursprünglich war geplant, dass ich einige Tage bei der Freundin in Hamburg verbringe, aber das hatten wir ja situationsbedingt vorgezogen. Dafür bin ich dieser Freundin unendlich dankbar! Durch ihre spontane Hilfe konnte ich optimal regenerieren und ich brauche momentan keine psychologische Hilfe mehr.

In meinem Urlaub habe ich stattdessen etwas mit meiner Schwester unternommen. Wir waren gemeinsam im Schwarzwald in einem Wellnesshotel. Das hat mir ebenfalls sehr gutgetan.

Es ist übrigens kein Zufall das meine Schwester und ich immer Ende Januar zusammen verreisen, meistens feiern wir ihren Geburtstag zusammen. Das war schon sehr unterschiedlich, lies dazu „Ein Wochenende im Geiterhotel“

Dieses Selfie ist auf einem Ausflug mit meiner Schwester auf dem „Lotharpfad“ entstanden. Die kommenden Tage werde ich noch darüber berichten.

Nebel an der Aussenalster

Das zweite Bild ist bei einem meiner Spaziergänge in Hamburg entstanden. Fast ein Sinnbild für meinen Gemütszustand, ein paar Tage konnte ich nicht weiter sehen als bis zum Ende des Stegs. Gott sei Dank geht es mir wieder gut. Ich freue mich, dass ich ab Montag wieder normal arbeiten kann.

Wenn Du mehr schöne Bilder von der Außenalster in Hamburg sehen willst, schau mal hier: „Sonntagnachmittag an der Alster“ oder „Samstagsplausch 3/24“. Denn wir haben ja gelernt das ich „Verwaisten Inhalt“ mehr verlinken muss…

Dieser Beitrag macht bei Karminrot im Samstagsplausch mit und wird ebenso beim Karminroten Lesezimmer verlinkt.

4 Kommentare zu „Ich bin wieder da“

  1. […] Wer meinen Blog schon länger kennt, weiß das ich immer wieder gerne zum Geburtstag meiner Schwester mit ihr für ein paar Tage verreise. Ein Beispiel ist „Ein Wochenende im Geisterhotel“ oder „ich bin wieder da! „. […]

  2. […] So schnell kann es gehen: […]

  3. Avatar von loemobil

    Alles Gute und eine bestmögliche Verarbeitung wünsche ich Dir. Dein Beispiel zeigt eben genau auf, dass man vorher nie weiß was man wie verarbeitet, manches braucht eben seine Zeit oder kommt erst am nächsten Tag zum Vorschein. Sich krank zu melden und Hilfe zu suchen ist der richtige Weg. Man braucht sich das auch für nichts schämen oder so. Es gibt Profis dafür, und mit denen hattest Du Kontakt. Stark ist man, wenn man sich eingesteht, dass man Hilfe braucht und nicht – wie manche Kollegen es kundtun – so tut als sei man der Stärkste und stecke alles weg. Nochmals wünsche ich Dir alles Gute!

  4. Avatar von lutrabee

    Es freut, dass du dich, wie man so schön sagt, wieder gefangen hast.
    Solche Situationen, die man ja schlecht beeinflussen kann, und die sie auslösen oftmals ausblenden, sind nicht einfach wegzustecken.
    Man kann immer nur hoffen das Menschen in ausweglosen Situationen nicht die Fähigkeit Hilfe zu suchen und auch anzunehmen verlieren…
    Wünsche dir und uns allen eine gute Zeit.

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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