Mein Abenteuer als Zugbegleiter: Unregelmäßigkeiten auf dem Weg nach Duisburg

Die Idee von meinen Reisen aus unterwegs zu bloggen hatte ich schon vor Jahren als ich diesen Blog begonnen habe. Deshalb auch der Name „unterwegs ist das Ziel“.

Seit einem halben Jahr habe ich nun einen Beruf, bei dem ich eigentlich ständig unterwegs bin. Als Zugbegleiter im Fernverkehr bin ich ständig in den ICEs unterwegs. In der Regel habe ich auch wieder in meinem Heimatbahnhof Feierabend. Nur hin und wieder übernachte ich auswärts und fahre am nächsten Tag meine Schicht zurück nach Basel. Darüber habe ich schon mal in „ich fahre eine Übernachtung“ erzählt.

Übernachtung in Duisburg

Am heutigen Samstag (2.3.) führt mich meine Arbeit nach Duisburg. Auf diese Schicht habe ich mich eigentlich gefreut, weil ich diese Strecke noch nie gefahren bin. Auch nicht privat als Fahrgast. Ich dachte so lerne ich mal wieder eine Ecke von Deutschland, die ich noch nicht kenne.

Hätte ich mich vorher mit dem genauen Inhalt meiner Schicht mehr befasst hätte es mich vielleicht nervös gemacht. Doch so ist es mir erst heute Morgen bei Dienstantritt klar geworden, dass ich mehr oder minder „alleine“ unterwegs bin. Also ich nicht im Team mit einem festen Zugchef der die gleiche Schicht macht, sondern ich bin als zusätzlicher Zugbegleiter eingeteilt, dessen Schichten sich mit den anderen Teams überschneidet. Das bedeutet im Einzelnen, die anderen Kommen und Gehen in anderen Bahnhöfen als ich „auf den Zug“.

Bei einer normalen Schicht ist das ja fast egal… aber bei einer Übernachtung ist das dann doch ein sehr wichtiges Detail. Denn man kann sich nicht einfach an den Chef hängen und ihm einfach folgen. Bei meinen bisherigen Übernachtungen war immer ein Chef dabei, der sich darum gekümmert hat, wo das Hotel ist, wann man wo sein muss usw… heute war ich alleine für alles verantwortlich!

Das alleine ist schon eine Herausforderung, doch wenn der Arbeitstag nicht so verläuft wie geplant dann wird es ein wenig stressig…

Alleine unterwegs?

Meine Schicht war so geplant, dass ich in einem Zug bis Kassel-Willhelmshöhe unterwegs bin, dort war eine Pause von etwa 1:45 Stunden geplant. Durch eine Zugverspätung war dieses schon mal etwas kürzer. Das ist jedoch nicht weiter schlimm. Mit dem nächsten Zug sollte ich nach Frankfurt Hauptbahnhof fahren und dort nochmal mit einem dritten Zug nach Duisburg. Im zweiten Zug waren wir angenehm viele Mitarbeiter und so konnten wir uns zu zweit an die Arbeit machen. Zusammen mit einem Azubi machte ich die Fahrkartenkontrolle und prüften dabei gegenseitig unsere Menschenkenntnis… das hatte richtig Spaß gemacht und wir waren mit unserer Aufgabe fast fertig als die Durchsage kam „Aufgrund eines Notarzteinsatzes auf der Strecke müssen wir hier leider stehen bleiben!“

Notarzteinsatz ist nie erfreulich

Uns war sofort klar, dass wir nun unerwartet viel Zeit haben würden… die Strecke vor uns war komplett gesperrt und die Prognosen für unsere Verspätung summierten sich immer mehr auf bis zu 120 Minuten. Wir alle im Zug waren damit beschäftigt, den Fahrgästen Fragen zu beantworten… den plötzlich hatte jeder Fahrgast fragen, wie er weiter kommen würde. Doch irgendwann fiel mir siedend heiß ein, dass ich mich ja mal darum kümmern müsste, ob ich meinen Folgezug in Frankfurt überhaupt noch erreichen würde. Natürlich Nicht!

Zum ersten Mal musste ich die Funktion „Dispo me“ in meinem Handy selber nutzen. Bisher hatte das immer der Zugchef für mich gemacht. Aber das Handling dieser Funktion ist viel einfacher als erwartet. Umso ernüchternder die Antwort „melde Dich wenn Du in Frankfurt bist“… Ich berichtete das der aktuellen Zugchefin, sie ist hier aus der Gegend und kennt die Zugverbindungen und schlug vor „Fahr doch von Aschaffenburg nach Duisburg“. äääh Wiebitte, wo ist Aschaffenburg und wie komme ich da hin? „ach wir werden dorthin gerade umgeleitet, Du kannst um 19:30 umsteigen!“ Sie schlug mir vor ich solle das der Dispo vorschlagen… Ich tippte den von ihr vorgeschlagenen Wortlaut inklusive Zugnummer in die App und als Antwort folge „ja kannst Du machen“.

Ich war sehr überrascht das man den Disponenten einfach einen Vorschlag machen kann. Da ich meinen dritten Zug nicht mehr erreicht hätte, war es nun wichtig, dass ich so schnell wie möglich zu meinem Hotel kam, weil ich ja ausreichend Nachtruhe bis zum Dienst am nächsten Morgen haben muss.

Eigentlich war ich der Meinung das ich mit dem Zug von Aschaffenburg nach Duisburg Frankfurt und damit den gesperrten Streckenabschnitt umgehen würde. Doch den eigentlich angedachten Zug habe ich nicht mehr erreicht und ich musste einen anderen ICE eine Stunde später nehmen. Dieser fuhr dann leider wieder über Frankfurt und war nochmal knapp 3h unterwegs! Also einen Großteil dieses Textes, den Du gerade liest, habe ich während der Fahrt getippt.

Letztendlich war ich erst um 23:30 in meinem Hotel, das ich aber dank der entsprechenden Handyapp sehr gut gefunden habe. Der Bahnhof Duisburg ist um diese Zeit kein einladender Ort. Denn so spät am Abend sind alle Geschäfte zu und nur noch sehr komische Mitmenschen unterwegs.

Im Hotel bin ich sofort auf mein Zimmer und ins Bett, denn ich war sehr erschöpft. Der Arbeitstag hatte zwar sehr entspannt und angenehm begonnen. Aber diese Streckensperrung war dann doch sehr aufreibend und hat dafür gesorgt, dass ich zwei Stunden später als geplant erst Feierabend machen konnte.

Dieses Bild ist auf der Hinfahrt am Frankfurter Hauptbahnhof entstanden. Bei diesem wunderschönen „Kaiserwetter“ machte die Fahrt echt Spaß. Da auf der geplanten Strecke vor uns bereits ein „Notartzteinsatz auf der Strecke“ gemeldet war, wurden wir ab hier bereits umgeleitet und die Halte Hanau und Fulda entfielen. So hatten wir im Zug ungewöhnlich viel Zeit für den Fahrgastservice. Ohne Halt von Frankfurt bis Kassel-Wilhelmshöhe. Wir hatten bereits alles erledigt und das komplette Team traf sich im Bordrestaurant für ein gemeinsames Kaffeetrinken. Bei diesem Wetter war das „Spazierengucken aus dem Zugfenster“ auch mal ganz angenehm.

Die Bilder aus dem fahrenden Zug werden nie sonderlich gut, aufgrund der Verschmutzung der Fenster und der Bewegung. Aber lass Dir sagen ich genieße solche Momente, wenn man kurz Zeit hat die vorbeigleitende Landschaft zu betrachten. Das ist einer der Gründe warum ich diesen Beruf so sehr mag.

So sah meine Mittagsplause in Kassel-Wilhelmshöhe aus. Alleine aber sehr ruhig und entspannt. Zum Glück war ich hier schon paarmal mit Kollegen, die mir gezeigt haben wo was zu finden ist.

Aschaffenburg?

Bis gestern (ich schreibe gerade am Sonntag morgen weiter) wusste ich gar nicht wo das liegt. Mit dieser Stadt hatte ich noch keine Berührungspunkte. Gestern Abend musste ich dort umsteigen. Leider war schon dunkle Nacht und ich habe nichts von der Stadt oder der Umgebung mitbekommen.

Im Bahnhof, in dem ich mich leider einer Stunde lang aufhalten musste habe ich mir bei einem China Imbiss eine Portion gebratene Nudeln gegönnt. Und ich muss sagen die waren wirklich lecker:

Das Diensthandy war natürlich stets dabei, denn ich musste ja schauen wann ich wo weiter muss. In dem Zug von Aschaffenburg nach Duisburg musste ich jedoch nicht mehr arbeiten und durfte als Fahrgast reisen.

Du Anfang der Fahrt konnte ich noch am Laptop schreiben und diesen Samstagplausch vorbereiten. Doch dann kam eine Gruppe Fußballfans und vorbei war mit der Ruhe. Aber so spät am Abend fühle ich mich sicherer, wenn sind zu viele Menschen da sind als fast leer.

Ein aufregendes Wochenende, das noch nicht ganz vorbei ist… wie es ab Duisburg nach hause ging erzähle ich unter „Duisburg und der EC9“

Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog

6 Kommentare zu „Mein Abenteuer als Zugbegleiter: Unregelmäßigkeiten auf dem Weg nach Duisburg“

  1. […] endlich mal wieder pünktlich und ganz entspannt zu Hause auf der Couch schreiben. Meinen Text von letzte Woche hatte ich unterwegs […]

  2. Avatar von FrauSonnenburg

    Danke für Deinen Post – ich finde es sehr spannend, eine Zugfahrt mal aus Sicht der Zugbegleitung zu lesen. Bestimmt habt ihr nicht immer viel zu lachen mit den Fahrgästen. Wie schön, dass Du den Beruf offenbar trotzdem sehr magst!
    LG
    Sandra

    1. Avatar von Uschi
      Uschi

      Der Beruf ist wirklich toll, weil er vielseitig ist. Die Momente wo es mit den Fahrgästen etwas unangenehm wird sind eher selten und dann meistens nur kurzfristig. Die meisten Fahrgäste sind nett!

  3. Avatar von Poupou
    Poupou

    Ich habe gesehen, dass man dir WordPress Tarife schenken kann/soll. Ich bin ziemlich überrascht, dass du so viel bezahlst und das Blog trotzdem voller Werbebannern ist. Hast du mal überlegt zu einem kostenlosen oder wenigstens werbefreien Bloganbieter zu wechseln?
    Liebe Grüße

    1. Avatar von Uschi
      Uschi

      Kannst Du mir denn einen empfehlen?

      1. Avatar von Poupou

        Mein Blog ist bei blogspot.com

        Kostet nichts und keine Werbung wenn man das nicht möchte.

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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