Heute möchte ich Euch erzählen, wie eine „Übernachtungsschicht“ für einen Zugbegleiter verlaufen kann. Diesen Text veröffentliche ich allerdings erst ein paar Tage später.
Deshalb wundert Euch nicht, wenn ihr das hier lest bin ich schon längst wieder woanders unterwegs.
Wie oft übernachte ich Auswärts?
Diese Schichten mit einer auswärtigen Übernachtung sind nicht regelmäßig. Der Dienstplan eines Zugbegleiters ist sehr komplex und abwechslungsreich und wird immer in 2 monatigen Planungsperioden veröffentlicht. In der Regel hat jeder Zugbegleiter etwa 3-4 Übernachtungen im Monat. Aber es gibt zahlreiche abweichende Arbeitszeitmodelle bei denen es weniger oder mehr sind. Wir Mitarbeiter haben im Vorfeld die Möglichkeit diese Planungen zu beeinflussen und bestimmt Wünsche und Vorlieben einfließen zu lassen. Es gibt Kollegen mit kleinen Kindern die keine Übernachtungen fahren. Andere haben feste Arbeitstage bei denen kommen dann diese Übernachtungsschichten regelmäßiger vor.
Ich persönlich habe noch keine Festlegungen getroffen, weil ich mich erst mal noch orientieren will. Aber ich stelle für mich fest das mir Übernachtungsschichten sehr gut gefallen. Dieses Morgens aufwachen und sich als erste fragen „Wo bin ich eigentlich?“ löst bei mir keine Angst oder Stress aus. Es gibt Mitmenschen, die hier anders reagieren.
Ein Wochenende mit Übernachtung
Ach das Wort Wochenende hat für uns Zugbegleiter eine andere Bedeutung als für den Rest der Bevölkerung. Denn Freitag-Sonntag sind die Tage wo für uns mehr Arbeit anfällt als sonst… Denn wo mehr Fahrgäste unterwegs sind ist mehr Arbeit für uns.
Letzte Woche hatte ich eine Übernachtung von Samstag auf Sonntag in München. Eine Dienstliche Übernachtung wird nur dann nötig, wenn meine Fahrzeit davor oder danach (oder beides) lang genug ist. Folglich führte mich meine Schicht nicht direkt nach München sondern über einige Umwege.
Am Samstag waren mein Team und ich in 4 verschiedenen Zügen unterwegs. Zuerst ging es nach Karlsruhe, wo wir eine längere Unterbrechung hatten, mit dem zweiten Zug ging es dann zum Frankfurter Hauptbahnhof, wo wir unsere gesetzliche Mittagspause verbracht haben. Von dort begleiteten wir einen ICE nach Stuttgart um dort nochmal zu pausieren. Die letzte Etappe begleiteten wir einen Zug, der von Berlin kam und über Frankfurt und Stuttgart nach München fuhr.
Aus der Sicht eines Fahrgastes eine total unlogische Reiseroute, aber es geht ja für uns Mitarbeiter nicht darum nach München zu kommen, sondern zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Zug zu sein. Wiedermal macht der Name meines Blogs einen ganz neuen Sinn: „unterwegs ist das Ziel“.
Unser Ziel ist es dann vor Ort im Zug zu sein, wenn wir gebraucht werden.
Eine Nacht in München
Diesmal hatte ich trotz Zugverspätung schon um 20 Uhr in München Feierabend. Die Zeit hätte also fast gereicht, mich mit einer Freundin zum Abendessen zu treffen, doch diese hatte leider keine Zeit. Also sprach ich mich mit meiner Zugchefin ab, dass wir noch einen Absacker in der Hotelbar nehmen. Es handelte sich um das Hotel Maritim, über das ich einen separaten Post geschrieben habe.
Ganz im Gegensatz zu meinem letzten dienstlichen Aufenthalt in München hatten wir ein Hotel, das nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof zu Fuß erreichbar ist. Das Hotel hat sogar ein Schwimmbad… hätte ich das eher gewusst, hätte ich Badesachen mit genommen. In der großen Pianobar spielte ein Musiker Klavier und Trompete. Ein angenehmes Ambiente. Meine Zugchefin kannte das Hotel bereits von früheren Aufenthalten und empfahl mir die Cocktailkarte. Zu meiner Überraschung war das Preisniveau gar nicht so hoch wie ich es erwartet hatte und so konnte ich mir das gönnen.

Jemand sagte ich würde auf dem Bild müde aussehen… darf ich auch. Ungeschminkt nach etwa 10 Stunden Arbeit. Während wir da zusammen saßen haben wir mal überschlagen… wir zwei hatten an dem Tag etwa 2200 Fahrgäste in 4 verschiedenen Fahrzeugen begleitet und dabei knapp 900 km zurückgelegt!
Wir waren einstimmig der Meinung, dass wir uns so einen netten Ausklang in der Pianobar mehr als verdient hatten.

Ich darf die Hotels, in denen wir dienstlich übernachten, nicht in Hotelportalen bewerten. Aber diese Serviette darf ich zeigen. Mittlerer Weile hab ich auch abgeklärt das ich über die Hotels schreiben darf. Zu diesem Hotel habe ich hier noch mehr berichtet. Auch ist es uns erlaubt nach Dienstschluss in Unternehmensbekleitung in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken.
Anders wäre es, wenn wir danach nochmal mit einem Zug fahren. Auch als Fahrgäste müssen wir nüchtern sein, denn im Falle eines Notfalles müssen wir dann einspringen und tätig werden.
Leider habe ich versäumt mir zu merken wie die einzelnen Cocktails heißen. Ich kann da also nicht detaillierter drüber berichten, vielleicht das nächste Mal.
Schön wars
Es war ein netter Abend mit der Kollegin, wir haben uns sehr gut unterhalten. Die Musik in der Bar war ganz angenehm. Die Getränke lecker und der Rest des Hotels hat mir gut gefallen (zumindest das bissel das wir gesehen haben) . Ich habe sehr gut geschlafen, aber von München habe ich exakt nur den Bahnhof und eine Straßenkreuzung gesehen. Das macht aber nix, ich war ja bei der Arbeit und nicht beim Sightseeing.
Unterwegs auf der Rückfahrt sind wir von München in Richtung Kassel eine Strecke gefahren, die ich noch nicht kannte und dort habe ich ein paar Orte entdeckt, die ich gerne mal besuchen würde.
Nebenbei bemerkt mag ich es vom Zug aus das Morgenrot und Sonnenaufgang zu beobachten! Sag mir mal in welchem Beruf das sonst noch möglich ist?

jaja ich gebe zu, ich hatte zwei verschiedene Cocktails… aber sie waren nicht sehr „stark“ und ich war trotzdem am nächsten Morgen um 5 Uhr fit.
… und sogar ohne Kaffee schon früh genug am richtigen Bahnsteig!
Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog

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