Nach meinem Montagsstarter in Knuffingen habe ich hier im Blog fast zwei Wochen nichts neues geschrieben. Und auch meine Hintergrundtätigkeiten habe ich fast auf Null heruntergefahren.
Der Grund dafür war ein sehr trauriger. Letzte Woche fand die Seebestattung meiner lieben Freundin aus Hamburg statt. Unter „Abschied einer guten Freundin“ habe ich ein wenig zusammengetragen, das viele meiner Blogbeiträge ohne sie gar nie entstanden wären. Sie war der Grund warum ich so oft in Hamburg und Umgebung unterwegs war.
Da sich die verstorbene ausdrücklich gewünscht hatte das ich bei der Seebestattung dabei bin habe ich mir mehrere freie Tage zusammenlegen lassen. Dafür bin ich meinem Arbeitgeber echt dankbar das dies so gut funktioniert hat. Denn die Bestattung fand um die Mittagszeit statt und somit musste ich am Tag zuvor im dem ICE anreisen und am Folgetag wieder zurück.
Mein Freund hat mich auf dieser Reise begleitet. Die Zugreise nach Hamburg bin ich ja eigentlich längst gewohnt. Unzählige Male bin ich diese Strecke schon als Fahrgast gefahren. Doch diesmal fiel es mir echt schwer. Diesmal hatte ich keine Vorfreude auf Hamburg.
Hamburg nur zum Schlafen
Ich war schon so oft in Hamburg, aber so wenig Zeit wie dieses Mal hatte ich noch nie. Selbst bei meiner dienstlichen Übernachtung 2024 in der Hansestadt fand ich Zeit den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Dieses Mal waren wir jedoch fast nur zum Schlafen hier. Nach einem gemütlichen Frühstück im Hotel sind wir mit dem Nahverkehrszug richtung Lübeck gefahren. Mein Freund wollte zuerst den früheren Zug nehmen, falls irgendwas ist… doch die Organisatorin der Trauerfeier meinte es würde reichen wenn wir den 11-Uhr Zug nehmen…
Der Zug fuhr pünktlich und war auch überhaupt nicht voll. Im Lübecker Hbf sollte dieser getrennt werden und noch zwei Halte weiter fahren. Mein Freund bemängelte schon „eigentlich müssen die eine Durchsage machen, wir sind schon zwei Minuten zu spät“. Kaum hatte er es ausgesprochen kam eine Durchsage. Aber nicht wie wir erwartet haben. „Bitte beachten Sie, dieser Zug endet hier!“
Da standen wir nun, eine Stunde vor Abfahrt des Schiffs noch 20 km entfernt. Mit nun doch erheblich aufkommender Hektik eilten wir zum nahen Busbahnhof und suchten auf einem Plan welche Busse zu unserem Ziel fahren würden. Es gab zwar zwei Linien, die aber mehrfach halten und deshalb zu spät ankommen.
Nach Rücksprache mit der Organisatorin nahmen wir uns ein Taxi, das schließlich fast 60€ gekostet hat. Dafür hat man uns direkt bis zum Prinzensteg gebracht. Letztlich waren wir beide diejenigen mit der weitesten Anreise als erste am Treffpunkt.
Seebestattung in Travemünde
Die verstorbene liebte die Ostsee und die Seefahrt. Deshalb hatte sie sich eine Seebestattung gewünscht.
Für mich war das etwas ganz neues, denn hier in Süddeutschland gibt es das kaum. Bei einer Seebestattung wird der Leichnam eingeäschert und die Asche in einer Urne aus wasserlöslichem Material ins Meer gelassen.
Zuvor hatte ich die unrealistische Vorstellung das die Asche in Wasser zerstreut wird. Dem ist jedoch nicht so. Es gibt ganz klare gestzliche Vorgaben. Eine Seebestattung darf nur in gewissen Bereichen mit ausreichend Abstand zur Küste stattfinden. Die Urne muss aus einem Material sein das nicht schwimmt und sich rückstandslos im Wasser auflöst.
Meine liebe verstorbene Freundin hatte eine sehr hübsche weisse Urne mit Malerei in Blau und Grau-Tönen. Es handelte sich um die Skyline von Hamburg. Dargestellt waren markannte Gebäude wie die Elphilharmonie und der Michel.
Auf den ersten Blick sieht so eine See-Urne aus als sei sie aus Porzellan oder Steingut. Aber in Wahrheit besteht sie aus Maisstärke damit sie sich im Wasser schnell und Rückstandslos auflöst. Damit der Fremdkörper nicht zu lange auf dem Wasser schwimmt und an Land gespüht wird hat sie auf der Unterseite eine Öffnung, die dafür sorgt das der Hohlraum sich sehr schnell mit Wasser füllt und dadurch recht schnell untergeht.
So läuft eine Seebestattung ab
Der Kapitän der Eureka begrüßte die 12 geladenen Gäste. Mehr Personen dürfen nicht auf das kleine Schiff. Auch nicht die Tatsache das zwei Kinder dabei waren, führte nicht dazu das eine 13. Person mit an Bord durfte.
An Bord waren zwei Tische mit Kaffee und vorbereite Schnittchen vorbereitet. Im Innenbereich war es angenehm beheitzt und es gibt eine Bar sowie eine Toilette. Die Gäste dürfen sich auf dem Schiff frei bewegen, man kann also auch mal hin und her laufen. Was jedoch nur die Kinder mal gemacht haben.
Der Kapitän gab uns eine kleine Einweisung und erklärte wie unsere Reise ablaufen würde. Wir sollten etwa 30 Minunten lang hinaus fahren. Dann gemeinsam auf Deck gehen wo er eine kleine Abschiedsrede hält und dann lässt er die Urne zu Wasser.
Es gibt nur ein einziges Gesteck, das in unserem Fall farblich passend zu dem Desing der Urne gestaltet war. Aus diesem Gesteck durften wir Gäste einzelne Blumen, in diesem Fall weiße Rosen heraus ziehen und diese zu der Urne ins Wasser werfen.
Als der Kapitän die Urne an einem Seil herunter lies schwamm sie für einen kleinen Moment und zog durch die Schiffsbewegung an uns Trauergästen vorbei… Ich warf ihr meine Blume zu. Es war sehr bewegend! Ich hatte den Impuls diesem Ding im Wasser hinterher zu winken…
Danach kreist das Schiff an der Stelle drei Mal. Also wir kamen mehrfach wieder an die gleiche Stelle wo noch unsere Blumen schwammen… doch die Urne war schon nicht mehr zu sehen…
Nach 3 Runden, und genau einem Lied Musik erschallte ein Signal aus dem Schiffshorn. Dann drehten wir ab und fuhren zurück an Land.
Wenn Du mehr wissen willst über Seebestattungen in der Lübecker Bucht dann schau mal hier.
Eine schöne Trauerfeier
Ich finde diese Art der Beisetzung eigentlich sehr schön. Es gab mir die Möglichkeit mich nochmals gedanklich von der verstorbenen zu verabschieden. Und irgendwie empfinde ich dieses „aufs Meer hinaus lassen“ als schöner als „in die Erde versenken“.
In diesem Falle passte das auch viel viel besser zu der Persönlichkeit der Verstorbenen. Sie liebte das Reisen und sie liebte Kreuzfahrten. Dehalb hatte sie eine Liste gemacht, wer sie auf ihrer „letzten Kreuzfahrt“ begleiten soll.
Ich fand es sehr schön das wir anwesenden ihr diesen letzten Wunsch erfüllt haben, so wie sie es sich gewünscht hatte.

Dieses Gesteck waren die einzigen Blumen, es gab keine Trauerkarten, Gestecke, kitischige Schleifen oder ähnliches.
Die Blüten aus diesem Gesteck wurden von uns Gästen aus dem Gesteck gezupft und ins Wasser geworfen… der Rest des Blumengebindes wurde nach der Fahrt fachgerecht entsorgt. Denn es dürfen keine Kränze oder ähnliches ins Wasser geworfen werden.
Am nächsten Tag zurück
Am nächsten Morgen sind wir schon sehr früh auf den ICE zurück nach Basel. Denn am Sonntag musste ich wieder arbeiten.
Dieser Beitrag wird im Samstagsplausch auf Karminrot und dem Lesezimmer verlinkt.





Schreibe einen Kommentar