So war mein Weihnachten 2023, ein Open Air Gottesdienst

Es scheint eine ungeschriebene Regel zu sein, dass neue Mitarbeiter an ihrem ersten Weihnachtsfest bei der Deutschen Bahn arbeiten müssen. Jedenfalls wurde ich nicht gezielt gefragt, ob ich das will oder nicht. Langjährige Kollegen jedoch berichten davon, dass sie sich irgendwann dazu oder dagegen entschieden haben. Manche wollen das auf keinen Fall und andere bemühen sich gezielt um Schichten an den Feiertagen.

Wenn man mich gefragt hätte, hätte ich ja gesagt, denn ich bin der Meinung, dass man als Neuling sich erst mal alles einmal angucken sollte, bevor man es kategorisch ablehnt. Ich persönlich mag die Weihnachtsfestlichkeiten nicht besonders. Dieses krampfhafte die Familie Besuchen und da einen auf Liebe, Friede, Eierkuchen machen, ist mir verhasst. Mir macht es also nichts aus an einem solchen Tag „bei der Arbeit“ zu sein. Wer aber Familie hat und vielleicht sogar kleine Kinder will dann lieber frei haben.

Dieses Jahr habe ich am 24.,25 und 26. Dezember gearbeitet und ich muss zugeben ich habe es genossen. Die Stimmung in den Zügen war entspannt und gelassen, keine Spur von Eile und Hektik, denn meine Züge waren an allen drei Tagen pünktlich! Die Arbeit hat Spaß gemacht. Auch wenn ich dafür dreimal um 4 Uhr aufgestanden bin.

Dieses Bild ist am Frankfurter Hauptbahnhof entstanden, ich guck bissel komisch, aber es musste schnell gehen… Es ist an diesem Ort nicht ganz einfach keine Personen im Bild zu haben… So leer wie an Weihnachten habe ich diesen Bahnhof selten erlebt, wohl gemerkt mitten am Vormittag.

Weihnachtsgottesdienst

Arbeitszeit bedingt konnte dieses Jahr keinen der traditionellen Heilig Abend Gottesdienste in unserer Gemeinde besuchen. Darum war ich überhaupt nicht böse, denn diese gefallen mir überhaupt nicht. Zu diesen Veranstaltungen kommen so extrem viele Besucher, die man das ganze Jahr über nicht sieht. Zumeist Familien mit Oma, Opa, Tante usw. und es scheint, als gäbe es einen Wettbewerb, wer die kleinen Kinder am festlichsten anzieht. Da werden dann Kleinkinder in Anzug und Fliege gepackt und diese fühlen sich darin sichtlich unwohl. Kleine Mädchen in prizessinnenhaften super kitschigen Kleidchen die spielend den Rock in den Mund nehmen und auf dem Saum kauen… verraten doch wie aufgesetzt und verlogen dieses auf „perfekte Familie am perfekten Weihnachten“ ist. Selbst Leute die das ganze Jahr über leger und normal gekleidet sind meinen an Weihnachten wie in einem Disneyfilm aussehen zu müssen.

Am 24. kam ich erst am Nachmittag von der Arbeit zurück und meine Schwester hatte meine Mutter mitgebracht und es gab ein gemütliches Käsefondue. Meine Mutter wollte zu einer Spätmesse in ihrem Wohnort. Doch ich lehnte das von vorneherein ab. Denn am 25. sollte ich um 4 Uhr morgens aufstehen. Da will ich lieber früh zu Bett. Meine Schwester googelte eine Alternative, nach einem Gottesdienst in Lörrach am frühen Abend. Und fand eine Open Air Veranstaltung in Lörrach Stetten!

Open Air Gottesdienst trotz Dauerregen

Für die Weihnachtstage war Regenwetter vorausgesagt. Und am Nachmittag als ich vom Dienst nach Hause kam, schüttete es wie aus Eimern. Die Vorstellung bei diesem Wetter einen Open Air Gottesdienst zu besuchen, fand ich in dem Moment absurd.

Doch dann gegen Abend hörte der Regen auf und ich und meine Schwester machten uns zu Fuß auf den Weg die angegebene Adresse zu suchen. Der Gottesdienst sollte im Garten eines Privathauses stattfinden, im Stadtteil Lörrach Stetten auf dem Läuselhard, einem Wohngebiet mit villenartigen Häusern am Berghang mit beeindruckender Aussicht. Der Weg dort hin ist für meine Mutter zu steil und deshalb blieb sie zu Hause und mache ein Nickerchen. Es war nicht leicht zu finden, doch irgendwann gingen wir den anderen Spaziergängern, die aus allen Richtungen kamen hinterher. Vor einem der Häuser standen zwei Frauen mit ganz vielen Kerzen und verteilten an die Ankommenden Textblätter und für jeden ein Glas mit einem Teelicht… klar das brauchtest Du um dein Textblatt im Dunkeln lesen zu können.

Der Weg zum Veranstaltungsort führte um das Gebäude eine Treppe hinunter, überall Lichterketten und Kerzen. In einem Schopf war eine riesige Krippe aufgebaut, die mit Scheinwerfern beleuchtet wurde. Dann kam man in den weitläufigen Garten mit einer tollen Aussicht über Lörrach und Basel. In den Nachbargärten brannten Schwedenfeuer, der Zaun sowie Büsche und Bäume waren von Lichterketten erleuchtet. Es gab mehrere große Pavillions unter denen es zahlreiche Gartenstühle standen, zum Teil waren diese mit Fellen und Decken ausgestattet.

Die Stühle reichten bei weitem nicht aus, für die Anzahl der Besucher, die meisten Leute standen. Die Rasenfläche, die unten auf dem Bild zu sehen ist, war voller Menschen. Einer der Organisatoren meinte zu uns, dass es etwa 120 Gottesdienstbesucher waren.

Hier fand der Open Air Gottesdienst statt

Am Haus unter dem Balkon befanden sich ein Mikrofon und ein e-Piano so dass man annehmen konnte, das hier „forne“ ist. Als wir ankamen, spielte der Pianist dezent und die Menschen unterhielten sich. Doch dann wurde es ganz still… Ein Glockenspiel näherte sich. Sehen konnte man noch nichts, aber ich nahm an. Der Musiker kommt langsam die Treppe hinunter, die wir auch gekommen waren. „Vom Himmel hoch da komm ich her“ auf Glocken. Ich konnte noch immer nichts sehen und war dann bald etwas irritiert, weil ich nicht mehr wusste, woher dieser Glockenklang, den nun kommt. So ging es wohl manch anderen Gottesdienstbesuchern… man drehte sich um, wich zur Seite. Und nun erkannte ich es, es waren zwei Musiker, die abwechselnd die einzelnen Töne auf ihren „Handbells“ anschlugen. Dabei gingen sie zwischen den Menschen, die sich auf dem Rasen versammelt hatten, hin und her. Ein Gänsehautmoment! Total schön.

Handbells

Schließlich kamen sie am „Altar“ an. Das war aber gar keiner, das war der Tisch für die Instrumente. die „Handbells“. Denn für das nächste Lied mussten sie die Glocken austauschen. Dabei wurden wir aufgefordert mit zu singen. So standen wir im Dunkeln im Garten einer Villa neben dem abgedeckten Pool und sangen mit wildfremden gemeinsam Weihnachtslieder. Eine ganz besondere und schöne Stimmung.

Dann begrüßte uns der Pfarrer und es folgte ein ganz klassischer evangelischer Gottesdienst mit gewohntem Ablauf. Als während der Predigt ein paar Tropfen Regen fielen, kam etwas Bewegung in die Zuhörer, es wurden einzelne Schirme aufgespannt und ein paar Leute stellten sich unter die Pavillons, doch nach 5 Minuten war der Regen vorbei und es blieb entspannt und angenehm.

Ich fand diese Art des Gottesdienstes sehr schön auch die Geste, dass man im Anschluss zu Glühwein oder Kinderpunsch eingeladen war. So konnte man sich noch ein wenig mit den anderen Besuchern unterhalten.

Mein Interesse galt jedoch den Musikinstrumenten, sowas hatte ich noch nie gesehen und vor allem verstand ich zuerst nicht, wie man mit zwei Glocken in der Hand nur einen der beiden Töne schlagen kann. Die Musiker gaben bereitwillig Auskunft und man durfte auch mal kurz so eine Glocke anfassen und testen. Das Geheimnis ist, dass der Glockenschlägel an einem Gelenk hängt, das nur in eine Richtung funktioniert. So kann man durch Drehen des Handgelenks entweder den einen oder den anderen Ton gezielt ansteuern. Faszinierend, und ich stelle mir das sehr schwierig vor, denn bei jedem Stück hält man ja andere „Töne“ in der Hand. Je nach Musikstück werden die Glocken ausgetauscht.

Nach einer guten Stunde gingen wir mit kleinem Umweg wieder nach hause und unsere Mutter war ganz glücklich um die Pause. Später besuchten meine Mutter und meine Schwester wie geplant noch einen Spätgottesdienst in Badenweiler und ich ging früh zu Bett weil ich am nächsten Morgen um 4 Uhr aufstehen sollte.

Heute am 27.12.2023 habe ich einen ganz anderen Tagesrhythmus. Ich konnte lange ausschlafen und nun sitze ich bis nach 14 Uhr gemütlich auf der Couch um diesen Artikel zu schreiben. Heute muss ich erst um 22 Uhr zur Arbeit. Ich begleite den Nachtzug nach Frankfurt und zurück. Bis dahin sollte ich alles tun um ausgeruht und entspannt zu sein… es fühlt sich also an wie ein gemütlicher freier Tag. Ich werde nachher ein paar Lebensmittel im nahen Laden einkaufen gehen… aber ansonsten plane ich gezieltes Nichtstun. Also mache ich heute das, was die meisten von Euch an den Feiertagen gemacht haben.

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3 Kommentare zu „So war mein Weihnachten 2023, ein Open Air Gottesdienst“

  1. […] 2023 verlief mein persönliches Weihnachtsfest ganz anders. Lies dazu „ein Open Air Gottesdienst an Heiligabend“ […]

  2. […] Diese Woche bin ich dreimal morgen um 5 aus dem Haus, um zum Dienst zu fahren. Zurück kam ich unterschiedlich. Am 24.12. war es gegen 15 Uhr, aber es war düster und schüttete wolkenbruchartig. Zu Hause warteten meine Schwester und meine Mutter auf mich und ich begrüßte sie mit dem abgewandelten Weihnachtsgedicht “von draus vom Bahnhof komm ich her, ich muss Euch sagen es schüttet gar sehr…” Später wurde es dann doch Weihnachtlich, siehe “So war mein Weihnachten” […]

  3. […] Kurz hatte im Raum gestanden, dass wir den Freiluft-Weihnachtsgottesdienst in Stetten besuchen. Was nicht passierte. Aber ein Blogbeitrag zum Gottesdienst existiert dennoch: So war mein Weihnachten 2023, ein Open Air Gottesdienst […]

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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