Heute möchte ich von einer ungewöhnlich kurzen Arbeitswoche berichten. Eine Woche als Zugbegleiterin mit Nachtschicht, Bereitschaft und extrem unterschiedlichen Schichten.
Entstanden ist dieser Text als Andrea von Karminrot im Samstagsplausch das Thema „Brückentage“ angeschnitten hat und gefragt hat, ob die Woche für andere auch so kurz war.
Eine „Kurze Arbeitswoche“
Meine Arbeitswoche war diesmal wirklich eigenartig. In nur vier Schichten hatte ich gefühlt fast alle Sonderfälle dabei.
Nachdem ich Montag und Dienstag freihatte – weil ich ja am Wochenende gearbeitet hatte – begann die Woche am Mittwoch mit einer Schulung.
Diese fand direkt in meiner Dienststelle in Basel statt, sodass uns eine längere Anreise erspart blieb. Auch mal angenehm.
Weil ich wusste, dass ich den ganzen Tag still sitzen würde, entschied ich mich trotz leicht regnerischem Wetter dazu, mit dem Fahrrad nach Basel zu fahren. Das war tatsächlich eine richtig gute Idee und hat mir sehr gutgetan.
In den Wochen zuvor hatte ich auf längere Radtouren verzichtet, weil ich erst den Termin beim Orthopäden abwarten wollte. Fast zwei Monate musste ich darauf warten.
Am Montag war es dann endlich so weit. Wie befürchtet diagnostizierte der Arzt eine Arthrose im rechten Knie. Überraschenderweise riet er mir aber nicht dazu, das Gelenk zu schonen. Im Gegenteil. Gehen, Schwimmen und Radfahren empfiehlt er ausdrücklich.
Und tatsächlich merke ich inzwischen selbst, dass Radfahren besser funktioniert als erwartet. Auch neun Kilometer in recht zügigem Tempo machen dem Knie nicht mehr Probleme als vorher.
Nachtschicht
Am Donnerstag dann hatte ich eine Nachtschicht. Bisher war es immer so das wir stets 2 Nächte nacheinander Dienstbeginn um 22 Uhr haben. Doch durch die Schulung war es nur eine einzelne Nacht.
Vermutlich war dies für längere Zeit meine letzte Nachtschicht, denn die von mir etwas verhassten Nachtzüge der ÖBB werden ab der nächsten Planungsperiode nicht mehr von deutschen Zugbegleitern begleitet.
Das machen nun österreichische Kollegen. Unter anderem, weil nach und nach die Fahrzeuge ausgetauscht werden. Sie werden durch die neuen Nightjet Fahrzeuge ersetzt.
Ich persönlich bin darum nicht böse, denn ich mochte diese älteren Züge die aus unterschiedlichen Wagons aus der Schweiz und Österreich (manchmal auch Tschechien) nicht.
Denn durch deren alter und die Tatsache das sie vermischt sind, sind sie viel Störungsanfälliger als moderne ICEs.
Außerdem vertrage ich das Nachts arbeiten nicht so gut. Jetzt im Sommer gehts ja noch, aber im Winter fand ich das immer Horror.
Am Donnerstag hatte ich zwar tagsüber frei, aber ich habe nicht viel gemacht, weil ich ja für die Nacht fit sein wollte. Kurz vor 21 Uhr bin ich dann mit dem Fahrrad Richtung Basel gestartet. Nach einem tollen Sonnenuntergang bin ich sozusagen in die Dämmerung hinein gefahren. Das ist so gar nicht meine Zeit…
Selbst wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, mag ich diese halbe bis stunde, in der das Tageslicht schwindet nicht so gerne. Bei längeren Autofahrten mache ich am liebsten genau dann eine Pause und fahre dann später bei völliger Dunkelheit weiter. Doch diesmal blieb mir nichts anderes übrig.
Der Morgen nach der Nachtschicht
Am Freitagmorgen hatte ich dann sogar pünktlich um 8:45 Uhr Feierabend. Obwohl das bei Nachtzügen selten ist, waren wir mit beiden Zügen (nach Frankfurt und zurück) planmäßig.
Nach der anstrengenden Nacht fiel es mir schwer, mich überhaupt noch auf das Fahrrad zu schwingen, denn ich war wirklich todmüde. Doch unterwegs kamen die Lebensgeister langsam zurück und ich konnte die kleine Radtour am Ende sogar richtig genießen.

Genau hier hatte ich mal „Picknick von toogoogtogo“

Endlich zu Hause angekommen bin ich sofort ins Bett gefallen und habe fast den ganzen Tag verschlafen.
Bereitschaft
Am heutigen Samstag hatte ich eine Bereitschafts-Schicht. Das bedeutet, ich muss meine Arbeitszeit in der Dienststelle „absitzen“. Also wir müssen anwesend sein um Notfalls binnen 5 Minuten am Bahnsteig sein zu können. Dazu müssen wir in vollständiger Dienstkleidung und Dienstkoffer einfach da sein und rufbereit sein. Was wir in dieser Zeit letztlich machen, bleibt uns überlassen. Essen, trinken, dösen, schlafen, Film gucken, Lese, Handyspielen…. und in meinem Fall Sockenstricken…

Dieses Selfie ist heute morgen gegen 7 oder 8 Uhr entstanden. Ich hatte mich mit einer Decke auf einem Sessel im Pausenraum eingekuschelt. Stundenlang hab ich hier gestrickt.

Gegen Mittag waren wir so viele Kollegen, die Bereitschaft hatten, dass wir zusammen „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt haben. Zugegeben, wir hatten alle schon viel anstrengendere Arbeitstage. Durch das gemeinsame Spielen fördern wir den Teamgeist und das ‚“sich nicht ärgern lassen“.
Also heute war ein echt cooler Arbeitstag!
Sonntag muss ich arbeiten
Morgen muss ich sogar schon vor 5 Uhr anfangen. Weil um diese Uhrzeit noch nichts fährt, werde ich vermutlich bereits um 4 Uhr auf mein Fahrrad steigen und zur Arbeit radeln.
Im Grunde ist der Sonntag inzwischen sogar der Tag der Woche, an dem ich am meisten zu tun habe. Gerade sonntags sind die Züge oft besonders gut ausgelastet. Viele Menschen sind unterwegs, weil sie von Wochenendtrips zurückkommen oder zu Familie, Freunden oder in den Urlaub fahren.
Nun werde ich diesen Text beenden und endlich wieder bei Karminrot und dem Karminroten Lesezimmer vorbeischauen. Letzte Woche hatte ich beim Samstagsplausch wegen gesundheitlicher Beschwerden ausgesetzt.





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