Im Frühjahr 2023 musste ich wegen einer Schenkelhernie operiert werden. Im Grunde ist das fast das gleiche wie ein „Leistenbruch“, wobei diese Erkrankung bei Frauen oft nicht so genannt wird. Außerdem tritt sie bei Frauen seltener auf und wird deshalb häufig erst spät erkannt.
Vielleicht werden erste Beschwerden manchmal für Regelschmerzen gehalten. Dazu kommt vermutlich, dass Frauen seltener schwer heben müssen. In diesem Beitrag beschreibe ich, wie die Hernien OP bei mir verlaufen ist und wie es mir während der Heilungszeit ging.
Die Operation
Der Eingriff konnte endoskopisch durchgeführt werden. Das hat den Vorteil, dass keine großen Schnitte notwendig sind und die Wundheilung meist schneller verläuft.
Bei mir wurden drei kleine Öffnungen im Bauch gemacht:
- eine oberhalb des Bauchnabels
- zwei kleinere etwas tiefer seitlich davon
Die eigentliche Verletzung, die mit einem Kunststoffnetz versorgt wurde, befand sich jedoch ganz unten rechts.
Damit die Kamera und die Operationsinstrumente überhaupt im Bauchraum eingesetzt werden konnten, wurde mein Bauch während der Operation mit Luft aufgepumpt. Dieses zusätzliche Volumen verschwindet nicht sofort wieder, sondern wird vom Körper erst nach und nach abgebaut.
Schnell wieder zu Hause
Durch diese Operationsmethode kann die Dauer der Vollnarkose verkürzt werden. Außerdem können Patienten oft deutlich früher nach Hause.
Während meine Mutter nach einer ähnlichen Operation vor etwa 15 Jahren noch vier Tage im Krankenhaus bleiben musste, wurde ich bereits am Tag nach meiner OP entlassen.

Die Tage vor der Operation
Ich war erleichtert, endlich eine Diagnose für meine Schmerzen zu haben. Dadurch war ich zunächst eher beruhigt als besorgt. Endlich wusste ich, woher die Beschwerden kamen.
Trotzdem fühlte ich mich wie eine „tickende Zeitbombe“. Wenn eine Hernie bereits Schmerzen verursacht, kann sich theoretisch jederzeit mehr einklemmen und die Situation plötzlich deutlich verschlechtern.
Meine größte Angst war, dass ein Stück Darm eingeklemmt wird und dadurch die Durchblutung gestört wird. Deshalb war am Wochenende vor der Operation vor allem Schonung angesagt. Ich versuchte, jede größere Anstrengung und belastende Bewegung zu vermeiden.
Ganz einfach war das allerdings nicht, denn ich wusste gleichzeitig auch, dass ich nach der OP erst einmal nichts Schweres würde heben dürfen.
Deshalb wollte ich vorher noch möglichst viel erledigen. Zum Beispiel die große Wohndecke, auf die etwas gekleckert worden war. Gerade nach der Operation würde ich sie gut brauchen können, aber eine nasse schwere Decke hätte ich später unmöglich aufhängen können.
Also erledigte ich in diesen Tagen noch einige Dinge – langsam, vorsichtig und mit viel Bedacht.
Dienstag – die Vorbesprechung im Krankenhaus
Am Dienstag hatte ich den Termin für die Vorbesprechung der Operation. Schon die erste Frage war: Wie komme ich überhaupt ins Krankenhaus?
Eigentlich ist die Strecke keine große Entfernung. Im normalen Alltag wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Diesmal war ich allerdings unsicher, ob ich überhaupt so weit laufen kann.
Deshalb suchte ich mir vorsichtshalber eine Busverbindung heraus. Zum Glück fährt der Bus Richtung Krankenhaus direkt bei mir vor der Haustür ab.
Vor lauter Nervosität stand ich schon fünf Minuten zu früh unten an der Haltestelle. Dort ging ich im Kopf noch einmal durch, was ich alles dabeihaben musste.
Plötzlich fiel es mir wieder ein:
Die Einweisung vom Hausarzt lag noch oben im Wohnzimmer.
Es war nur noch eine Minute bis zur Abfahrt.
Also schloss ich hektisch die Haustür wieder auf und eilte die Treppe hoch. Zwei Stockwerke. Zumindest versuchte ich es – wirklich schnell ging das nicht mehr und außerdem tat es weh.
Als ich wieder nach unten kam, hörte ich den Bus bereits vorbeifahren. Ich konnte ihn noch sehen, aber hinterherrennen wäre völlig sinnlos gewesen.
Also ging ich schließlich doch zu Fuß los.
Unterwegs sah ich den Bus noch einmal. Er hält bis zum Krankenhaus insgesamt drei Mal – und am Ende kam ich nur wenig später dort an.
Immerhin wusste ich dadurch:
Normales Gehen funktioniert also noch, wenn es sein muss.

Der Operationstag
Zunächst wollte man mir einen OP-Termin für Freitag geben. Ich fragte jedoch nach, ob es vielleicht doch schneller gehen würde – und tatsächlich wurde kurzfristig noch ein Termin am Mittwochmorgen frei.
Um 9 Uhr sollte ich mich nüchtern auf der Station melden.
Dort bekam ich zunächst nur ein Bett, aber noch kein richtiges Zimmer. Außerdem sollte ich alle persönlichen Gegenstände in eine Tüte packen, die anschließend von der Schwester eingeschlossen wurde. Nichts durfte im Zimmer bleiben, weil ich nach der Operation auf eine andere Station verlegt werden sollte.
Das fand ich zwar etwas irritierend, aber im Grunde war es mir egal. Ich war hauptsächlich froh, dass die Operation nun endlich stattfinden würde.
Gegen 11 Uhr wurde ich in den OP gebracht. Kurz vor 12 Uhr schaute ich noch einmal auf die Uhr im Anästhesieraum.
Dann erinnere ich mich erst wieder an die Zeit nach der Operation.
Kurz vor 16 Uhr war alles vorbei und ich wurde zurück auf die Station gebracht.

Donnerstag – Entlassung nach Hause
Eigentlich sollte ich bereits um 10 Uhr entlassen werden. Das kam mir sehr früh vor. Bis zur Arztvisite um 8 Uhr wusste ich schließlich noch nicht einmal, ob ich überhaupt normal laufen oder Treppen steigen kann.
Der Arzt meinte nur:
„Sie haben ja noch zwei Stunden Zeit, das auszutesten.“
Na super.
Zum Glück erklärte mir eine Schwester anschließend, wie ich möglichst schmerzarm aus dem Bett aufstehen kann. Danach ging es langsam besser.
Ich konnte ins Bad gehen, mich waschen und probierte anschließend vorsichtig das Laufen auf dem Gang aus.
Besonders wichtig war für mich aber die Frage:
Komme ich alleine Treppen hoch und runter?
Denn wenn das nicht funktioniert hätte, wäre das zuhause ein echtes Problem geworden.
Ich fragte deshalb, ob ich irgendwo eine Treppe ausprobieren könnte. Eine Schwester fand das völlig verständlich und zeigte mir den Weg ins Treppenhaus.
Sie meinte noch scherzhaft:
„Wenn Sie in fünf Minuten nicht zurück sind, suche ich Sie.“
Das hat mich tatsächlich etwas ermutigt.
Und überraschenderweise funktionierte das Treppensteigen deutlich besser, als ich vorher gedacht hatte.
Deshalb stimmte ich schließlich zu, mich um 10 Uhr von einer Freundin nach Hause bringen zu lassen.
Den restlichen Nachmittag und Abend habe ich allerdings fast komplett verschlafen.
Freitag – plötzlich ist alles schwer
Am Freitag habe ich eigentlich fast nur geschlafen und gedöst.
Trotzdem habe ich es sogar geschafft zu „kochen“ – eine Fertigsuppe.
Allerdings wurde dabei schon ein kleiner Kochtopf zur Herausforderung. Spätestens da merkte ich, warum die Anweisung sinnvoll war, nicht mehr als ein Kilo zu heben.
Mein kleinster Topf mit einem halben Liter Wasser wiegt nämlich bereits mehr.
Zum Glück konnte ich ihn einfach über die Arbeitsplatte vom Wasserhahn bis zum Herd ziehen.
Wenn es sein muss, entwickelt man erstaunlich kreative Techniken.
Auch die Kaffeekanne mache ich seitdem nur noch halb voll und Mineralwasser kaufe ich möglichst in kleinen Flaschen.
Nur mein Laptop wurde leider nicht leichter.
Ein 17-Zoll-Gerät ist plötzlich erstaunlich unpraktisch, wenn man nach einer Bauchoperation nicht normal sitzen kann.
Da ich die meiste Zeit halb liegend auf der Couch verbrachte, kam ich an die Tastatur kaum heran, wenn der Laptop auf dem Tisch stand.
Irgendwann entwickelte ich dafür eine eigene Technik:
Wenn ich das Bein auf das Tischbein des Couchtisches legte, konnte ich den Laptop über meinen Oberschenkel vorsichtig zu mir heranziehen.
Zurück funktionierte es dann ähnlich.
Frisch operiert allein zuhause
Frisch operiert alleine zuhause zu sein, ist nicht ganz einfach.
Zum Glück habe ich ein paar Freunde, die mir versprochen hatten, kurzfristig vorbeizukommen, falls es wirklich gar nicht gehen sollte.
Aber insgesamt komme ich klar – nur eben alles sehr, sehr langsam.
In den ersten Tagen nach der Operation darf man praktisch nichts heben. Nicht einmal eine 1,5-Liter-Wasserflasche zum Einschenken.
Für mich war anfangs sogar das Eingießen von Kaffee aus der Kanne in die Tasse eine kleine Herausforderung.
Mein persönlicher Ratschlag
Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich empfehlen, die ersten Tage nach der Operation nicht komplett alleine zu verbringen.
Denn in dieser Zeit können selbst Kleinigkeiten plötzlich schwierig werden. Alles, was schwerer als etwa ein Kilo ist, kann Schmerzen verursachen. Auch Strecken oder ungünstige Bewegungen sind anfangs oft unangenehm.
Nach einer Hernien OP sollte man sich deshalb nur sehr langsam wieder an Belastungen herantasten – zum Beispiel an Einkaufstaschen oder Getränkekisten.
Wie schnell man wieder normal belastbar ist, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Unter anderem spielt auch der Zustand der Bauchmuskulatur eine Rolle.
Mehr zu diesem Thema schreibe ich im Beitrag:
„Wie schnell kann man nach einer Hernien OP wieder arbeiten?“
Langfristige Erfahrungen nach der Hernien OP
In den ersten drei bis vier Wochen hatte ich noch deutlich das Gefühl, dass mein Bauch geschwollen ist.
Danach bemerkte ich ungefähr zwei Monate lang bei bestimmten Bewegungen immer wieder ein leichtes Pieksen. Man erklärte mir, dass dies vermutlich von den inneren Nähten kommt, deren Fäden sich mit der Zeit auflösen.
Ganz selten spüre ich auch heute noch hin und wieder ein kurzes Pieksen. Vielleicht ist es inzwischen auch einfach eine Art „Schmerzerinnerung“.
Die eigenartigen Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels, die ich vorher beim Gehen hatte, waren dagegen direkt nach der Operation verschwunden – und kamen bis heute nicht wieder zurück.
Deshalb gehe ich inzwischen davon aus, dass diese Beschwerden tatsächlich von der Hernie ausgelöst wurden. Bestätigen wollte mir das allerdings kein Arzt eindeutig.
Hier noch ein paar Beiträge wie es mir während der Krankheitstage erging. Lies dazu auch „Samstagsplausch: immer noch krankgeschrieben“







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