Viele Fahrgäste verstehen gar nicht, warum Fahrräder im ICE reserviert werden müssen und weshalb zusätzliche Räder schnell zum Sicherheitsproblem werden können. Gerade während der Sommermonate erlebe ich deshalb immer wieder Diskussionen im Zugalltag.

Als Zugbegleiterin im Fernverkehr gehört es regelmäßig zu meinen Aufgaben, mich um das Fahrradabteil in Wagen 1 zu kümmern. Gerade an Wochenenden mit schönem Wetter entsteht dort schnell ein kleines Chaos. Zu viele oder falsch abgestellte Fahrräder blockieren den Durchgang. Dadurch können Sicherheitsrisiken entstehen und im schlimmsten Fall sogar Verspätungen verursacht werden.

Sicherheitsrisiko

Ein moderner Hochgeschwindigkeitszug darf nur dann auf geeigneten Strecken sehr schnell fahren, wenn im Zug keine Gefahr für die Fahrgäste entsteht. Damit sind vor allem ungesicherte Gepäckstücke gemeint. Deshalb ist es wichtig, das alle Koffer dort sind, wo sie hingehören. Denn müsste der Zug aus irgendwelchen Gründen aus hoher Geschwindigkeit stark bremsen, dann könnten sich diese in Bewegung setzen und Menschen verletzten.

Ganz am Rande bemerkt, ich habe das schon mal erlebt das eine Junge Frau mit dem Notarzt abgeholt wurde, weil ihr ein Koffer auf den Kopf gefallen ist! Es bestand die Vermutung das ihre Halswirbelsäule verletzt wurde. Das war sehr gefährlich für sie und die anderen 800 Fahrgäste kamen dadurch zu spät.

Fahrräder sicher verstauen

Bei Fahrrädern ist das besonders brenzelig, denn da sie auf Rädern stehen bewegen sie sich sehr leicht ungewollt. Deshalb ist es unabdingbar das alle Fahrräder in die vorgesehenen Halterungen eingehängt werden.

Der rote Haken einer Fahrradaufhängung im ICE BR 412

Hier siehst Du eine Detailaufnahme dieser Fahrradhalterung. Dieser Haken ist keine Schikane, sondern dazu da zu verhindern, dass das abgestellte Fahrrad sich ungewollt bewegt.

Als Fahrgast mit Fahrradreservierung bist Du verpflichtet Dein Rad in den Dir zugewiesenen Haken einzuhängen. Aus eigener Kraft und am besten VOR der Abfahrt des Zuges.

Fahrradabteil im ICE

Auf diesem Bild siehst Du, dass dies nicht immer so einfach ist. Bei den Stellplätzen 101 und 102 sowie 107 und 108 muss das Fahrrad aufrecht mit dem Vorderrad auf Kopfhöhe eingehängt werden.

Das ist notwendig, damit die Glastüre frei und passierbar bleibt.

Moderne E-Bikes und Trekkingräder sind leider oft sehr schwer und nicht jedem gelingt das Einhängen in die oberen Haken. Viele Fahrgäste denken dann, es reicht aus, das Fahrrad einfach unten stehenzulassen oder in einen anderen Haken zu hängen.

Ein Fahrrad einfach ungesichert hinzustellen geht jedoch gar nicht. Wenn der Zug eine Notbremsung machen muss, kann ein unbefestigtes Fahrrad schnell zu einem Geschoss werden, das unter Umständen sogar die angrenzende Glastüre durchschlägt. Das möchte sicher niemand erleben.

Einfach woanders einhängen funktioniert nur dann gut, wenn keine weiteren Fahrräder mehr dazukommen. Darauf kann man sich vor allem auf langen Strecken jedoch nicht verlassen.

Die Aussage „Ich hänge mein Fahrrad um, wenn noch jemand kommt“ funktioniert deshalb in der Praxis oft nicht. An Unterwegsbahnhöfen haben Radfahrer in der Regel nur etwa zwei Minuten Zeit, um einzusteigen und ihr Fahrrad einzuhängen. Wenn dann erst andere Fahrräder umgehängt werden müssen, führt das schnell zu Verzögerungen.

Dabei musst Du bedenken: In den Einstieg passt immer nur ein Fahrrad gleichzeitig. Wenn ein weiterer Fahrgast mit Fahrrad einsteigen möchte, steht dieser währenddessen in der offenen Tür und der ganze Zug kann nicht abfahren.

Jedes Fahrrad braucht eine Reservierung

Deshalb ist es enorm wichtig, dass sich nur Fahrräder mit einer Reservierung im Zug befinden. Denn es gibt nur exakt acht Stellplätze. Alles, was zusätzlich in den Zug kommt, kann nicht mehr sicher eingehängt werden und blockiert außerdem den Fluchtweg.

Eine Fahrradreservierung gilt immer nur für die gebuchte Zugnummer, auch wenn es zu Verspätungen oder Zugausfällen kommt. Denn niemand kann in einem ICE mal schnell zusätzliche Fahrradstellplätze herzaubern.

Sollte Dein Zug ausfallen oder Du Deinen Anschluss wegen Verspätung nicht erreichen, darfst Du deshalb auf keinen Fall einfach in einen anderen ICE einsteigen. In diesem Fall solltest Du unbedingt zum Reisezentrum gehen und Dir eine neue Fahrradreservierung buchen lassen. Mehr dazu auf der offiziellen Seite der Deutschen Bahn.

Gerade an Wochenenden sowie zum Ferienbeginn oder Ferienende kann es jedoch sehr schwierig werden, noch einen freien Fahrradstellplatz zu finden. Unter Umständen musst Du mehrere Stunden warten, bis wieder ein ICE mit freien Fahrradplätzen fährt.

Diskussionen mit dem Zugbegleiter

Wenn Dein Fahrrad zu schwer oder zu breit ist, um es korrekt einzuhängen, bist Du trotzdem selbst dafür verantwortlich, dass es sicher befestigt wird. Natürlich darfst Du andere Fahrgäste freundlich um Hilfe bitten. Der Zugbegleiter ist jedoch weder verpflichtet noch befugt, Fahrräder für Fahrgäste einzuhängen.

Bei sehr breiten Reifen kann es außerdem notwendig werden, etwas Luft aus dem Reifen abzulassen, damit das Fahrrad überhaupt korrekt in den Halter passt. Sinnvoll ist es, sich darum möglichst frühzeitig selbst zu kümmern und nicht erst dann, wenn der Zugbegleiter bereits darauf hinweist, dass das Fahrrad noch im Gang steht.

Die Verantwortung dafür liegt grundsätzlich beim Fahrgast. Weder der Zugbegleiter noch die Deutsche Bahn müssen anschließend eine Luftpumpe zum Wiederaufpumpen bereitstellen.

Fahrrad ist zu breit und zu schwer?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, seitliche Fahrradtaschen bereits auf dem Bahnsteig abzuhängen, bevor der Zug einfährt. Das setzt natürlich voraus, dass Du Dich vorher informiert hast, wo sich der Fahrradwagen befindet. Informationen über die exakte Reihung bekommst Du im DB-Navigator und auf den Displays am Bahnsteig.

Ein Fahrrad mit großen Taschen auf beiden Seiten ist nicht nur deutlich schwerer, sondern passt oft kaum durch den Einstieg im Zug. Du solltest bedenken, dass Du im ICE häufig erst „um die Ecke“ musst und sich dort möglicherweise gleichzeitig andere Fahrgäste befinden. Deshalb ist es hilfreich, möglichst wenig am Fahrrad hängen zu haben und beim Einstieg zügig zu handeln.

Fahrradtaschen gehören im Zug in die Gepäckfächer, unter die Sitze oder unter das eigene Fahrrad. Auf keinen Fall sollten sie im Gang stehen bleiben, denn dort müssen andere Fahrgäste jederzeit vorbeikommen können – unter Umständen ebenfalls mit Fahrrad, Kinderwagen oder Gepäck.

Kinderwagen und Fahrradanhänger im Fahrradabteil

Im Winter, wenn deutlich weniger Radfahrer unterwegs sind, wird das Fahrradabteil manchmal auch für Kinderwagen oder größere Gepäckstücke genutzt. Sobald jedoch Fahrräder im Zug sind, sollte sich dort möglichst niemand länger aufhalten.

Manche Familien kommen auf die Idee, Kinder im Fahrradabteil auf dem Boden spielen zu lassen. Solange keine Fahrräder dort hängen, mag das harmlos wirken. Zwischen eingehängten Fahrrädern kann das jedoch schnell gefährlich werden. Gerade kleine Kinder sollten sich deshalb nicht unter den Fahrrädern bewegen oder dort herumkrabbeln.

Auch Kinderwagen sorgen immer wieder für Diskussionen. In ruhigeren Zeiten wird ihre Mitnahme im Fahrradbereich oft geduldet. Grundsätzlich ist das Fahrradabteil jedoch in erster Linie für reservierte Fahrräder vorgesehen, da Kinderwagen dort sehr viel Platz benötigen und schnell Wege blockieren können.

Besonders schwierig wird es bei Fahrradanhängern, in denen Kinder transportiert werden können. Diese sind häufig breiter als normale Fahrräder und passen nicht problemlos in die vorgesehenen Stellplätze. Wer mit einem solchen Anhänger im ICE reisen möchte, sollte sich deshalb unbedingt sehr frühzeitig über die Reservierungsmöglichkeiten informieren. Teilweise werden dafür sogar zwei nebeneinanderliegende Fahrradstellplätze benötigt.

Aus meiner persönlichen Sicht ist die Mitnahme solcher Anhänger im ICE nicht ganz unproblematisch. Gerade bei Zugausfällen oder größeren Verspätungen wird es oft extrem schwierig, kurzfristig noch freie Fahrradstellplätze in einem anderen Zug zu finden. Dieses Risiko sollte man bei der Reiseplanung unbedingt mit bedenken.

Mehr zum Thema Kinderwägen und Fahrräder unter „Sommerferien im ICE“

Andere große Gegenstände im Fahrradabteil

Grundsätzlich ist das Fahrradabteil dafür vorgesehen, reservierte Fahrräder sicher zu transportieren. Andere große Gegenstände sorgen dort schnell für Platzprobleme und blockieren wichtige Durchgänge.

Besonders häufig gibt es Diskussionen um Fahrräder in Fahrradtaschen. Diese gelten als Gepäckstück und gehören deshalb eigentlich in die Gepäckregale im Zug. Dabei solltest Du beachten, dass die Gepäckregale in Wagen 1 teilweise kleiner ausfallen. Klappräder, Fahrräder in Taschen oder auch E-Scooter sollten deshalb möglichst nicht dort einsteigen.

Eine besondere Ausnahme bilden große Musikinstrumente wie beispielsweise Kontrabass oder Harfe. Diese dürfen mit einer Fahrradreservierung transportiert werden. Wichtig ist dabei jedoch, dass die Instrumente sicher mit Fahrradspannern befestigt werden und ausschließlich den reservierten Stellplatz blockieren.

Wie bucht man eine Fahrradreservierung?

Eine Zugreise mit Fahrrad solltest Du besonders frühzeitig buchen. Gerade an Wochenenden und in der Ferienzeit sind die begrenzten Fahrradplätze schnell belegt. Wenn Du als Gruppe unterwegs bis wird es noch schwieriger.

Meine Empfehlung ist es zuerst nach der Fahrradreservierung zu suchen und dann erst die entsprechenden Fahrkarten zu buchen. Denn andersherum kann es passieren, dass Du zwar Fahrkarten hast aber für den Zug keine Fahrradplätze mehr verfügbar sind.

In welchen ICE Fahrzeugen wie viele Fahrradplätze verfügbar sind hat Radfahren.de unter ICE-IC-Fahrradmitnahme zusammengestellt.

Die Buchung kannst Du im DB-Navigator oder unter Bahn.de bei Fahrradkarte Fernverkehr buchen.

Grundsätzlich gilt, wenn Du einen gewünschten ICE unter diesem Link nicht findest, dann ist eine Fahrradmitnahme diesem NICHT möglich. Es gibt zahlreiche ICE Verbindungen ohne Fahrradstellplätze.

Ein Fahrrad irgendwo im Zug „rein quetschen“

Ein Fahrrad irgendwo anders im ICE „rein zu quetschen“ ist nicht erlaubt und kann schnell zu einem Sicherheitsproblem werden. Aus diesem Grund dürfen Zugbegleiter Fahrgäste mit Fahrrad auch dann des Zuges verweisen, wenn ein gültiges Ticket vorhanden ist.

Besonders problematisch wird es, wenn Fluchtwege, Türen oder Durchgänge blockiert werden. Im Notfall müssen diese Bereiche jederzeit frei bleiben. Außerdem können lose abgestellte Fahrräder bei einer Bremsung verrutschen oder umfallen.

Weigert sich ein Fahrgast trotz Aufforderung den Zug zu verlassen, kann die Bundespolizei hinzugezogen werden. Das führt oft zu erheblichen Verspätungen und belastet nicht nur den Bahnverkehr, sondern auch andere Reisende.

Fahrradständer im ICE noch leer. Draußen Sonnenschein

Fahrradreservierung im ICE

Eine Reservierung für das Fahrrad ist also keine zusätzliche Serviceleistung, sondern eine wichtige Sicherheitsvorkehrung. Wenn sich alle Reisenden an die Regeln halten, kann eine Fahrt mit dem Fahrrad im ICE durchaus entspannt ablaufen.

Ich persönlich bin als Zugbegleiterin nicht gerne die „Buhfrau“, die Fahrgäste ermahnen muss. Gerade im Fahrradabteil sind jedoch etwas Disziplin und Rücksichtnahme besonders wichtig, damit die Fahrt für alle angenehm und sicher bleibt.

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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