Der Alltag einer Zugbegleiterin im Fernverkehr ist abwechslungsreich und spannend. Hier ein persönlicher Bericht von einer Woche im Februar 2026.

Nach meinem Kurzurlaub im Allgäu, wo wir viel zu feiern hatten, ging es am Montag gleich wieder los in eine Übernachtungsschicht als Zugbegleiterin im Fernverkehr. Solche über zwei Tage zusammenhängenden Schichten, bei der wir irgendwo in Deutschland in einem Hotel übernachten müssen, mache ich eigentlich sehr gerne. Mehr darüber unter „Ich fahre eine Übernachtung“.

Doch diesmal fand ich es etwas herausfordern, praktisch zwischen Urlaub, der Wohnung meines Freundes und der dienstlichen Übernachtung nur ein paar Stunden in der eigenen Wohnung gewesen zu sein.

Selbst meine Tasche für die Schlafsachen und Wechselkleidung hatte ich schon eine Woche zuvor vorbereitet, weil ich wusste, dass ich wenig Zeit haben würde.

Trotzdem hat alles gut geklappt. Ich habe nichts vergessen und ich konnte am Montag meinen Dienst motiviert beginnen. Wir hatten eine sehr lange und ungewohnte Schicht über Stuttgart, München, Mannheim und Frankfurt. Unterwegs haben wir mal kurzfristig etwas Schnee gesehen, doch an unseren Umstiegsbahnhöfen war von dem Winterwetter worunter Nord und Ostdeutschland momentan leidet kaum etwas zu spüren,

Am Dienstag dann das Gegenteil, nur 3,5 Stunden Dienst und bereits um 11:30 Uhr Feierabend. Ich nutzte den freien Nachmittag, um mich mit einer alten Freundin zu treffen, die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Es war richtig schön mal wieder mit ihr zu Quatschen. Danach besuchte ich die Vernissage der Fotoausstellung des Lörracher Fotokreises in den Räumen der Sparkasse. Dort traf ich zwei Teilnehmer die ich ebenfalls schon lange nicht mehr gesehen habe und wir gingen anschließend spontan gemeinsam Essen. Was für ein schöner und ausgefüllter Nachmittag und Abend.

Doch um 20 Uhr war ich zu Hause und ging sofort ins Bett, denn mein Wecker sollte am Mittwoch um 3:30 Uhr klingeln. Wieder erwarten kam ich um diese Zeit recht gut aus dem Bett. Unter „an die unregelmäßigen Schichten gewöhnen“ hatte ich von meinen anfänglichen Problemen damit berichtet. Das ist heute viel besser.

Die Schicht am Mittwoch war nicht nur sehr früh, sondern durch Zugverspätung auch noch extrem lang. Aber was mich wirklich mental angestrengt hat war die Nachricht das der Kollege der am Montag während dem Dienst in einem Nahverkehrszug brutal niedergeschlagen wurde, an seinen Verletzungen gestorben ist. Mehr dazu unter Tagesschau.

Am Mittwochnachmittag wurde von der Gewerkschaft und der Firmenleitung eine Schweigeminute ausgerufen. In fast allen Bahnhöfen wurde dem verstorbenen Zugbegleiter gedacht. Wie ich diesen Moment erlebt habe, habe ich in einem spontanen Blogpost „Schweigeminute im ICE“ beschrieben.

Am Donnerstag musste ich auch früh raus, mein Dienst begann allerdings eine halbe Stunde später, so das ich die erste S-Bahn nehmen konnte und nicht wie Mittwoch auf ein Carsharing Auto angewiesen war.

Doch die S-Bahn hatte ich beinahe verpasst, weil ich am Morgen zu viel Nachrichten zu dem Tod des Zugbegleiters gelesen habe… das Thema hatte mich gefesselt und hat auch irgendwie auf meine Stimmung gedrückt. Das war gar nicht gut. Ich musste echt mit meinen eigenen Gedanken kämpfen um nicht mit Angst oder Argwohn meinen Fahrgästen gegenüber zu treten.

Dabei möchte ich hier nochmal betonen: Ich persönlich hatte noch nie Probleme mit aggressiven Fahrgästen. Und wenn mal einer „scheiß Bahn“ oder „blöde Kuh“ sagt dann ist mir das wurst und ich beginne mit so jemand keine Diskussion. Über ein paar andere Herausforderungen mit Fahrgästen habe ich mal unter „Besondere Fahrgäste“ erzählt.

Am Donnerstag war ich nach Frankfurt und zurück mit dem Giruno unterwegs. Was es mit diesem schweizerischen Fahrzeug auf sich hat, habe ich unter „der Neue Giruno“ berichtet.

Hund und Katze zieren den „Familienwagen“ am Giruno. Wenn die Türe offen ist, kommt die süße Katze dem Hund näher und ich frage mich: sagt sein Blick „oh lecker, ich will Dich fressen“ ???

Am Freitag auch wieder eine frühe Schicht, die ich mit der ersten S-Bahn um 5:21 Uhr begann. Diesmal hatten wir den gleichen Zug nach Frankfurt, zurück, jedoch einen andern. Dadurch waren wir zwei Stunden früher zurück wie am Tag zuvor.

Du siehst wir haben immer Abwechslung, in den Uhrzeiten, Schichtlängen, Fahrzeugen, nichts ist immer gleich. Und in jedem Zug sind die Fahrgäste anders.

Auch trotz des schlimmen Vorfalls mit dem Kollegen Serkan macht mir mein Beruf als Zugbegleiterin im Fernverkehr große Freude und ich hoffe diesen auch noch einige Jahre durchführen zu können.

Gutgelauntes Selfie morgens kurz nach 5 Uhr. Es war kalt aber kein Frost und Schnee.


Das kommende Wochenende habe ich frei. Aber wir haben alle privaten Termine abgesagt, weil mein Freund mit einer Grippe im Bett liegt und ich selber auch etwas Ruhe brauche. In diesem Sinne ein schönes Wochenende.

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3 Kommentare zu „Hinter den Kulissen: Der Alltag einer Zugbegleiterin im Fernverkehr“

  1. Avatar von Martina
    Martina

    Liebe Uschi,
    wie Sie habe ich mit ü50 mein Berufsfeld noch einmal gewechselt und bin mit Begeisterung in einen neuen Bereich eingetaucht. Ich lese so gerne Ihre Blogbeiträge, man spürt mit welcher Freude Sie Ihren Job machen. Ich finde es sehr spannend, den Berufsalltag einer Zugbegleiterin kennenzulernen. Am interessantesten sind für mich die Einblicke in den Ablauf, die Techniken und wie alles funktioniert. (Der Beitrag über den Komfort-Check in ❤️). Ich freue mich über viele weitere Beiträge (z.B. was können diese kleinen „Kontrollgeräte“ bei der Fahrkartenkontrolle alles anzeigen, was macht eine Zugbegleiterin, wenn sie einen neuen Zug übernimmt, …).

    Ich fahre leider sehr selten mit dem Zug, aber wenn, dann Fernverkehr mit Begeisterung. Zur täglichen Arbeit fahre ich mit dem Fahrrad.

    Liebe Grüße aus München
    Martina

  2. Avatar von lutrabee
    lutrabee

    Liebe Uschi!
    Mit ein Grund warum ich mich nicht gleich bei dir gemeldet habe um über deinen Kollegen zu sprechen, war der Gedanke an deine mentale Gesundheit und, dass das Thema unterwegs mehr als präsent gewesen sein dürfte. Aus der Ferne lässt sich dann nur eingeschränkt Einfluss nehmen, aber ich bin froh, dass du dir am Wochenende eine kleine Auszeit nehmen kann. Wenn es auch schade ist, dass wir uns am Sonntag nicht sehen. So freue ich mich darauf den Rest der Sippe zu sehen.
    Ich mag es mir einbilden, aber … Eine meiner Angewohnheiten ist beim Buseinstieg den Fahrer zu grüßen, das hab ich in meiner Kindheit so gelernt und ich kann und will es nicht ablegen. Diese Woche grüßten alle Busfahrer zurück und hielten einen Moment Augenkontakt. Wie gesagt, es mag ein subjektives Empfinden sein. Vielleicht ist meine Sensibilität auch gerade auf einem extremen Hoch, aber diese Woche war kein einziger darunter, der den Blick abgewendet, oder überhaupt nicht reagiert hätte, meistens kam sogar ein Lächeln und ein Gruß zurück.
    Möglich, dass ich auch einfach nur Glück hatte. Busfahrer sind heutzutage auch oft mit Menschen konfrontiert, wo man sprachlos wird.
    Vor Jahren, nachgeschaut 2013, gab es in Kaiserslautern mal einen Zwischenfall mit sogenannten Dresdner Fußballfans, die Busse und die Menschen darin bedrohten und angriffen.
    Hoffen wir das Beste, tun wir das Mögliche, der Rest ist nicht in unseren Händen.
    Die Politik ist gefordert, genauso wie die Gesellschaft und die Arbeitgeber, hoffen wir, dass Serkan C. nicht in Vergessenheit gerät, wie so viele andere und endlich Bewegung zum Schutz vieler Arbeitnehmer kommt.
    Liebe Grüße
    Sabine aus KL
    P.S. Liebe Genesungswünsche an A.!

  3. Avatar von Regula Babajeza

    Ein gemütliches Wochenende wünsche ich dir. Ruhe muss auch mal sein. LG von Regula

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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