Auch wenn ich sonst eher positiv und begeistert über meinen Beruf Zugbegleiterin berichte, möchte ich heute mal über etwas ganz und gar trauriges schreiben. Lese hier wie ich die Schweigeminute im ICE erlebt habe.
Ein Kollege ist tot!
Ein Zugbegleiter im Nahverkehr wurde während seiner normalen Arbeit im Zug niedergeschlagen und ist später an seinen Verletzungen verstorben. Dieser junge Mann (36) hinterlässt zwei Kinder. Er hat einfach nur seine Arbeit gemacht. Offensichtlich hat er bei der Fahrkartenkontrolle einen Mann, der weder ein Ticket noch einen Wohnsitz in Deutschland besitzt, des Zuges verwiesen. Was sein gutes Recht war! Eigentlich hätte er auch gleich die Polizei rufen können, was allerdings meistens zu lange dauert und zu Verspätungen führt und sehr oft hauen dann solche „Schwarzfahrer“ einfach ab. Oft wird auf Polizei verzichtet, um den Betriebsablauf nicht zu stören. Es werden immer wieder Leute „laufengelassen“ weil man sich und der Polizei Arbeit und Ärger ersparen will. Doch vielleicht wäre der Kollege dann noch am Leben…
Ich weiß nicht, warum der Fahrgast ohne Ticket zugeschlagen hat.
Hat er nicht verstanden, was der Zugbegleiter von ihm wollte? Hatte er Angst vor ihm? Fühlte er sich bedroht? Hört er Stimmen? Ist der Geisteskrank? Hat er generell ein Aggressionsproblem? Und was hat dann so jemand in öffentlichen Verkehrsmitteln zu suchen?
Bundesweite Schweigeminute
Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft EVG hatten zu einer Schweigeminute am Mittwochnachmittag um 15 Uhr aufgerufen.
Nicht nur in Landstuhl wo der Angriff auf den Zugbegleiter stattgefunden hat, wurde dem Opfer in einer Schweigeminute gedacht.
Hier ein Bericht über Köln, Reaktion aus Nordbayern
Die EVG hat sogar einen Spendenaufruf gestartet
So habe ich die Schweigeminute erlebt:
Ich hatte in unserer Mittagspause in Köln schon von Kollegen davon gehört das der angegriffene Kollege seinen schweren Verletzungen erlegen ist und das zu einer Schweigeminute aufgerufen werden soll. Aber ich hatte mir noch keine Gedanken darüber gemacht wo ich zu dem Zeitpunkt sein würde.
Als ich um 14:55 Uhr gerade einer älteren Dame erklärte wie sie von Basel an ihr Reiseziel kommt, weil unser Zug wegen der erheblichen Verspätung früher endet, erschallte eine ungewöhnliche Durchsage. Den genauen Wortlaut weis ich nicht mehr , nur das wir um 15 Uhr eine Schweigeminute für den verstorbenen Kollegen machen. Ich sagte zu der Frau und den Fahrgästen drum herum: „Diese Frage beantworte ich noch, und dann mach ich 5 Minuten lang nix!“ und sie antwortete „Da haben sie Recht!“ Ich druckte ihre Verbindung aus, gab ihr wortlos den Ausdruck, sie nickte ebenfalls wortlos.
Um etwas Ruhe zu haben ging ich zur Türe, wir sollten ja sowieso gleich in Freiburg ankommen. Es folgten mir ein paar Leute die Aussteigen wollten… wortlos…
Dann die Durchsage: „in wenigen Minuten erreichen wir Freiburg, bis dahin möchte ich sie einladen mit uns in Gedenken an den verstorbenen Zugbegleiter zu schweigen“
Zahlreiche Personen holten ihre Koffer, zogen Jacken an, bewegten sich auf die Ausgänge zu… doch keiner sprach ein Wort. In meiner Hörweite… also mindestens die zwei ICE Wagons (je über 120 Sitzplätze) war kein gesprochenes Wort zu hören!
Der Zugchef Kollege hat ähnliches beschrieben.

Ich habe mich erdreistet und dieses Bild vom Facebook Account der deutschen Bahn kopiert. Ich denke das ist hier angebracht und erlaubt.








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