Diesen Beitrag habe ich damals vor meinen Berufswechsel nach 34 Jahren bei Galeria/Karstadt geschrieben. Danach habe ich einen Quereinstieg als Zugbegleiter im Fernverkehr bei der Deutschen Bahn gemacht.
Im Mai 2026 habe ich diesen Artikel etwas überarbeitet. Dabei vor allem Rechtschreibfehler beseitigt und meinen Satzbau verbessert. Inhaltlich ist er wie zuvor.
Ich habe gekündigt!
Nach über 34 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, meinen Arbeitgeber zu wechseln. Lange Zeit hätte ich mir das niemals vorstellen können. Doch die Angst vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust hat mich dazu gebracht, über Alternativen nachzudenken.
Jetzt wage ich tatsächlich einen beruflichen Neuanfang.

Einzelhandel ade
Ausgelöst durch die Insolvenz meines Arbeitgebers habe ich mir intensiv Gedanken darüber gemacht, welche beruflichen Alternativen es für mich überhaupt noch gibt.
Irgendwann wurde mir klar, dass es vermutlich wenig Sinn macht, einfach von einem großen Warenhauskonzern in ein kleines Fachgeschäft zu wechseln – auch wenn das viele Jahre lang mein Wunsch gewesen ist.
Doch in den letzten Jahren habe ich erlebt, wie viele Unternehmen verschwunden sind, bei denen ich früher gerne gearbeitet hätte. Manche davon existieren heute gar nicht mehr. Und auch die Arbeit im Einzelhandel hat sich stark verändert.
Mein Gedanke war vor allem:
Ich muss noch mindestens 15 Jahre arbeiten, bevor ich in Rente gehen kann. Und ich frage mich ernsthaft, welche Einzelhandelsunternehmen es in 15 oder 20 Jahren überhaupt noch geben wird.
Spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich unglaublich viel verändert. Und ich befürchte, dass weitere Krisen den stationären Einzelhandel noch stärker verändern werden.
Doch welche Alternativen gibt es eigentlich für eine Einzelhandelskauffrau?
Ich will eine berufliche Veränderung
Verkaufen liegt mir zwar bis heute im Blut, trotzdem wollte ich den Schritt wagen und beruflich noch einmal ganz neu anfangen.
Eines war mir allerdings von Anfang an klar:
Ich brauche einen Beruf mit Menschen. Den ganzen Tag allein im Büro zu sitzen oder an einem Fließband zu arbeiten, wäre nichts für mich gewesen.
Natürlich habe ich auch über Berufe im Pflegebereich nachgedacht, denn dort werden dringend Mitarbeiter gesucht. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass dieser Beruf nicht zu mir passt.
Ich helfe zwar gerne anderen Menschen, aber für den täglichen Umgang mit schweren Krankheiten und Pflegebedürftigkeit fehlt mir einfach die nötige seelische Stärke. Ich habe großen Respekt vor allen Menschen, die in der Pflege arbeiten, denn sie leisten unglaublich wichtige Arbeit. Aber ich merkte schnell:
Das wäre nicht mein Weg.
Besonders nachdenklich machte mich ein Gespräch mit einem Bekannten, der in einem Pflegeheim arbeitet. Er erzählte ganz sachlich von seinem Arbeitsalltag auf einer Station, auf der viele Bewohner ihre letzten Lebenstage verbringen.
Für ihn gehört es längst dazu, nach einem freien Wochenende zu fragen, wer inzwischen verstorben ist. Während er davon ganz nüchtern berichtete, wurde mir klar:
Damit könnte ich emotional nicht umgehen.
Brötchen verkaufen?
Da ich seit mehreren Jahren nebenbei in einem Bäckerladen arbeite, habe ich mich natürlich auch dort erkundigt, ob es eine Möglichkeit für mich gäbe.
Die Antwort war eindeutig:
Ich hätte sofort in Vollzeit anfangen können.
Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden.
Die Vorstellung, bis zur Rente hauptsächlich Brot und Brötchen zu verkaufen und dabei so wenig zu verdienen, dass man sich manche Dinge selbst kaum leisten kann, fühlte sich für mich nicht richtig an.
Außerdem dachte ich mir:
Im Bäckerladen arbeiten kann ich später immer noch – vielleicht irgendwann, wenn ich älter und nicht mehr so flexibel bin.
Aber jetzt wollte ich noch einmal etwas Neues wagen.
Etwas Spannenderes.
Spannende Aufgaben statt Stillstand
Nach langem Nachdenken bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass für mich die Zeit gekommen ist, beruflich noch einmal etwas Neues zu wagen.
Dabei war mir aber auch wichtig, dass ich weiterhin ein sicheres Einkommen habe. Ich bin schließlich nicht so abenteuerlustig, dass ich plötzlich auf einem Kreuzfahrtschiff anheuere.
Früher hatte ich tatsächlich einmal die Vorstellung, als Reiseleiterin oder Animateurin in einem Urlaubsland zu arbeiten. Doch heute bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich diesen Weg nie eingeschlagen habe. Dauernd Sommer, Urlaub und Partystimmung wäre auf Dauer vermutlich auch nichts für mich gewesen.
Trotzdem hat mich die Vorstellung immer fasziniert, dort zu arbeiten, wo andere Menschen unterwegs sind oder ihre Freizeit verbringen.
Und irgendwann hatte ich plötzlich das Gefühl:
Vielleicht habe ich tatsächlich den richtigen Beruf für mich gefunden. Irgendetwas zwischen „jeden Tag die gleichen Brötchen verkaufen“ und „arbeiten, wo andere Urlaub machen“.
In meinem neuen Beruf werde ich meine Sprachkenntnisse nutzen können. Ich werde mit Menschen arbeiten, ihnen helfen und jeden Tag neue Situationen erleben – ohne dabei pflegen zu müssen.
Mein Alltag wird abwechslungsreich sein, auch wenn gewisse Abläufe natürlich immer ähnlich bleiben.
Und vor allem:
Ich werde nicht mehr – wie mein früherer Chef einmal sagte – ständig um dasselbe Regal kreisen.
Mein Wirkungskreis wird plötzlich viel größer.
Unterwegs ist das Ziel
Zukünftig werde ich während meiner Arbeit unterwegs sein. Ich werde nicht mehr jeden Tag am gleichen Ort bleiben, wie ich es die letzten 34 Jahre gewohnt war.
Mein Arbeitsplatz wird sich bewegen – und ich mich mit ihm.
Unterwegs werde ich Menschen begegnen, ihnen helfen, sie beraten, kontrollieren und für ihre Sicherheit sorgen. Aber eines werde ich nicht mehr tun müssen:
ständig etwas verkaufen.
Ab dem 1. Juli beginne ich eine etwa zweimonatige Umschulung, in der ich alles lernen werde, was ich für meinen neuen Beruf brauche.
Danach wird sich mein Alltag komplett verändern. Ich werde in unterschiedlichen Schichten arbeiten und mich an einen völlig neuen Tages- und Wochenrhythmus gewöhnen müssen.
Ich habe mich für den Beruf als Zugbegleiterin im Fernverkehr entschieden.
Mehr über dieses Berufsbild werde ich bald in einem eigenen Beitrag erzählen.
Ich bin sehr gespannt auf meine neuen Aufgaben und freue mich auf alles, was vor mir liegt.
Und natürlich möchte ich auch diesen Blog weiterführen. In den kommenden Wochen werde ich noch klären, wie viel ich aus meinem neuen Berufsalltag überhaupt erzählen darf.
Das Foto in diesem Beitrag entstand übrigens bei einem kleinen Ausflug mit meiner Mutter. Freunde haben mich mit dem Auto zu ihr gefahren und gemeinsam sind wir ein Stück durch die Weinberge spaziert. Eine Bericht über einen Ahnlichen Ausflug findest Du unter „Urlaub zu Hause“.
Vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog





Kommentar verfassen