In den Sommerferien sind die ICEs, in denen ich arbeite, sehr voll. Es ist Hauptreisezeit. Überall sind Schulferien und somit sind vor allem viele Familien unterwegs. Familien mit kleinen Kindern sind dabei eine besondere Herausforderung. Die Kinder wollen oft nicht still sitzen bleiben, laufen in den Gängen hin und her, sind laut oder klettern gefährlich auf die Sitzlehnen.

Aber was uns Zugbegleiter momentan am meisten stresst, sind die Kinderwägen. Moderne Modelle werden immer größer und sperriger. Manche Eltern breiten sich damit im Zug sehr selbstverständlich aus. In einem fast leeren Zug ist das kein großes Problem. Aber jetzt in der Hauptreisezeit suchen oft hunderte Fahrgäste einen Sitzplatz. Da wird egoistisches Verhalten schnell anstrengend für alle Beteiligten.

Sicherheitsrisiko Kinderwagen

Dann ist es unsere Aufgabe einzugreifen und die Leute zu etwas mehr Rücksichtnahme auf andere Fahrgäste zu ermahnen. Dabei hört man oft Sätze wie „Aber es ist ein Kind“ oder „Ich brauche den Kinderwagen“. Das stimmt natürlich. Trotzdem müssen in einem vollen Zug auch alle anderen Fahrgäste noch irgendwie Platz finden.

Es gibt tatsächlich Eltern, die denken, sie könnten einfach in einen vollen Zug einsteigen und den Kinderwagen direkt an der Einstiegstüre stehen lassen. Oft mit dem Argument: „Das Baby schläft“. Vielen ist überhaupt nicht klar, dass gerade in sehr vollen Zügen jede einzelne Türe gebraucht wird. Alle Türen sind gleichzeitig auch Notausgänge und im Gefahrfall müssen dort innerhalb kürzester Zeit sehr viele Menschen den Zug verlassen können.

Ihr glaubt es nicht, wie viele Menschen behaupten, sie wüssten nicht, wie ihr Kinderwagen zusammengeklappt oder zerlegt wird. Ich frage dann manchmal scherzhaft: „Ach, Sie haben kein Auto?“ Und plötzlich fällt ihnen doch wieder ein, dass das Vehikel irgendwie in ihren Kofferraum passt. Also müsste es eigentlich auch möglich sein, ihn in einem ICE sachgerecht zu verstauen. Na also, geht doch.

Wenn man pro Schicht nur ein oder zweimal so eine Diskussion führen muss, ist das kein großes Problem. Doch wenn das in einem einzigen Zug sechs, acht oder sogar zehnmal Thema ist, beginnt es irgendwann zu nerven und es wird deutlich schwieriger, dabei freundlich zu bleiben. Gerade in den Sommerferien im ICE wird das zur Geduldprobe.

Fahrrad im ICE

Noch schlimmer sind Fahrräder. Im ICE dürfen nur acht Fahrräder mit Reservierung mitgenommen werden. Mehr dürfen wir in diesem Fahrzeug nicht transportieren, weil alle Gänge gleichzeitig auch Fluchtwege sind. Gerade im Juli und August sind diese Plätze oft schon Wochen im Voraus ausgebucht.

So leer wie auf dem Bild sind die Fahrradständer während der Ferienzeit selten.

Viele Fahrgäste verstehen gar nicht, warum Fahrräder im ICE reserviert werden müssen und weshalb zusätzliche Räder schnell zum Sicherheitsproblem werden können. Darüber möchte ich demnächst noch einen eigenen Beitrag schreiben.

Fahrradständer im ICE 412

Trotzdem versuchen immer wieder Leute ohne Reservierung mit dem Fahrrad in den Zug zu kommen. Besonders schwierig wird es, wenn ein anderer Zug verspätet ist oder ausgefallen ist. Viele denken dann, sie hätten automatisch ein Recht auf Mitnahme. Aber so ist es nicht. Dies kann zu einer Fahrpreisnacherhebung führen. Den Fahrgast selbst dürfen wir mitnehmen, selbst wenn der Zug bereits sehr voll ist. Ein zusätzliches Fahrrad dagegen oft nicht. Im schlimmsten Fall kann das sogar dazu führen, dass wir so nicht weiterfahren dürfen.

Der Hintergrund ist der: Im Notfall, wenn es brennt oder etwas Ähnliches passiert, kann sich ein Fahrgast ohne Sitzplatz normalerweise selbst in Sicherheit bringen. Stehen aber zusätzliche Fahrräder im Weg, können Menschen eventuell nicht schnell genug fliehen oder geraten in Panik, weil sie denken, sie kommen nicht mehr durch.

Wichtig ist dabei auch, dass die Fahrräder in den Halterungen stehen, wo sie hingehören. Nur so kann verhindert werden, dass sie sich bei einer Notbremsung lösen. Ganz problematisch wird es, wenn Fahrräder aneinander angeschlossen werden. Dann kann man sie im Gefahrfall nicht einfach schnell zur Seite schieben.

Dazu kommt, dass moderne E Bikes oft viel schwerer und größer sind als früher. Steht so ein Fahrrad im Fluchtweg, kann das sehr schnell zum Problem werden.

Sommerferien im ICE

Vielen Fahrgästen ist gar nicht bewusst, wie viel Aufmerksamkeit solche Situationen im Alltag verlangen. Gerade in der Hauptreisezeit muss man ständig mitdenken, beobachten, diskutieren und manchmal auch klare Grenzen setzen. Dabei geht es nicht nur um Ordnung im Zug, sondern oft tatsächlich um Sicherheit.

Wenn man mehrere Stunden lang fast ohne Pause unterwegs ist und ständig Trubel um sich herum hat, merkt man irgendwann selber wie anstrengend das werden kann. Umso wichtiger sind dann die kleinen Pausen zwischendurch.

So oder ähnlich können meine Pausen in einem der Pausenräume aussehen. Dieses Bild stammt aus einer Mittagspause . Ich weiß gar nicht mehr genau von welchem Tag es war, aber besonders heiß war es wohl noch nicht, denn ich trage Strumpfhosen.

Den eigenen Trinkbecher habe ich fast immer dabei. In manchen Pausenräumen gibt es nämlich nicht genügend Tassen. Mit dem eigenen Becher ist man auf der sicheren Seite und irgendwie fühlt es sich auch etwas heimeliger an.

Die Füße hochlegen ist übrigens ausdrücklich erlaubt und sogar empfohlen. Dafür stehen hier diese bunten Hocker bereit.

Je mehr Trubel vorher im Zug war, umso wichtiger ist es in den Pausen kurz abzuschalten. In solchen Momenten spiele ich manchmal einfach ein wenig am Tablet.

Das Bild ist schon zwei Jahre alt. Mittlerer Weile habe ich mir angewöhnt immer Strickzeug im Dienstkoffer zu haben, damit ich, wenn ich Lust dazu habe Socken stricken kann. Das Stricken entspannt mich sehr und es macht Spaß das dabei etwas schönes entsteht.

Auf diesem Bild siehst Du mich nach einem anstrengenden Arbeitstag im Zug beim Ausruhen zu Hause auf dem Balkon. Frische Luft, Beine hoch und endlich etwas Ruhe.

Das Buch auf meinem Schoß wurde von einer guten Freundin veröffentlicht. Mehr darüber findest Du unter „Wie wird man Autorin?“ oder „Wir Netzwerken“. Mittlerweile hat Martina auch eine eigene Webseite, die „Kreative Schreiberei“ heißt. Wenn Du gerne liest und Dich inspirieren lassen möchtest, schau doch auch einmal im „Karminroten Lesezimmer“ vorbei.

11 Kommentare zu „Sommerferien im ICE: Kinderwagen, Fahrräder und volle Züge“

  1. […] haben die Sommerferien begonnen und deshalb sind die Züge wieder sehr voll. Mehr dazu unter Sommerferien. Gerade in den Ferien sind die „Selten-Zug-Fahrer“ unterwegs die sich manchmal etwas […]

  2. […] Du noch mehr lesen magst über die Sommerferien im ICE oder „Warum braucht man eine Fahrradreservierung“ sieh Dir meine Beiträge dazu […]

  3. Avatar von Mareibianke
    Mareibianke

    Das ist gut zu wissen, danke!

  4. Avatar von Mareibianke
    Mareibianke

    Hast du selbst schon mal versucht, mit Fahrrad und Gepäck oder mit Kinderwagen im Zug zu reisen? Und dann ist der andersrum gereiht und du erfährst das erst im letzten Moment? Oder er hält spontan an einem anderen Bahnsteig?
    Dann hast du keine Chance deinen gebuchten Platz zu erreichen. Und den für dein Fahrrad eben auch nicht.
    Musst du am selben Tag noch ankommen, nimmst du halt einen anderen Zug. Wenn der gebuchte Zug pünktlich war, Pech für dich – Geld ist weg und du stehst noch immer am Bahnhof. Das sind dann so die Nöte von der anderen Seite aus betrachtet.

    1. Avatar von Uschi
      Uschi

      Wir warten regelmäßig am Bahnsteig auf Radfahrer die am falschen Ende standen. Denn wir sehen ja wenn jemand reserviert hat.

  5. […] Hier gehts zum Samstagsplausch der Vorwoche […]

  6. Avatar von Andrea Karminrot

    Übrigens, und das habe ich vergessen, dein Blog sieht so viel schöner aus!

  7. Avatar von Andrea Karminrot

    Über die egoistischen Eltern könnte ich ein Buch schreiben. Mir stellen sich sowieso immer schon die Nackenhaare auf, wenn ich sehe, wie sie ihren Kinderwagen auf die Straße schieben, um zu gucken, ob ein Auto kommt!
    Ich glaube, ich habe noch nie ein Rad im ICE mitgenommen. Ich fahre meistens mit den Regios, da findet sich immer ein Platz.
    Liebe Grüße und erhole dich gut
    Andrea

  8. Avatar von Unterwegs mit mir

    Beim Thema „Fahrrad“ im Zug hatte ich eine Diskussion mit einer Bekannten, die oft mit dem Rad und Zug unterwegs ist, extra eine Fahrradkarte kauft aber dann, aus den von Dir beschriebenen Gründen nicht mitgenommen wird. Was mus ich denn tun, damit ich mit meinem Fahrrad mitgenommen werde und wie setze ich das durch? Oft sind ja die Klappsitze von „Fußgängern“ und Kinderwagen belegt und versperrt.

    1. Avatar von Uschi
      Uschi

      Mein Text bezieht sich nur auf den ICE. Im Fernverkehr muss man für das Fahrrad einen Stellplatz reservieren und auch genau an den reservierten Platz stellen. Diese Plätze dürfen nicht durch anderes Blockiert werden.

    2. Avatar von Uschi
      Uschi

      Was Du beschreibst ist im Nahverkehr, da braucht man in der Regel keine Reservierung oder Ticket für Rad (es gibt regionale Unterschiede je nach Verkehrunternehmen). Fahrgäste und Kinderwagen haben vor den Fahrrädern Vorrang.

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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