Erfahre hier, wie man ganz einfach Armstulpen nähen kann. Diese Anleitung wendet sich auch an Nähanfänger. Auch ohne Schnittmuster kann man Armstulpen nähen.
Du brauchst kein großes Nähwissen, um dieses modische Accessoire zu zaubern. Auch der Zeit und Materialaufwand ist echt überschaubar. Ich bin überzeugt, dass mit dieser Anleitung auch Anfänger Armstulpen nähen können in weniger als einer Stunde.
Update im Februar 2025: Auch dieser Artikel stammt noch aus meiner Zeit vor meinem Berufswechsel zum Zugbegleiter. Damals war ich in der Stoffabteilung eines Warenhauses tätig und wurde oft nach Nähanleitungen für Anfänger gefragt. Die so entstandenen Anleitungen möchte ich weiterhin in diesem Blog auffindbar behalten.
Was Du brauchst um Armstulpen zu nähen:
- Nähmaschine
- Schere und Stoffschere
- Schneidekreide oder Kreidestift
- Ein A4 Blatt von etwas festerem Papier (es geht aber auch normales)
- Stecknadeln
- zwei Stoffe ca 25×50 cm
Welche Stoffe sind geeignet?
Für diese Anleitung eignen sich eher dehnbare Stoffe.
Als außenliegenden sichtbaren Stoff empfehle ich einen dicken Wollstoff, Fleece oder dicke Strukturjerseys. Als inneren Stoff sollte es was Hautfreundliches wie Baumwolljersey oder Viscosejersey sein. Es geht aber eigentlich jede Art von Materialgemisch, wichtig ist das es dehnbar ist.
Wenn der Stoff außen aus Wolle oder Polyacryl ist würde ich innen unbedingt zu einem Atmungsaktiven und notfalls Feuchtigkeitsabsorbierenden Material raten, denn sonst kommt man schnell darunter zum Schwitzen und das Tragen wird unangenehm.
Das Material in meinem Beispiel:
Das Rote ist dickes Wollgemisch, das eigentlich für Jacken und Mäntel gedacht ist. Würde man diesen Stoff direkt auf der Haut tragen könnte es gerade an der empfindlichen Haut an der Handgelenkinnenseite zu Jucken oder sogar Ausschlag kommen. Deshalb habe ich sie mit Baumwolljersey gefüttert.
Grüne Idee: Um Kosten und Rohstoffe zu sparen haben ich ein altes T-Shirt zerschnitten. Oft ist der Stoff von abgelegten Kleidungsstücken echt noch sehr gut, da wäre es schade diese wertvollen Materialien einfach weg zu werfen.
Der Graue Stoff mit den Zöpfen ist ein sogenannter Strukturjersey aus einer Mischung Polyacryl, Viskose und Polyester. Dieser lag preislich etwa bei 15-20€ pro Meter. Da wir aber nur eine kleine Menge benötigen relativiert sich dieser Preis. Am besten kaufst Du 25 oder 30 cm. Gefüttert habe ich diese mit dem Material eines ausgedienten Shirts aus Baumwolljersey.
So basteln wir das Schnittmuster
Unsere Zuschnitte müssen 22×23 cm groß sein. Und ich finde es am einfachsten, wenn man sich eine Schablone bastelt, dann ist das anzeichnen auf dem Stoff einfacher und man muss nicht ständig abmessen. Für ein paar Armstulpen brauchen wir ja 4 gleich große Stoffstücke. Warum 4-mal abmessen, wenn es auch mit einmal geht?

Schnittmuster aus A4 Blatt
Du nimmst ein normales A4 Blatt und schneidest von der Länge einen Streifen von 7 cm ab. A4 ist genau 22×29,7 cm groß. 29,7 cm ist fast das gleiche wie 30 cm… 7 cm ab bleiben 23. Aber wie ist das mit der Breite ?Wir brauchen doch 22 und haben nur 21cm breites Blatt.
Aus diesem Grunde hab ich mir auf meinem Blatt (Bild oben) plus 1 cm aufgeschrieben. Beim Stoffschneiden einfach an einer Seite 1 cm mehr Stoff stehen lassen… und wenn es mal 8 oder 12 mm sind, ist das auch nicht schlimm. Circa einen cm überstehen zu lassen traue ich auch jedem Laien zu. (Solltest Du das versehentlich vergessen, dann ist das auch kein Beinbruch, Deine Armstulpe wird dann nur einen cm enger. Wichtig ist, das alle 4 Stoffstücke gleich groß sind)
Beim Zuschnitt lege ich mein Blatt so auf, das die Schrift zu mir richtig ist. Dabei liegt der Stoff mit den Rippen längst bzw er ist quer gestickt. Er gibt also in die Richtung meiner Zeiger mehr nach als in die Höhe.
Solltest Du hier einen Fehler Machen und den Stoff versehentlich drehen ist das auch kein Beinbruch, die Armstulpe ist dann trotzdem tragbar!

So werden die Armstulpen genäht

Auf dem Bild oben seht ihr wie ich den Stoff mit den „schönen Seiten“aufeinander stecke. An der kurzen Seite, also da wo bei diesem Stoff die Zöpfe hinzeigen. (Anfängertipp: gemusterte Stoffe sind hier hilfreich)

Nähfüßchenbreit nähen. Für Anfänger empfehle ich allerdings den dickeren Stoff nach unten zu legen, weil das dann einfacher ist. Für die Naht kannst Du einen dehnbaren Stich verwenden (wenn vorhanden), aber ich denke das dies nicht nötig ist. Ich habe alles mit dem normalen Gradstich genäht.

Auseinander klappen und längst zusammen legen. Also der graue Stoff auf den grauen und der schwarze auf den schwarzen. Wie immer rechts auf rechts, das heisst die schönen Seiten innen.
Zusammenstecken. Aber Vorsicht!

Hier ist es wichtig das Du beim Zusammenstecken an der Naht beginnst. Das wichtige ist das die Naht auch wirklich auf die Naht trifft. Deshalb beginne hier mit der ersten Nadel. Auf diesem dickeren grauen Stoff brauchte ich nur 3 Nadeln, da er recht stabil ist und nicht so leicht verrutscht. Der andere Stoff, in Schwarz, ist da schon etwas diffiziler. Hier kannst Du mehr brauchen. Wieviele Stecknadeln Du verwendest hängt vorallem davon ab wie sicher Du den Stoff während des Nähens übereinander halten kannst.
Es gibt Profis die nähen dieses ganze Projekt ohne eine einzige Stecknadel, das soll aber nicht Dein Ziel sein. Wichtig ist nur das Dir nix verrutscht und Du nicht auftrennen musst.

Wir nähen diesen langen Schlauch der länge nach zusammen. Dabei mir dem dickeren Stoff beginnen, das ist für Anfänger einfacher. Beim Übergang von einem Stoff zum anderen langsam machen! Je nach Stoff und Maschine kann es hier etwas „haken“. Nicht in Hecktik geraden und nicht zu sehr ziehen. Eher mit den Fingern die doppelte Naht unter den Nähfuß schieben.
Die Stecknadeln kannst Du (vorausgesetzt Du hast sie wie in meinen Bildern quer zur Naht gesteckt) drin lassen und einfach drüber nähen. Dabei kann nix passieren, schlimmstenfalls macht es ein lauteres Knackgeräusch, wenn die Maschinennadel auf die Stecknadel trifft. Die Stecknadel wird aber einfach nur weg rutschen.
Apopos Geräusch, Es kann durchaus sein, das beim Übergang von einem zum anderen Material das Nähgeräusch plötzlich anders klingt. Das ist normal und braucht Dich nicht zu irritieren.


Jetzt krempelst Du diesen Schlauch um, aber nur so weit das der graue/rote Stoff aussen liegt und der schwarze innen drin steckt.

Der Schlauch wird nur so weit gewendet bis der Aussenstoff ganz glatt liegt. Folglich bildet sich oben ein schwarzer Rand.
Wenn Du willst kannst Du jetzt diesen Rand festnähen. Allerdings ist es nicht ganz easy. Wenn Du sehr unsicher bist darfst Du diesen Schritt weg lassen.

Für das untere Ende unserer Armstulpe gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten
Die Einfachst Lösung ist Du ziehst nun den inneren Stoff auf die gleiche Länge wie den äusseren. dabei darauf achten das sich der Rand nicht nach innen klappt (geht nur wenn der Aussenstoff fester ist als der innere) wenn das nicht klappt musst Du doch oben eine Naht setzten damit der Schwarze Rand so bleibt wie er auf dem Bild zu sehen ist.
Du ziehst also denn schwarzen Stoff gleich lang und steckst ihn fest. Dadurch staucht sich der äussere Stoff leicht, kein Problem, denn wir wollen ja das die Naht die wir jetzt machen später nach innen gezogen wird. Achte darauf das der innere Stoff nicht verdreht ist. Die Naht sollte auf die Naht des Außenstoffs passen.

Dieser Schritt ist das Schwierigste an dem ganzen Nähprojekt. Es ist etwas tricky mit den vielen Nadeln. Dennoch finde ich hier Stecknadeln viel praktischer als die kleinen Nähclips. Denn diese würden Dich jetzt noch mehr die Sicht nehmen.
Das schwierige ist, gerade zu nähen, und gleichzeitig darauf achten, dass Dir die Nadeln der oberen Hälfte nicht in die Quere kommen. Es muss verhindert werden, dass diese am Nähfaden hängen bleiben. Deshalb die Nadeln, die oben liegen weit hineinschieben und die unten, gleich übernäht werden, so weit herausziehen, dass das Köpfchen nicht unter den Nähfuß kommt.
Zweite Variante für den unteren Rand:
Ist Dein Stoff so weich wie mein grauer Außenstoff, dann empfiehlt es sich den unteren Rand zu säumen. Wenn Du schon gut nähen kannst, kannst Du hier einen korrekten Saum (mit zweimal einschlagen) machen. Für Anfänger (und für Faule wie mich!) reicht ein einfaches Einschlagen.
Beim Umstecken unbedingt darauf achten, dass der Stoff innen nicht verdreht ist, keine Falten macht und überall tief genug unter dem umgeschlagenen Außenstoff liegt.

Wichtig bei diesem Schritt, nicht huddeln auch wenn man meint es ist ja nur innen. Die Stoffe sollten gerade und faltenfrei zusammengesteckt werden. (wenn Du hier ne Falte einbaust wird die Stulpe am Arm zu eng und sieht nicht gut aus!)

Das Umnähen ist hier wieder etwas tricky. Ich würde in jedem Fall raten den Schlauch so in die Maschine zu legen und sozusagen von innen nach aussen zu nähen, umgekehrt geht zwar theoretisch auch, aber dann ist die gefahr das Du den Schlauch ungewollt zunähst zu groß.
Und schon ist Deine Armstulpe fertig!

Das ganze mußt Du natürlich zweimal machen, das klingt beim ersten Versuch so demotivierend… aber mir geht es so das ich erst nach dem zweiten Teil so richtig in Fahrt komme. Der zweite Versuch wird meistens schöner als der erste!
Mach doch aus dem Rest des Stoffs noch ein paar für Deine Freundin, Schwester, Mama, Tante, Oma…. Weihnachten kommt bald!

Vielen Dank für Deinen Besuch auf „unterwegsistdasziel.blog“. Wenn Dir meine Anleitung gefallen hat hinterlasse doch bitte eine einen Kommentar oder ein Like und gerne teile sie weiter um anderen beim Nähen lernen zu helfen.






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