Schienenersatzverkehr in Baden-Baden: Erfahrungen einer Zugbegleiterin

Längere Fahrzeiten

Aber offensichtlich hält das viele Menschen vom Zugfahren ab, denn es war überall nicht so viel los wie ich das gewohnt bin.

Ob diese fehlenden Fahrgäste nun andere Routen fahren oder stattdessen mit Auto oder Flugzeug unterwegs sind, weis ich nicht. Fakt ist auf der Strecke Karlsruhe-Basel sind momentan viel weniger Menschen unterwegs als gewohnt.

Umsteigen auf den Bus

Für viele Reisende ist das blanker Horror. Die Menschen haben, wenn sie lesen „Schienenersatzverkehr“ große Angst vor weiten Fußwegen, Treppen und überfüllten Fahrzeugen. Und im Nahverkehr trifft das ja auch häufig zu.

In der Regel werden „Schienenersatzbusse“ bis richtig voll gefüllt und fahren dann ab. Im Idealfall rückt dann ein weiterer Bus nach der die noch verbleibenden Fahrgäste aufnimmt. Doch die meisten Menschen haben große Angst nicht mehr wegzukommen und drängen lieber in einen vollen Bus mit hinein als auf den nächsten zu warten. Das ist auch oft so, wenn der zweite Bus schon hinten dran steht.

Die Leute sind völlig auf sich und den erstbesten Bus fixiert, das sie gar nicht wahr nehmen das da noch andere Fahrgäste sind und das man doch gemeinsam mit diesen in den nächsten Bus einsteigen könnte. Klassische Torschlusspanik, man muss unbedingt noch schnell rein, obwohl eigentlich schon zu ist.

Das führt dazu, dass solche Ersatzbusse manchmal wirklich total überfüllt losfahren, obwohl sie das eigentlich nicht dürften. Den Busfahrern ist das manchmal lieber als die Diskussion mit den Fahrgästen, die sie stehen lassen müssen.

Zeit einplanen!

Wenn in Deiner Zugverbindung steht, dass einen Schienenersatzverkehr eingeplant ist, dann sind die längeren Fahrzeiten der Busse gegenüber eines Zuges natürlich schon eingerechnet. Im Zeitalter der digitalen Fahrpläne ist das gar kein Problem mehr. Allerdings gibt es immernoch Fahrgäste, die selbst in so einem Fall an den gedruckten Fahrplan glauben. Und der kann ja nicht mehr funktionieren! Als dieser gedruckt wurde gab es die Sperrung noch nicht. Die abgedruckten Abfahrzeiten sind also veraltet.

Deshalb ist es so wichtig sich kurzfristig vor der Reise noch mal die genauen Verbindungsdaten im DB-Navigator oder auf der Webseite anzuschauen. Und dann ist da oft dieses Aha-Erlebnis „oh da hat sich was in meiner Fahrkarte geändert“. Ja ! Deine Verbindung kann sich ändern!!!

Wenn man unbedingt eine gedruckte Fahrkarte haben möchte, dann sollte man diese erst ganz kurzfristig ausdrucken, dann sind alle Änderungen darin eingerechnet. Und Abweichungen und Änderungen gibt es dieser Zeit sehr viele. Durch ganz viele Baustellen auf fast allen Strecken!

Auf meiner gestrigen Reise von Basel nach Dinslaken betraf mich das gleich mehrmals. Da ich nur noch mit dem DV-Navigator reise wusste ich das und konnte mich darauf einstellen.

Genug Zeit zum Umsteigen

Da ich aufgrund meines Berufes nun weis wie leicht es zu Verspätungen kommen kann, habe ich mir den DB-Navigator so eingestellt das ich für jeden Umstieg mindestens 15 Minuten Zeit habe. So kann ich gelassen bleiben, muss nicht hetzen oder gar rennen.

Im Falle meiner gestrigen Reise hat diese Einstellung dazu geführt, dass ich bei jedem Umstieg fast eine Stunde Luft hatte. Bei so schönem Wetter wie gestern ist das sehr angenehm. Bei 10 Grad Minus hätte ich die Verbindung anders gewählt.

So war es in Baden-Baden

Ich kam mit dem ICE von Basel an, und wie erwartet kannte ich die Kollegen, die diesen Zug begleiteten. Also quatschte ich erst mal ein Weilchen mit den Zugbegleiterinnen. Weil ich ja aus eigener Erfahrung wusste das diese dann gerade Zeit haben. Denn diese Schicht bin ich letzte Woche mehrfach gefahren. Lies dazu „zweimal Baden-Baden“.

Danach bin ich gemütlich zur Unterführung hinunter, allerdings habe ich den Koffer die Treppe runtergetragen. Ich habe auf den Aufzug verzichtet, weil ich wusste das man dann einem Umweg macht. Ich habe ja nur Klamotten für zwei Tage dabei, da muss ich nicht schwer tragen.

Die Unterführung ist sauber und schön gestaltet.

Der Fußweg ist am Boden markiert, eigentlich sehr klar und verständlich!

Der Knackpunkt ist das sich hier der Weg gabelt. Auf der einen Seite geht es zum Fernverkehr und auf der anderen Seite zum Nahverkehr. Für die Fahrgäste die das nicht unterscheiden können steht hier ein Mitarbeiter der den Leuten helfen kann.

Als ich da vorbeikam war ich mit ihm ganz alleine. Aber er hatte ein Megafon bei sich… vermutlich, weil er zu Stoßzeiten die Menschenmassen dirigieren muss.

Warten auf den Bus

Als ich an der Haltestelle an kam war ich viel viel viel zu früh! Zuerst sonnte ich mich etwas an die Hauswand gelehnt, doch weil ich zur Toilette musste kehrte ich im Coffee Fellows ein. Ja ich verzehrte dort etwas, denn ich finde es unanständig in so einem Lokal auf s Klo zu gehen und nichts zu verzerren. In dem Cafe gab es viele gemütliche Sitzplätze und sogar Tische im Freien wo man hätte rauchen können wenn man das will. Als ich dort war, war ich der einzige Gast.

Eine Familie die wohl nicht so schlau war saß dicht gedrängt auf einer Treppe und wartete in der prallen Sonne… was nicht notwendig war, denn es gab in der Halle und auf dem Bahnsteig (wenige Schritte entfernt) genug Sitzgelegenheiten im Schatten.

Für alle die es ganz eilig haben standen gegenüber auch zahlreiche Taxis bereit.

Ich aß mein leckerer Bagel und als ich den ersten Bus kommen sah, ging ich nach draußen. Ich war die zweite Person, die ihren Koffer in das Gepäckfach stellte und bestieg den gut klimatisierten Reisebus, als der noch fast leer war. Ich konnte mir aussuchen wo ich sitze. Erst sehr langsam füllte sich der Bus. Der Busfahrer und ein Ordner mit Warnweste zählten mehrfach die Passagiere. Prompt sprach eine Dame den Mitarbeiter an „wann fährt der Bus endlich los?“ Sie hatte Angst in Karlsruhe ihren Zug nicht zu kriegen! Ich konnte nicht anders als mich einmischen und sagte „lauf Fahrplan erst in 10 Minuten“ der Mitarbeiter korrigierte mit „wenn noch 8 Personen eingestiegen sind“ und so war es auch. Man lies exakt so viele Leute wie Sitzplätze da sind einsteigen. Zwei Personen die ihren Koffer schon in den Gepäckraum geladen hatten aber noch rauchend neben dem Bus standen hatten Pech, sie mussten ihr Gepäckstück wieder rausholen und zum nächsten Bus gehen. Der Bus fuhr 3 Minuten vor der geplanten Zeit.

Hinter uns standen 4 Reisebusse bereit um weitere Fahrgäste aufzunehmen. Als wir weg fuhren konnten wir sie kurz sehen. Einige Busladungen Menschen kamen jetzt gerade von dem Bahnsteigen.

Das waren sicher alles Fahrgäste die in ihrer Verbindung „5 Minuten Umstiegszeit“ eingegeben haben und sich nun wundern warum sie sich beeilen müssen.

Ich dagegen hatte eine halbe Stunde zuvor so viel Zeit, dass ich Selfies machen, Kaffeetrinken, zur Toilette gehen konnte… Da hinter mir wo das Absperrband ist standen später die Leute Schlange.

Bus nach Karlsruhe

Während der Busfahrt hatten wir ganz kurz Blick auf die unterbrochene Bahnlinie, auf den Schienen konnte man Bagger erkennen.

In Karlsruhe sprangen einige Fahrgäste schon auf bevor der Bus stand, weil sie Angst hatten ihren Zug nicht rechtzeitig zu erreichen… dabei war der Bus 10 Minuten zu früh am Zielbahnhof !!!

Der Fußweg am Südeingang des Karlsruher Südbahnhof war nicht weit und eigentlich auch verständlich, aber nicht ganz so penetrant beschildert.

Die Gepäckentnahme hat eigentlich gut funktioniert, ich wusste ja das mein Koffer zuerst drin war und deshalb andere Packstücke davor liegen würden, also ließ ich anderen Fahrgästen den Vorrang, damit ich danach in Ruhe an meinen Koffer komme. Ausgerechnet der ältere Herr der seinen Koffer vor mit reingeladen hatte, machte am Bus etwas Panik von wegen „sein Koffer sei weg!“ er regte sich auf und rannte mehr fach nach rechts und links, weil er auch nicht mehr wusste, auf welcher Seite er ihn eingeladen hatte… Der Busfahrer beruhigte ihn mit „warten Sie bis die anderen weg sind“. Und siehe da, sein Koffer verblieb als Letztes in der Mitte des Gepäckraumes, andere Gepäckstücke hatten ihn einfach nur nach hinten geschoben.

Ich fand die Situation bei dem ein und Ausladen der Gepäckstücke als entspannt und normal, aber ich bin ja auch schon öfter Flixbus und ähnliches gefahren und kann damit umgehen. Offensichtlich ist das nicht bei jedem Fahrgast so.

Pünktlich und entspannt

Ich empfand den „Schienenerstatzverkehr“ zwischen Baden-Baden als entspannt und gut organisiert. Den meisten Stress machen sich die Fahrgäste selber, weil sie nicht wissen, wo sie hin müssen. Doch die Wegweiser sind ja eigentlich klar. Und die Wegzeiten sind auch alle so berechnet das auch langsamere Menschen es schaffen können.

In meinem Falle hat der Umstieg auf den Bus für mich eine Stunde mehr Reisezeit ergeben. Aber das finde ich wirklich nicht so dramatisch.

vielen Dank für Deinen Besuch auf unterwegsistdasziel.blog

3 Kommentare zu „Schienenersatzverkehr in Baden-Baden: Erfahrungen einer Zugbegleiterin“

  1. […] mehr darüber wissen willst, wie das mit „Schienenersatzverkehr“ laufen kann, ließ Dir „Schienenersatzverkehr in Baden-Baden“ […]

  2. […] natürlich mit dem Zug und war ein weiteres Mal vom Schienenersatzverkehr betroffen. Anders als bei „Schienenersatzverkehr ab Baden-Baden“ mussten wir dieses Mal bereits in Achern auf Busse umsteigen. Aber auch das klappte ganz gut. Der […]

  3. […] fuhr ich am Mittwoch schon nach Dinslaken. Dabei war ich diesmal selber als Fahrgast vom Schienenersatzverkehr in Baden-Baden betroffen. Weil in den Medien so negativ darüber berichtet wurde, habe ich einen Blogpost mit […]

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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