Diese Woche war für mich wieder eine „normale Arbeitswoche“. Aber was ist schon normal. In meinem Beruf als Zugbegleiter im Fernverkehr geht es selten so zu wie bei allen anderen.
Doch nahezu normal begann meine Woche am Montag mit einem Schichtbeginn um 8:20 Uhr. Das fand ich ganz human, um wieder hineinzukommen. Denn nach Krankheit und Urlaub waren 4 Wochen vergangen, nach der letzten Schicht.
Ich hatte mich sogar richtig auf die Arbeit gefreut, auf das unterwegs sein und auf die Fahrgäste. Wie meistens begann mein Dienst damit, dass wir erst mal zum Schweizer Bahnhof mussten. Alles begann ganz ruhig und normal. Doch dann stand plötzlich mein Gruppenleiter vor mir. Zum 1.7. hatte es einen Wechsel bei den Führungskräften gegeben, das wusste ich. Und ich wusste auch, dass rein zufällig mein bisheriger und mein zukünftiger Gruppenleiter ein und dieselbe Person ist. Also dachte ich mir, dass sich für mich nichts ändert. Seine genaue Tätigkeit hat sich jedoch verändert und er soll uns nun viel mehr bei der täglichen Arbeit beobachten und coachen. Also kommt er nicht nur ein, zweimal im Jahr zu uns auf den Zug, um uns zu prüfen.
Am Montag stand er dann plötzlich da, erklärte mir die neue Situation und bat mich einfach normal weiterzuarbeiten, er würde mir dabei etwas über die Schulter gucken.
Diese Situation hat mich aber überhaupt nicht gestresst. Ich war vom Urlaub entspannt und ausgeruht und freute mich auf meine Fahrgäste, was ich offensichtlich auch ausstrahlte. Denn der Vorgesetzte hat mich danach gelobt. „Man würde merken, dass ich die Menschen liebe“. Ein schöneres Kompliment kann man mir gar nicht machen, ich hab mich über dieses Feedback extrem gefreut.
Dementsprechend beflügelt ging ich in die Arbeitswoche.

Zweimal nur bis Mannheim
Am Montag und Dienstag ging es jeweils nur bis Mannheim. Das ist nicht sonderlich weit, aber ich finde es angenehmer dort „Mittagspause“ zu machen als in Frankfurt. Am Dienstag war das allerdings schon um 8 Uhr morgens, denn ich hatte bereits um 5 Uhr Dienstbeginn.

Das bedeute für mich um 3:30 Uhr aufstehen und mit Fahrrad zur Arbeit fahren, denn es verkehrt so früh noch keine S-Bahn. Und morgens um 4 oder 4:30 Uhr lautlos durch die laue Morgenluft zu gleiten, während die ersten Vögel zwitschern… total schön!
Und dann noch die Gewissheit, ich habe heute schon etwas für meine Gesundheit getan. Das tut gut.

Dieses Bild ist während der Zugfahrt entstanden. Sonnenaufgang irgendwo zwischen Basel und Offenburg. Das ist noch ein Grund warum ich Frühschichten so sehr mag. Ich finde es jedes Mal faszinierend, wenn man „in den beginnenden Tag hinein fährt“. Und wenn im Zug noch nicht so viel los ist hab ich auch hin und wieder die Chance einen Sonnenaufgang zu sehen.
Technisch ist es total schwierig davon ansehnliche Bilder zu machen, denn die Innenbeleuchtung reflektiert sich in der Fensterscheibe, welche oft zerkratzt oder schmutzig ist.
Durch die Geschwindigkeit entstehen dann manchmal eigenartige Effekte wie hier an dem Mast der in zwei Teilen erscheint. Wenigstens die interessante Lichtsituation an den Wolken hat mein Handy realistisch eingefangen.
Mittwoch nach Zürich
Am Mittwoch musste ich ähnlich früh los. Nur in die ganz andere Richtung. Meine Schicht beinhaltete zuerst eine Gastfahrt mit dem Nahverkehr bis Schaffhausen. Also von 5:30 – 7 Uhr nur so:

Zugegeben, es gibt Schlimmeres. Dieses Paar Socken ist diese Woche Dank der vielen Gastfahrten fertig geworden.
Zwischen Schaffhausen und Zürich sollte ich in 4 verschiedenen IC-Zügen den gastronomischen Service übernehmen. Also während einer Schicht 2-mal nach Zürich und zurück. Die größte Herausforderung ist dabei die kurze Fahrzeit, in 38 Minuten alles kontrollieren, vorbereiten, Kaffee machen, verkaufen, alles wieder aufräumen und abrechnen… und alles ganz alleine. Beim ersten Mal fand ich das stressig, doch mit der Zeit bekommt man Routine und man kann sich alles so einteilen, dass man es ohne Hektik schafft. Im Moment hadere ich noch am meisten mit den zwei verschiedenen Währungen, theoretisch bräuchte ich Wechselgeld in Euro und Schweizer Franken, aber welcher Betrag da sinnvoll ist, darin muss ich noch wachsen.
Ein weiterer Knackpunkt ist der grenzüberschreitende Verkehr und dass die Informationen zwischen SBB und DB nicht immer so klappen. Was dazu führt, dass Züge wohl zwischen Singen und Schaffhausen plötzlich „verschwinden“, während die eine App sagt, der Zug sei in Singen losgefahren, sagt die andere App „Zug fällt aus“. Da bin ich dann kurzfristig „lost in translation“ und stehe am Bahnsteig und warte auf die durchsage ob der Zug oder nicht. Manchmal kommt diese wenn man den Zug schon sehen kann. Und selbst da kann man nicht sicher sein, dass es nicht plötzlich „der Zug endet hier“ heißt.
Aber dann reagiere ich genauso gelassen wie die Schweizer Fahrgäste und gehe stattdessen auf die S-Bahn nach Zürich. Also meine Hauptaufgabe ist es, meine Arbeitskraft dort hinzubringen, wo sie hoffentlich gebraucht wird.
Und danach wieder 1,5 Stunden Nahverkehrszug (auf deutscher Seite) nach Basel (Zeit zum Sockenstricken)
Donnerstag nur nach Karlsruhe
Am Donnerstag hatte ich eine Ersatzschicht, weil meine Übernachtungsschicht anders vergeben wurde. Ich sollte nur nach Karlsruhe und zurück, und selbst das ist uns wegen eines Unfalls bei Freiburg nicht gelungen. Wir standen über eine Stunde lang am Bahnsteig der Breisgaumetropole und kurzfristig ging in beide Richtungen gar nichts. Währenddessen war meine Aufgabe die vielen Fragen der verwirrten Fahrgäste zu beantworten.
Wir kamen viel zu spät in Karlsruhe an und erreichten dann gerade noch einen späteren Zug wo wir dem vorhandenen Team halfen. Unter anderem musste ich eine ältere Dame beruhigen die sich versehentlich in der Toilette eingesperrt hatte und nicht mehr wuste wie die Türe auf geht. Schließlich überredete ich sie mehrfach auf und zu zuschließen und irgendwann kriegte sie es hin. Die Türe war technisch in Ordnung, klarer Fall von Fehlbedienung.
Am Donnerstag nach Frankfurt
Am Donnerstag hatte ich eine Frühschicht nach Frankfurt und zurück. Hin hat alles gut geklappt, doch unser Zug zurück ist komplett entfallen und wir hatten die Anweisung einfach nur „Gastfahrt nach hause“ zu machen. Leider war der nachfolgende Zug so voll, dass in Mannheim eine Teilräumung gemacht werden musste.
Teilräumung
Wenn ein ICE extrem überbesetzt ist, darf er nicht mehr fahren. Beim Baureihe 412 dürfen pro Wagen maximal 60 Personen stehen. Sind es erheblich mehr, wird eine sogenannte Teilräumung gemacht. Das heißt ,die Fahrgäste werden über Durchsage gebeten, auf andre Reisemöglichkeiten auszuweichen. Manchmal hilft ja schon die Information, dass in soundsoviel Minuten der nächste Zug kommt. Auch die Information das die Tickets für alle nachfolgenden Züge gültig sind kann helfen. Aber diesmal hatte alles das nichts genutzt.
Dann gibt es für diejenigen, die freiwillig aussteigen „Reisegutscheine im Reisezentrum“, die genaue Höhe dieser Gutschrift kann variieren. Aber das kann je nach Situation bis zu 30 € sein. Wie viel und für wie viele Reisende es diesmal gab, kann ich leider nicht sagen. Aber ich weiß das diejenigen, die ausgestiegen sind später viel angenehmer und stressfreier gefahren sind als die Fahrgäste im überfüllten Zug. Wenn Du also mal in der Situation bist, das ein Zug zuuu voll ist, wenn es nicht gerade der allerletzte an dem Tag ist, ist es immer schlauer auf den nächsten zu warten.
normale Woche?
Eine erlebnisreiche Arbeitswoche liegt hinter mir. Und ich denke, ich könnte sie als relativ normal bezeichnen. Denn in meinem Beruf ist es immer spannend und abwechslungsreich.
Jetzt freue ich mich über ein „langes Wochenende“, denn ich habe Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag frei.








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