Sich eine positive Haltung bewahren

In meinem heutigen Samstagsplausch möchte ich das Thema von Andrea von Karminrot übernehmen. Unter „lass mal Lächeln“ beschreibt sie das es manchmal schwerfällt trotzdem zu lächeln

Von ihr als Krankenschwester wird erwartet, dass sie für die Patienten auch mit einem Lächeln da ist. Und genau das brauche ich auch in meinem Beruf als Zugbegleiterin. Doch auch in fast allen anderen Berufen mit viel Menschenkontakt ist der Gesichtsausdruck ein wichtiges Detail.

Es wird erwartet dass, die Dienstleister mit Kundenkontakt freundlich gucken, aber woher nimmt man die Kraft dazu?

Sonnenuntergang am Bahnhof Müllheim

Woher kommt das Lächeln?

Die menschliche Mimik ist eine der grundlegendsten Kommunikationsformen. Wir lernen Gesichtsausdrücke lesen bevor wir Worte verstehen oder gar sprechen können. Ein Kleinkind reagiert darauf, ob die Mama lächelt oder bös guckt. Und auch später lesen wir viel mehr Gestik und Mimik der Person gegenüber als uns bewusst ist. Manchmal merken wir einer Person an das irgendwas nicht stimmt wenn diese lügt oder unehrlich ist. Wissen aber oft gar nicht woran. Und viel zu oft interpretieren wir „der mag mich nicht“ hinein.

Dabei liegt das Dilemma ja eher daran das viele Menschen das „freundlich gucken“ komplett verlernt haben. Und deshalb im Normalzustand einen „unzufriedenen Flunsch ziehen“. Die wenigstens denken darüber nach wie sie damit auf ihre Umwelt und auf einzelne Situationen wirken.

Lächeln brauch Kraft und Interesse

Manchen Menschen sind andere Menschen schlicht egal. Diese Leute glauben nur mit sich selbst zufrieden sein zu können und die anderen Leute stören nur. Was aber unserer ursprünglichen Natur widerspricht, der Mensch ist ein Rudeltier und braucht seine Artgenossen. Und mit diesen müssen wir nonverbal kommunizieren können, auch mit Lächeln oder einem netten Blick.

Aber um „freundlich gucken“ zu können oder zu Lächeln brauchen wir Kraft, irgendwas was uns motiviert oder etwas das uns glücklich macht. Ein Mensch der zu Depressionen neigt, findet nur schwer Gründe zum Lächeln.

Spiegel der Seele?

Das klingt sehr kitschig und pathetisch, aber es ist wahres dran. Wenn unsere Seele belastet, verletzt und irgendwie kaputt ist, spiegelt sich das auch in unserem Gesichtsausdruck wider. Wenn man Angst hat, fällt freundlicher Blick viel, viel schwerer.

Selbstverständlich gibt es eine riesige Bandbreite an Schauspielerei, die so mancher bis zur Perfektion beherrscht. Freundliche und immer lachende Menschen können auch innerlich sehr kaputt sein, weil sie einfach nur gelernt haben, wie wichtig das Lächeln für unser Überleben ist.

Auch mir fällt an manchen Tagen das Lächeln schwerer als sonst. Wenn es zum Beispiel dunkel und kalt ist, ich schlecht geschlafen hab und in meinem privaten Umfeld ist grad was Trauriges passiert. Ein kleines Beispiel: „Der November hat mich kalt erwischt“.

Lächeln ist meine Waffe

Früher als ich noch Verkäuferin im Warenhaus war, war Lächeln und nett sein ein wichtiger Teil meines Berufes. Denn damit ist das verkaufen erheblich leichter. Meine Leistung wurde an den Verkaufszahlen gemessen. Und wenn ich mal einen Tag nicht so gut gelaunt war, war das nicht ideal. Aber auch nicht schlimm. Im schlimmsten Falle hatte ich einen verärgerten Kunden, der nicht wieder kommt.

In meinem heutigen Beruf als Zugbegleiter im Fernverkehr. Wird mir immer mehr bewusst wie wichtig es ist das ich mit dem richtigen Gesichtsausdruck den Fahrgästen begegne.

Ein kleines Beispiel: Wenn der ICE in den Bahnhof einfährt, stehe ich im Idealfall innen an der Türe. Auf dem Bahnsteig bildet sich schon eine Menschentraube um die Türe und alle gucken in meine Richtung. Ich weiß, sie sehen nicht mich, sondern gucken nur die Türe an, weil sie warten, dass sie aufgeht. Die Gesichter sind meistens ernst oder eher gestresst. Die Türe geht auf und ich stehe zwei stufen höher lächle und trällere ein freundliches „Guten Morgen“ oder „Hallo zusammen“ und schon verändern sich die Gesichter. Von „ups da steigen welche aus“ bis hin zu „oh da ist jemand, ich brauche ganz schnell eine Fahrkarte“ kann ich in dem Moment alles lesen… doch die meisten verändern binnen Sekundenbruchteile ihren Gesichtsausdruck. Sie schauen nicht mehr den Zug an ,sondern einen Menschen der sie begrüßt.

Ein Lächeln und ein Wort kann eine Situation sekundenschnell verbessern.

Eine Waffe?

Spätestens seit dem Vorfall Anfang Februar, als ein Zugbegleiter Kollege von einem Fahrgast totgeschlagen wurde, mache ich mir tiefere Gedanken über meine Verteidigungsmöglichkeiten. Wir haben keine Waffen, Pfefferspray oder sonstiges um uns im Gefahrfall zu verteidigen. Denn bisher war dies auch nie nötig.

Aber was ich habe um aggressive und gefährliche Situationen zu verhindern sind meine Menschenkenntnis, meine Körpersprache und mein Lächeln!

Nach meinem Informationsstand war einer der Punkte warum die Situation mit dem verstorbenen Zugbegleiter so eskaliert ist, die Tatsache das der Täter ihn überhaupt nicht verstanden hat. Vielleicht hätte ein Lächeln und die Polizei rufen die Tat verhindert.

Seit dem Vorfall habe ich mir vorgenommen zu allen nett und freundlich zu bleiben, auch wenn es sich ganz offensichtlich um Schwarzfahrer oder Betrüger handelt. Wenn es möglich ist mache ich freundlich lächelnd eine Fahrpreisnacherhebung. Wenn das nicht geht, gehe ich weg und rufe die Polizei. Ich diskutiere mit niemandem.

Woher nehme ich die Kraft zum Lächeln?

Nicht immer fällt ein Lächeln leicht, aber ich entscheide mich jeden morgen neu dazu. Mein Ziel ist es meine tägliche Arbeit freundlich und mit einer positiven Haltung zu beginnen. Und diese auch bis zum Schluss der Schicht zu bewahren.

Aber wie gelingt mir das?

Mir ist klar, dass ich dabei Hilfe brauche, denn aus eigener Kraft geht das nicht immer. Ich bitte meinen Schöpfer um Unterstützung dabei, indem ich jeden morgen innerlich ein kleines Gebet spreche „Hilf mir freundlich und geduldig zu bleiben“.

Jesus Christus gab uns das wichtigste Gebot: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst“. In mein Berufsleben übersetzt verstehe ich das für mich so: Ich liebe meine Fahrgäste, die eine Fahrkarte haben und anständig sind. Und wenn das nicht der Fall ist, schütze ich mich selbst (also Selbstliebe), in dem ich trotzdem nett und freundlich bleibe.

Ich muss nicht auf „Rechthaben“ bestehen und Schwarzfahrern nonverbal zeigen „das darfst Du nicht“. Wenn das jemand nicht weiß, kann gerne eine Rechnung oder eine Anzeige der Bundespolizei dies vermitteln.

Ich kann lächeln weil:

  • Ich weiß, dass ich geliebt bin, egal wie sich die Person mir gegenüber verhält
  • Ich weiß, dass Gott für mich ist (Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir mangeln)
  • Ich weiß, dass ich meinen Beruf liebe , weil die meisten Fahrgäste nett sind nur hin und wieder ein A… dabei ist.
  • Ich weiß, dass ich vor gewaltsamen Übergriffen von Fahrgästen geschützt bin (wenn Gott für mich ist, wer soll gegen mich sein)
  • Ich mir selber immer wieder kleine Oasen der Ruhe suche/ schaffe.

Ich weiß, das dies für einige Leser etwas abgehoben klingt. Aber ich glaube daran. Ich bete vor jeder Schicht um Schutz und Bewahrung. Und ich bin überzeugt, dass das wirkt.

Wenn Du diesbezüglich Fragen hast, darfst Du mir gerne eine E-mail schreiben.

Ein nicht ganz so vorteilhaftes Selfie während der Arbeit, am Frankfurter Hauptbahnhof. Es zeigt leider meinen kleinen „Schönheitsfehler“ an meinen Schneidezähnen.

Mit diesem Text nehme ich am Samstagsplausch teil, welcher zusätzlich beim Karminroten Lesezimmer verlinkt wird.

4 responses to “Sich eine positive Haltung bewahren”

  1. […] meinem heutigen Samstagsplausch möchte ich das Thema von Andrea bei Karminrot übernehmen. Letzte Woche war es das „Lächeln“, diesmal der […]

  2. Avatar von Regula

    Mir fällt auf, dass der Kondukteur bei Schwarzfahrern eigentlich überhaupt nichts macht, sicher keinen Druck. Die Leute zeigen ihren Ausweis, der Kondukteur schreibt was auf und fertig. Vermutlich kommt die Allgemeinheit via Wohngemeinde für die Fahrkosten des Mitreisenden auf.
    Dein Schutzplan wäre auch meiner. Liebe Grüsse von Regula

    1. Avatar von Uschi
      Uschi

      Das was er aufschreibt ist die Adresse und an die erfolgt eine Rechnung über mind. 60€. Manchen Leuten ist das egal, weil sie das nicht verstehen/ kapieren und ihnen nicht klar ist das man bei vielen solcher Vergehen irgendwann als „vorbestaft“ gilt

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

Folge mir auf diesen Wegen:

Entdecke mehr von Unterwegs ist das Ziel

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen