In meinem Beruf Zugbegleiterin komme ich immer wieder mal an Orte wo ich zuvor noch nie war. Diese Woche war es wieder so weit. In meinem Dienstplan erschien ein Bahnhof, bei dem ich erst mal fragen musste „Wo ist das denn?“
In der Regel erscheinen ungewohnte Bahnhöfe nur dann in unserem Dienstplan, wenn irgendwo die Strecke wegen geplanten Bauarbeiten gesperrt ist. Und genau das ist dieses Jahr häufig der Fall. So kam es auch das wir kürzlich paarmal in Rottweil Mittagspause machen mussten. Denn die ICs die Sonst von Zürich nach Stuttgart fahren mussten wegen Bauarbeiten dort enden. Nicht ideal, denn in Rottweil gibt es keinen geeigneten Pausenraum für uns jedes Mal essen gehen will man ja auch nicht.
Ich persönlich habe mich in Rottweil für „Pause im stehenden Zug“ entschieden. So ist die Sache eigentlich nicht gedacht. Aber an den zwei Tagen wo es mich betroffen hat, war das Wetter nicht sonderlich einladend, um in Rottweil spazieren zu gehen.
Ich fahre nach RRZ?
Genau auf dieser Strecker erschien nun schon wieder eine Abkürzung in meinem Dienstplan auf die ich mir zuerst keinen Reim machen konnte.
Für den Außenstehenden muss ich nun erklären das in unseren Dienstplänen Bahninterne Abkürzungen erscheinen, die auf historischen Entwicklungen der Eisenbahn basieren. Denn ursprünglich gab es ja ganz viele einzelne Eisenbahnen, die erst später zusammen gelegt wurden.
So zum Beispiel war die Eisenbahngesellschaft Hannover älter als die in Hamburg. So wurde der Buchstaben H an Hannover vergeben und HH ist heute noch der Hauptbahnhof in Hannover. Weil das H als Anfangsbuchstaben schon vergeben war hat Hamburg das A bekommen. Darum heißt der Hauptbahnhof in Hamburg AH. Also Autokennzeichen HH hat den Bahnhof AH. Klingt verwirrend, aber wenn man das System mach verstanden hat, kann man aus längeren Abkürzungen gut Ableiten, wo dieser Bahnhof dazu gehört.
Mein Heimatbahnhof ist Basel Badischer Bahnhof. Wir gehören zu der ehemaligen Eisenbahngesellschaft Karlsruhe. Aber der Buchstabe K war bereits vergeben an Köln. A hat ja Hamburg schon und deshalb wurde der dritte Buchstabe vergeben. Das R aus Karlsruhe. Deshalb heißen wir in Basel RB. Dies ist jedoch nur die Bezeichnung für den badischen Bahnhof der zum deutschen Hoheitsgebiet gehört. Der Schweizer Bahnhof in Basel heisst DB-intern: XSB. Das x bezeichnet einen Bahnhof im Ausland, das S steht für Schweiz und B ist dann Basel.
Stuttgart hat übrigens das T erwischt und so kam es das ich laut Plan von TS nach RRZ fahren sollte. In der Regel ist das gar kein Problem herauszufinden, wo der Zug hinfährt. Ich gebe die Zugnummer in meine Bahninterne App ein und es zeigt mir den ganzen Zuglauf mit allen Bahnhöfen mit normalen Städtenamen und auch der Bahninternen Abkürzungen. Nicht so bei meinem Zug gestern. Denn offiziell schien er in Singen zu enden. Aber warum ist denn meine Schicht länger?
Für die Fahrgäste endet die Fahrt in Singen und der Zug wird aber weiter bis nach Radolfzell gebracht, um das Gleis in Singen für einen nachfolgenden Zug freizumachen. Laut Dienstplan sollte ich den Zug bis zum „Pausenbahnhof“ wo das Fahrzeug und der Triebfahrzeugführer Pause machen, begleiten. Na toll, mein erster Gedanke war „gibt es in RRZ einen ordentlichen Pausenraum?“. Nunja das weiß ich bis heute nicht. Aber ich weiß nun, das der Bahnsteig wo der Zug abgestellt wurde, in Sichtweite des Seeufers ist.
Pause in Radolfzell
Ich wohne nun schon mein Leben nur etwa 200 km entfernt, aber über Radolfzell wusste ich bisher kaum etwas, nur das es am Bodensee liegt. Um genau zu sein, am Untersee, einer der beiden „Finger“ auf der westlichen Seite des Bodensees.
Wenn ich bisher den Bodensee besucht habe, war ich meistens am „oberen Finger“ bei Überlingen, Meersburg und Friedrichshafen unterwegs. An dieser Ecke war ich schon lange nicht mehr.
Als Kind haben wir mal Ferien auf dem Bauernhof auf der schweizerischen Seite des Untersees gemacht. Aber da hatte ich noch keine wirkliche Orientierung.

Nur wenige Schritte vom Bahnhof Radolfzell erreicht man die Strandpromenade oder wie hier auf dem Bild den kleinen idyllischen Yachthafen.

Noch sind die Bäume an der Strandpromenade kaum belaubt. Aber bis in wenigen Wochen kann man hier mit Blick auf den See im erfrischenden Schatten flanieren. Hier gibt es zahlreiche Bänke und Sitzmöglichkeiten. Sogar Sonnenliegen direkt am Wasser.

Kaum hatte ich die Unterführung des Bahnhofs Radolfzell verlassen, sah ich am Ufer eine Figur und dachte zuerst „Badet dort schon jemand“ aber nein die Statue bewegt sich nicht.

Die lebensgroße Figur „el Nino“ des Künstlers Ubbo Enninga zeigt uns eindrucksvoll wie der Wasserstand des Bodensees aktuell ist. Auf der Webseite von Radolfzell findest Du Bilder dieser Statue wo es wirkt als würde er auf dem Wasser stehen oder gar Schwimmen.
Im Hintergrund kann man die Strandpromenade erkennen.

Wunderschön hier, so kann man eine Mittagspause gut verbringen. Mit einem Kaffeebecher aus dem Zug hab ich mich hier erst mal auf einen Stein gesetzt und die Aussicht genossen.
Danach habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht und die Umgebung begutachtet. Also, selbst wenn Du nicht viel Zeit hast, oder nicht gut zu Fuß bist lohnt sich ein Besuch hier.
Erreichbar ist Radolfzell mit dem RE 3 aus Basel oder mit dem IC von Stuttgart bis Singen und dort nochmal paar Minuten mit der S-Bahn. Beides übrigens mit dem Deutschlandticket machbar.

Spaziergang in Radolfzell
Direkt an der Strandpromenade findet man diese Konzertmuschel, die von weitem aussieht wie ein Segel aus Glas und Metall. Ich habe mich für diesen seitlichen Blickwinkel entschieden, weil man zwischen den Bäumen meinen „Arbeitsplatz“ erkennen kann. Der nur hier geparkte IC nach Zürich.

Hätte man ein Handtuch dabei könnte man hier auch auf der Wiese Sonnen oder die Füße im Bodensee abkühlen. Aber noch finde ich es zu frisch dafür. Wobei hier schon die ersten Kinder am Wasser gespielt haben.
Doch ich hatte weder eine Decke noch ein Handtuch dabei, sondern meinen Arbeitsrucksack mit meinem Mittagessen. Du siehst, ich trage meine ganz normale Dienstkleidung. Schließlich war ich ja während meiner Arbeitszeit hier. Alle Leute um mich herum waren auf einem Wochenendausflug und ich ganz normal bei der Arbeit. Das sind so Momente wo ich meinen Job echt liebe. Alle anderen müssen dafür bezahlen an solche Orte zu kommen… und ich verdiene dabei mein Geld.
Nochmal Radolfzell
Am heutigen Sonntag habe ich noch einmal eine kurzfristige Baustellenschicht. Denn meine ursprünglich geplante Fahrt findet nicht statt. Was mich jedoch freut, heute Abend geht es nochmals nach Radolfzell und ich hoffe auf ein paar Sonnenuntergang Bilder. Vielleicht habe ich ja Glück und das Wetter macht mit.
Zuvor treffe ich mich auf einen Kaffee mit meiner Schwester in Stuttgart (Wochenend-Schichten haben oft unangenehm lange Pausen). Wenn Du keine Bilder von meinem Tag vermissen willst folge mir auf Facebook oder Instagram.
Dieser Beitrag wird als Samstagsplausch bei Andrea von Karminrot und im karminroten Lesezimmer verlinkt.





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