Der Begriff „digitales Handtuch“ beschreibt die neue „Belegt-bis-Anzeige“ an den Sitzplatz-Displays im ICE. Diese gibt es erst seit einigen Monaten und nicht jeder Fahrgast kann damit richtig umgehen. Deshalb möchte ich heute mal das digitale Handtuch im ICE aus der Sicht einer Zugbegleiterin beleuchten.

Auf diesem Bild siehst Du, das dieser Sitzplatz einem Fahrgast gehört der bis Essen fährt. Dieser hat entweder den „Komfort check-In“ benutzt oder er wurde durch eine Fahrkartenkontrolle auf diesem Platz „eingecheckt“. Hier liegt also ein ‚“digitales Handtuch“.
Wie der „Komfort-check-in“ genau funktioniert und welche Vorteile Du davon hast und wie Du ihn richtig nutzt, findest Du auch in meinem Beitrag: „Was bringt der Komfort-Check-In ?“ Ich kürze im folgenden Text auf KCI ab.
Digitales Handtuch auslegen?
Die Belegt-bis-Anzeige soll nicht nur anderen Fahrgästen signalisieren, dass der Sitzplatz vergeben ist. Denn die Hauptfunktion für uns Zugbegleiter ist die, dass wir daran erkennen, dass der Fahrgast auf diesem Sitz entweder selbst mit KCI eingecheckt hat oder bereits einem Kollegen oder Kollegin seine Fahrkarte gezeigt hat.
Aber genau das funktioniert nicht, wenn die betroffenen Fahrgäste den KCI falsch nutzen:
Mir begegnen bei der Fahrkartenkontrolle immer wieder Fahrgäste die sagen sie hätten sich bereits über den KCI eingecheckt. Doch dann stellt sich heraus das sie gar nicht auf dem eingecheckten Platz sitzen. Entweder haben sie sich in der Wagen oder Platznummer vertan oder noch schlimmer sie haben sich in dem geplanten Zug eingecheckt und sitzen wegen einer Verspätung in einem anderen Zug. Das bringt dann selbstverständlich überhaupt nix.
Ganz im Gegenteil, durch eine Fahrkartenkontrolle kommt dann heraus das der Fahrgast wo ganz anders fährt als angegeben. Da niemand gleichzeitig in zwei Zügen sitzen kann, könnte man in so einem Fall einen Betrugsversuch unterstellen.
Du darfst Deinen Sitzplatz mit Deinem digitalen Handtuch, nämlich Deiner gültigen Fahrkarte gerne markieren, solltest Dich aber möglichst in der Nähe aufhalten. Mal kurz zur Toilette oder ins Bordrestaurant ist kein Problem. Aber wenn Du stundenlang nicht an dem markierten Platz bist, wird der Check-in vom Zugbegleiter gelöscht.
Bei einer Fahrkartenkontrolle sieht der Zugbegleiter, ob Du Dich irgendwo eingecheckt hast und wenn dies sehr unplausibel ist kann er Dich darauf ansprechen.
Lustige Missverständnisse mit dem digitalen Handtuch
Immer wieder komme ich zu Fahrgästen, die sich auf dem Platz neben ihnen eingecheckt haben. Meistens ist das, weil einem nicht sofort klar ist welche Sitznummer nun am Fenster ist oder nicht. Die Idee dadurch zu verhindern das sich jemand neben einen setzt, ist genauso fies wie die eigene Jacke hinlegen und sagen „die Person kommt gleich wieder“. Generell gilt: jeder Fahrgast hat nur das Recht auf einen Sitzplatz.
Genauso oft kommt es vor das Jemand gegenüber von dem eingecheckten Platz sitzt, dafür habe ich Verständnis wenn der Zug einen Fahrtrichtungswechsel gemacht hat und die Person nicht gerne rückwärts fährt. Allerdings sollte auch hier spätestens, wenn es so voll wird das sich dort jemand anderes hinsetzt der KCI geändert werden.
Noch häufiger wundern sich Fahrgäste das sie nicht kontrolliert werden, obwohl auf dem Platz jemand eingecheckt ist. Den Leuten ist nicht klar, das sie so virtuell einem Fremden ihre Fahrkarte überlassen. Deshalb mein Tipp check Dich nur ein, wenn Du wirklich sicher bist das Du es richtig machst.
Neulich bei der Fahrkartenkontrolle hatte ich einen fast leeren Wagon vor mir. Doch hier waren mindestens 10 Personen eingecheckt, die gar nicht da waren. Da sie alle den gleichen Start und Zielbahnhof hatten vermute ich eine Reisegruppe, die sich falsch eingecheckt hat. Vermutlich hat mal wieder jemand Sitzplatzreservierung und KCI verwechselt und falsch verstanden.
Ein weiterer häufiger Aberglaube ist, das man sich vorsorglich, bevor man im Zug ist einchecken kann, um den Platz freizuhalten. Das funktioniert NICHT!
Denn ein Fahrgast, der auf dem Sitz sitzt, schaut nicht noch einmal auf das Display, er wundert sich höchstens warum er nicht seine Fahrkarte zeigen muss.
Beim Flugzeug sollst Du vor dem Einsteigen einchecken. Aber im Zug bitte erst, wenn Du auf dem Platz sitzt. Denn es könnte ja sein das sitzt nebendran ein Reisender mit einer hässlichen Nase, extremen Körpergeruch oder schreienden Baby. Du kannst zwar während der Fahrt den KCI einmal ändern. Doch die wenigsten wissen, wie das geht.

Sind sie das „grüne Männchen“?
Das ist eine Frage die ich hin und wieder einem Fahrgast stelle, der alleine an einem 4er-Tisch sitzt und auf einem der anderen drei Plätze ist jemand eingecheckt. Reagiert die Person mit „ich bin auf Platz XY“ eingecheckt ist alles okay. Weiß er aber gar nicht was ich meine, dann möchte ich seine Fahrkarte sehen.
Dahinter steckt das bei mir auf dem Handy die Sitzplätze, auf denen jemand eingecheckt ist grün unterlegt sind. Im Idealfall sitzen die Fahrgäste entsprechend meiner „grünen Punkte“. Normalerweise klappt das ganz gut. Doch wenn es sehr voll und belebt ist, und ich während der Fahrkartenkontrolle mich umdrehen und ausweichen muss wird es manchmal etwas mühsam mich in dem Sitzplan richtig zu orientieren.
Ein Tag mit dem digitalen Handtuch
Wenn ich morgens (oder mittags oder abends) meine Schicht beginne, buche ich mich zunächst mit meiner Funktion in den Zug ein. Ich lese mir die internen Nachrichten und Störungsmeldungen durch und nachdem mich der Zugchef in meinen Bereich eingeteilt habe schaue ich mir diesen in der Zugkarte an.
Ist der Zug gerade erst gestartet erscheinen dort noch nicht viele grüne Sitze. Doch schon wenige Minuten nach der Abfahrt ploppen die ersten KCIs auf. Manchmal dauert dies auch einige Minuten. Das ist auch ein Grund, warum ich selten sofort mit der Fahrkartenkontrolle beginne.
Außerdem wollen die Fahrgäste auch erst mal im Zug „ankommen“.
Steige ich allerdings unterwegs während der Schicht in einen Zug, der schon länger unterwegs ist, dann sind viele Fahrgäste ja schon länger da und dementsprechend sind mehr Sitzplätze grün markiert. Bei der Fahrkartenkontrolle spreche ich dann nur nicht eingecheckte Fahrgäste an.
Oder solche die mit einem Ausrufezeichen markiert sind. Das sind dann Fahrgäste, die ich nochmals kontrollieren soll, entweder weil ich Alter oder Bahncard kontrollieren soll oder manchmal auch Veranstaltungsticket oder ähnliches. Neulich sollte ich sogar bei einem Bundeswehr-Ticket bestätigen, das die Person die Uniform trägt.
Manchmal sitzt dort dann auch gar keiner, also ist das jemand der sich im falschen Zug eingecheckt hat. In so einem Fall könnte ich salopp gesagt bestätigen das dieser Fahrgast den Intelligenztest nicht bestanden hat.
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Umgang mit dem digitalen Handtuch
Am Ende ist das digitale Handtuch eigentlich eine gute Idee, nur funktioniert sie eben nur dann wirklich, wenn sie richtig genutzt wird. Der Komfort Check-in soll Abläufe vereinfachen und uns im Zug unterstützen, sorgt aber im Alltag oft für Verwirrung, weil viele Fahrgäste nicht genau wissen, wie er gedacht ist. Wenn Du Dich einfach erst dann eincheckst, wenn Du wirklich auf Deinem Platz sitzt, und ihn auch wieder freigibst, wenn Du länger weg bist, hilft das allen im Zug ein Stück weiter.
Denn genau wie mit den lästigen Handtüchern auf den Liegen am Pool, man sollte keinen Platz blockieren, den man nicht wirklich nutzt.
Ein weiterer ähnlicher Beitrag ist „Lohnt sich eine Sitzplatzreservierung“
Hier gehts zum Video Peterle Sky erklärt das digitale Handtuch






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