Samstagsplausch: Erlebnisse einer Zugbegleiterin in turbulenter Woche

Diese Woche kann ich wieder pünktlich meinen Samstagsplausch verfassen, den ich wie gewohnt bei Karminrot in der gleichnamigen Linkparty verlinke.

Diese Woche verlief leider nicht ganz so, wie ich das erhofft hatte. Mit meinem Text „Diese Woche brauche ich keinen Wecker“ habe ich wohl zu sehr den Tag vor dem Abend gelobt. Eigentlich bezog sich meine Überschrift auf die Spätschichten…

Montag

Mein Dienstplan sah eine Fahrt nach Frankfurt Hbf vor, dort eine normale Mittagspause und dann wieder am Stück zurück bis Basel SBB. Eigentlich schon Routine… aber wir kamen nicht weit.

In Freiburg mussten wir länger stehen bleiben, weil es auf dem Streckenabschnitt zwischen Freiburg und Offenburg einen Unfall gegeben hatte, bei dem ein Fahrzeug an eine Brücke gefahren ist und diese beschädigt wurde. Ob das nun eine Brücke war, über die der Zug fährt oder eine, die unsere Trasse überquert, weiß ich nicht. Fakt ist der Zugverkehr war kurzfristig komplett angehalten, weil erst geprüft werden musste wie schlimm der Schaden ist.

Das führte dazu, dass wir erst mal „auf unbestimmte Zeit“ in Freiburg am Bahnsteig standen. Ein Zustand, den die Fahrgäste verständlicherweise gar nicht mögen. Meine Aufgabe war es die Fahrgäste zu beruhigen und zu informieren… letzteres fällt schwer wenn man selber keine Info hat.

Da für den Folgetag ein Streik angesagt war, wurden ein paar Leute, die noch bis Berlin wollten, schon sehr nervös!

Nach etwa 30 Minuten wurde dann bekannt, die nachfolgenden Züge fahren dürfen, wir jedoch nach Basel zurückfahren. Unser Zug bekam eine neue Zugnummer und verkehrte als Ersatz für einen Zug auf der anderen Seite der Unfallstelle und dieser als unser Ersatz. Dies bedeutete für unsere Fahrgäste, die weiter in Richtung Norden wollten, dass sie aussteigen und auf den nächsten Zug warten mussten. Wer seine Reise abbrechen möchte konnte im Zug bleiben und mit zurück nach Basel fahren.

Zurück in Basel gingen wir (Zugchef und ich) erst mal in die Dienststelle und machten dort „Bereitschaft“ bis klar ist ob, wie und wo wir unserer „Folgeleistung“ also dem Zug von Frankfurt zurück nach Basel entgegenfahren würden. In solchen Fällen muss die Verkehrsleitung das geplante Personal auf den Zügen umdisponieren. Und diesmal war dies besonders spannend da um 22 Uhr der Streik beginnen sollte und deshalb möglichst viele Mitarbeiter wieder in ihrer Dienststelle sein sollten.

Wir hatten Glück und wir mussten nur bis Karlsruhe fahren, um dort unseren ursprünglich geplanten Zug zu übernehmen. Ich persönlich hatte also trotz des Chaos pünktlich Feierabend.

Dienstag

Die GDL hat mal wieder den Personenfernverkehr bestreikt und es gab wiedermal nur einen Notfahrplan. Alle Zugbegleiter, die nicht zufällig auf den wenigen verkehrenden Zügen eingeteilt waren, mussten ihre Dienstzeit in der Dienststelle „absitzen“ … Wie schon am Freitag zuvor durfte ich von 13:00 – 19:30 Uhr nur rumsitzen. Diesmal habe ich dafür sogar eine Spielesammlung mitgebracht und stundenlang mit einem Kollegen Halma gespielt.

Der Streik nervt und Zugbegleiter im Fernverkehr auch enorm. Denn die Zugausfälle bedeuten für uns entweder Ausfallzeiten oder Stress. Wir sind es den direkten Kontakt mit den frustrierten Fahrgästen haben. Zwar können wir durch gezielte Informationen die meisten Situationen entspannen, aber es ist schon ein erheblicher Mehraufwand und je öfter gestreikt wird umso nerviger. Ich hoffe, dass bald eine Einigung gefunden wird!

Mittwoch bis Freitag?

Leider wurde meine Woche ab da nicht mehr spannender! Denn ich hatte schon am Dienstag Halsschmerzen und bissel Kopfschmerz… ich schob das zuerst aber auf Langweile und Demotivation.

Doch in der Nacht kam dann Schüttelfrost und Ohrenschmerzen dazu, sodass ich am Mittwoch erst mal zum Arzt bin, der mich krankgeschrieben hat. Obwohl ich kein Fieber hatte, ging es mir zwei Tage richtig mies. Erst am Freitag hatte ich sogar so viel Energie, mich um meine Pflanzen zu kümmern, so habe ich endlich mal meine Agaven umgetopft. Wobei mir jetzt klar geworden ist, dass eine davon in Wahrheit eine Aloe Vera ist.

Wochenende?

Planmäßig habe ich heute, Sonntag und Montag frei, aber ich kann das Wochenende nicht wirklich genießen, sondern konzentriere mich darauf, wieder fit zu werden. Also viel Ruhe und Entspannung. Und ich hoffe sehr, dass es ab Dienstag dann endlich wieder „normal läuft“.

Da war die Woche wo ich in Duisburg übernachtet habe aber weit interessanter. Lies hier wie ich die „Schönste Strecke Deutschlands“ gegleitet habe.

2 Kommentare zu „Samstagsplausch: Erlebnisse einer Zugbegleiterin in turbulenter Woche“

  1. Avatar von Andrea Karminrot

    Ich kann mir vorstellen, dass die Fahrgäste überhaupt nicht amüsiert sind. In dieser Situation stelle ich mir deinen Job gar nicht lustig vor.
    Ich hoffe diese Woche war besser!
    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Avatar von Uschi
      Uschi

      Es gibt hin und wieder Situationen wo wir Zugbegleiter der Puffer sind für die Frustration der Fahrgäste. Aber das war für mich früher im Einzelhandel auch so, da haben mir schon Käufer Geräte um die Ohren gehauen a la „Sie sind schuld das das Ding Kaputt ist“. Mit sowas lernt man umzugehen und man weis ja das die Leute hin und wieder einfach „abkotzen“ müssen… Aber der liebe Gott hat mich ja mit zwei Ohren geschaffen, in eines rein und aus dem anderen raus… ich muss mir solche Kritik zu Herzen nehmen. „Scheiss Bahn“ oder „Scheiss Laden“ greift nicht mich persönlich an. Insgesamt macht der Job als Zugbegleiter echt Spaß… blöde Momente gibt es auch in allen anderen Berufen.

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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