Zug zum Karneval

Zug zum Karneval

Karneval ist für uns Zugbegleiter im Fernverkehr ein wichtiges Thema. Letztes Jahr habe ich über meine Erfahrungen als Zugbegleiter während des Karnevals unter Samstagsplausch „Karneval“ geschrieben. Denn die Züge Richtung Köln und Umgebung sind momentan richtig voll. Und die Fahrgäste, die zum Karneval fahren sind, ganz ähnlich wie Fußballfans. Manchmal etwas „anstrengend“.

Dieses Jahr gehe ich privat allen Fasching, Fasnacht oder Karnevals-Veranstaltungen aus dem Weg. Zum einen, weil mir diese „fünfte Jahreszeit“ überhaupt nicht liegt und zum anderen, weil ich mich eher auf die Konzerte danach freue. Dazu später mehr.

Gruppen im Zug

Zu Karneval reisen viele Feierwütige als Gruppe an und nicht immer haben diese eine entsprechende Sitzplatzreservierung. Wenn 10-20 Leute zusammensitzen wollen, wird das ohne entsprechende Reservierung sehr schwierig. Aber auch mit, kann dies oft zu Verwirrung und Verzögerungen beim Einstieg führen.

Meistens wollen diese Gruppen gemeinsam einsteigen und drängen sich alle in die gleich Türe. Denn oft hat nur einer die Fahrkarte und den Überblick über die Reservierungen. Wenn aber gerade aus dieser Türe vorher viele Leute aussteigen, kann dies allein schon zu verspäteter Abfahrt führen. Meine Aufgabe als Zugbegleiterin im Fernverkehr ist es dann auch, solche einen Knuppel zu verhindern. Ich versuche dann meistens einzelne Reisende zu bitten woanders einzusteigen. Doch leider wird das selten richtig verstanden.

Die meisten Menschen wollen in der Mitte des Zuges einsteigen und möglichst wenig laufen. Dabei realisieren sie nicht, das es weit einfacher ist neben dem Zug bis zur nächsten Türe zu gehen als später im überfüllten Wagen durch die Sitzreihen zu drängeln.

Nicht selten stößt meine Warnung „in diesem Wagen sitzt eine große Gruppe“ auf Unverständnis. „Wieso? Ich will hier jetzt rein“. Das man sich ein Eigentor schießt, wenn man sich durch feiernde und singende Partypeoples hindurchdrängen muss, realisieren die wenigsten.

Eine Reisegruppe in Karnevalslaune ist nicht nur laut, sondern wie bei Schülergruppen auch oft, sie stehen ständig im Gang rum und laufen hin und her. Willst Du dann mit Deinem Koffer durch den Mittelgang, brauchst Du Durchsetzungskraft und eine laute Stimme. Denn alkoholisierte Menschen, die sich gerade unterhalten, merken nicht, dass sie im Weg stehen.

Mein Job ist es dann durch die Gänge zu turnen und diese für verzweifelte Platzsuchende freizubaggern!

Nicht selten sieht das dann so aus, dass ich laut brüllen muss „Achtung!, Vorsicht! Wegda! Gangfrei machen!“ Stehen mir saufende Männergruppen im Weg rum rufe ich auch mal „Tuuut Tuut“ und im Extremfall kommt auch mal meine Trillerpfeife zum Einsatz.

Mit Karneval-Fans macht das ganze dann auch noch etwas Spaß. Gestern hatte ich Teletubbies, Meerjungfrauen, Tick-Trick und Track und Krümelmonster im Zug.

Koffer an der Türe

Je voller ein Zug ist, desto eher neigen Fahrgäste mit vielen Koffern dazu, diese an der Türe stehenzulassen. Und genau das stellt ein Problem da. Im Übergang an den Türen darf kein Gepäck stehen, denn dieses würde im Notfall den Notausstieg blockieren.

Leute mit großen Koffern haben selten Lust auf feiernde Karnevalisten und deshalb würden sie lieber mit ihrem Gepäck im Türbereich stehen bleiben. Aber genau umgekehrt wäre eigentlich besser, die Personen mit den Koffern in die Mitte des Wagens und die viel flexibleren Saufkumpanen an die Türen wäre im Gefahrfall eigentlich viel sicherer.

Doch was sicher ist oder nicht, interessiert beide Personengruppen nicht wirklich. An solchen Tagen wie diese Woche, (Freitag und Samstag ganz extrem) versuchen wir Zugbegleiter die Ordnung und Sicherheit einigermaßen aufrechtzuerhalten, während wir im ganzen Zug hin und her laufen und dabei immer wieder Fahrgäste zurechtweisen müssen. Dazu benutze ich 3 verschiedene Sprachen und oft noch Hände und Füße.

Und dazwischen beantworten wir hunderte Male die Frage „wo gibt es freie Sitzplätze?“ . Aber wer so fragt will dann oft die Antwort gar nicht hören „Am Ende des Zuges im Wagen 1-3 ist noch vieles frei“.

Bitte benutzen Sie die gesamte Länge des Zuges

Seit dem Fahrplanwechsel gibt es an vielen großen Bahnhöfen eine zusätzliche Bandansage „Bitte benutzen Sie zum schnelleren Einstieg die gesamte Zuglänge“. Ich persönlich habe den Eindruck, dass diese Ansage absolut nichts nützt. Die Menschen verstehen nicht, was gemeint ist. „Verteilt Euch auf dem Bahnsteig“ wäre vielleicht hilfreicher.

Regelmäßig knuppeln sich hunderte Menschen in der Zugmitte und beschweren sich am besten noch bei uns der Zug sei sooooo voll und ich muss ihnen dann antworten „Wagen 1-4 sind fast leer“.

Meine Ausgleichsgymnastik

Nach so turbolenten Fahrt mit sehr vielen Fahrgästen freue ich mich dann mich in einem Pausenraum zurückziehen zu können und einfach etwas die Füße hochzulegen. Dieses Bild ist auch diese Woche entstanden, als ich etwas mehr Aufenthalt in Mannheim hatte. Meine persönliche Ausgleichsgymnastik ist Sockenstricken. Dabei kann ich sehr gut abschalten und es entsteht dabei etwas Schönes.

Im Oktober und November hatte ich das „Backen als Ausgleichsgymnastik“ entdeckt.

Zufällig auch Mannheim, da war grad ekelig kalter Wind

Solch ruhige Momente wie hier im Giruno waren diese Woche allerdings selten.

Vorfreude auf zwei Konzerte

Kommende Woche freue ich mich auf zwei Konzertbesuche in Mannheim und Bonn. Es geht wieder zu Nino de Angelo. Aber am meisten freue ich mich das mein Freund mich zu beiden Terminen begleitet und wir so gemeinsam reisen. Natürlich machen wir das mit dem Zug und ich werde hier auf unterwegsistdasziel.blog darüber berichten.

Dieser Beitrag wird als Samstagsplausch bei Karminrot und im Lesezimmer verlinkt.

2 Kommentare zu „Zug zum Karneval“

  1. […] Es ging zu einer Übernachtungsschicht in Düsseldorf (das Beste daran, das Hotel ist direkt im Bahnhof) . Eine Woche vor Karneval … Du kannst Dir denken ,dass da viel los war. Mehr dazu unter „Mit dem Zug zum Karneval“. […]

  2. […] Zug zum Karneval […]

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ich bin Uschi

Meine Leidenschaft „unterwegs sein“ habe nun endlich durch einen Quereinstieg zu meinem Beruf gemacht. Mit über 50 habe ich einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier im Blog berichte ich von meinen Leben als Zugbegleiterin im Fernverkehr, meinen Konzertreisen und allem was mich sonst noch so bewegt.

Da ich mich auch gerne mit Handarbeiten beschäftige, findest Du auf meiner Seite auch einige Handarbeits-Anleitungen aus verschiedenen Bereichen.

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